Annie Ernaux

 3.6 Sterne bei 22 Bewertungen
Autorin von Die Jahre, Sich verlieren und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Annie Ernaux

Annie Ernaux wurde 1940 in Lillebonne in der Normandie geboren. In ihrer Kindheit und Jugend lebte sie in sehr einfachen Verhältnissen mit ihrem Vater zusammen, der als Fabrikarbeiter und Cafébesitzer arbeitete. Sie studierte und wurde Studienrätin. Ihr Hauptwerk ist autobiografisch geprägt und erzählt in drei Bänden über ihre Mutter, ihren Vater und schließlich über sich selbst. Ernaux orientiert sich hierbei an einer soziologischen Sichtweise, besonders beeinflusst von Pierre Bourdieu.

Neue Bücher

Erinnerung eines Mädchens
Erscheint am 26.10.2018 als Hörbuch bei Der Audio Verlag.
Erinnerung eines Mädchens
Neu erschienen am 02.10.2018 als Hardcover bei Suhrkamp.

Alle Bücher von Annie Ernaux

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Annie ErnauxDie Jahre
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Die Jahre
Die Jahre
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Erschienen am 11.09.2017
Annie ErnauxSich verlieren
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Sich verlieren
Sich verlieren
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Erschienen am 01.12.2004
Annie ErnauxGesichter einer Frau
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Gesichter einer Frau
Gesichter einer Frau
 (3)
Erschienen am 10.04.2007
Annie ErnauxModerne französische Prosa
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Moderne französische Prosa
Moderne französische Prosa
 (1)
Erschienen am 01.01.1988
Annie ErnauxEine vollkommene Leidenschaft
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Eine vollkommene Leidenschaft
Eine vollkommene Leidenschaft
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Erschienen am 01.03.2004
Annie ErnauxErinnerung eines Mädchens
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Erinnerung eines Mädchens
Erinnerung eines Mädchens
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Erschienen am 02.10.2018
Annie ErnauxDer Platz
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Der Platz
Der Platz
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Erschienen am 11.03.2019
Annie ErnauxDie Jahre
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Die Jahre
Die Jahre
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Erschienen am 17.06.2019

Neue Rezensionen zu Annie Ernaux

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herrzetts avatar

Rezension zu "Die Jahre" von Annie Ernaux

Was Schwarz-Weiß-Fotos erzählen
herrzettvor 7 Monaten

"Sie alle werden mit einem Schlag erlöschen wie zuvor die Millionen Bilder im Kopf der Großeltern, gestorben vor einem halben Jahrhundert, wie die Bilder im Kopf der Eltern, die ebenfalls nicht mehr sind. Bilder, in denen man selbst als kleines Mädchen im Kreise anderer Menschen auftaucht, die gestorben sind, bevor man selbst geboren wurde ..."

Mit diesem Buch begleiten wir Annie Ernaux durch ihr bisheriges Leben. Die Jahre ist eine Autobiografie, die nicht in der normalen Ich-Erzählerform geschrieben und präsentiert wird, sondern auf Art eines Entdeckers. Annie Ernaux öffnet ihre Fotokiste und beschreibt, was sie sieht und welche aktuellen Umstände in und um Frankreich sie zu dem Zeitpunkt mitbekommen hat. Wie zu erwarten, ist die Themenvielfalt dieses Romans sehr groß - von ihren Kindheitserinnerungen der Nachkriegszeit, über ihre Kariere und Mutterschaft bis hin zu Frankreich unter Mitterrand. Auch die sogenannte Emanzipationsbewegung der Frau findet in ihren Erinnerungen Platz. Dieses Buch bildet somit eine faszinierende Mischung aus Portrait, Beschreibungen der jeweiligen Situation innerhalb der Gesellschaft und ihrer selbst, Annie Ernaux. 

"Die Kluft zwischen Vergangenheit und Gegenwart ermisst sich vielleicht an dem Licht, das zwischen den Schatten auf den Boden fällt, das auf den Gesichtern liegt und die Falten eines Rocks hervorhebt, an der dämmrigen Helligkeit eines Schwarz-Weiß-Fotos, ganz gleich, zu welcher Tageszeit die Aufnahme entstanden ist."

Zu diesem Roman muss ich leider sagen, dass der Funke nicht übergesprungen ist. Annie Ernauxs Biografie klingt total interessant und die Idee einer Autobiografie anhand von Fotos und deren Beschreibung wiederzugeben finde ich total andersartig inspirierend, doch dieser Roman konnte meinen Erwartungen nicht gerecht werden. Mit etwas Abstand finde ich die Sprachwahl sehr beeindruckend, aber während des Lesens empfand ich es häufig recht langwierig und teilweise auch uninteressant. Ich hätte mir mehr Auseinandersetzungen mit dem zu Sehenden und aufkommenden Gedanken gewünscht. Ob diese abgeklärte Distanziertheit in dieser Form nun dem Original oder der Übersetzung zuzuschreiben ist, bleibt offen. In Frankreich war dieses Buch jedenfalls ein Bestseller. Für Literaturliebhaber und Geschichtsfreunde wäre es sicherlich ein tolles Buch, für mich so eher trockene Kost mit einem Hauch Tiefgang und Sprachgewalt.

