Clockwork Orange

von Anthony Burgess 
4,3 Sterne bei324 Bewertungen
Clockwork Orange
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localhavocs avatar

Pure & wonderful classic literature, my droogs.

kuerbiskoepfchens avatar

Ein Klassiker, an dessen Schreibstil und Wortwahl man sich erst einmal gewöhnen muss.

Alle 324 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Clockwork Orange"

Alex ist Anführer einer Londoner Jugendbande und begeisterter Beethoven-Fan. Seine Gang lebt in einem trostlosen Vorort und benutzt eine eigenwillige Sprache, einen von russischen Brocken durchsetzten Slang. Ihr Leben dreht sich um Schlägereien mit anderen Gangs, Raubüberfälle und Vergewaltigungen. Alex’ Eltern kriegen ihn nicht in den Griff, denn er hat keinerlei Respekt vor ihnen. Aber auch Alex’ Freunde sind mit ihrem Anführer nicht mehr zufrieden. Bei einem ihrer Raubzüge lassen sie ihn im Stich und die Polizei nimmt ihn fest. Wegen Mordes wird er zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, bekommt aber eine letzte Chance: Ein neuartiges Experiment soll ihn zu einem guten Bürger umerziehen.

Der große Roman von Anthony Burgess über Gut und Böse, über Freiheit und Zwang in neuer Übersetzung der ursprünglichen Fassung. Mit ergänzenden Texten zu Buch, Film und Theaterstück.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783608939903
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:256 Seiten
Verlag:Klett-Cotta
Erscheinungsdatum:23.09.2013
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.03.2012 bei Der Audio Verlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Jaris avatar
    Jarivor einem Jahr
    Kurzmeinung: „Clockwork Orange“ ist eine Grenzerfahrung.
    Anthony Burgess - Clockwork Orange

    „Clockwork Orange“ ist bei uns vor allem durch die Verfilmung Kubricks zu grosser Berühmtheit gelangt. Aber auch die literarische Vorlage hat viel von sich reden gemacht. Unter anderem zählt das Buch zu den 100 bedeutendsten Romanen Grossbritanniens.
    „Die Orange“ ist ein sehr intensives Werk, weswegen es mir auch eher schwer fällt, eine Rezension zu schreiben. Dieses Buch geht zu jenen, die sich den klassischen Beschreibungen von „gut“ und „schlecht“ entziehen. Man kann es mögen oder nicht - aber in eine Schublade stecken kann man es nur schwerlich.
    Burgess stellt in seinem Buch eine unheimlich schwere Frage: kann sich ein Mensch dazu entscheiden, gut bzw. böse zu sein? Soll man ihm diese Entscheidung überlassen oder zum Wohle der Allgemeinheit diese Entscheidungsfreiheit eindämmen? Ein brisantes Thema, über das wir alle einmal gründlich nachdenken sollten, auch wenn es bei beileibe nicht einfach ist.
    Alex ist ein Antagonist. Er ist „der Böse“. Meistens sind „die Guten“ die Helden, wir identifizieren uns mit ihnen und wünschen, dass sie aus ihren Abenteuern siegreich hervorgehen. Nun aber erfahren wir die Geschichte aus Alex’ Sicht, er zieht uns in seinen Bannkreis, nennt uns „Brüder“.
    Wie weit identifizieren wir uns mit einem Helden, der zum Spass Leute quält? Inwieweit wünschen wir uns, dass Alex aus seinen Abenteuern siegreich hervorgeht? Finden wir ein bisschen Alex in uns selber? Macht uns das zu einem „bösen“ Menschen?

