Hier ist es schön

von Annika Scheffel 
3,0 Sterne bei46 Bewertungen
Hier ist es schön
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Positiv (11):
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Totale Verwirrung? Ja! Trotzdem gelungen? Ja!

Kritisch (12):
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Liest sich wie eine Mischung aus Computerspiel, Tribute von Panem und Truman Show.

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Inhaltsangabe zu "Hier ist es schön"

An einem Tag im August beschließt Irma, die Erde zu verlassen, ihren Eltern und Freunden für immer den Rücken zu kehren und eine Heldin zu werden. Gemeinsam mit dem rätselhaften Sam wird sie in einer spektakulären Fernsehshow dafür ausgewählt, einen neuen Planeten zu besiedeln. Doch dann entscheidet sich Sam plötzlich anders. Er, der abgeschirmt von der Welt und den Menschen aufwuchs, ergreift die Flucht. Er will endlich Antworten auf die Fragen nach seiner Herkunft, nach seiner Geschichte. Und so begeben sich Sam und Irma auf eine Reise – nicht ins All, sondern durch abgestorbene Wälder, lebensfeindliche Städte, entlang leerer Straßen. Sie entdecken eine kaputte Welt von surrealer Schönheit, verfolgt – oder doch gelenkt? – von Mächten, die Puppenspielern gleich im Hintergrund die Fäden ziehen.
Hier ist es schön ist ein so phantastischer wie gegenwärtiger Roman über den Größenwahn der Menschen, die Ausbeutung der Natur, die totale Überwachung, den Zynismus von Reality-Shows – vor allem aber ist es ein Roman über das Wünschen und das Träumen, ein zärtliches Porträt zweier junger Menschen und ihres Kampfes um Freiheit und Selbstbestimmung.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518427941
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:389 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:07.05.2018

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Rezensionen und Bewertungen

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    thisishers avatar
    thisishervor 4 Tagen
    Kurzmeinung: Liest sich wie eine Mischung aus Computerspiel, Tribute von Panem und Truman Show.
    Mehr Fragen als Antworten

    Irma und Sam sind die Auserwählten, die die Erde verlassen und auf einem neuen Planeten eine neue Heimat aufbauen sollen. Davor mussten sie eine Auswahl in einer Arena durchlaufen, die weltweit in Form von Fernsehsendungen übertragen wurde. Sie bereiten sich 10 Jahre lang fern von Familie und Freunden auf ihre Mission vor und eines Tages öffnet Sam eine Tür auf der Ausgang steht. Irma begleitet ihn nach draußen und zusammen machen sie sich auf eine Reise an deren Ende nichts so ist wie zuvor.

    Der Roman beginnt mit den Briefen die Irmas Familie und Freunde ihr in die Arena schicken. Wir lernen Irma aus Sicht ihres Umfeldes kennen und versuchen ihre Beweggründe sich für die Mission zu bewerben zu verstehen. Außerdem lernen wir die Welt kennen in der sie lebt, es herrscht Endzeitstimmung, Lebensmittel sind knapp, Benzin noch knapper, und die Elektronik scheint auf 90er Jahre Stand zu sein: Computer existieren, aber mit Maus.

    Die Stimmung ist düster, der Himmel ist ständig von schwefelgelben Wolken bedeckt, die Sonne hat seit Jahren keiner mehr gesehen und der Regen schmeckt sauer.

    Wir erfahren kaum etwas über das Warum. Warum die Welt kurz vor dem Untergang steht, warum ausgerechnet Irma ausgewählt wurde, warum sie 10 Jahre warten mussten, um auf ihre Mission zu gehen.
    Der Roman wirft mehr Fragen auf, als er jemals Antworten geben könnte. Das ist auch die größte Schwäche des Buchs: Über weite Strecken wird nichts erklärt, zu den Hintergründen oder zu Sams rätselhafter Vergangenheit oder zu Irmas wahrer Motivation. Es klärt sich auch äußerst wenig am Ende, der Leserin wird vieles zur eigenen Interpretation überlassen.

    Die wenigen Hinweise und dass die Auflösung ausschließlich ans Ende gesetzt wurde, reichen nicht um die Leserin bei der Stange zu halten. Spannung kommt kaum auf und die Leserin hat so viel Zeit sich ihre eigenen Gedanken über die Erklärungen zu machen, dass die echte Auflösung enttäuscht.

    Hinzu kommt, dass das Buch Computerspielcharakter aufweist, Lösungen kommen scheinbar aus dem Nichts oder scheinen von einer höheren Macht platziert: 

     
    „Dann die letzte Tür. Das Schloss lässt sich nur öffnen, wenn man die rostige Brechstange findet, die in der Ecke an der Wand lehnt. Sie hätten sich die Verriegelung auch sparen können, aber so sieht es vermutlich besser aus.“

    Das erinnert zweifelsohne an die Tribute von Panem oder Die Truman Show, nur fehlt diesem Buch die emotionale Reichweite, da Irmas Handlungen für die Leserin wenig bis gar nicht nachvollziehbar sind.

    Eine Abwechslung dazu soll wohl Sam bilden, der kindlich naiv und unzureichend auf seine Aufgabe vorbereitet ist, die aber sein einziger Existenzgrund zu sein scheint. Die Rolle die in vielen Science Fiction Filmen für gewöhnlich einer Frau zukommt, wird dieses mal von einem jungen Mann übernommen. Er weckt den Beschützerinstinkt in seinen Mitmenschen, ist was Zwischenmenschliches angeht eher unbedarft, hat aber ein enormes theoretisches Wissen über Maschinen und andere nützliche Dinge, die man zum Überleben braucht. Er ist außerdem schwul, soll aber mit Irma eine neue Menschheit auf dem neuen Planeten gründen.

