Anonym Fragt mal Alice von Anonym (2001) Taschenbuch

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Inhaltsangabe zu „Fragt mal Alice von Anonym (2001) Taschenbuch“ von Anonym

Fragt mal Alice von Anonym (2001)

Drogenkarriere eines Kindes, die an die Nieren geht.

— MarkusDittrich
MarkusDittrich

Bitter....

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer
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  • Eine Geschichte von Drogen und Unschuld

    Fragt mal Alice von Anonym (2001) Taschenbuch
    MarkusDittrich

    MarkusDittrich

    14. December 2014 um 22:11

    Man sagt, nicht der Schriftsteller suche sich die Figuren aus, sondern die Figuren den Schriftsteller. Das stimmt! Dass sich allerdings Bücher (und die Figuren darin) ihre Leser aussuchen, das ist mir so zum ersten Mal passiert. Frag mal Alice lag zusammen mit einem anderen Haufen verweister Bücher auf einer Bank im Freien, wo es jemand beim Entrümpeln hingelegt hat. Ich nahm das Buch mit und fing an darin zu blättern – um unvermutet eine herzzerreißende Story zu finden: Die Geschichte vom Verlust der Unschuld. Das Buch ist, laut Klappentext, ein authentisches Dokument, daher wird auch der Name der Ich-Erzählerin niemals genannt (Alice ist ein Verweis auf Alice im Wunderland). In Tagebuch-Form beschreibt das gerade 15 gewordene Mädchen in lebhafter, noch sehr kindlicher Sprache ihre Welt, ihr Zuhause, die typischen „kleinen“ Glücksmomente und Sorgen des Erwachsenwerdens. Kein Klischee vom asozialen Zuhause mit Alk-Vater und Depri-Mutter. Sie wächst behütet auf, vielleicht zu behütet, hat liebevolle Eltern, Geschwister, Großeltern. Beim Besuch einer Party wird sie Opfer eines derben Junior-Scherzes: Nach dem Russischen-Roulette-Prinzip geben die Jungen einigen ahnungslosen Mädchen „etwas“ in die Cola, anderen nicht. Am nächsten Tag geht sie wieder hin... Und wieder... Und schon nach ein paar Seiten merkt man an der Sprache des Tagebuchs, mehr als an den Ereignissen selbst, wie sich die heile Welt des Mädchens allmählich von innen zersetzt. Plötzlich – und viel zu früh – redet sie von Bullen und Ficken, plötzlich ist nicht mehr der erste Kuss das Thema, sondern die benebelte Gruppensexorgie unter LSD. Der Prozess geht über zwei Jahre, in denen die Kleine immer krasser zwischen verlorener Kindheit und „erwachsener“ Verwahrlosung, zwischen Heim und Flucht hin und herschwankt. Sie läuft von Zuhause weg, kommt zurück, darf eine Zeitlang wieder Kind sein, bricht erneut aus, lebt auf der Straße. Das Buch geht an die Nieren, weil es so anschaulich die Zerstörung eines Kindes durch Drogen beschreibt. Und nebenbei, in diesem Licht wird die alte „intellektuelle Lüge“ (Stephen King) restlos entlarvt, sich selbst mit Sucht zu zerstören sei heroisch oder habe etwas mit Freiheit zu tun (und dass das klar ist: Mir ist scheißegal, welche Droge, ob legal oder nicht). Das Kind in diesem Tagebuch, das für viele Kinder steht, ist tatsächlich heroisch und etwas Besonderes; aber trotz seiner Sucht, nicht durch sie! Der einzige Wermutstropfen dieses Buches liegt darin, dass es Zweifel an seiner Echtheit gibt. 1971 herausgegeben von einer Ärztin, die viel mit Jugendlichen zu tun hatte, hält sich leider unwiderlegt (allerdings auch unbewiesen) das Gerücht, die ganze Sache sei erfunden. Paradox genug: Fast wünschte ich, es wäre so.

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