Alles Licht, das wir nicht sehen

von Anthony Doerr 
4,5 Sterne bei298 Bewertungen
Alles Licht, das wir nicht sehen
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (262):
Sternennebels avatar

Ein wirklich sehr gutes Buch zur Zeit des Zweiten Weltkrieges

Kritisch (6):
sahnis avatar

Nach der Hälfte abgebrochen, zieht sich wie Kaugummi.

Alle 298 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Alles Licht, das wir nicht sehen"

In seinem Roman erzählt Anthony Doerr kenntnisreich und in einer wunderschönen Sprache, kunstvoll miteinander verwoben, die Geschichte zweier Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg, der blinden Marie-Laure, die mit ihrem Vater aus dem besetzten Paris nach Saint-Malo flieht, und des jungen Waisen Werner, der in der Wehrmacht eingesetzt wird. Unaufhaltsam treibt die Geschichte sie aufeinander zu, spannend, labyrinthisch und atemlos.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442749850
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:528 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:11.07.2016
Das aktuelle Hörbuch ist am 25.12.2014 bei Audible GmbH erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    monerls avatar
    monerlvor einem Monat
    Historisch auf eine andere Art

    Meine Meinung
    Der Autor katapultiert den Leser mitten in den Zweiten Weltkrieg hinein. Frankreich ist von Deutschland besetzt, doch die amerikanischen Befreier stehen vor den Toren der Stadt. Es kann sich nur noch um Stunden handeln, bis die Deutschen zurückgedrängt werden und St. Malo befreit ist. Die Stadt ist in großer Angst, denn es regnet erst Flugblätter und dann Bomben…

    Bis es aber mit der Befreiung soweit ist lernt man die beiden Prtagonisten, das blinde, französische Mädchen Marie-Laure LeBlanc und den klugen, deutschen Tüftlerjungen Werner Hausner kennen. Ihre Wege werden sich kreuzen. Im Guten oder im Schlechten?

    Diese Ungewissheit übte auf mich eine Art Spannung aus. Mairie-Laure hat in ihren jungen Jahren bereits ein schweres Schicksal zu ertragen. Sie erblindet als kleines Mädchen sehr schnell und muss sich nun in der Welt zurechtfinden. Als wäre das nicht schon schwer genug, bricht der Zweite Weltkrieg aus und Marie-Laure muss mit ihrem Vater, ihre Mutter ist im Kindbett gestorben, aus Paris flüchten. Fort aus der Wohnung und der Stadt, in dem das Mädchen sich auch blind auskennt.

    Aber auch Werner hat es nie leicht gehabt. Er wächst mit seiner jüngeren Schwester Jutta im Waisenhaus auf dem Gelände der Zeche Zollverein auf, das von einer französischen Nonne aus dem Elsass, Frau Elena genannt, beaufsichtigt wird. Somit haben die beiden Geschwister bereits als Kinder einen Bezug zu Frankreich. Sie hören die Sprache und singen französische Volkslieder.

    Der Vater von Werner und Jutta ist bei einem Arbeitsunfall unter Tage ums Leben gekommen. Über die Mutter erfährt man nichts näheres. Werner sammelt alle Arten von Gegenständen, tüftelt und bastelt damit, repariert Dinge des Alltags und ist im Allgemeinen ein sehr kluger Kopf, der ein ausgeprägtes mathematisches als auch naturwissenschaftliches Verständnis hat. Werner begeistert sich für Radios und kann diese zudem reparieren. Das kommt den Nazis zu Ohren. Er darf in die Naumburger Schulpforta gehen, in der begabte Schüler gefördert werden. Dort erhält er ebenso eine Art militärische Ausbildung für den Krieg, der nun bereits ausgebrochen ist.

    In kurzen bis sehr kurzen Kapiteln springt nun der Autor zwischen den Handlungssträngen um Marie-Laure und Werner und innerhalb diesen auch noch zeitlich in die Vergangenheit ab 1934 und die Gegenwart vom 07. bis 12. August 1944. Ebenso wird dem Leser ein kleiner Ausblick nach 1945, 1974 und 2014 gewährt. Somit ist die Geschichte abgerundet und kaum eine Frage bleibt offen.

