Annie Proulx Aus hartem Holz

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Inhaltsangabe zu „Aus hartem Holz“ von Annie Proulx

Annie Proulxs erster Roman seit über zehn Jahren, das lang erwartete Meisterwerk der Pulitzerpreisträgerin: ein monumentales Epos, das lebensprall, sprachgewaltig und intensiv dreihundert Jahre nordamerikanischer Geschichte einfängt und von der Abholzung der scheinbar endlosen Wälder erzählt, vom ewigen Kampf zwischen Mensch und Natur.

Ein fesselndes Buch , wortgewaltig, spannend, eine Generationsgeschichte immer im Hinblick auf die Natur.

— Alanda_Vera

Eine Auseinandersetzung mit der Abholzung des Waldes über 300 Jahre, verpackt in die Geschichte einer Holzfabrik

— rallus

Spannender Generationenroman über drei Jahrhunderte - ebenso informativ wie unterhaltsam!

— DieBuchkolumnistin

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    • 1807
  • Die Bibel des Waldes

    Aus hartem Holz

    rallus

    09. June 2017 um 11:40

    Als die ersten Siedler nach Nordamerika kamen, erwarteten sie weite unbewohnte Landgebiete und riesige Wälder. So weit das Auge blicken konnte. Und viel weiter wurde auch in diesen Jahrhunderten nicht gedacht. Dass das Grundelement Holz einmal knapp werden sollte, das war angesichts dieser Pracht nicht vorstellbar. Doch der Mensch ist gerade in der Ausnutzung und Verknappung von unendlichen Ressourcen sehr beständig und betriebsam. Und so fing das große Abholzen an, denn Holz war der Grundbaustein von Möbeln, Schiffen und Häusern. Und Holz wurde dringend gebraucht, denn die alte Welt war erschöpft. Aus hartem Holz ist der erste Roman der Pulitzerpreisträgerin Annie Proulx nach zehn Jahren. Und es ist ihr ein Buch wie ein Baum gelungen. Schon der Einband des dicken, opulenten, fast neunhundert Seiten starken Bandes strahlt eine besinnliche Ruhe aus. Ein Haus an einem See, dahinter ein Wald, Mensch und Wald in Harmonie vereint. Doch die Harmonie trügt. Ein Buch über drei Jahrhunderte, mit knorrigen, kauzigen Gestalten, die ihr Leben an die Bäume gaben und glaubten das Beste zu tun, wenn sie die Bäume ihnen untertan machten; sie abholzten und verarbeiteten.   „Monsieur Trépagny erging sich inzwischen in einem langen Sermon über die Notwendigkeit und die Pflicht, die Bäume zu roden, das Land nicht für einen selbst, sondern auch für die Nachkommen fruchtbar zu machen, für das, was an diesem Ort entstehen sollte.’Eines Tages‘, sagte Monsieur Trépagny und deutete in das Dämmerlicht, ‚eines Tages wird man hier Kohl pflanzen. Ein Mann zu sein heißt, den Wald abzuholzen. Die Bäume sehe ich nicht‘, sagte er, ‚ich sehe die Kohlköpfe. Ich sehe die Weinberge.'“ Die ersten Siedler und Holzfäller fallen 1693 nach Nouvelle France (heutiges Kanada) ein. Die Wälder werden rücksichtslos gerodet, das Land den Indianern weggenommen. Für die Indianer sind die Bäume Personen. Sie wollen sie nicht abholzen, sie wollen mit ihnen leben, keine Gärten anlegen, keine Ordnung schaffen, nicht sesshaft werden. Von den Siedlern werden die Indianer deswegen als faul bezeichnet. Den Wald zu beschneiden und zu kultivieren ist ein gottgegebenes Recht, welches der Weiße ausübt. Gleichzeitig erhält er natürlich auch das gerodete Land, um es zu bewohnen und ein Haus für seine Familie und Unterkunft für seine Tiere zu bauen. Von den Nachkommen der ersten Holzfäller, am Beispiel von Charles Duquet ausgehend, schildert Annie Proulx die weiteren Rodungen des Waldes in Amerika und