António Lobo Antunes Einen Stein werd ich lieben

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Inhaltsangabe zu „Einen Stein werd ich lieben“ von António Lobo Antunes

Voller überraschender Bilder und praller Geschichten António Lobo Antunes, der Sprachmagier der Weltliteratur, zeigt in diesem Roman zärtlich und doch unerbittlich, wie grausam es ist, vergeblich zu lieben. Er lässt die Mitglieder einer verzweigten Familie aus Lissabon zu Wort kommen und ihre Version eines stets vertuschten Skandals erzählen: Fünfzig Jahre lang hat sich der Vater mit seiner Jugendliebe einmal in der Woche heimlich in einem Stundenhotel getroffen, und dort ist er auch gestorben. Alle haben es gewusst, nie wurde darüber gesprochen, aber jeder hat auf seine Weise darunter gelitten.

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    Einen Stein werd ich lieben

    The iron butterfly

    18. June 2017 um 14:48

    Eine fünfzig Jahre andauernde Vertuschung, eine wahre Lebenslüge, die eine ganze Familie und andere beteiligte Personen beeinflusst und dennoch geduldet wird. Fünfzig Jahre lang trifft sich das Familienoberhaupt mit seiner Jugendliebe mittwochs in einem Stundenhotel. Fünfzig Jahre lang halten er und seine Geliebte an diesem Versteckspiel fest. Fünfzig Jahre bis zum Tod des Vaters leben seine Frau, seine beiden Töchter und der Sohn mit der Ahnung, dem Wissen oder Desinteresse. Mit dem Tod des Vaters endet zwar die Ausübung des Betrugs, jedoch enden nicht die emotionalen Auswirkungen und Folgen für die Familie. Die Last des Tabuthemas bleibt. António Lobo Antunes lässt den Sohn im fortgeschrittenen Alter das Familienalbum zur Hand nehmen. Seine Erzählung rekonstruiert anhand der Betrachtung der Fotografien im Album die Familiengeschichte und das Stillschweigen aller. Enstanden ist ein intensives Protokoll verschenkter Lebenszeit, denn so viele Sehnsüchte, so viele Lieben, so viele Emotionen wurden vergeudet und totgeschwiegen. Die Erzählweise an sich liest sich gewöhnungsbedürftig (daher die drei Sterne Bewertung), denn es handelt sich größtenteils um einen vielstimmigen Austausch, ein Gespräch, ein Erkunden der Dinge und Stimmungen, die auf den ersten Blick verborgen bleiben. Es ist ein andauernder Gedankenaustausch, der nach und nach durch unterschiedliche Sichtweisen anfangs unverständliche Situationen aufklärt oder zu erklären versucht. Intensiv und emotional aufwühlend ist etwas vom Weltschmerz, vom portugisieschen „Saudade“, diesem Gefühl, das sich so schwer erklären lässt zu spüren. Die Melancholie, die dich einfriert und dich Dinge ertragen lässt, die du nicht zu ändern wagst.

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  • Rezension zu "Einen Stein werd ich lieben" von António Lobo Antunes

    Einen Stein werd ich lieben

    Wolkenatlas

    02. September 2008 um 09:44

    Das Lied vom Leid, vergeblich zu lieben António Lobo Antunes ist in jeder Hinsicht ein Sprachmagier, ein Sprachkünstler, ein unverkennbar eigenständiger Schriftsteller und ein absoluter Kandidat für den Nobelpreis (was natürlich, wenn man einige der Preisträger der vergangenen Jahre hernimmt, nicht unbedingt ein Qualitätskriterium sein muss). Sein neuester Roman, "Einen Stern werd ich lieben" (von Maralde Meyer-Minnemann kongenial übersetzt) ist ein grosses Buch, das man sprachlos zur Seite legt, wenn man die ca. 650 Seiten hinter sich hat. Wie António Lobo Antunes hier die Geschichte entwickelt, ist genial. Zuerst nur eine Stimme (ein Bewußtseinsstrom, der vielleicht- wenn überhaupt- entfernt an Claude Simon erinnert), bis sich mit Verlauf des Buches die anderen Stimmen polyphon in diesen Strom mischen (einander quasi ins Wort fallen), mit diesem vermischen und so eine verstörende, zerbrechliche Symphonie der sehnsüchtigen, leidenden Stimmen entsteht. Ein magischer Sog, dem man sich eigentlich nicht entziehen kann.

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