    Anthony Doerr spielt sehr gekonnt mit Emotionen. Er schafft es, gleichzeitig Sympathien für beide Protagonisten zu wecken. Ihm gelingt es, ein Buch über den Zweiten Weltkrieg zu schreiben, ohne dabei hauptsächlich auf die Thematik der Judenverfolgung einzugehen und ohne große Kriegsschauplätze darzustellen. Dieses Buch fängt einen auf die leise Art ein. Es gewinnt zunehmend an großer Spannung um die Frage, wann und wie Marie-Laure und Werner aufeinander treffen, und was das alles mit einem Reinhold von Rumpel und dem äußerst wertvollem Diamanten “Das Meer der Flammen”, zu tun hat.


    Fazit
    Ein historischer Roman der etwas anderen Art. Manchmal düster und gruselig und dann wieder spannend und sehr interessant. Ein Roman über manche Hilflosigkeit, der aber im Gegensatz das mutige Schaffen der Widerständler entgegensteht. Ein Buch über familiäre Bande, Begabungen, Träume, Ängste, Gewalt und den Tod.

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    FrauPfeffertopfs avatar
    FrauPfeffertopfvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Herzergreifende und zugleich tiefsinnige Geschichte zweier junger Menschen
    Eine kraftvolle Geschichte mit tiefem Sinn

    Es ist 1944 und Flugblätter fliegen durch die Luft von St. Malo, einer mittelalterlichen, von Mauern umgebenen Stadt, die fast vollständig vom Meer an der französischen Küste umgeben ist. Die Flugblätter warnen die Bewohner, dass die Alliierten dabei sind, die Stadt zu bombardieren und diese von allen verlassen werden sollte. Marie-Laure ist ein junges Mädchen, dass diese Flugblätter nicht lesen kann. Denn seit ihrem 6. Lebensjahr ist sie blind. Sie versteckt sich im Haus ihres Großonkels und wartet auf das Ende der Bombardierung, um das Modell des heiligen Malo zu schützen, das ihr Vater für sie gebaut hat, damit sie sich ihren Weg durch die engen Gassen merken kann. In einem anderen Land, Deutschland, wächst Werner mit seiner jüngeren Schwester Jutta in einem Waisenhaus in einer Bergbaustadt auf. Sie kennen nur Armut und haben wenig Aussichten, doch Werners Affinität zum Lernen führt ihn auf eine Reise beginnend vom Reparieren und Bauen von Radios über den Besuch einer Schule für die Hitlerjugend bis hin zum Entwerfen von Systemen zur Ausmerzung des Widerstands. Nach und nach werden wir Zeuge, wie der Krieg den einzelnen Orten ihre Schönheit nimmt.

     

    Alles Licht, das wir nicht sehen, ist trotz der Thematik auf eine Art und Weise magisch, beleuchtet von schönster Prosa und sanften, aber kraftvollen Geschichten. Werner und Marie-Laure sind stille Individuen, die in vielerlei Hinsicht verwundbar sind - Marie-Laure, weil sie nicht sehen kann und Werner, weil er allein in einem System gefangen ist, welches er nicht bekämpfen kann. Dabei ist das sie umgebende Drama der Ereignisse so laut wie die Bomben, die St. Malo Stunde für Stunde treffen. Diese Vermischung Unschuldiger mit Schuldigen und der Stille mit dem lauten Getöse ist außerordentlich wirksam und bringt den Schrecken des Krieges und die verheerende Grausamkeit des NS-Regimes in einen scharfen Kontrast. Das Beobachten von Ereignissen, die sich durch die Perspektiven dieser beiden jungen Menschen auf verschiedenen Seiten des Konflikts entfalten, funktioniert sehr gut.