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Claris avatar

Rezension zu "Die Jahre" von Annie Ernaux

Eine Biographie der ganz eigenen Art
Clarivor einem Jahr

Die 1940 geborene Annie Ernaux erzählt in ihrer hier vorliegenden Biographie „Die Jahre“ zunächst ausführlich über ihre Kindheit und Jugend in Frankreich in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Lebenserinnerungen reichen weit bis zum Ende des Jahrhunderts und darüber hinaus.

Sie schreibt ihre Biographie nicht in der Ichform, sondern verfremdet. Von „dem Mädchen“ oder „der Frau“ ist die Rede. Es geht um Bilder in Worten, in denen sie ein Gesellschaftsbild über ein halbes Jahrhundert vor uns ausbreitet.

Mit treffend und sprachgewaltig formulierten Sätzen, prägnant und genau, fängt sie die Atmosphäre einer ganzen Generation ein. In Frankreich sieht das genauso aus wie in Deutschland. Man spielt in der Kindheit die gleichen Kinderspiele wie Ringlein du musst wandern, Plumpsack oder Hinkelkästchen. Man hatte wenig zu essen, und es gab Läuse und zahlreiche andere mehr oder weniger dramatische Kinderkrankheiten. Fernsehen gab es noch nicht, aber die Erwachsenen sprachen viel von der Vergangenheit. „In den Erzählungen der Vergangenheit gab es nichts als Hunger und Krieg.“ (S. 23)

Man benutzte Plumpsklos und erfreute sich an den kleinen Dingen des Alltags. „Man lebte in der Nähe der Scheiße. Und machte Witze darüber.“ (S. 39) Man hörte Schlager und wünschte sich als Kind, nur schnell erwachsen werden zu können. „Wenn jemand starb, konnte uns das nichts anhaben“ (S.33) Im Flüsterton nur wurde über Dinge gesprochen, von denen die Erwachsenen nichts wissen durften.

Die katholische Kirche spielt eine zentrale Rolle, und dass „Lehrer und andere Gebildete nicht an Gott glaubten, war eine Anomalie.“ (S.46)

Später folgen die Studienjahre, Sex und andere Fragen, die die Autorin und ihre Altersgenossen von den Themen der Elternhäuser entfernen. Die Suche nach der eigenen Identität spielt eine raumgreifende Rolle. Sartre, Camus und Simone de Beauvoir begeistern die intellektuelle Jugend.

Weiter geht es durch die Jahre des Wandels in der Moral und mit der Rebellion der 68 ziger.
Man studiert, bekommt Kinder, Ehe und Scheidungen schließen sich an.

Die Erzählung folgt dem Lauf der Jahre mit den eigenen Veränderungen und der neuen Rolle zwischen Eltern und Kindern. Freiheit und Gleichheit werden gelebt. Das Alter oder der Tod betrifft die „Älteren“ nicht aber einen selber. Leider lässt sich auf Dauer nicht leugnen, dass das Älterwerden in mentaler und physischer Hinsicht ein unaufhaltbarer Prozess ist, der niemanden verschont! Auch das wird vermerkt.

Geschichtliche Veränderungen und Ereignisse bringen neue Kriege und Unruheherde in die Welt.

In distanziertem Stil wird ein Zeitkolorit entworfen, das seinesgleichen sucht: treffend und genau, witzig und humorvoll werden die Lebensabschnitte abgehandelt.

Die verfremdete Form, mit der die Autorin über ihre Vergangenheit berichtet, gibt dem Ganzen eine Allgemeingültigkeit, die ihre Aufzeichnungen wirklich denkwürdig machen.
Wer in dieser Zeit Kind und Heranwachsender war, wer die Jahre bis zur Jahrtausendwende erlebt hat, wird alles genauso beschrieben finden, wie es war.

Der Bericht rührt an die eigenen Gefühle und Erinnerungen. Damit bietet er einen Wiedererkennungswert, der anrührend ist. Der letzte Satz lautet “Etwas von der Zeit retten, in der man nie wieder sein wird“. Das ist es!

Annie Ernaux lebt in Frankreich und ist vielfach ausgezeichnet.

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Annie Ernaux wurde am 01. September 1940 in Lillebonne, Seine-Maritime (Frankreich) geboren.

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