    Seine Erziehung oder besser gesagt Aufzucht ist meiner Meinung nach extrem unlogisch gestaltet. Es würde vielleicht zu einer Dystopie die vor 20-30 Jahren geschrieben wurde passen, aber die Wissenschaft ist doch heute eigentlich schon viel weiter und weiß, dass ein Kind, ohne menschliche Zuwendung aufgezogen, bestenfalls naiv, schlimmstenfalls zum Psychopathen wird. Außerdem hätte irgendein moralisch denkender Mensch zu irgendeinem Zeitpunkt Zweifel an der Art von Sams Erziehung. Jede Ethikkommission würde hier die Wände hochgehen!

    Dieses Buch will uns offensichtlich irgendetwas Wichtiges mitteilen, das gelingt aber nur bedingt, weil der Zugang zur Geschichte durch die umständliche und etwas schleppende Erzählweise erschwert bzw. versperrt wird. So bleibt nur zu sagen, dass der Plot durchaus interessant klingt, das Buch durch die umständliche Umsetzung und die unzureichenden Erklärungen aber leider enttäuscht. 

    Wer gerne interpretiert wird hier seinen Spaß haben, aber wer gerne eine abgeschlossene Geschichte mit nachvollziehbarer Handlung und Charakteren liest, wird dieses Buch vermutlich nicht mögen.

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    Nenaties avatar
    Nenatievor einem Monat
    Hier ist es schön

    Angesprochen hat mich bei diesem Buch der Klappentext. Klingt nach Science-Fiction, Dystopie oder Apokalypse. Auf jeden Fall alles interessante Themen. Die Bewertungen bei diesem Buch gehen sehr auseinander, wie ich festgestellt habe. Und ich bin mir auch nicht so sicher was ich nun von diesem Buch halten soll. Aber der Reihe nach.

    Los geht es sehr ungewöhnlich, mit Briefen. Briefen von Familie, Fans und Unbekannten an die Protagonistin Irma. Was genau los ist weiß man absolut nicht, sofern man nicht schon den Klappentext gelesen hat. Diese Briefe waren interessant aber auch zum aufregen. Ich habe noch nie soviel egoistische Charaktere auf einmal gelesen und das sind ja eigentlich alles nur Nebencharaktere.

    Die Geschichte geht dann bei Irma und Sam los. Beide wurden durch eine Show auserwählt um auf einen anderen Planeten zu fliegen und die Menschheit zu retten. Wie diese Show abgelaufen ist erfährt man aber nur sehr vage. Überhaupt ist hier alles sehr vage und auch oft einfach surreal. Man wird einfach so mitten hineingeworfen in eine Geschichte, mit zwei Protagonisten die unterschiedlicher nicht sein könnten und durch eine kaputte Welt wandern. Irma kennt die Welt, ist ganz normal aufgewachsen und will als Teenager dann doch weg. Sam hingegen hat keine Erinnerungen an seine Kindheit, kennt nur die Arena und hat keine Ahnung von der Welt. Er war faszinierend und nervig zugleich.
    Die kaputte Erde ist eine sehr düstere Version aber auch erschreckend realistisch. Aber abgesehen davon bleibt vieles einfach offen. Es gibt viele Fragen aber kaum Antworten. Während dem Lesen wusste ich oft nicht was jetzt los ist. Was ist real, was nicht? Sind die Charaktere wirklich da wo sie denken zu sein oder ist das alles nur ein Fake? Eigentlich habe ich nur weiter gelesen weil ich wissen wollte was los ist, eine Antwort gab es nicht. Dafür gibt es viel zum nachdenken und zu interpretieren. Die Kritik an den Medien, den Realitiy-Shows, der Gesellschaft und vor allem dem Umgang der Menschen mit der Umwelt scheint ab und an durch.

    Die Story ist, alleine betrachtet, auch recht dünn. Irma und Sam auf einer Reise von der keiner das Ziel und den Sinn kennt. So ein bisschen als ob man bei einer Serie einfach mittendrin eine Folge anschaut. Nur das man die Folgen davor und danach nicht anschauen kann und mit viel Unwissen zurück bleibt. Man ist wirklich einfach nur der stille Beobachter einer kurzen Episode und darf sich den Rest denken.

    Der Stil war wunderbar zu lesen. Distanziert aber auch schön. Auch wenn die Welt düster ist ist man doch mittendrin.

    Ein Buch das wirklich anders ist. Eine Mischung aus Coming of Age, Roadmovie und Weltuntergang. Nach dem Lesen ist man um eine Erfahrung reicher aber wahrscheinlich ist das Buch nicht für jeden etwas. Ich hab auch keine Ahnung wie ich das Buch bewerten soll. Die Geschichte an sich vielleicht drei Sterne. Aber mich hat die Art wie diese Geschichte gemacht ist überrascht.