    Einige Momente stechen unter vielen unvergesslichen heraus. So zum Beispiel die Reisen, die Marie-Laure durch ihren Onkel unternahm, ohne das Haus zu verlassen. Ihr erster Kontakt mit dem Meereswasser wird zutiefst schön und sinnlich beschrieben. Es gibt viel Leid im Leben des jungen Mädchens, aber auch schöne Momente, die es dagegen für Werner weniger gibt. Die Szenen in der Militärschule sind erschütternd, in der die Jungen zu gehorsamen Nazis ausgebildet werden. Es war faszinierend und herzzerreißend zu sehen, wie Marie-Laure und Werner ihre Stärken und Schwächen inmitten von so viel Terror und Hilflosigkeit steuern und sich aus diesen Erfahrungen entwickeln. Man könnte aufgrund des Klappentexts einen romantischen Inhalt erwarten, doch dies war nicht der Fall und ich bin wirklich froh, dass sich die Geschichte nicht in eine solche Richtung entwickelte. Dies wäre irgendwie nicht passend gewesen. Marie-Laure und Werner retten sich auf eine andere und zugleich so unterschiedliche Weise.

    Die Geschichte zeigt, dass es keine Gewinner oder Verlierer im Krieg gibt. Nur Menschen, die verzweifelt sind, überleben, ihre Träume schützen und an denen festhalten wollen, die ihnen wichtig sind. Die Mitte des Romans ging etwas gemächlicher vonstatten. Ich hatte hier das Gefühl, dass das Tempo etwas schneller hätte sein können. Doch Doerrs Geschick, die ganze Geschichte zusammenzubringen, unterstrich die Tiefe und Bedeutung dieser Arbeit. Das Buch erinnerte mich aufgrund des Stils und Fokus an die Bücherdiebin. Beides Werke mit tiefem Sinn und nachhaltigen Botschaften.

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    TheCoonvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Fesselnd und berührende bis zur letzten Seite
    Die Dramatik des Krieges

    Der zweite Weltkrieg bricht aus und entwurzelt das blinde Mädchen Marie-Laure und ihren Vater aus Paris nach Saint-Malo. Während sie versuchen ihr Leben zu ordnen und unauffällig zu bleiben, wird der deutsche Junge Werner ausgebildet um Sender des Wiederstandes ausfindig zu machen. Die Beiden stehen also auf unterschiedlichen Seiten des Krieges, ihre Schicksale sind jedoch miteinander verstrickt. Nach und nach nähern sich ihre Geschichten aneinander an.

    Die sehr kurzen Kapitel, die teilweise nur zwei Seiten lang sind machen den Einstieg nicht ganz leicht, sorgen aber auch für viel Abwechslung. Mir hat es dabei geholfen, das Buch teilweise als Hörbuch zu hören, das auch großartig vertont ist. Die Sprache des Autors ist wunderschön und macht den Unterschied zwischen einem guten und einem großartigen Roman aus. Die Geschehnisse werden sehr bildlich und ausführlich beschrieben, so dass man sich gut in die Geschichte „hineinträumen“ kann.

    Mir hat gut gefallen, wie vielseitig die Geschichte ist, die Schicksale der Protagonisten sind dramatisch, spannend und gehen sehr ans Herz.

    Ein absolut lesenswerter Roman!

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    ReadAndTravels avatar
    ReadAndTravelvor 6 Monaten
    Eine bewegende Geschichte zweiter Kinder im zweiten Weltkrieg

    In seinem Roman erzählt Anthony Doerr kenntnisreich und in einer wunderschönen Sprache, kunstvoll miteinander verwoben, die Geschichte zweier Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg, der blinden Marie-Laure, die mit ihrem Vater aus dem besetzten Paris nach Saint-Malo flieht, und des jungen Waisen Werner, der in der Wehrmacht eingesetzt wird. Unaufhaltsam treibt die Geschichte sie aufeinander zu, spannend, labyrinthisch und atemlos.


    Ich habe sehr viel gutes über dieses Buch gehört und wollte es unbedingt lesen. Ich bin sehr gut mit den kurzen Kapiteln und den vielen Sichtwechseln klar gekommen. Marie und Werner waren mir beide sofort sympatisch und ich habe mit ihnen gefühlt. Der Autor hat einen unglaublichen Schreibstil. Er wählt wunderschöne Worte und vermittelt mir viel Gefühl. Doch egal, wie berührend und gefühlvoll die Geschichte der beiden ist, hat es mich nicht immer mitgerissen. Ich habe total gerne von Marie und Werner gelesen, doch mir fehlte es teilweise einfach an Spannung, die mich von einer Seite zur anderen trägt. Wenn ich das Buch zur Seite legte, hatte ich nicht immer das Bedürfnis möglichst schnell weiter zu lesen, wodurch ich doch länger für das Buch brauchte als für gewöhnlich. Natürlich fordert die Geschichte dieses Buch eine gewisse Aufmerksamkeit und Konzentration, da es ein wichtiges Thema vermittelt.

