António Lobo Antunes Mein Name ist Legion

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Inhaltsangabe zu „Mein Name ist Legion“ von António Lobo Antunes

Über Menschen am Rande der Gesellschaft In einem Slum in der Peripherie von Lissabon treffen sie aufeinander: eine Jugendgang, die hauptsächlich aus Schwarzen und Farbigen besteht, die Polizei, die der kriminellen Jugendlichen nicht mehr Herr wird, die ganz unterschiedlichen Bewohner des Elendsviertels. In seinem neuen Roman fängt der weltberühmte und mit zahlreichen literarischen Preisen ausgezeichnete Schriftsteller António Lobo Antunes die sozialen Verwerfungen einer globalisierten Moderne ein und verleiht den Menschen am Rande der Gesellschaft starke, unverwechselbare Stimmen.

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  • Rezension zu "Mein Name ist Legion" von António Lobo Antunes

    Mein Name ist Legion

    Wolkenatlas

    24. November 2010 um 09:12

    "Fado sobre Bairro" (Bairro-Fado) Ich meine mich zu erinnern, einmal die Aussage gelesen zu haben, António Lobo Antunes würde eigentlich nur an einem Buch schreiben. Das würde bedeuten, jeder neue Roman des Autors wäre eine neue Facette bzw. eine Neubeleuchtung eines Moments aus einem anderen Roman von Antunes. Das große Thema von António Lobo Antunes ist immer Portugal. Ob in Form einer Elegie über Angola oder die Auswirkungen Angolas auf Portugal, oder in Form einer Auseinandersetzung mit der Diktatur Salazars bzw. deren Auswirkungen auf das Leben in Portugal für die Portugiesen. "Mein Name ist Legion" ist der deutschsprachige Titel des im Original schon im Jahr 2007 erschienenen Romans. "Die Verdächtigen, 8 (acht) an der Zahl und im Alter zwischen 12 (zwölf) und 19 (neunzehn) Jahren, verließen um 22:00 (zweiundzwanzig Uhr und null Minuten) den im Nordosten der Hauptstadt liegenden und leider wegen seiner heruntergekommenen Bausubstanz und den damit verbundenen sozialen Problemen bekannten Stadtteil Barrio 1° de Maio in Richtung Amadora, wo sie angenommenermaßen gegen 22:30 (zweiundzwanzig Uhr und dreißig Minuten), was allerdings noch der Bestätigung durch die Verhöre, sei es der Verdächtigen, sei es möglicher, bisher noch nicht festgestellter Zeugen bedarf, mit einer Hauptschlüssel genannten Methode ..." Dieser erste Absatz, an dieser Stelle durch den ersten Einwurf unterbrochen, ist schon die Keimzelle dieses in sich kreisenden Romans. Ein kurz vor der Pensionierung stehender Polizist verfasst einen trockenen Tatsachenbericht über eine besonders brutale Nacht einer aus dem Elendsviertel Barrio stammenden Jugendgang, in der unter Anderem Mord, Vergewaltigung und sonstige Brutalität vorkommen. Immer wieder unterbrechen Erinnerungen an seine Kindheit, an eine physisch und psychisch weit entfernt lebende Tochter aus einer gescheiterten Ehe den Verlauf. Und so treten immer mehr Stimmen in Erscheinung; Prostituierte, Gangmitglieder, Verwandte, Schwarze, Weiße, Mischlinge; Menschen, die im Schatten der Wohlstandsgesellschaft leben, für die Gewalt eine übliche Begleiterscheinung des Lebens darstellt. Beeindruckend ist, wie António Lobo Antunes innerhalb dieses hochvirtuosen polyphonen Stimmengewirrs Raum für individuelle Farben schafft. Auch wenn es höchste Konzentration erfordert, dieses wunderbare großangelegte Werk zu lesen, ist doch immer sehr rasch klar, wer gerade die Rolle des Erzählers, des Nörglers, des Leidenden, des Enttäuschten und des Erniedrigten übernommen hat. Die von Antunes hier gezeichnete Welt ist hart, kalt und in aller Konsequenz aussichtslos. Er legt seinen "Sezierstift" dort an, wo es am meisten weh tut. "... und ich wartete auf meinen Vater, war mir dennoch sicher, dass ich den Weg aus dem Bairro finden würde, nicht bei den wilden Feigen und den Kakteen, sondern oben, bei dem Eukalyptushain und dem Steinbruch, aber wer garantiert mir, dass die Polizei nicht im Steinbruch, auf dem Campingplatz am Ausgang von Amadora oder auf der Autobahn ist, wo Mädchen, die nach Beendigung des Krieges aus Afrika gekommen waren, an den Kilometersteinen stehen und uns zuwinken (falls die magere Rothaarige - Kuckuck umarme ich sie dann?) die Krücke fiel am Ende hin, die Vögel blieben ohne Füße und Schwänze, und kein Neger stellte sie fertig, manchmal frage ich mich, ob es mir nicht doch etwas ausmacht, inmitten von Mischlingen zu leben, die nicht mit mir zusammenleben, sie sind im Bairro mit einem Land unterwegs, das sehr viel größer ist als dieses hier ..." Längst hat sich der trockene Bericht in einen poetischen Albtraum verwandelt, eine Symphonie der Stimmen, ein traurig-schauriges literarisches Plädoyer für einen angemessenen Umgang miteinander, ein Manifest gegen Rassismus, der doch viel stärker vorhanden ist, als man es wahrhaben möchte. "Wo ich gerade von Mündern rede, ich habe einen Stein vom Bürgersteig genommen und damit auf den Mund und die Nase des großen Schülers gehauen. Mit Kraft, aber nicht mit viel Kraft, um den Zahnapparat nicht kaputtzumachen. Die Bücher seiner Freundin verteilten sich auf dem Boden. Ich habe ihnen einen Fußtritt verpasst. Weil sie hübsch war? Auf sie habe ich nicht geachtet. Weiß nicht. Hab ich doch. Sie hatte ein grünes Kleid an. Ich hatte keine Lust, sie anzufassen. Ich mag nicht, wenn Leute mich anfassen. Als ich klein war, hat mich eine Alte aus dem Bairro manchmal auf den Schoß genommen. Junge, sagte sie. Junge. Dann ist sie gestorben, und das geschah ihr recht ..." "Mein Name ist Legion" ist ein großer, reifer und gewichtiger Roman eines Autors, der die totgeschwiegenen sozialen Probleme unserer Zeit vorführt und den willigen Leser rau und beklemmend wachrüttelt. Prosa, die nur dann belohnt, wenn man bereit ist, sich auf die Weite, die Größe und Mehrdimensionalität dieses Romans ohne Wenn und Aber einzulassen. (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at Roland Freisitzer; 11/2010)

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