    Kommentare: 1
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    anushkas avatar
    anushkavor 2 Monaten
    Keine leichte Lektüre, hoher Interpretationsbedarf und wenig eigentliche Handlung

    Irgendein Ort in der nahen Zukunft: der 16-jährigen Irma fehlt es eigentlich an nichts; sieht man davon ab, dass es der Erde nicht sonderlich gut geht und die Menschen unter diversem Mangel leiden. Trotzdem bewirbt sie sich bei einer Fernsehshow, die zwei Menschen sucht um einen neuen Planeten zu besiedeln. Und sie wird genommen. In harten Auswahltests und nach 10-jähriger Abschottung soll es endlich losgehen. Doch dann entscheidet sich Irmas Mitreisender um, flieht und macht sich auf die Suche nach seiner Herkunft. Irma bleibt nichts anderes übrig als ihm zu folgen und dabei zu entdecken, wie es der Welt inzwischen geht.

    "Hier ist es schön" war für mich ein sehr schwieriges Buch. Es fiel mir mitunter schwer, mich zum weiterlesen zu motivieren, auch wenn das Buch an sich gar nicht so lang ist und auch der Schreibstil ist eigentlich angenehm und liest sich gut. Aber was war es dann? Nach meinem Geschmack fehlte es der Geschichte an konkreter Handlung, die sich stärker auf den Klappentext bezieht. Mir war alles irgendwie viel zu metaphorisch und interpretationsbedürftig. Ich hätte gern mehr greifbare Handlung und Ereignisse gehabt, einen stärkeren Blick in diese Welt des Reality-TVs. das komischerweise immer noch funktioniert, während die Menschen unter allen möglichen Mängeln leiden und es scheinbar schon schwierig ist, einen Apfel aufzutreiben. Hier war mir einiges zu unlogisch. Gleichzeitig erinnert es an Aldous Huxleys "Schöne neue Welt"; die Menschen werden mit dem Fernsehen bei Laune und Stimmung gehalten um vom Zustand der Erde abzulenken und ihnen Hoffnung zu schenken. Immer wieder keimt beim Leser der Verdacht auf, dass alles nur orchestriert ist für den Fernsehzuschauer. Aber das wird selten wirklich explizit gemacht. Stattdessen müssen Lesende tief eintauchen in die Geschichte und sehr viel Interpretationsarbeit leisten. Gemeinsam mit Irma und ihrem Begleiter Sam taumelt man durch eine albtraumhafte, surreale Welt voller Nebel, in der die Sonne eigentlich niemals mehr zu sehen ist. Es ist beklemmend und düster und wird gleichzeitig noch dadurch erschwert, dass die beiden Hauptfiguren keinerlei Identifikationspotential bieten. Stattdessen haben wir hier einen Auserwählten, der einen anderen Planeten besiedeln soll und gleichzeitig die Naivität und Weltgewandtheit eines Kleinkindes aufweist. Auch hier wieder die Frage nach der Logik. Oder eben mal wieder dem Interpretationsspielraum.
    Natürlich feiert das Feuilleton dieses Buch. Es entspricht leider genau dem Klischee eines gefeierten Feuilleton-Buches, das leider für viele schwer zugänglich bleibt und all jene enttäuscht, die einen mainstreamigen dystopischen Roman erwarten. Viele Ideen werden leider nur angerissen und dann wieder von tiefgründiger Bedeutung überdeckt. Geschehnisse werden oft nur angedeutet, wie beispielsweise die Auswahlprüfungen im Stile der "Tribute von Panem" oder "Die Auslese". Hier wird oft eine Distanz zum Leser aufgebaut, die das mitfühlen und nachvollziehen schwer macht.

    Meiner Meinung nach liegen die Stärken des Buches definitiv nicht in der Handlung oder der Charakterzeichnung, sondern eher in seiner Sprache, Konstruktion und Künstlerischkeit. Zu Beginn konnte mich das fesseln. Am Ende war ich froh, das Buch endlich beendet zu haben. Es fühlte sich an, wie ein hartes Stück Arbeit. Und trotzdem, wenn ich so darüber nachdenke und den Interpretationsfreiraum nutze, finde ich doch interessante Denkanstöße ...

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    killmonotonyvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Die Ausbeutung der Natur und der Zynismus von Reality-Shows treffen hier aufeinander und verweben sich zu einem Coming-of-Age-Roman...
    Rezension: Hier ist es schön

    „Hier ist es schön“ von Annika Scheffel ist eines dieser Bücher, bei denen man nicht weiß, woran man ist. Allein der Klapptentext klingt nach Coming-of-Age, Sci-Fi, vielleicht auch Jugendroman — das hat mich neugierig gemacht. Das und dieses wunderwunderschöne Cover, auf dem man eine Sternenkarte sieht. Es geht um Irma, die ihr normales, plätscherndes Leben ein wenig satt hat.  Als ein Fernsehsender junge Menschen sucht, die sich auf eine interstellare Reise begeben wollen, um das Fortleben der Menschheit zu sichern, zögert sie nicht lange und bewirbt sich. Und sie wird ausgewählt. Ihre Freunde und Familie sind schockiert und kommen nicht darüber weg, als Irma sie verlässt. Zehn Jahre soll sie nun in einer Art Arena leben, in der sie und die anderen Jugendlichen für die Mission trainiert werden — aber nur zwei von ihnen sollen später ausgewählt werden, um die Reise anzutreten. Wie sich der Sender das vorgestellt hat, dass man mit nur zwei Menschen einen neuen Planeten besiedeln soll, bleibt ein Geheimnis.  Nach zehn Jahren, so heißt es, sollen die Familien ihre Sprösslinge noch ein letztes Mal sehen dürfen. Doch das fällt ins Wasser, und stattdessen sollen Irma (natürlich wurde sie ausgewählt!) und Sam (der das Leben außerhalb der Arena nicht kennt) sofort das Raumschiff besteigen. Doch Sam hat da andere Pläne. Bevor er die Erde verlässt, möchte er sie zumindest ein Mal gesehen haben. Irma folgt ihm, mehr genötigt als freiwillig, und begleitet ihn bei der ersten und letzten Reise auf unserem Heimatplaneten.