Kanada. Schnell werden Holzmühlen gebaut, noch unentdeckte riesige Waldflächen im Westen befriedet, kartographiert und abgeholzt. Die Indianer werden zurückgedrängt, die Gier und Rücksichtslosigkeit der Weißen lässt ihnen nur wenig Fläche zum Leben übrig. Das Leben als Holzfäller ist hart, schnell kommt der Tod bei der Nutzung der anfangs noch unzureichenden Werkzeuge, oder beim gefährlichen Driften, transportieren der Baumstämme im Fluss, über die Männer. Annie Proulx Figuren sind selber wie Bäume: „Marchand schien sein Leben als Esche begonnen zu haben, borkig, zerkratzt und bis auf die zähen Fibern zusammengeschnitzt. Seine Augen unter den Schlupflidern glitzerten. Seinen Hals umschloss störrisches rotes Haar, das von seiner Brust hinaufschäumte.“ Doch kaum hat man sich an einen Charakter gewöhnt, so stirbt dieser, oft hetzt die Autorin in kurzen Worten über die Leben der Einzelnen. Erst im 19.Jahrhundert wird die Geschichte des Duquet-Clans griffiger und damit auch der Lesefluss besser. Der Roman wechselt die Kontinente, auch in Australien und Neuseeland gibt es riesige Wälder: „Sie plünderten die Küstenwälder, dann zogen sie mit ihren Lagern zum nächsten vielversprechenden Abschnitt und ließen schwelende Baumstümpfe und mannshohe Abfallberge zurück. Zunächst mussten die Warzeneiben daran glauben, dann ein Kauribaum nach dem anderen. An manchen Orten konnte man tagelang über liegengebliebene Holzreste laufen, die den Boden wie ein Teppich bedeckten. Dann wurde alles in Brand gesetzt, der schnellste Weg, sich des Waldes, des Gebüschs, der Schlingpflanzen, Vögel, Insekten, Früchte, Fledermäuse, Aufsitzerpflanzen, Zweige, Farne und Streu zu entledigen.“ Erst spät erkennt der Mensch, was er angerichtet hat. Der Begriff Aufforstung erzeugt anfangs, angesichts der Mengen an Wald, noch ungläubiges Kopfschütteln, doch später wird dies erfolgreich praktiziert. „Piet sah auf seine neue Taschenuhr; noch eine halbe Stunde Wartezeit. Eine halbe Stunde, um aus dem Nordfenster zu schauen. Einst hatten endlose Wälder den Horizont gefüllt. Nun gab es Dutzende Straßen, und der Wald war ein ferner Schatten.“ Doch die Aufforstung kann nicht wiederherstellen, was der Mensch zerstört hat. Denn Wald bedeutet mehr als nur ein Baum neben dem anderen. „Ich bin überzeugt, dass die einzig wahren Wälder ursprüngliche, naturbelassene Waldgegenden sind. Die ganze Atmosphäre – die Luft, die Wurzelgeflechte, die bescheidenen Farne und Moose, Insekten und Krankheiten, der Boden und das Wasser; das Wetter. All diese Dinge scheinen in einer Art großem, urtümlichen Orchester zusammenzuspielen. Ein Wald, der um seiner selbst willen lebt und nicht zum Nutzen der Menschen.“ Der Mensch hat nicht nur den Wald zerstört, sondern auch Jahrhunderte gewachsene Biotope, die Tiere, Heilpflanzen und eine gereinigte Umwelt hervorbrachten, die heute einfach fehlen. Annie Proulx hat ein üppiges Buch über die Geschichte des Waldes geschrieben. Manches Mal hat mich diese bloße Aufzählung der Personen und Wälder an Teile der Bibel erinnert. Eine Geschichte des Waldes. Auch wenn die Aussage von Annie Proulx sehr klar herüberkommt, ist es doch sehr anstrengend, ihr bis zum Schluss zu folgen. Wenn man bis zum Kern des Buches vordringen will, muss man die harte Schale des Buches durchdringen und viel Standfestigkeit beweisen. Für mich persönlich, blieb jedenfalls ein nachhaltiger Eindruck des Buches und ich habe mich gerne durch die neunhundert Seiten ‚gewälzt‘. 