    „Clockwork Orange“ ist eine Grenzerfahrung. 
    Alex selbst hat keinerlei Mitgefühl oder gar Empathie. Frisch und munter erzählt er, was er Anderen antut und sieht darin nichts Falsches. Spannend zu beobachten ist sein Verhalten im Kontext mit der Gesellschaft in der er lebt - dort ist Gewalt an der Tagesordnung. Die Gesellschaft scheint noch verrohrter zu sein als mir unsere teilweise erscheint. Alex und seine Kumpane sind also nicht die Ausnahme, sondern eher die Regel.
    Für dieses Buch hat sich Anthony Burgess eine eigene Jugendsprache ausgedacht, die Alex und seine Freunde sprechen: Nadsat, eine Mischung aus englischen Slangs und Russisch (einige Szenen im Buch erinnern sogar ein wenig an den Kommunismus, zum Beispiel die Malereien an den Wohnblöcken). Trotz dieser uns eigentlich unbekannten Wörter lässt sich ihre Bedeutung aus dem Zusammenhang gut erfassen, in meiner Ausgabe war zusätzlich noch ein Glossar im Anhang zu finden. Diese eigene Sprache macht die Lektüre des Buches noch eindringlicher und fassbarer, und das obwohl diese jungen Menschen mit ihrem Slang unschöne Dinge mit teilweise lustigen Ausdrücken „verschönern“. Eine übrigens gängige Praxis auch bei uns; Stichwort „Kollateralschaden“.
    Eine Antwort auf die gesellschaftlichen Probleme vermag Burgess wohl nicht zu geben, doch auf die eingangs gestellte Frage gibt er eine klare Antwort. Im abschliessenden 21. Kapitel bezieht der Autor sehr klar Stellung. Ob man mit Burgess übereinstimmt oder nicht bleibt schlussendlich dem Leser überlassen.

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    SofiaMas avatar
    SofiaMavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ziemlich brutal, aber doch ganz gut. Auch wenn es anfangs nicht so scheint, regt das Buch doch zum Nachdenken an.
    Hoher philosophischer Wert


    Das ist jetzt echt nicht das schönste Cover, das ich je gesehen habe. Um ehrlich zu sein finde ich es sogar ein bisschen gruselig wegen dieses einen Auges da und wegen des Zahnrads... Das sieht schon etwas seltsam aus...
    Aber ich kann mir vorstellen, dass das die "Mischung" aus Mensch und Maschine darstellen soll.
    Der Titel ist ebenfalls treffend, warum erfährt man allerdings erst gegen Ende. ;)
    Das Buch ist in drei Teile geteilt; die Kapitel sind alle mittellang.



    Okay, vorweg sei gesagt: Das Buch ist auf keinen Fall etwas für schwache Nerven! Wer nicht so viel Gewalt vertragen kann, sollte sich zweimal überlegen, Clockwork Orange  zu lesen!
    Hier geht es wirklich um extrem viel Gewalt, was durch die teilweise sehr detailgetreuen Beschreibungen noch mal eine Stufe schlimmer gemacht wird.
    Bevor man allerdings dorthin kommt, muss man erst einmal die erste Hürde des Buches meistern: Den Einstieg finden.
    Durch den besonders ungewöhnlichen, allerdings auch genauso besonders schweren Schreib- und Sprachstil hat man es da anfangs nicht leicht. Viele Begriffe habe ich so noch nie gehört, was zuerst doch eher hinderlich war.
    Allerdings gibt es in dieser Ausgabe hinten ein wirklich sehr hilfreiches Glossar, in dem diese Begriffe "übersetzt" wurden. Da viele außerdem relativ oft verwendet werden, merkt man sich die Bedeutungen, sodass man immer weniger ins Glossar schauen muss.
    Obwohl das jetzt natürlich alles abschreckend klingt, ist es halb so schlimm: Die meisten Begriffe kann man sich aus dem Kontext ableiten und im Lesefluss merkt man irgendwann auch gar nicht mehr, dass es sich um fremde Wörter handelt.
    Alle russisch-sprachigen Wesen unter euch haben es da übrigens wahrscheinlich sogar noch leichter, da viele Wörter der sogenannten "Nadsat-Sprache" aus dem Russischen stammen (wird im Glossar erwähnt. Mir selbst ist das nicht aufgefallen, ich kann kein Russisch. xD).
    Was ich also mit all diesem Geschwafel sagen will: Man versteht anfangs nicht sofort jeden Satz und man muss sich Zeit nehmen, um in das Buch hineinzufinden. Aber es lohnt sich!

    "[...] Was will Gott? Will Gott den guten Menschen, oder will er den Menschen, der das Gute wählt? Ist ein Mensch, der das Böse wählt womöglich gar besser als einer, dem das Gute aufgezwungen wird? [...]'" (S. 112 - Gefängnispfarrer zu Alex) 
    Auch wenn es zuerst (im ersten Teil) nicht wirklich klar ist, was der Autor mit seinem Werk verdeutlichen möchte - es wirkt bis zu einem gewissen Punkt auf dem ersten Blick wie ein reines "Schlägerbuch" ohne jeden Sinn und Zweck -, und man auch noch nicht so richtig weiß, was Clockwork Orange  im Science-Fiction-Genre zu suchen hat, ergibt hinterher alles einen Sinn.
    Man kann sogar sagen, dass dieses Buch einen hohen philosophischen Wert hat und auf jeden Fall zum Nachdenken anregt.