    Wir alle hier draußen suchen nach einer Zukunft, die sich lohnt. Ich frage mich, ob das so schlau ist — wer kümmert sich um die Gegenwart? Warum wird Lohnenswertes immer in anderen Zeiten, an anderen Orten vermutet? Ich habe […] irgendwie das Gefühl, wir lassen die Gegenwart im Stich.

    Dieser Roman hat es innerhalb der ersten Seiten geschafft, dass ich mich so auf das noch Kommende gefreut habe, es ist unfassbar. Durch Briefe, die allerlei Personen an Irma, als sie schon in der Arena war, gesendet haben, erfährt man zunächst nicht viel. Doch irgendwie auch schon zu viel. Aber man weiß noch nicht alles, man wird neugierig. Sehr neugierig. Wie ist der Alltag in der Arena? Wie sieht das Raumschiff aus? Und wann geht’s denn auf ins All? Das sind alles Fragen, die unbeantwortet bleiben. Über den Alltag in der Arena erfährt man wenig bis kaum etwas, das Schiff wird nur verschwommen beschrieben und wann es ins All geht, weiß ich auch nicht. Nachdem Annika Scheffel von den Briefen nach draußen, außerhalb der Arena, wechselt, fällt der Spannungsbogen rapide ab. Wir erfahren allerhand über Irmas Familie und auch, was aus ihren Freunden geworden ist, wie alle gespannt die Fernsehsendung schauen und in den Aufzeichnungen nach einem Zeichen suchen, dass Irma ihre Briefe gelesen hat. Irmas Eltern fallen immer tiefer in ein schwarzes Loch, und vor allem ihre Mutter kommt mit dem Verlust ihrer Tochter überhaupt nicht zurecht. Die Charaktere von Irmas Mutter und Vater, ja sogar von Sam, sind wunderbar ausgefleischt — im Gegensatz zu Irma selbst: Sie ist die Person, die ich in diesem Roman am wenigsten mag. Sie erscheint trotzig, stur, launisch und nicht besonders freundlich. Da habe ich deutlich mehr mit ihren Eltern mitgefühlt, die darunter leiden, dass ihre Tochter sich gegen ein Leben mit ihnen, auf der Erde, entschieden hat und allen und allem den Rücken kehrt.

    Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/annika-scheffel-hier-ist-es-schoen

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    SomeBodyvor 3 Monaten
    Meine Meinung zu "Hier ist es schön" von Annika Scheffel

    Den Einstieg ins Buch fand ich zwar außergewöhnlich, aber gelungen, denn durch die Briefe wurden mir ein erstes grobes Bild von den Hauptdarstellern und der grundsätzlichen Situation vermitteln. Fast durchweg störte mich danach aber ein bisschen die Einfachheit des Schreibstils. Vielleicht ist genau das der eher wirren Handlung zuträglich, doch von einem Buch, das als ROMAN deklariert ist, erwarte ich ein komplexeres Repertoire an Satzstruktur.

    Im Verlauf des Buches ging mir dann leider vieles auf die Nerven: Charaktere, Handlung, Setting empfand ich als allzusehr konstruiert. Stellenweise musste ich mich dann doch schon selbst dazu überreden, die Geschichte überhaupt weiter zu lesen. Der mit dieser Dystopie wohl von der Autorin beabsichtigte moralische Fingerzeig auf die Konsequenzen unseres weitreichend unbedachten Umgangs mit Schein- und Umwelt ist sicher auch bei mir angekommen, aber viel zu oft fehlte mir eben leider der eigentliche und vor allem logisch nachvollziehbare Erzählstrang.

    Bei der Bewertung von "Hier ist es schön" war ich mir nicht ganz so schlüssig, ob vielleicht 3 Sterne gerechtfertigt wären, denn das Buch hat durchaus hier und da seine Stärken. Dennoch genügte das für mich leider doch nicht, denn was mir am Ende nun tatsächlich bleibt, ist vor allem das Gefühl, mögliche Zusammenhänge bei dem, was die Autorin geschrieben und/oder damit gemeint hat, nicht wirklich verstanden zu haben, weil einfach zu viele aufgenommene, oft wirre Fäden in den Weiten des Universums verschwinden. Schade.

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    Laurie8vor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Für mich eine einzige Enttäuschung!
    Unlogisch, wirr und lieblos!

    Klappentext: An einem Tag im August beschließt Irma, die Erde zu verlassen, ihren Eltern und Freuden für immer den Rücken zu kehren und eine Heldin zu werden. Gemeinsam mit dem rätselhaften Sam wird sie in einer spektakulären Fersehshow dafür ausgewählt, einen neuen Planeten zu besiedeln. Doch dann entscheidet sich Sam plötzlich anders. Er, der abgeschirmt von der Welt aufwuchs, ergreift die Flucht. Er will endlich Antworten auf die Fragen nach seiner Herkunft, nach seiner Geschichte (…).