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    • 4
  • 3,5 Sterne - Fesselnd aber auch ein wenig ermüdend

    Aus hartem Holz

    raven1711

    01. June 2017 um 09:09

    Klappentext:Annie Proulxs erster Roman seit über zehn Jahren, das lang erwartete Meisterwerk der Pulitzerpreisträgerin: ein monumentales Epos, das lebensprall, sprachgewaltig und intensiv dreihundert Jahre nordamerikanischer Geschichte einfängt und von der Abholzung der scheinbar endlosen Wälder erzählt, vom ewigen Kampf zwischen Mensch und Natur.Meinung:Schauplatz dieses Epos ist Kanada und startet im 17. Jahrhundert, als Kanada noch eine französische Kolonie ist. Dort treffen gerade die Franzosen Rene Sel und Charles Duquet ein, um sich ein neues Leben aufzubauen. Der Weg führt sie zunächst gemeinsam in die tiefsten Wälder Kanadas, wo sie als Leibeigene ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen, mit Aussicht auf künftigen Landbesitz. Während Rene die Schikanen seines Herrn erträgt, flieht Charles und kann sich eine eigene Existenz als Holzhändler aufbauen. Doch die Wege der beiden und ihrer Nachkommen kreuzen sich immer wieder, immer vor dem Hintergrund des Waldes und des Themas Holz.Annie Prouxl versteht es meisterhaft, Landschaften und Szenen aufzubauen. So entsteht beim Lesen ein genaues und detailliertes Bild über die Umgebung und das Thema Wald, das der Autorin so offensichtlich am Herzen liegt. Leider bleiben in diesem komplexen Werk die Charaktere ein wenig auf der Strecke, wirken eher blass und wirken in Angesicht der Geschichte eher nur wie Statisten, die den Wäldern Nordamerikas eine Stimme geben und dem Leser den rücksichtslosen Umgang mit der Natur vor Augen führen.Der Roman umfasst eine große Zeitspanne von fast 400 Jahren. Viel Stoff für historische Ereignisse, die die Autorin natürlich mit an- und ausführt. Allerdings sollte man sich schon ein wenig mit Geschichte auskennen, denn viele Hintergründe setzt die Autorin als gewusst voraus und hält sich daher nicht lange mit Erklärungen auf. Das sorgt für genügend Tempo im Roman, kann aber jemanden, der eher weniger mit historischen Büchern und Themen zu tun hat, etwas überfordern.Sprachlich enthält das Buch eine tolle Bildsprache, leider schwächen, wie bereits erwähnt, die Figuren den Roman ab. Zu groß scheint die Zeitspanne, um beim Leser genügend Tiefe und Sympathien für die Protagonisten aufkommen zu lassen, denn schnell sind 20 oder mehr Jahre ins Land gezogen und die nächste Generation übernimmt das Ruder. Das wird auf Dauer leider etwas ermüdend. Fazit:Annie Prouxl hat hier auf der einen Seite ein sehr fesselndes Werk geschrieben, dessen Schauplätze nahezu plastisch geschildert werden, auf der anderen Seite aber auch etwas ermüdendes Werk, denn die Charaktere im Roman wirken eher wie Statisten und bleiben dem Leser oft fremd. Thematisch fand ich das Buch toll, die Umsetzung war aber nicht ganz mein Fall.Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten.Vielen Dank an den Luchterhand Verlag für das Rezensionsexemplar.