    Ein sehr gewaltgeladenes Buch, das sicher nichts für schwache Nerven ist. Falls man das jedoch ertragen kann, sollte man Clockwork Orange  auf jeden Fall gelesen haben, da es - allerspätestens im Nachhinein - nachdenklich stimmt. Der Einstieg ist aufgrund des fremden Stils schwer, aber es lohnt sich.
    4/5 Sterne.

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    andreasmks avatar
    andreasmkvor 4 Jahren
    Düstere, anspruchsvolle Zukunftsvision mit ungewöhnlichem Sprachstil

    Alex ist ein Teenager, der als Anführer einer Bande die Stadt unsicher macht, sich betrinkt und, da er zu Aggression und Gewalt neigt, dabei oft über die Stränge schlägt. Nach einer Serie von Prügeleien, Vergewaltigungen und Totschlag, wir er schließlich verhaftet. Mittels einer neuen Therapie soll aus dem Unverbesserlichen ein ordentlicher Staatsbürger gemacht werden.

    Mit seinem Roman Clockwork Orange hat Anthony Burgess die düstere Zukunftsvision eines trostlosen Polizeistaat geschaffen, in der die Menschheit nur lebt um zu arbeiten und Jugendliche aus Langweile zu Verbrechen und Gewalt greifen. So fühlt sich die Regierung veranlasst Gegengewalt und experimentellen Maßnahmen einzusetzen und schafft dadurch einen Teufelskreis, bei dem auch die Verbrecher selbst zu den Opfern werden.
    Dabei greift der Autor, vielleicht nicht immer offensichtlich, hochbrisante Themen auf, die gerade heutzutage eine hohe Relevanz besitzen: Sei es der freie Wille, die Kritik am Menschen als Arbeits-Maschine oder der Teufelskreis und die Bekämpfung von Gewalt auf den Straßen.

    Im Zentrum der Handlung steht der jugendliche Gewalttäter und Verbrecher Alex, der aus seiner Sicht von seinen Erlebnissen erzählt und im Laufe der Geschichte vom Täter zum Spielball, Versuchskaninchen und Opfer wird. Der wohl ungewöhnlichste Aspekt dieses Romans ist dabei der von Burgess verwendete besondere Sprachstil. Der Autor lässt seinen Hauptcharakter und seine jugendlichen Nebencharaktere eine fiktive Jugendsprache sprechen, die durchsetzt ist von ungewohnten Begriffen meist russischer Herkunft. Mancher Leser mag das sicherlich trotz mitgeliefertem Glossar als anstrengend empfinden, ich persönlich fand die meisten Wörter im Zusammenhang fast immer intuitiv verständlich und die erfundene Sprache der Handlung passend und innovativ.

    Fazit: Wen erfundene Jugendsprache und Beschreibungen von Gewaltakten nicht abschrecken bekommt einen empfehlenswerten nachdenklich stimmenden Zukunfts-Roman geliefert.

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    dominonas avatar
    dominonavor 4 Jahren
    gewalt(tät)ig

    Ein Klassiker, der seinem Namen Ehre macht. Darf man einem Menschen, der gewaltätig veranlagt ist, mittels Therapie die freie Entscheidung für oder gegen die Ausübung von Gewalt nehmen? Damit verbunden ist ein Hass auf klassische Musik und eine normale Sexualität. Gut und Böse, freier Wille?
    Die Schreibweise ist zu Beginn verwirrend, weil eine Art Jugendslang benutzt wird, bei dem der Leser aus dem Kontext erschließen muss, für welche Wörter die Begriffe stehen. Gruselig ist auch, dass man sich im Zuge des Romans mehr oder weniger an die Gewalt gewöhnt, also eine ethische Achterbahn, mit der man es hier zu tun hat.