    Ich habe mich sehr auf diesen Roman gefreut. Ich lese gerne Dystopien und war gespannt wie Annika Scheffel ihre Version davon umsetzt. Sie hat einen besonderen Schreibstil gewählt, der mir gut gefallen hat, mich aber auch öfter gezwungen hat einzelne Passagen zweimal zu lesen. Es war mir beim ersten Lesen nicht immer klar, wer gerade spricht, oder an wessen Gedanken ich gerade Teil habe. Mich hat es nicht gestört, ich fand sogar dass der Stil der Handlung mehr Spannung verliehen hat.

    Leider muss ich sagen dass das auch schon das einzig Positive an ihrem Roman war. Mir ist immer noch nicht klar, was mir die Autorin mit dieser Geschichte sagen will. Ich verstehe nicht, warum man als Leser mit so vielen offenen Fragen zurück gelassen wird. Wenn es ein Hinweis auf uns Menschen sein soll, auf unseren Umgang mit unserer Umwelt, auf unsere rücksichtslose Art mit der Natur und ihren Ressourcen umzugehen – dann verstehe ich nicht, warum man das in solch eine lieblose, völlig unlogische und mit derart unsympathischen Charakteren ausgestattete Geschichte verpackt. Irma, die Heldin der Geschichte, war der unsympathischste und kaltherzigste Mensch im ganzen Roman. Und Sam, der sich verhält wie ein Kind, soll mit ihr die Erde retten und einen neuen Planeten besiedeln? Ich habe selten einen Roman gelesen der derart wirr und unstimmig war, ich habe gehofft dass es gegen Ende eine Auflösung gibt, dass wenigstens ein paar Fragen beantwortet werden. Dass alles noch irgendwie einen Sinn ergibt und dass das Lesen dieser Geschichte nicht umsonst war. Aber leider war das Buch eine riesige Enttäuschung für mich und ich kann es definitiv nicht weiter empfehlen.

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    Plushs avatar
    Plushvor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Tolle Sprache, tolle Idee - Umsetzung total vermurkst.
    Rezension zu "Hier ist es schön" von Annika Scheffel

    Dieses Buch war ein echter Kampf für mich und ließ mich enttäuscht zurück. Nachdem der Klappentext so vielversprechend klang, bin ich mit großer Freude und hohen Erwartungen an die Geschichte gegangen. Doch schnell kamen die ersten Zweifel auf, ob das Buch hält, was die Inhaltsangabe verspricht. 


    Die Geschichte wird anfangs komplett in Briefform erzählt. Als kleines Intro hätte mir das gut gefallen, doch irgendwann bekam ich Sorge, diese Briefe würden gar nicht mehr aufhören. Knapp 60 Seiten sind für diese Form der Erzählweise doch recht lang.

    Dann kehren wir wieder zu einer klassischeren Erzählweise zurück und erleben abwechselnd in der Gegenwart und in der Vergangenheit, was vorfällt / vorgefallen ist. Leider merkte ich schnell, dass ich mit den Protagonisten Irma und Sam rein gar nichts anfangen kann. Ich konnte zu beiden keine Verbindung aufbauen, konnte ihre Handlungen nicht nachvollziehen und fand keinen von beiden sympathisch.

    Vor allem Sam machte es mir schwer, ein passendes Bild oder eine passende Stimme in meinen Gedanken entstehen zu lassen. Seine kindliche Art bekam ich das ganze Buch hindurch nicht mit den Infos zu seinem Alter und seinem Aussehen in Einklang. Aber auch Irma blieb mir durchweg unsympathisch und ihre Beweggründe unklar und nicht nachvollziehbar.

    Auch die Welt konnte mich nicht packen. Zu unlogisch und unrund kamen mir die Beschreibungen vor – auf Logik wurde bei dieser Geschichte definitiv kein besonderer Wert gelegt. Es wurde sich auch nicht die Mühe gemacht, die dort herrschenden Zustände zu erklären.

    Ich weiß einfach nicht, was mir das Buch letztendlich eigentlich sagen wollte. Wo lag der Schwerpunkt? Für eine Dystopie fehlen wie gesagt die Infos und auch die Logik. Sollte der Schwerpunkt auf den Charakteren liegen? Dafür konnte man sich mit beiden viel zu wenig identifizieren, in keinen von beiden hineinversetzen, mit niemandem mitfiebern, weil schlicht das Interesse ausblieb. Sollte es eine Gesellschaftskritik sein? Auch mit Gedanken in diese Richtung lässt einen das Buch ziemlich allein. Klar kann ich da jetzt alles Mögliche hineininterpretieren, aber die Frage ist doch: Tue ich das, wenn mich das Buch von Anfang bis Ende mit nichts packen konnte? Meine persönliche Antwort auf die Frage lautet definitiv nein.

    Das Buch hat mich einfach nur enttäuscht zurückgelassen. Aus dieser Geschichte hätte man ganz viel machen können und das ärgert mich so. Auch der Schreibstil der Autorin ist wunderschön, immer wieder sind Sätze geradezu poetisch und klingen als herausgelöste Zitate ganz wunderbar. Aber als Ganzes fehlte dann leider der Sinn. Und das reicht nicht, um mich als Leser bei der Stange zu halten.