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  • Eine Dynastie auf Holz

    Aus hartem Holz

    BettinaR87

    24. May 2017 um 07:57

    Die Inhaltsangabe auf der Innenseite des Umschlags fasst den Content tatsächlich sehr gut zusammen, daher möchte ich mich damit nicht aufhalten. Dreh- und Angelpunkt ist La Nouvelle France, in der René Sel und Charles Duquet im Jahre 1693 ankommen, um sich etwas Land zu verdienen und einen kompletten Neustart im Leben hinzulegen. Die Wege der beiden trennen sich schnell wieder, doch die ihrer Familien werden über die nächsten Jahrhunderte immer miteinander verschlungen werden. Damit erschafft, beziehungsweise nutzt die Autorin einen Schauplatz, der einem literarisch gesehen schon lange nicht mehr in die Hände gefallen ist - und daher für den Kopf und das darin enthaltene Kino wirklich sehr abwechslungsreich ist. Das macht Spaß und Laune, sodass man sich noch mehr über den Umfang des Buchs freut (885 Seiten). Die Unterteilung auf anfänglich zwei Charaktere macht Sinn, denn sie sind sehr unterschiedlich und begründen damit eine spannende Geschichte, in deren Zentrum nicht etwa das Unternehmen steht, sondern die einzelnen Schicksale der Beteiligten. Dass René und Charles damit auf ihre Art Adam und Eva sind, mag auf den ersten Blick verwundern - vor allem bei der Frage, wer wohl Eva ist ;). Nein, das war ein Scherz, sie sind die originären Punkte einer Dynastie, deren Mitglieder sich immer wieder dem Thema Holz zuwenden, auch wenn sie manchmal von ihren (adoptierten) Vorfahren gar nichts wissen. Das Buch, das oft mit dem recht neutralen "Generationenroman" beschrieben wird, ist eine emotionale Bestandsaufnahme über 300 Jahre - ein Epos über das Leben selbst, wie es manchmal im Kreis läuft, einfach fucking unfair ist, das Glück aus jeder Pore treten lässt. Ein Epos, das auch mit der letzten Seite noch lange nicht vorbei ist. Ich mag es, über einzelne Schicksale zu lesen, die dann auch noch sinnvoll in ein soziales Netz sowie geschichtliche Hintergründe einsortiert sind. Hier hat die Autorin hervorragende Arbeit geleistet. Nebenher lernt man nicht nur einiges über die damalige Zeit, sondern darf ein Stück weit die eigenen Französischkenntnisse auffrischen. Ein anspruchsvolles Buch, das nicht etwa kompliziert geschrieben ist, sondern soziale und emotionale Intelligenz erfordert. Und Zeit, denn 885 Seiten lassen sich nicht mal eben runterreißen, sondern wollen mit Bedacht verschlungen werden.

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  • Spannend & informativ - eine Liebeserklärung an die Natur und ebenso mahnend wie unterhaltsam!

    Aus hartem Holz

    DieBuchkolumnistin

    18. April 2017 um 20:56

    René Sel und Charles Duquet sind zwei von hunderten Siedlern, die im 17. Jahrhunderten voller Neugier und ohne viel Wissen Neufrankreich betreten. Die Beschäftigten des Monsieur Trépagny folgten ihm aus den Elendsvierteln in Paris über den Atlantischen Ozean. Wie so viele hatten sie kaum eine Wahl, dafür kräftige Hände und den Willen für eigenes Land zu arbeiten, sowie Hoffnung auf eine bessere Zukunft auf dem ihnen so fremden Kontinent. Beide finden inmitten der grünen und zu dieser Zeit noch von wenigen Lichtungen erhellten Wälder ein neues Zuhause, alles von da ab Kommende für sie und ihre Familien wird sich um das Holz drehen, alles Leben dort entstehen, alles Sterben dort sein Ende finden.Während Sel sich fügt, unterwürfig und sanft einen Platz sucht und an der Seite der dortigen Ureinwohner, den Indianern, finden wird, ist Duquet von anderer Natur. Er sieht in den Bäumen, den Tieren, dem Lebensraum das Geld, die Möglichkeiten auf schnellen Reichtum und seine Chance – er benennt sich in Duke um, studiert die Handelswege und lernt deren Sprache, bedient sich dabei jedes nötigen Mittels und baut die noch für Generationen ebenso zerstörerische wie erfolgreiche Company „Duke & Sons“ auf. Doch die Folgen beider Männer sowie all ihrer europäischen Nachreisenden, das nahezu komplette Auslöschen der ursprünglichen Völker, Pflanzen und Tiere werden nur von wenigen und viel zu spät erkannt …Die Autorin Annie Proulx lebte selbst für viele Jahre in der amerikanischen Natur und zog erst aufgrund ihres Alters zurück in die Stadt. Die Liebe dazu ist auf jeder Seite zu lesen, eben so wie der Vorwurf an ihre eigenen Vorfahren sowie indirekt auch an den Leser, wie wir in der Vergangenheit als auch heute damit umgehen. Gerade zu prächtig und satt beschreibt sie immer wieder die Farben, die Gerüche, aber auch die Gewalt des Waldes sowie die darin lebenden Menschen. Ganz nach dem Motto „Kill your darlings“ lässt sie hunderte Holzarbeiter und tausende Indianer an den Neuerungen zugrunde gehen, bringt die Cholera und weitere tödliche Krankheiten nach Neufrankreich und mordet durch die Gier und Dummheit ihrer Charaktere Seite über Seite in diversen Völkern. Mitleid kennt Proulx nur mit den gefällten, verbrannten, platt gefahrenen Bäumen, den zugeschütteten Seen, der Natur, die sich viele Jahrhunderte später durch den Klimawandel und weitere Auswirkungen am kurzsichtigen Menschen rächen wird. Spannend und detailreich erzählt sie die nordamerikanische Geschichte, lässt aber teilweise die emotionale Wucht anderer Romane wie z.B. der „Schiffsmeldungen“ vermissen und kann den Leser deswegen an nur wenige der Charaktere binden.„Aus hartem Holz“ sind 896 lesenswerte Seiten, die abseits von „Landlust“-Kitsch ähnlich wie „Die Geschichte der Bienen“ ebenso unterhalten wie informieren und mahnen.