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    LindyBookss avatar
    LindyBooksvor 5 Jahren
    Rezension zu "Clockwork Orange" von Antony Burgess

    Der 16-jährige Alex prügelt, vergewaltigt und tötet - in einer Welt, in der Gewalt und Brutalität allgegenwärtig sind und sich die Sprache dem gesellschaftlichen Verfall perfekt angepasst hat. Doch als er von seinen Freunden bzw. "Droogs" verraten wird und ins Gefängnis muss, willigt Alex in ein Resozialisierungsprogramm ein, das ihn so verändert, dass er beim geringsten Gedanken an Sex und Gewalt von heftigen Schmerzen und Übelkeit übermannt wird. Mit Hilfe der Wissenschaft funktioniert ihn die Regierung in eine tugendhafte Maschine um - aber zu welchem Preis?

    Eine bitterböse Geschichte über die Freiheit des Menschen und eines der umstrittensten Werke des 20. Jahrhundert, es wurde 1962 veröffentlich. Stanley Kubrick machte schließlich aus diesem Buch 1971 einen erfolgreichen Film.

    Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, auch wenn es anfangs nervig war, immer wieder die Bedeutungen der Ausdrücke der Nadsat-Sprache (Jugendsprache) nachzuschlagen. Aber nach ca. 30 Seiten hatte ich diese Wörter so verinnerlicht, dass ich weitestgehend ohne nachlagen auskam und das Buch flüssig lesen konnte, denn ansonsten ist der Schreibstil auch gut zu lesen. Die Idee der Handlung hat mir sehr gut gefallen und es regt zum Nachdenken an. Es ist eigentlich ein philosophischer Roman, auch wenn es anfangs eigentlich nur sehr brutal und schockierend wirkt.

    "Clockwork Orange" ist wirklich lesenswert und ich bin froh, dass ich es endlich gelesen habe - 5 Sterne!

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    Stefan83s avatar
    Stefan83vor 6 Jahren
    Hey, hier kommt Alex!

    „In einer Welt, in der man nur noch lebt,
    Damit man täglich roboten geht,
    Ist die größte Aufregung, die es noch gibt,
    Das allabendliche Fernsehbild.

    Jeder Mensch lebt wie ein Uhrwerk,
    Wie ein Computer programmiert.
    Es gibt keinen, der sich dagegen wehrt,
    Nur ein paar Jugendliche sind frustriert.

    Wenn am Himmel die Sonne untergeht,
    Beginnt für die Droogs der Tag.
    In kleinen Banden sammeln sie sich,
    Gehn gemeinsam auf die Jagd.

    Hey, hier kommt Alex!
    Vorhang auf für seine Horrorschau.
    Hey, hier kommt Alex!
    Vorhang auf für ein kleines bisschen Horrorschau.“

    Wer hat sie nicht schon lauthals mitgebrüllt, diese Strophen aus dem ersten großen Song der Toten Hosen von 1988? „Hier kommt Alex“ war, nicht zuletzt aufgrund des damals scharf diskutierten Texts, der Durchbruch für die Düsseldorfer Band. Bis dato nur in Insiderkreisen bekannt, wurden sie nun auch außerhalb der Punkszene als anspruchsvolle Rockmusiker wahrgenommen. Doch viele (mir ist selbst erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit der Zusammenhang aufgegangen) wissen nicht um die Ursprünge dieses Lieds, dessen Titel sich direkt auf einen bestimmten Alex bezieht. Gemeint ist Alex Delarge, der Protagonist des düsteren Zukunftsroman-Klassikers „Clockwork Orange“, den Autor Anthony Burgess 1962 veröffentlichte und welcher bis heute, nicht nur unter Punks, absoluten Kultstatus genießt. Wer also wissen will, warum der Song mit Beethovens 9. Sinfonie beginnt, was mit „roboten“ und „Horrorschau“ gemeint ist und wer diese „Droogs“ sind, von denen Campino singt, sollte mal einen näheren Blick auf dieses Werk werfen. - Und auch diejenigen, die mit den Hosen so gar nichts anfangen können, sei zur Lektüre geraten, ist doch die Problematik der grundlos randalierenden, Gewalt ausübenden Jugend heute leider genauso aktuell wie vor fünfzig Jahren.

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht wie erwähnt der 15-jährige Alex Delarge, der mit seiner Bande, den „Droogs“, des Nachts ziellos durch die Gassen London zieht. Eine Stadt, welche in dem totalitär regierten Land längst nicht mehr sicher ist und vor allem bei Dunkelheit zum Spielplatz der Jugendlichen wird. So stehlen, foltern, vergewaltigen und töten die „Droogs“, immer auf der Suche nach dem noch größeren Kick, noch mehr Spaß. Alex sieht sich dabei als Anführer. Er gibt den Ton an, erstickt jede mögliche Rebellion seiner „Freunde“ im Keim. Als sie eines Tages bei einer alten Dame einbrechen, wendet sich jedoch das Blatt. Alex wird von den „Droogs“ an die Polizei verraten. Und weil die Frau ihren schweren Verletzungen erliegt, wandert er, den die Justiz schon lange im Auge hatte, für 14 Jahre ins Gefängnis.