    Ich gebe dem Buch 3,5 von 5 Sternen und würde es trotz alledem weiterempfehlen, denn man lernt einiges dazu, wie es sich zu dieser Zeit abgespielt hat.

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    buchjunkies avatar
    buchjunkievor 7 Monaten
    Alles Licht, das wir nicht sehen

    Erzählt werden die Geschichten zweier Kinder während der Zeit des Zweiten Weltkriegs. 
    Marie-Laure ist ein blindes Mädchen, das mit ihrem Vater in Paris lebt. Doch während der Besetzung durch die Deutschen flüchten die zwei nach Saint-Malo zu ihrem angeblich merkwürdigen Großonkel Etienne . 
    Werner Hausner ist ein schmächtiger Waisenjunge, der eine herausragende technische Begabung besitzt und schon in jungen  Jahren alle Radios der Umgebung repariert. Dieses Talent wird entdeckt und er wird auf eine Napola geschickt. Später wird er in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert.
    Während Marie-Laures Vater bei einer Reise nach Deutschland gefangengenommen wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender,über den Etienne die Resistance mit Daten versorgt.


    Für einen folgenreichen Augenblich kreuzen sich die Lebenswege von Marie-Laure und Werner...


    Dieser stimmungsvolle Roman hat mir sehr gut gefallen.


    Atmosphärisch dicht in einer wundervollen Sprache beschreibt der Autor in kurzen Kapiteln und abwechselnd die Geschichte der beiden Kinder.


    Während zuerst die Vergangenheit geschildert wird, kommen zwischendurch immer ein paar Kapitel, die im August 1944 spielen.


    “Kunstvoll miteinander verwoben“ steht auf dem Buchrücken. Das sind die zwei Geschichten wirklich, kunstvoll miteinander verwoben bis zu diesem folgenschweren Tag.


    Der Autor schafft es, Stimmungen, Gerüche, Geräusche, Umgebungen und Gefühle so darzustellen, dass beim Leser innere Bilder entstehen können.


    Ein Diamant „ Das Meer der Flammen“ zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman, wodurch zusätzlich Spannung entsteht.


    Ich fand diese Geschichte absolut rund und stimmig, mit einem  einführenden Anfang und einem  erklärendem Ende.


    Zum Ende erfährt man,wie die wichtigsten Protagonisten  im Jahr 1974 leben. Das letzte Kapitel erzählt sogar von 2014.


    Es bleibt nichts mehr offen und mit ein bisschen Wehmut hab ich das Buch zugeschlagen.


    „Alles Licht, das,wir nicht sehen“ ist ein berührender, großartiger Roman, der unter anderem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde!


    Sehr empfehlenswert!

    Kommentare: 6
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    Carina_Kos avatar
    Carina_Kovor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Die Geschichte ist so wunderbar und echt geschrieben.
    Eines meiner Lieblingsbücher

    Der Autor dieses Buches hat einen wunderbaren Schreibstil. Man fühlt sich in die Charaktere ein und ist immer mitten im Geschehen. Ich befand mich blind in Paris, reiste mit meinem Vater ans Meer, um vor dem Krieg zu fliehen, baute mit meiner Schwester alte Radios auseinander und befand mich plötzlich mitten im Kriegsgeschehen. Ich habe so tief mit den Charakteren gefühlt und obwohl es bereits über ein Jahr her ist, seit ich dieses Buch beendet habe, denke ich ständig an diese ergreifende und doch auf ihre Art wunderbare Geschichte. Ich kann nicht anders, als dem Autor für dieses Buch zu danken, denn er hat meine Welt für immer verändert. Dieses Buch ist eine klare Leseempfehlung und sollte in keiner Bibliothek fehlen.