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    booklovings avatar
    booklovingvor 3 Monaten
    Nicht ganz überzeugender Roman

    INHALT
    An einem Tag im August beschließt Irma, die Erde zu verlassen, ihren Eltern und Freunden für immer den Rücken zu kehren und eine Heldin zu werden. Gemeinsam mit dem rätselhaften Sam wird sie in einer spektakulären Fernsehshow dafür ausgewählt, einen neuen Planeten zu besiedeln. Doch dann entscheidet sich Sam plötzlich anders. Er, der abgeschirmt von der Welt aufwuchs, ergreift die Flucht. Er will endlich Antworten auf die Fragen nach seiner Herkunft, nach seiner Geschichte. Und so begeben sich Sam und Irma auf eine Reise – nicht ins All, sondern durch abgestorbene Wälder, lebensfeindliche Städte, entlang leerer Straßen. Sie entdecken eine kaputte Welt von surrealer Schönheit, verfolgt – oder doch gelenkt? – von Mächten, die Puppenspielern gleich im Hintergrund die Fäden ziehen. 

    (Quelle Klappentext Suhrkamp Verlag)

    MEINE MEINUNG
    Annika Scheffel hat mit ihrem neuesten Werk „Hier ist es schön“ einen recht außergewöhnlichen Roman vorgelegt, der eine Mischung aus Dystopie, Utopie und abenteuerlichem Roadtrip darstellt und in vielerei Hinsicht an einen Jugendroman erinnert. Angesiedelt ist die Handlung in einer nicht allzu fernen Zukunft und in einem apokalyptischen, sehr surrealen Weltenszenario. Die Autorin thematisiert in ihrem Roman die Perversität von Reality-Shows, gezielte Manipulation und Überwachung der Bevölkerung, den Wandel moralisch-ethischer Überzeugungen und die Folgen einer ökologischen Katastrophe auf die Menschheit.
    Neben einigen sehr schönen, poetischen Formulierungen ist der zumeist prägnante Schreibstil der Autorin angenehm und flüssig zu lesen und passt insgesamt sehr gut zu den Hauptfiguren.
    Als Einstieg in die Geschichte hat die Autorin die faszinierende Form eines Briefromans gewählt. Die Protagonisten lernt der Leser nicht direkt, sondern aus Briefen der Eltern und Freunde sowie durch Fanpost kennen. Relevante Hintergründe zur Welt und den Lebensbedingungen erhalten wir ebenfalls nur als beiläufig eingestreute Informationen, so dass man sich die bruchstückhaften Einblicke selber zusammensetzen muss. Im weiteren Verlauf ändert sich dann die Erzählperspektive und wir erleben die weitere Geschichte aus der sich abwechselnden Sichtweise der Hauptfiguren Sam und Irma, den beiden auserwählten jungen Hoffnungsträgern, die die Menschheit mit ihrer Weltraummission zu einem fernen Planeten retten sollen. Aus ihrer subjektiven Perspektive heraus erhalten wir nur sehr vage, fragmentarische Informationen zu ihrer endzeitlich geprägten Welt, dem vorherrschenden System und kaum relevante Hintergründe zu ihrem ökologischen Zusammenbruch. Durch eingestreute Rückblicke in die Vergangenheit lernt man die Hauptfiguren und ihr Vorleben besser kennen. Sehr gut konnte ich mich in ihr Gefühlsleben und ihre Beweggründe allerdings nicht hineinversetzten. Irma macht einen etwas unnahbaren, gefühlskalten und pubertären Eindruck. Sie wird als intelligent und ehrgeizig mit einem starken Geltungsdrang geschildert, der sie nicht übermäßig sympathisch erscheinen lässt. Auch im Laufe ihres Roadtrips gewinnt sie nicht deutlich an Profil hinzu und revidiert ihre Haltung zum Projekt trotz einiger Zweifel nicht, so dass es mir schwerfiel, mit ihr mitzufiebern. Sam, eine Art bemitleidenswerter Kaspar Hauser, den man speziell für dieses Projekt völlig bindungslos und ohne Kontakt zu der Außenwelt herangezogen hat, wird hingegen derart naiv und weltfremd geschildert, dass man sich kaum vorstellen kann, dass er dieser Mission charakterlich ernsthaft gewachsen sein soll. Auch die Nebenfiguren mit ihren sehr unterschiedlichen Funktionen in der Geschichte wirken eher oberflächlich ausgearbeitet, farblos und sehr undurchsichtig, so dass viele Charaktere äußerst suspekt erscheinen.
    Getrieben von der Suche nach einer legendären Insel und Sams Herkunft schickt uns die Autorin nach einem Zeitsprung von 10 Jahren gemeinsam mit den Hauptfiguren auf einen bizarren, abenteuerlichen Roadtrip durch eine unwirtliche Welt, in der nur noch wenig Schönes zu finden ist. Mit einigen unerwarteten Wendungen und unterhaltsamen Episoden konnte mich die Autorin in ihrer beklemmenden, nachdenklich stimmenden Zukunftsvision zwar zeitweise fesseln, aber leider nicht emotional mitreißen. Statt schlüssige Erklärungen und plausibler Hintergründe häufen sich verwirrende Ereignisse und Ungereimtheiten in der Handlung, so dass man etwas ratlos zurückbleibt und völlig auf eigene Deutungen zurückgreifen muss. Neben dem offensichtlichen Appell unsere kostbare Erde vor dem Untergang zu bewahren bleibt dem Leser zum sehr offenen Ende des Romans sehr viel Spielraum für eigene Gedanken und Interpretationen über Wertschätzung des eigenen Lebens, Träume und fehlgeleitete Hoffnungen. 

