Annika Büsing

 4,3 Sterne bei 92 Bewertungen
Autor*in von Nordstadt, Koller und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Annika Büsing ist als Arbeiterkind im Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen, mit einer ausgeprägten Vorliebe für Punkrock und Bücher. Nach dem Abitur schloss sie zunächst eine Ausbildung in einem Verlag ab, entschied sich dann aber, Germanistik und Theologie auf Lehramt zu studieren. Nach dem Studium zog es sie Richtung Norden, zunächst nach Island zum Jobben und Schreiben, dann nach Hamburg zum Referendariat. Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen wieder in Bochum, wo sie an einem Gymnasium unterrichtet. Die Liebe zu Punkrock und Büchern ist geblieben. Nordstadt ist ihr erster Roman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Annika Büsing

Cover des Buches Nordstadt (ISBN: 9783969990643)

Nordstadt

 (52)
Erschienen am 10.05.2022
Cover des Buches Koller (ISBN: 9783969991961)

Koller

 (23)
Erschienen am 27.03.2023
Cover des Buches Nordstadt (Steidl Pocket) (ISBN: 9783969991954)

Nordstadt (Steidl Pocket)

 (17)
Erschienen am 23.02.2023

Neue Rezensionen zu Annika Büsing

Cover des Buches Nordstadt (ISBN: 9783969990643)
Kados avatar

Rezension zu "Nordstadt" von Annika Büsing

Nene und Boris
Kadovor 2 Monaten

'Nordstadt' von Annika Büsing ist ein kurzer, rauer und ehrlicher Roman über die unkonventionelle Liebe zwischen Nene und Boris. Beide hatten und haben kein leichtes Leben und lernen sich nun auf recht schnörkellose Art und Weise an Nenes Arbeitsplatz, dem Schwimmbad denn sie ist Bademeisterin kennen.
Nene ist mittlerweile Elternlos und ihre Kindheit wurde geprägt von der Gewalt des Alkoholkranken Vaters und Boris ist als zweijähriger an Kinderlähmung erkrankt und seitdem mit verkrüppelten Beinen gezeichnet.
Dieser Roman lässt uns komplett ungeschönt am kennen- und liebenlernen der Beiden teilhaben. Gerade der ungeordnete Erzählstil von Nene und die oftmal brutal ehrlichen Aussagen Beider haben mich überrascht, kurz schockiert und mich dann ans Buch gefesselt. Dieser kurze Roman hat trotz seiner tragischen Themen eine wertvolle hoffnungsvolle Message und ich mochte ihn sehr gerne lesen.

Cover des Buches Nordstadt (Steidl Pocket) (ISBN: 9783969991954)
Hyperikums avatar

Rezension zu "Nordstadt (Steidl Pocket)" von Annika Büsing

Was für eine gelungene Geschichte
Hyperikumvor 7 Monaten

Die Ich-Erzählerin Nene liebt ihre Arbeit als Bademeisterin, die Schwimmhalle ist ihre Familie, Marlon der andere Bademeister, oder die freundliche alte Dame, die immer Dienstags kommt und ihre altmodische Schwimmkappe trägt, aber auch die Kassiererin, die immer gut drauf ist, Nele hat sie alle in ihr Herz geschossen.

Damals als sie im Schwimmverein das Seepferdchen erschwomm, waren es ihre TrainerInnen, die das Jugendamt informierten.


Geschichten über meinen Vater zu erzählen, über sein Leben, seine Kindheit, seine Jugend, das alles würde sein Verhalten womöglich in ein anderes Licht setzen. Dann könnte man denken: Ah, er tut das, weil dies oder jenes passiert ist. Bullshit. Denn es gibt keine Kausalität, die rechtfertigt, dass man Kinder schlägt, tritt, einsperrt und hungern lässt. Keine. Ich werde keine Geschichte über meinen Vater erzählen. Das hier ist meine Geschichte. S. 69


Und dann steht Er vor ihr. Nicht freundlich, aber bestimmt verlangt er ein Schwimmbrett, dass sie ihm eigentlich gar nicht geben dürfte, weil es der Schwimmschule gehört. Aber seine pechschwarzen Pantheraugen, mit den nassen Wimpern, die verklebt sind wie Fliegenbeine, beschleunigen ihren Herzschlag. Als er Richtung Becken geht sieht sie, dass die Beine nicht zum Rest passen sondern merkwürdig verdreht sind.