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    KirstenWilczeks avatar
    KirstenWilczekvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Hätte gerne 10 Sterne vergeben. Ein herausragendes Buch. Sehr bewegend.
    Mein Herzensbuch

    "Alles Licht, das wir nicht sehen" wird eines der Bücher sein, an das ich mich solange erinnern werde, wie mir in meinem Leben eine Erinnerung vergönnt ist. Selten hat mich eine Geschichte so angerührt. Selten kam eine Geschichte auf so leisen Sohlen mit so lautem Nachhall daher. Es ist die Art wie Doerr erzählt, die fasziniert und bewegt. Das Grauen des Krieges und der Besatzung, die Willkür des individuellen Schicksals werden durch die Ohren eines blinden Mädchens und die Augen eines aufgeweckten Jungen erzählt, beide am Ende des Krieges Teenager. Das zeugt nicht nur von höchstem Einfühlungsvermögen des Autors, sondern lässt auf höchst subtile Weise erschauern. Erlernte Geschichtskenntnisse werden für den Leser erfahrbar, auch wenn es im Rahmen einer Fiktion geschieht. "Alles Licht, das wir nicht sehen" bringt Licht in das, was wir sehen sollten, nämlich dass die Unantastbarkeit der Würde des Menschen kein Geschenk ist, sondern ein Versprechen, das Menschen Menschen geben. Und Menschen müssen für die Einhaltung dieses Versprechens einstehen. Für mich ist Doerrs Roman das Buch gegen die aufziehende Dunkelheit unserer Zeit und das Buch gegen die tumben Toren, die sich gerade anschicken, mit Lügen Angst und Hass zu säen, um so an die Schalthebel der Macht zu gelangen, und am Ende wieder nur Elend und Leid über die Menschen zu bringen. Vielleicht weniger "Leiden des jungen Werthers" im Deutschunterricht und stattdessen mehr Doerr (übrigens in einer hervorragenden Übersetzung) wäre meine Empfehlung.

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    bootedkats avatar
    bootedkatvor 10 Monaten
    Dunkle Zeiten

    Marie-Laure und Werner kommen aus unterschiedlichen Welten. Marie-Laure lebt in Paris. Das Mädchen ist blind und wächst als Halbwaise bei ihrem Vaters auf, der nach Möglichkeiten versucht, ihr den Alltag zu erleichtern, sie aber ebenso fördert. Werner lebt mit seiner Schwester Jutta in einem Waisenhaus in Essen. Beiden gemein ist die Liebe zum Radio und die Tendenz, Dinge zu hinterfragen. Als 1939 der zweite Weltkrieg ausbricht, ändert sich alles für die beiden.

    Das Radio wird hier zum roten Faden der Erzählung. In Anbetracht der Zeit, in der die Geschichte spielt, ist das wenig verwunderlich, denn zur Zeit der Weimarer Republik und des zweiten Weltkriegs war das Radio, oder der so vielfach bezeichnete Volksempfänger, das Hauptmedium für Information und leider auch Indoktrination.

    Anthony Doerr erzählt die Geschichten seiner Protagonisten sehr differenziert, was es dem Leser ermöglicht, die Beweggründe sowohl von Marie als auch von Werner nachzuvollziehen, auch wenn man sich manchmal wünscht, sie würden anders handeln. Dadurch, dass Doerr seine Charaktere aber wie Menschen handeln lässt und nicht wie Romanfiguren wird die Geschichte aber stimmig. Ebenso werden die Schrecken der damaligen Zeit nicht ausgelassen. Gerade, weil nichts beschönigt wird, ist das Leseerlebnis aber umso intensiver. Trotzdem gibt es sie in der Geschichte, die hellen Momente, die durch das Dunkel von Gewalt durchscheinen und so trägt „Alles Licht, das wir nicht sehen“ seinen Titel völlig zurecht.