    FAZIT
    Ein außergewöhnlicher Roman über eine beklemmende Zukunftsvision, der den Leser zum Nachdenken anregt. Insgesamt fehlten mir allerdings charismatische Protagonisten zum Mitfiebern und konkretere Deutungsansätze, um mich völlig überzeugen und begeistern zu können!

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    Linatosts avatar
    Linatostvor 3 Monaten
    Nicht ganz rund

    Annika Scheffels Buch ist viel mehr als eine Dystopie.  Sie zeigt uns auch wie schön die Welt sein kann, wenn man ihre Wunder sehen kann. Hierbei kann man Sam ganz wunderbar begleiten. Kindlich naiv stolpert er in die Welt. Er erlebt vieles zum ersten Mal. Erfährt das Sturm nicht nur ein Wort ist sondern auch verbunden mit Gerüchen, Gefühlen und vor allem physischen Empfindungen.

    Eine große Fernsehshow sucht Kandidaten, die eine neue Zivilisation auf irgendeinem Planeten im Weltall aufbauen sollen. Zwei Kandidaten werden auserwählt und hier ist auch schon einer von mehreren widersprüchlichen Elementen des Buches. Wie sollen zwei Menschen eine neue Zivilisation schaffen?

    Irma, eine durchschnittliche 16 Jährige die mit ihrem Leben noch nicht recht weiß wohin, nicht verwerflich mit 16, bewirbt sich für die Show und wird auch auserwählt. Genau wie Sam, der allerdings alles andere als durchschnittlich ist. Er scheint die Welt und Mitmenschen zum ersten Mal zu sehen. Keiner weiß woher er kommt und keiner weiß wie er aufgewachsen ist.

    Bevor die beiden jedoch ins All aufbrechen können will Sam unbedingt noch einmal einen Road-Trip machen um eine bestimmte Insel zu finden.

    Soweit so gut. Dystopien sind eigentlich nicht so mein Geschmack, genieße Sie aber hin und wieder wenn die Story stimmt. So dachte ich bei diesen Roman anfangs, dass wir zwei tolle Charaktere kennen lernen. Ich hoffte, dass wir beide durch differenzierte Gefühlslagen begleiten. Gehen oder bleiben? Liebe oder nur Freundschaft? Allerdings hab ich da in den Klappentext doch mehr Wünsche gesteckt als das Buch hergibt.

    Das größte Problem mit dem Buch ist die subtile Spannung, es wird zwar immer versucht ein Spannungsbogen aufzubauen aber die Ungereimtheiten der allzu glatten oder zufälligen Ereignissen, lassen ihn wieder in sich zusammen fallen. Es liest sich eher wie Anlauf nehmen aber nicht abspringen. So wird am Ende auch nicht mehr erzählt, als schon die ganze Zeit erzählt wurde. Das lässt einen irgendwie unbefriedigt zurück.

    Ein anderer großer Schwachpunkt ist die Widersprüchlichkeit der aktuellen Situation. So gibt es z.B. auf der Welt kaum noch Sonnenschein, alle Früchte vergammeln noch bevor sie überhaupt reifen konnten.  Merkwürdig ist dann an einer anderen Stelle wie Bäume vor Trockenheit einfach zu Staub zerfallen, obwohl von Regen des Öfteren gesprochen wird. Was also hat die Bäume so ausgetrocknet wenn es keine Sonne war?

    Für mich hatte es eher den Anschein, als wenn der Lektor zu viele Ausführungen aus dem Buch gestrichen hätte und nun einige Zusammenhänge fehlen.

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    Naburas avatar
    Naburavor 3 Monaten
    Auf zu neuen Ufern?

    Irma und Sam nehmen an einem besonderen Wettbewerb teil: Sie wollen dazu auserwählt werden, die Fähre zu besteigen, die sie in eine neue Welt bringen soll. Die Erde ist nicht mehr das, was sie einmal war. Dennoch ist für Irmas Eltern ist unverständlich, warum ihr Tochter alles endgültig hinter sich lassen will und sich dazu in der Arena in große Gefahr begibt. Über Sam hingegen ist so gut wie nichts bekannt. Man erzählt sich, dass er an einem der letzten Sommertage angespült wurde. Außerhalb der Arena ist ihm nichts vertraut. Bis er eines Tages seinem Impuls folgt und beschließt, die Welt zu erkunden, mit Irma an seiner Seite.

    Als ich vor einigen Monaten im Radio einen Bericht über das „Mars One“ Projekt und dessen Rekrutierung von Kolonisten hörte, fragte ich mich vor allem, was so viele Menschen dazu bewegt hat, sich für diese Mission ohne Rückfahrtschein zu bewerben. Eine ähnliche Frage hat sich auch die Autorin gestellt. In ihrem Roman will die Organisation „Carpe Diem“ einen Mann und eine Frau auswählen, die sie als Hoffnungsträger in eine weit entfernte Welt schickt.

    Die Protagonistin Irma lernt man zu Beginn durch Briefe kennen, die an sie geschickt werden. Aus diesen erfährt man, dass sie sich in einer Arena befindet, in welcher der Auswahlprozess für die Mission stattfindet. Das Ganze wird im Fernsehen ausgestrahlt und fesselt die ganze Nation – nur ihre Familie kann kaum zuschauen, als klar wird, dass tödliche Unfälle mit zum Programm gehören. Die Briefe ihrer Eltern und Freunde klingen verzweifelt und zunehmend resigniert, während die Fanpost immer euphorischer wird. Als ich Irma und Sam schließlich begegnete, hatte ich das Gefühl, sie schon lange zu kennen – so wie der Freund eines Freundes, von dem man schon lange gehört hat. Es sind zehn Jahre vergangen, seit Irma ihre Familie verlassen hat. Der Abflug der Fähre steht kurz bevor, da will Sam plötzlich die Welt sehen. Er öffnet die Tür zur Welt und spaziert einfach hinaus, und Irma folgt ihm.