Als Boris und Nene miteinander schlafen wollen, sagt sie es ihm. Er sieht sie betroffen an und zum ersten Mal weiß sie, dass es um sie geht, weiß, dass es ihr passiert ist, keiner anderen. Er fragt, ob sie Angst hat. Sie weiß es nicht, horcht in sich hinein und merkt, dass sie dieses Gefühl, das in ihrer Kindheit so eine Übermacht hatte, einfach gelöscht hat. 


Wir haben übrigens nicht miteinander geschlafen, nachdem ich ihm von der Vergewaltigung erzählt habe. Wir haben noch häufiger nicht miteinander geschlafen. In der Historie von Pärchen, die miteinander schlafen wollen, sind wir das mit den meisten Fehlversuchen. S. 24


Boris ist zügig außer sich, weil er so viele wunde Stellen hat. Weil die Leute immer auf ihn drauf geschlagen habe. Er hat die “Du-Spasti-Wunde”, die “Quasimodo-Wunde”, die “Das Kannst Du Nicht-Wunde” und er hat Schmerzen, schlimme Schmerzen und auch deswegen lügt er oft.


Die Lügerei ist eine heikle Sache. Sie schützt dich vor Scham und Zurschaustellung, aber sie erzeugt Reue und Schuldgefühle. S.46 


Fazit: Was für eine gelungene Geschichte. Annika Büsing erzählt in ihrem Debüt von zwei verletzten Seelen. Wie sehr einem ein junges Leben vermiest werden kann. Die Autorin zeigt mir, mit ihrer wunderbar kohärenten und fesselnden Erzählweise, wie sich Menschen langfristig fühlen, die schon sehr früh Gewalt und Demütigungen erfahren haben. Es geht um Würde, darum, dass “die Würde des Menschen ist unantastbar”, in Wirklichkeit eine hohle Phrase ist, weil die Würde des Menschen ja eben doch, weltweit ständig, sekündlich angetastet wird und sich doch die Wenigsten dafür interessieren. Und es ist eine Geschichte über Wut, die es uns daran hindert, optimistisch nach vorne zu blicken. Meine absolute Leseempfehlung!

Cover des Buches Nordstadt (ISBN: 9783969990643)
dunis-lesefutters avatar

Rezension zu "Nordstadt" von Annika Büsing

Liebe und Wut
dunis-lesefuttervor einem Jahr

Es gibt Menschen, die treten in ein Leben und bleiben, egal, ob sie bleiben. So wird wohl Boris für Nene sein.

Sie begegnet ihm im Schwimmbad zum ersten Mal. Dort arbeitet sie als Schwimmmeisterin. Boris Körper ist durch Kinderlähmung versehrt. Doch das soll kein Grund für irgendwas sein, schon gar nicht für Liebe. Nenes Seele ist durch ihren gewalttätigen Vater versehrt. Und auch das soll kein Grund für irgendwas sein. Schon gar nicht für Wut.

Und so treffen die beiden aufeinander und eine wunderbar leichte und doch kantige Liebesbeziehung beginnt. Die Ungläubigkeit über das, was gerade passiert steht im Mittelpunkt dieser Geschichte. Sie kommt, sie geht aber tief drin bleibt sie.


Annika Büsing hat einen Text geschaffen, der sich in meinen Ohren wie Musik anhört. Der Singsang, der wunderbaren Bilder, gepaart mit den harten, teilweise beiläufigen Schilderungen von Gewalt, bilden einen ganz eigenen Rhythmus. Teilweise hörte ich ein leichtes flöten, wenn Nene wunderschöne Bilder in meinen Kopf projiziert. Manchmal gibt es Paukenschläge von Boris, die einen auf dem Boden der Tatsachen runter holen. Das Ganze ist so wunderbar komponiert, dass ich das Gefühl hab einem besonderen Musikstück gelauscht zu haben.


Zu schnell war es vorbei. Aber hätte es länger gedauert wäre es vielleicht nicht so ein Meisterwerk

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