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    NiWas avatar
    NiWavor einem Jahr
    Ein Buch, das in der Seele trifft

    In Frankreich sieht die blinde Marie-Laure dem 2. Weltkrieg entgegen. Gerüchte, Gerüche und Angst begleiten sie durch das besetzte Land. In Deutschland bereitet sich der Waisenjunge Werner auf eine Eliteausbildung vor. Nur die besten Jungen sind auserwählt, für Führer und Vaterland Spezialaufträge zu erfüllen, die ihn an die Grenze seiner Menschlichkeit bringen werden.

    Mit „Alles Licht, das wir nicht sehen“ hat Anthony Doerr ein erzählerisches Meisterwerk geschaffen, das einem gebannt in die Zeiten des 2. Weltkriegs versetzt. Anhand der Jugendlichen Marie-Laure und Werner gibt er den Menschen ein Gesicht, treibt sie aufeinander zu und lässt sie wieder ziehen. Und man sieht, dass sie ihrem Schicksal gnadenlos ausgeliefert sind.

    Marie-Laure ist blind und hat sich zu arrangieren gelernt. Ihr Vater hat sich stets gut gekümmert, das wissbegierige Mädchen mit allerhand Finessen versorgt und will natürlich gerade in Kriegszeiten das Beste für sie.

    Werner hat es schwer im Leben. Als hochtalentiertes Waisenkind ist er eine Ausnahmeerscheinung, die es weg von den Kohlengruben hin zur Eliteschule schafft. Großes steht ihm bevor - sagen sie. Doch Werner ist sich nicht sicher, ob er diese große Taten wirklich vollbringen will.

    Die Schicksale dieser Jugendlichen sind von der ersten Seite an miteinander verwoben, obwohl sie sich kaum berühren. Abschnittsweise wird von Marie-Laure und Werner erzählt, wie sie ihre Kindheit verbrachten und mit welchen Gefühlen sie dem Krieg gegenüberstehen.

    Dabei hat Doerr einen meisterhaften Erzählstil gefunden, in dem er wie in einem Labyrinth durch die Windungen der beiden Schicksale führt.

    Die Geschichte von Marie-Laure und Werner geht unter die Haut. Ich bewundere Autoren, die es schaffen, nicht nur Geschichten sondern Geschichte zu erzählen. Sie geben uns ein Gefühl für die Gegenwart, schärfen den Blick und weisen daraufhin, dass das Leben nicht selbstverständlich ist.

    Der 2. Weltkrieg wird in seiner unnachahmlichen Brutalität beschrieben: Luftangriffe, Hungersnöte, Krankheiten und verschwundene Elternteile. Gleichzeitig stempelt der Autor nicht ab, sondern zeigt, warum die Menschen zu ihren Überzeugungen gelangen. Er veranschaulicht, wer sie waren, was sie sind und wie sie sein werden - ohne sich dabei in Schwarzmalerei zu verlieren.

    Außerdem gibt er den Besonderheiten dieser Zeit entsprechenden Raum. Abseits vom Kriegsgeschehen stachelt das Radio nicht nur den Fanatismus sondern auch die Wissbegier an. Es überträgt Botschaften, lässt Musik erklingen und rettet oder beendet sogar Menschenleben.

    „Alles Licht, das wir nicht sehen“ lässt mich den Hut vor Anthony Doerr ziehen und ihm tief empfundene Anerkennung aussprechen. Dieses Werk berührt, bannt und fesselt. Es ist ein Buch, das mich mitten in der Seele trifft.

    Kommentare: 7
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    dominonas avatar
    dominonavor einem Jahr
    Ein wahres Kleinod

    Dieser Roman ist eine Verbindung verschiedener Figuren im zweiten Weltkrieg und alle Schicksale sind durch eine Sache verbunden, was sich aber erst entwickelt.
    Man braucht einen Moment, um sich an die kurzen Kapitel und Sprünge zu gewöhnen, aber dann ist man einfach nur noch versunken in jede einzelne Zeile, denn der Autor begeistert mit einer Sprache, die in jedem Moment kleine Details festhält, die alles an der Szene plastisch werden lassen. Ich habe jede Seite genossen und war ein wenig traurig, als das Buch zu Ende war und jeder weiß, dass das die tollen Bücher ausmacht.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    sternchennagels avatar
    *******HIER GIBT ES NICHTS ZU GEWINNEN!!!*******
    Willkommen liebes Wolfsrudel!
    Die 1. Leserunde der lesenden Wölfe! Wie aufregend ihr lieben! 
    Freut ihr Euch auch schon so wie ich?!
    Unsere Abstimmungen in der Gruppe haben den eindeutigen Sieger erkoren: " Alles Licht, das wir nicht sehen" von Anthony Doerr. Dieses Buch hatte 2015 den Pulitzer Preis erhalten und ist ein Top Bestseller! 
    Ob uns das Buch auch überzeugen kann? Ich bin gespannt und freue mich auf einen tollen Austausch mit Euch.