    An seinem Verhalten ändert dies jedoch nichts. Im Gegenteil: Der Gewalt im Knast begegnet er mit noch größerer Brutalität und gerät damit ins Visier des Direktors. Dieser bietet ihm vorzeitige Haftentlassung an, wenn er als Testobjekt am neuen Resozialisierungsprogramm, der Ludovico-Technik, teilnimmt. Alex willigt ein. In den folgenden zwei Wochen wird ihm tagtäglich ein Serum verabreicht, unter dessen Einfluss er stundenlang schlimmste Gewaltdarstellungen auf einer Kinoleinwand betrachten muss. Mit jedem weiteren Film, jeder weiteren Minute, wird Alex' Persönlichkeit umprogrammiert, bis er schließlich wie ein Uhrwerk funktioniert und schon beim geringsten Gedanken an Gewalt von grausamen Schmerzen und Übelkeit übermannt wird. Wieder auf freiem Fuß, ist er nun ein friedliebender Bürger – doch zu welchem Preis?

    Alex ist unfähig sich zu wehren. Und seine Opfer, wie auch die „alten Freunde“, warten bereits auf ihn...

    Vorneweg: Um Burgess' „Clockwork Orange“ erfassen (von „genießen“ will ich in diesem Fall lieber nicht sprechen) zu können, braucht es zu Beginn vor allem eins: Geduld. Der im Stil eines Berichts und in „Nadsat“, ein auf Basis der russischen Sprache konstruierter Jugendslang, vorgetragene Roman, macht den Einstieg alles andere als leicht. Stil und Wortwahl sind vom Fleck weg scharf, kantig, unverdaulich. Nur dank des Glossars am Ende des Buches, in dem man die Bedeutung der einzelnen Begriffe nachschlagen kann, kommt man überhaupt über die ersten Seiten. Hat man die jedoch schließlich im wahrsten Sinne des Wortes überstanden, stellt sich recht bald ein Leserhythmus ein. Und mehr noch: Burgess' Gebrauch des Nadsat verfremdet nicht nur nur die beschriebenen Gewaltdarstellungen – er verleiht dem Erzählten zugleich dieses Quäntchen mehr Authentizität, welches es uns ermöglicht, die Welt von „Clockwork Orange“ besser zu begreifen. In gewissem Sinne ist hier also eher die Sprache als letztlich der Inhalt Informationsträger, weshalb sich wohl der Autor auch eine längere Einleitung gespart hat.

    Neben der anfänglichen Geduld verlangt Burgess dem Leser zudem ein gewisses dickes Fell ab, da Alex und seine „Droogs“ Gewalt nicht einfach nur ausüben, sondern diese mit voller Freude und Euphorie zelebrieren. Brutal und grausam werden Frauen vergewaltigt, Wehrlose bis zur Bewusstlosigkeit und darüber hinaus geprügelt. Je mehr Angst das Opfer hat, je mehr Schmerzen es leidet, um so mehr ergötzen sich die Täter an ihrem Spiel. Zartbesaitete werden hier bereits recht früh ausgesiebt und das Buch wohl an die Seite legen. Doch Burgess' detaillierte Schilderungen des Zerstörungsrausches sind mehr als nur ein zweckfreies Stilmittel. Besonders im Hinblick auf die zweite Hälfte des Romans gewinnen die von Alex' verübten Gewalttaten eine tiefere Bedeutung.

