António Lobo Antunes Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben

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Inhaltsangabe zu „Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben“ von António Lobo Antunes

Was bleibt vom Leben, wenn man alles verloren hat?

Eine Frau Anfang fünfzig hält Rückschau auf ihr Leben: Es sind nur drei Tage, die sie im einstigen Ferienhaus ihrer Familie verbringt, um Abschied zu nehmen, weil das Haus verkauft worden ist. Doch in diesen drei Tagen stürzt das ganze Drama ihrer Existenz über sie herein, und ihre Erinnerungen an die glücklichen Tage der Kindheit weichen einem immer bedrohlicheren Strudel der Verzweiflung …

Eine Frau Anfang fünfzig fährt für ein Wochenende an den Strand. Das Ferienhaus ihrer Familie, an der Atlantikküste nördlich von Lissabon gelegen, ist verkauft worden, und sie möchte Abschied nehmen, ihren Erinnerungen an die Kindheit, an die gemeinsamen Sommer dort nachhängen. Doch die Vergangenheit bricht regelrecht über sie herein, und der Kurzurlaub gerät ihr zur Rückschau auf ihr Leben, zur Abrechnung über ihr Leben. Da ist die gar nicht glückliche Ehe ihrer Eltern, deren Gefühlskälte die Kinder geprägt hat; da sind die drei Brüder mit ihren unterschiedlichen Schicksalen: einer von Geburt an taubstumm, einer gezeichnet von seinem Einsatz im Kolonialkrieg, der dritte und älteste stürzte sich im Alter von achtzehn Jahren von einer Klippe. Und nun ist sie allein in dem leeren Haus. Ihr Mann hat sie schon lange verlassen, sie ist kinderlos, und ihr Beruf als Lehrerin füllt sie nicht mehr aus. Ihr Dasein, erkennt sie, ist ihr mit den Jahren mehr und mehr zur Last geworden. Am Ende führt ihr Weg sie zur Klippe über dem brausenden Ozean, wo sie das Lächeln ihres Bruders evoziert …

Ein Chor von Stimmen erklingt in diesem anspruchsvollen Roman. Bisweilen anstrengend, dennoch sehr lesenswert!

— leselea

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    Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben

    leselea

    11. February 2017 um 10:06

    ich bin gekommen, um mich von diesem Haus zu verabschieden oder mich von meinem ältesten Bruder zu verabschieden oder mich von mir zu verabschieden (S. 39) August 2011: Eine Frau Anfang 50 kehrt für ein Wochenende in das ehemalige Ferienhaus ihrer Eltern zurück. Das Haus ist bereits verkauft und soll in den nächsten Tagen den neuen Besitzern übergeben werden. Die Frau möchte Abschied nehmen – nicht nur vom Haus und der Umgebung, sondern auch von ihren Erinnerungen. In den drei Tagen stellt sie sich all den schmerzlichen Ereignissen ihres Lebens: der frühe Selbstmord des älteren Bruders, der Alkoholismus des Vaters, die Gefühlskälte in der Familie, der Verlust ihres ungeborenen Kindes, der Brustkrebs, die gescheiterte Ehe mit ihrem Mann. Unerbittlich schwört sie alte Bilder und Gefühle herauf, fügt sich alte Schmerzen noch einmal zu und zieht ein nüchternes Fazit über ihr Dasein. Am Ende, das weiß sie schon zu Beginn, wird sie nicht nach Lissabon zurückkehren, sondern sich von den Klippen in den Tod stürzen… wenn es mir einfiele, mich mitzuteilen, in wie viele Stimmen würde meine Stimme sich aufteilen (S. 13) Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben ist das erste Buch, das ich vom portugiesischen Schriftsteller António Lobo Antunes gelesen habe. Der Autor selber hat bereits über 20 Romane veröffentlicht, unzählige Preise gewonnen und wird von Kritikern zu den wichtigsten Autoren der europäischen Gegenwartsliteratur gezählt. Lobo Antunes schreibt – so haben es meine Recherchen gegeben – über die Geschichte und Gegenwart Portugals, über Faschismus, Kolonialkrieg und die portugiesische Gesellschaft. Seine Werke bestechen durch einen polyphonen Schreibstil und die Technik des Bewusstseinsstroms (stream of consciousness). Diese Merkmale finden sich auch in Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben wieder: Präsentiert wird dem Leser in den einzelnen Kapitel ein ungebrochener Gedankenstrom (das heißt auch: ein weitgehend nicht interpunktierter Gedankenstrom), in dem viele Stimmen zu Wort kommen, die sich vor allem zu Beginn nicht immer zuordnen lassen. Sie alle – das wird nach einer gewissen Eingewöhnungszeit deutlich – kreisen um die gleichen Themen, ziehen im Verlauf der Geschichte immer engere Bahnen und verdichten sich dabei peu à peu zu einem großen Ganzen. Das klingt nicht nur anspruchsvoll, das liest sich auch so und über vielen Strecken ist diese Art des Erzählens auch einfach unfassbar anstrengend. Doch mit der Zeit liest man sich ein, findet seinen Rhythmus, in dem man den Flut der Bilder aufnehmen und verarbeiten kann, erarbeitet sich eine Chronologie, die der eigentlichen Geschichte komplett abgeht und kann sich schließlich – und das überrascht dann doch! – in der Geschichte verlieren. Ab diesem Moment erkennt man die Schönheit und die Ausdrucksstärke von Lobo Antunes‘ Sätzen, kann man die raue und schmerzvolle Atmosphäre genießen, die er heraufbeschwört und findet immer wieder Andeutungen zwischen den Zeilen, die das Gelesene rückblickend erklären und es somit auch verständlich machen. Mir hat Mitternacht zu sein ist nicht jedem gegeben insgesamt daher ausgesprochen gut gefallen. Ich war erstaunt, was für ein Sog diese doch sperrig erzählte Geschichte entwickeln kann und wie mich das Schicksal der namenlosen Frau, die dem Leser gegenüber doch immer distanziert bleibt, emotional berührt. Ich habe am Ende der Lektüre das Gefühl gehabt, „richtig gute Literatur“ gelesen zu haben, auch wenn – oder gerade weil – der erzählerische Anspruch verlangt, dass man sich dieses Gefühl hart erarbeitet. Einen Stern ziehe ich jedoch ab, weil ich bezweifle, dass wirklich 575 Seiten notwendig waren, um das Bild, das der Autor vermitteln wollte, zusammenzusetzen. Gerade im letzten der drei Erzählteile franst die Geschichte für mich doch zu sehr aus, werden Stimmen hörbar, die ich nicht den Kontext einarbeiten konnte. Auch fehlt es für diese Seitenzahl einfach an Spannung, schließlich ist das Schicksal der Protagonistin schon von Beginn an besiegelt und auch die Familiengeschichte wartet ohne größere Überraschungen auf. Nichtsdestotrotz hat mich die Lektüre begeistert und ich werde in Zukunft sicherlich weitere Bücher des Autors lesen! und eine Geschichte voller Nebenflüsse und Verzweigungen, in der wir uns verloren (S. 35)

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