    Die Erde ist in einem schlechten Zustand, das ist nach wenigen Schritten klar, die Sam und Irma in der „echten“ Welt tun. Warum, erfährt man nicht, wie so vieles in diesem Roman. Doch es fahren kaum Autos mehr, die Lebensmittel sind knapp, der Himmel fast durchgängig grau. Trotzdem hatte Irma Eltern, sie sie lieben, tolle Freunde und Tom, der offensichtlich für sie schwärmt. Was reicht ihr daran nicht? Diese Frage stellt sich ihr Umfeld und auch der Leser, der in den eingestreuten Rückblicken erfährt, wie Irma erstmals von Carpe Diem gehört und sich schließlich beworben hat.

    Sam hingegen ist ein Rätsel. Er will unbedingt zur letzten Insel, die Irma nur für einen Mythos hält. Unbeholfen ist er unterwegs, weiß über die Welt fast nichts. Trotzdem zieht dieses ungleiche Duo weiter. Die Geschichte hat einen bruchstückhaften Charakter, setzt einzelne Szenen aneinander mit rauen Übergängen. Es kommt zu Begegnungen mit Menschen, die Irma einst Briefe schrieben. Während Irma in einer Blase gelebt hat, hat das Leben bei ihnen Spuren hinterlassen. Sie haben Wege gefunden, um mit ihrem Verlust klarzukommen, denn Irma lebt schon seit ihrer Abreise in die Arena gefühlt in einer anderen Welt. Auch über Sams Vergangenheit erfährt man schließlich ein wenig mehr und erfährt Dinge, die das Geschehen in neuem Licht erscheinen lassen.

    In der Geschichte schwingt viel Gesellschaftskritik mit – an Reality-Shows und deren überspitzter Inszenierung, der Sensationslust der gaffenden Menge und dem Streben nach mehr, egal, was es kostet. Gleichzeitig wirft das Geschehen immer wieder neue Fragen auf und überlässt vieles der eigenen Interpretation, explizite Botschaften sucht man vergeblich. Ein Buch zwischen Verzweiflung und Hoffnung, Pioniergeist und Größenwahn, Loslassen und Festhalten.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    abas avatar

    "Eine Minute Stille.
    Dann beginnt die Sendung mit einem Knall."

    Stellt euch vor, ihr hättet die Möglichkeit, die Erde zu verlassen, um eine neue Welt zu gründen. Irma und Sam werden in einer außergewöhnlichen Fernsehshow dafür ausgewählt, einen neuen Planeten zu besiedeln. Kurz bevor sie aufbrechen sollen, entschließt sich Sam aber, einen anderen Weg einzuschlagen – und Irma begleitet ihn. 

    "Hier ist es schön" erzählt uns eine unglaubliche Geschichte über die Ausbeutung der Natur und den Größenwahn der Menschen und ist dabei ebenso phantastisch wie aktuell!

    "Hier ist es schön", der neue Roman der mehrfach prämierten Autorin Annika Scheffel , ist unser fünfter Titel im LovelyBooks Literatursalon!
    Wenn ihr zusammen mit uns dieses aufrüttelnde Porträt unserer Welt entdecken wollt , dürft ihr diese Leserunde nicht verpassen.

    In unserem LovelyBooks Literatursalon erwarten euch weitere literarische Neuerscheinungen und spannende Spezialaufgaben!

    Seid ihr bereit für eine spannende Leseprobe?
    Zur Autorin   
    Die magische Einfachheit der Annika Scheffel: Die Autorin von Romanen und Drehbüchern, die mit ihrer Familie in Berlin lebt und arbeitet, zeichnet eine kunstvolle Schlichtheit der Sprache aus, in der sie realistische Geschichten in fantastischen Welten handeln lässt.  Mit dem magischen Realismus hat Annika Scheffel ihre ganz persönliche Ausdrucksform gefunden. Der vorläufige Höhepunkt dieser Entwicklung ist ihr dritter Roman „Hier ist es schön“, für den sie bereits im Projektstadium 2015 den Robert-Gernhardt-Preis erhält.

    Möchtet ihr Irma und Sam kennenlernen und gemeinsam mit ihnen auf ein literarisches Abenteuer gehen? Zusammen mit Suhrkamp verlosen wir 30 Exemplare von "Hier ist es schön" unter allen, die Lust haben, sich über diesen spannenden Roman im Rahmen einer Leserunde auszutauschen und im Anschluss eine Rezension zu schreiben.
    Möchtet ihr dabei sein? Dann bewerbt euch * über den blauen " Jetzt bewerben"  - Button bis zum 13.05. und antwortet auf folgende Frage: 

    Wenn ihr etwas Grundlegendes auf unserer Welt verbessern könntet – was wäre das?

    Ich freue mich auf eure Antworten und wünsche euch viel Glück

    Ihr seid noch kein Literatursalon -Mitglied? Ihr könnt jederzeit eintreten. Alle Infos dazu findet ihr hier und in unserer Literatursalon-Plauderecke.

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    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    TheCoons avatar
    TheCoonvor 3 Monaten
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