    Zentrale Frage ist nämlich schließlich, was schlechter ist: Den Menschen zum Gutsein zu konditionieren oder ihm die Freiheit lassen, selbst zu entscheiden, ob er gut oder böse sein will. Wie weit sollte und darf ein Staat überhaupt gehen, um die asozialen, nicht zu integrierenden Elemente in der Gesellschaft so weit medizinisch zu behandeln, damit sie keine Bedrohung mehr darstellen? Und wenn die Würde des Menschen unantastbar ist – gilt dies nicht auch für den Täter? Im Anschluss an Alex' „Heilung“ muss sich der Leser diesen Fragen unausweichlich stellen. Und es ist der Genialität des Autors zu verdanken, dass es ihm gelingt, trotz Alex' vorangegangener Taten, Mitleid für diesen zu erwecken. Plötzlich begreift man, nicht zuletzt auch durch die Handlungen der Eltern, dass er auch schon vor dem medizinischen Eingriff ebenfalls in gewisser Art und Weise ein Opfer war. Ihm nun seine Entscheidungsfähigkeit zu nehmen, sogar die Freude an der Musik, stellt somit letztlich genauso ein Verbrechen dar. Nur halt diesmal verübt vom Staat.

    Burgess geizt in seinem Roman aber sowieso mit moralischen Leitlinien. Alle Figuren (vielleicht mit Ausnahme des frommen Geistlichen im Gefängnis) bilden hassenswerte Charakterzüge aus. Niemand handelt wirklich selbstlos. Ein jeder hat Hintergedanken oder Ängste, die ihn schließlich gegen seine eigenen moralischen Grundsätze handeln lassen. Keiner dabei, der wirklich die Sympathien des Lesers genießt. Das wiederum macht eine Verurteilung einzelner Figuren schwer. Auch weil die von Burgess geschilderte Welt der heutigen erschreckend ähnlich ist. Ein Blick in die Fußballstadien oder gewisse Bezirke deutscher Großstädte ermöglicht den Blick auf viele Menschen wie Alex. Und sowohl der Lösung, als auch noch viel wichtiger der Ursache des Problems, ist man auch nach einem halben Jahrhundert nicht wirklich näher gekommen.

    Bei all der drastischen Gewalt, den brutalen Schilderungen, der erbarmungslosen Härte - „Clockwork Orange“ ist, besonders gegen Ende hin, ein Roman, welcher zur Reflexion anregt, nachdenklich stimmt. Ein in seinen Mitteln vielleicht ungewöhnlicher und sperriger, aber in der Wirkung äußerst treffsicherer Klassiker, dessen Vision in großen Teilen bereits ernüchternde Wirklichkeit ist.

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    FriediMs avatar
    FriediMvor 6 Jahren
    Rezension zu "Clockwork Orange" von Anthony Burgess

    Wenn Alex sich etwas in seinen Gulliver setzt, dann setzt er es in die Tat um, und so macht er mit seinen Drooks nicht nur, wie es sich für einen anständigen Maltschik gehört, seine Stadt unsicher, um an etwas Deng zu kommen in dem er alte Fecken tollschockt. Doch alles ändert sich, als er ausversehen eine alte Gina ermordet und von seinen Drooks der Millizent ausgeliefert wird.
    Keine Sorge, der Rest der Rezension wird nicht weiter in Nadsat, dem fiktiven Jugendslang aus Anthony Burgess Roman “Clockwork Orange”, geschrieben.

    Der Inhalt des Romans mag manch einem durch die gleichnamige Verfilmung des Kultregisseurs Stanley Kubrick aus dem Jahre 1971 bekannt sein, denn auch der Roman gestaltet sich inhaltlich ähnlich. Alex, der nichts als Flausen im Kopf hat kommt nach der Ermordung einer Frau ins Gefängnis. Um einer Strafe von 14 Jahren Haft zu entgehen meldet er sich freiwillig für ein Projekt zur “Heilung” von Straftätern und beginnt dabei sich sowohl vor Gewalt und Sex als auch seiner Passion – der klassischen Musik, vor allem die des guten Ludwig van – zu ekeln.
    Das was er einst seinen Opfern zugefügt hat, ist nun das, was ihn scheinbar zurück in ein gesellschaftliches System, in welches er nie hineinpassen wollte, holt. Er wird gezwungen sich zu fügen, ohne eine andere Chance zur Besserung zu erhalten.

    Mit dem 1962 verfassten Roman “Clockwork Orange” setzte der Autor Anthony Burgess ein Zeichen – nicht etwa das der Gewalt, sondern eines, vor welchem sich schon die frühen Avantgardisten Anfang des 20. Jhds. fürchteten – der Mensch, der unweigerlich zur Maschine mutiert.
    Auch der Titel weist bereits unscheinbar auf dieses Thema hin: Das Uhrwerk als Symbol für eine Maschine, die Orange als Versinnbildlichung des Menschen, abgeleitet vom Wort Orang-Utan. Das Buch schockt keinesfalls weniger als der Film, nicht durch die schrecklichen Dinge die der jugendliche Protagonist verübt, sondern dadurch wie er auf eine Weise gezüchtigt wird, wie es wohl niemand für möglich halten würde…durch eine intermediale Manipulation seines Bewusstseins gegenüber seiner Umwelt und all den schrecklichen Dingen, die diese birgt.