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  • Erst wenn der letzte Baum gerodet...

    Aus hartem Holz

    Havers

    18. April 2017 um 12:06

    Fast 900 Seiten umfasst der neue Roman „Aus hartem Holz“, in dem Annie Proulx ihre Geschichte vom allmählichen Verschwinden der nordamerikanischen Wälder erzählt, ausgelöst durch die Gier und das skrupellose Profitstreben der Menschen, die sich buchstäblich den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Dreihundert Jahre lang beobachtet sie das Schicksal zweier Familien, deren Geschichte im Jahr 1693 ihren Anfang nimmt. Zwei junge Franzosen, René Sel und Charles Duquet, wollen in der Fremde ihr Glück machen und wandern nach Neufrankreich, heute Kanadas Osten, aus. Dort gibt es Wälder soweit das Auge reicht, ein Schatz, der nur darauf wartet, von den Holzhändlern gehoben zu werden, was allerdings nur dann klappt, wenn man ein Waldstück sein eigen nennen kann. Und genau dies wird den beiden Einwanderern versprochen. Sie müssen sich zu drei Jahren harter Arbeit als Holzfäller verpflichten, aber danach werden sie mit einem Stück Land entlohnt werden. Sel leistet seine Verpflichtung ab, heiratet auf Anweisung seines Dienstherren dessen indianische Geliebte, wird sesshaft, zeigt aber keinerlei Initiative, etwas aus seinem Leben zu machen. Zwar schuftet er unermüdlich, kommt aber nicht auf den sprichwörtlichen grünen Zweig. Duquet hingegen hat einen Riecher fürs Geschäft und große Pläne, weshalb er schon vor Ablauf des Kontrakts verschwindet, seinen Namen in Duke ändert und eine Firma gründet, die sich im Lauf der Jahre zu einem riesigen Imperium entwickelt, das auch seinen Nachkommen noch ein gutes Auskommen beschert. Das Schicksal dieser beiden Familien ist immer eng mit dem Wald verknüpft und wird von der Autorin von den Anfängen Ende des 17. Jahrhunderts bis in die Gegenwart beschrieben. Dabei zeigt sie im Kleinen das Große, die gesellschaftlichen Veränderungen, das Verlangen nach Profit und Fortschritt, rücksichtslos ausgetragen auf dem Rücken der Wälder. Und diejenigen, die mit der Natur im Einklang leben und sich an diesem Raubbau nicht beteiligen wollen, bleiben schlussendlich auf der Strecke. Annie Proulx war schon über 50 Jahre alt, als sie mit dem Schreiben von Romanen begann. Sie lässt sich Zeit für ihre mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Bücher, was mit Sicherheit auch deren Qualität erklärt. Und da macht auch ihr neuestes Werk keine Ausnahme, das sich durch eindringliche Naturbeschreibungen und starke, detailliert ausgearbeitete Charaktere auszeichnet. Natürlich weiß man, wohin die menschliche Profitgier führen wird, die schonungslos über Jahrhunderte die Wälder ausbeutet und schlussendlich zerstören wird. „Aus hartem Holz“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer für den rücksichtsvollen und verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Ein Thema, das der Autorin sehr am Herzen liegt, die diesen Sommer ihren 82. Geburtstag feiert und uns hoffentlich noch viele weitere Romane dieser Qualität beschert.

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