    START: 16.06.2017 00:00


    Und denkt daran: Alles kann, nichts muss! Lesen soll Spaß machen
    Zur Leserunde
    Daniliesings avatar
    In dieser Woche haben wir einen ganz besonderen Roman-Tipp für euch! "Alles Licht, das wir nicht sehen" ist in den USA bereits ein Bestseller und die Leser dort lieben Anthony Doerrs großartigen Roman! Hier in Deutschland ist das Buch noch ein absoluter Geheimtipp, den wir euch nun nicht länger vorenthalten möchten. Deshalb gibt es passend zum Erscheinen der neuen Sonderausgabe des Romans bei C.H.Beck eine Leserunde hier auf LovelyBooks.

    Mehr zum Buch:
    Saint-Malo 1944: Die erblindete Marie-Laure flieht mit ihrem Vater, einem Angestellten des „Muséum National d’Histoire Naturelle“, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer. Verborgen in ihrem Gepäck führen sie den wahrscheinlich kostbarsten Schatz des Museums mit sich.

    Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert und landet auf Umwegen in einer Spezialeinheit der Wehrmacht, die die Feindsender der Widerstandskämpfer aufzuspüren versucht. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, der die Résistance mit Daten versorgt …


    Gleich reinlesen!

    Erste begeisterte Stimmen von Lesern, die Anthony Doerrs Meisterwerk schon entdeckt haben, möchten wir euch natürlich nicht vorenthalten:

    Ein wundervoll geschriebener, spanndender Roman, der einen gefangen nimmt und lange nachhallt.
    — orchidee25

    Alles hat ein Ende, leider auch dieses Buch. Aber mit dessen Zuklappen ist die Lektüre für mich noch nicht vorüber. Immer wieder sinniere ich über besonders tiefe Textstellen, halte mir das Verhalten und die Entwicklung der vielen gut ausgearbeiteten und glaubhaften Protagonisten vor Augen und empfinde tiefen Schmerz über dieses dunkelste Tal der deutschen Geschichte.
    — Irve

    Es ist schon einige Tage her, dass ich das Buch beendet habe und es läßt mich einfach nicht los! Auf jeden Fall lesen!
    — hexhex

    Ihr liebt es, wahre Diamanten unter all den Neuerscheinungen zu entdecken und euch so richtig in einen Roman zu vertiefen, der mit großen Können geschrieben wurde? Dann könnt ihr euch ab sofort als Testleser bewerben* und eins von 50 Exemplaren unserers Geheimtipps für die Teilnahme an der Leserunde gewinnen.

    Verratet uns für die Chance auf eines der Bücher bitte, was euch ganz besonders an diesem Roman und seinem Inhalt interessiert!

    Unter allen Teilnehmern der Leserunde, die ihre Rezension innerhalb eines Monats neben LovelyBooks auch auf Amazon und anderen Portalen teilen, wird ein schönes Buchpaket mit 5 Titeln aus dem Verlag C.H.Beck verlost. Bitte gebt die Links hierzu im Unterthema für die Rezensionen mit an.

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    * Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde sowie zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet ihr vor eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben.
    Martinchens avatar
    Letzter Beitrag von  Martinchenvor 3 Jahren
    Auch von mir herzlichen Glückwunsch!
    Zur Leserunde

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

    W
    wallivor 3 Monaten
    ES ist interessant auf der einen seite ein französisches blindes Mädchen im Bombenangriff auf Parisf anderen Seite ein Waisenjunge aus Deutschland hoch begabt und voller Hoffnung,
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