    Sprachlich komplex gestaltet sich auch der Stil, mit welchem der Autor den Leser in seinen Bann zieht. Anfangs eher schleppend lernt man den Jugendslang Nadsat kennen (ein Register hilft bei Verständnisproblemen), bei dem es sich um einen russisch angehauchten Dialekt handelt, der von Alex und seiner Bande gesprochen wird. Die Sprache wirkt beinahe onomatopoetisch kindlich, gleichzeitig komplex und ungewohnt, beinahe zeitlos wie der Roman selbst. Wer sich mit einer fiktiven Sprache nicht anfreunden mag sollte das Buch direkt aus der Hand legen, denn Nadsat dominiert die gesamte Geschichte.

    Ist es in Ordnung einem Menschen eine gute Erziehung aufzudrängen? Oder soll man jedem die Freiheit lassen, die er selbst für richtig empfindet? Dies sind die Schlüsselfragen für den Roman, der keinesfalls leichte Kost ist.

    Mehr auf meinem Blog: vitrinenglas.wordpress.com

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    Eltragalibross avatar
    Eltragalibrosvor 8 Jahren
    Rezension zu "Clockwork Orange" von Anthony Burgess

    Inhalt:

    In der Welt von Alex und seinen Freunden beherrscht Gewalt die Nacht. Jugendgangs von drei bis vier Jugendlichen treiben sich auf den Straßen herum, trinken Milch mit Schuss in den zahlreichen Milchbars, rauben Läden aus, vergewaltigen junge Frauen und Mädchen oder überfallen ältere Herren, die sich trauen in der Dunkelheit auf die Straße zu gehen. Und das alles aus einem einzigen Grund: Spaß.

    Meinung:

    Respekt ist für Alex und seine Droogs – seine Freunde – ein Fremdwort. Die Nacht gehört der Jugend, die sich zu kleinen Gruppen zusammenrottet, auf Raubzüge geht, Schlägereien beginnt und Mädchen sowie junge Frauen vergewaltigt. Gewalt steht an der Tagesordnung und das auf die brutalste Art und Weise, die man sich vorstellen kann.

    Alex, der Ich-Erzähler von Anthony Burgess‘ Roman, wird bei dem Gedanken Gewalt anzuwenden, einem älteren Mann in sein Litso – sein Gesicht – zu schlagen, ihn zu tollschocken, ihm sein Zuppis (Zähne) auszuschlagen, ganz high. Bei der Musik zu Beethoven, Händel oder Mozart schwelgt er ganz in seinen Gewaltphantasien, die trotz der Distanz erzeugenden Sprache, welche Burgess konstruiert hat, für den Leser sehr schockierend sind. Es herrscht kein Recht und keine Ordnung in der Stadt. Die Jugend geht auf die Alten los, allein um Spaß zu haben.

    Eines Tages allerdings wird Alex von seinen Droogs verraten und landet im Gefängnis. Um dem ebenfalls von Gewalt geprägtem Knastleben zu entkommen, erklärt er sich bereit an einer neuen Methode teilzunehmen. Was der gerademal 17-Jährige dort aber erlebt ist kaum vorstellbar: Er wird darauf konditioniert, bei dem bloßen Gedanken an Gewalt eine schreckliche Übelkeit zu verspüren. Jeglicher Wahlmöglichkeit beraubt und zum Gutes-tun verdammt wird er in die Freiheit entlassen.

    Der Protagonist und Ich-Erzähler, Alex, ist alles andere als ein sympathischer Zeitgenosse. Er liebt es Mädchen zu vergewaltigen, Leute zusammenzuschlagen die sich nicht wehren können und steht auf jede Art von Gewalt, auf das Ultrabrutale. Aber im Verlauf von Clockwork Orange baut sich zwischen ihm und dem Leser eine Verbindung auf. Zum einen dadurch, dass er den Leser häufig anspricht und sich als „getreuer Freund und Erzähler“ bezeichnet. Zum anderen deshalb, weil ihm – trotz seiner schweren, unverzeihlichen Vergehen – selbst Unrecht auf grausame Art und Weise widerfährt. Er wird seines freien Willens beraubt und die Frage stellt sich, ob ein Mensch ohne Wahlmöglichkeit noch ein Mensch ist oder bloß eine Maschine, der das aufoktroyiert wurde, was die Gesellschaft wünscht.

    Dank der konstruierten Sprachwahl des Autors, die eine Mischung aus visionärer Jugendsprache und „altmodischem“ Slang (á la Shakespeare) besteht, wird die exzessive Gewalt dieses Buches etwas abgemildert. Dennoch bliebt kein Zweifel daran, dass Clockwork Orange zu den brutalsten Büchern gehört, die ich je gelesen habe. Das Gedankenexperiment, welches dahinter steht ist aber mindestens so interessant wie schockierend. Burgess wirft nicht nur die Frage nach dem freien Willen auf, sondern zeigt auch die Mechanismen von Gewalt, die sich in einer Gesellschaft ausbreiten können.

    Fazit:

    Anthony Burgess‘ Dystopie besticht vor allem durch seine außergewöhnliche Sprache. Alex und seine Droogs benutzen eine Jugendsprache – die durchaus mit unserer heutigen vergleichbar ist – und die erwachsene Menschen nicht verstehen. Dank des Glossars kennt man die wichtigsten Wörter aber recht schnell und kann sich komplett auf den Inhalt des Buches konzentrieren, der nicht weniger faszinierend ist. Clockwork Orange beschäftigt sich mit dem Teufelskreis der Gewalt und dem freien Willen des Menschen. Eine interessante Mischung, die dafür sorgt, dass man das Buch nicht aus der Hand legen will.

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    theworldisavampires avatar
    theworldisavampirevor 8 Jahren
    Rezension zu "Uhrwerk Orange" von Anthony Burgess

    genial.

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    Zitronenfalterins avatar
    Zitronenfalterinvor 9 Jahren
    Rezension zu "Die Uhrwerk-Orange" von Anthony Burgess

    Auch wenn´s Kult ist...ich konnt absolut nichts damit anfangen. Die Sprache ist mir definitiv zu wirr und ich komm überhaupt nicht ran...

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    MichaelWaesers avatar

    Ich lade ein zur Leserunde meines neu erschienenen Romans und freue mich auf lebhafte Teilnahme und Diskussion!

    Der Klappentext:

    Durch einen spektakulären Unfall wird der Einzelgänger Salvatore mitten im Krieg berühmt. Freund und Feind reißen sich um ihn. Aber wem kann er wirklich vertrauen – dem blauen Kameraden, den depressiven Adventisten oder der schönen, aber chronisch übermüdeten Unbekannten?

    Tragikomödie, Thriller, gesellschaftliches Horror-Szenario, Außenseiter-Liebesgeschichte voller schrill-abgründiger Charaktere: Der neue Roman des Autors von „Familie Fisch macht Urlaub“ ist eine packende Groteske über den Krieg in unserer Welt, sein schweigsamer Held ein moderner Simplicissimus.

    Hintergrundinfos zu mir als Autor und zu dem Romanprojekt (das WIRKLICH ungewöhnliche Wege ging!) finden Sie auf meinem Blog.

    Ich stelle jeder Teilnehmerin/jedem Teilnehmer ein Paperback oder ein E-Book (je nach Wunsch) kostenlos zur Verfügung, Versand ebenfalls kostenlos. Also: wer bei Namen wie Sorokin, Douglas Adams, Murakami, Tom Sharpe, David Sedaris oder Thomas Pynchon neugierig wird, der muss sich bei dieser Leserunde bewerben!

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    Pressestimmen

    »Die Neuübersetzung von "Clockwork Orange" ist durch und durch gelungen und ein horrorshow Lesevergnügen. Ein Klassiker für die Ewigkeit.«
    Jutta Ladwig, Literatur-community.com, 4.5.2014

    »Blumenbach findet einen flüssigen Erzählstil ... und auch sonst vermittelt er dem deutschen Leser den großen Reichtum an Tonfällen, über die der Erzähler verfügt, vom hohen Bibelton über unterwürfige Anpasserei bis zu eben dem kruden Jargon.«
    Ralf Stiftel, Westfälischer Anzeiger, 28.3.2014

    »Hey, hier kommt Alex!« – in neuer Übersetzung

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