Anthony Marra

 4.6 Sterne bei 53 Bewertungen
Anthony Marra

Lebenslauf von Anthony Marra

Anthony Marra wurde 1984 in Washington, D. C., geboren. Während seines Studiums zog es ihn zu Studienaufenthalten nach Prag und Sankt Petersburg. Er war unter den ersten ausländischen Touristen, die die Republik Tschetschenien nach dem Krieg besuchten, was so außergewöhnlich war, dass er um drei Interviews für das tschetschenische Fernsehen gebeten wurde. Er erwarb einen MFA am Iowa Writers’ Workshop und war von 2011 bis 2013 Fellow im Wallace-Stegner-Programm der Universität Stanford, wo er u. a. bei Adam Johnson studierte und wo er selbst künftig lehren wird. 2012 erhielt er den Whiting Writers’ Award, der jährlich an Debütautoren mit außerordentlichem Talent vergeben wird – unter den Preisträgern sind Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides.

Alle Bücher von Anthony Marra

Anthony MarraDie niedrigen Himmel
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Die niedrigen Himmel
Die niedrigen Himmel
 (51)
Erschienen am 09.05.2015
Anthony MarraLetztes Lied einer vergangenen Welt
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Letztes Lied einer vergangenen Welt
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 (1)
Erschienen am 11.04.2016
Anthony MarraA Constellation of Vital Phenomena
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A Constellation of Vital Phenomena
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 (1)
Erschienen am 07.05.2013
Anthony MarraLa fragile costellazione della vita
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La fragile costellazione della vita
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 (0)
Erschienen am 01.04.2014
Anthony MarraThe Tsar of Love and Techno: Stories
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The Tsar of Love and Techno: Stories
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 (0)
Erschienen am 13.10.2015

Neue Rezensionen zu Anthony Marra

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Letztes Lied einer vergangenen Welt" von Anthony Marra

'Es braucht eine ganze Staatsmacht, um einen Menschen auszulöschen [...].'
sabatayn76vor 2 Jahren

'Es braucht eine ganze Staatsmacht, um einen Menschen auszulöschen, aber nur den Irrsinn eines Einzelnen [...], um ihn zu bewahren.'

Inhalt:
Anthony Marra erzählt in 'Letztes Lied einer vergangenen Welt' von verschiedenen Menschen zu unterschiedlichen Zeiten, deren Geschichten jedoch alle auf bestimmte Weise zusammenhängen.

So berichtet er von Roman Osipowitsch Markin, der als Korrekturkünstler im Ministerium für Parteiagitation und Propaganda arbeitet, von Galina, die zwar nicht das Ballett-Talent ihrer Großmutter geerbt hat, aber zur Miss Sibirien gewählt und ein Filmstar wird, von Ruslan, der als neuernannter Direktor des Fremdenverkehrsamtes den Tourismus in Tschetschenien ankurbeln soll, von Kolja, der mit seinem Bruder vom Weltall träumt.

Mein Eindruck:
Ich habe bereits 'Die niedrigen Himmel' von Anthony Marra mit großer Begeisterung gelesen, und obwohl ich keine Kurzgeschichtenliebhaberin bin, habe ich mich sehr auf 'Letztes Lied einer vergangenen Welt' gefreut. Ich fand Marras neuestes Buch sehr gelungen, zumal es sich nicht um einen typischen Kurzgeschichtenband handelt, da die Geschichten alle miteinander verbunden sind und die einzelnen Erzählungen so zu einem Roman verschmelzen.

Marras Geschichten entfalten sich langsam, und so brauchte ich ein paar Seiten, bis ich mich eingelesen habe. Dann hat mich das Buch aber schnell gefangen genommen und nicht mehr losgelassen. Marra versteht es wirklich meisterhaft, seinen Leser zu fesseln, seine Protagonisten und die Situationen lebendig zu beschreiben und seine Geschichte realistisch zu erzählen. Dabei sind viele Episoden im Buch amüsant, andere tragisch und berührend, doch stets hat mich Marra mit seiner Fähigkeit, sich gekonnt auszudrücken, und mit seiner Intelligenz, seiner Beobachtungsgabe und seinem Sprachwitz beeindruckt.

Am Ende möchte man das Buch sofort von Neuem lesen, um all die Anspielungen, all die Hinweise und all die Zusammenhänge besser erfassen zu können.

Mein Resümee:
'Letztes Lied einer vergangenen Welt' ist ein bewegendes und beeindruckendes Buch, das ich sehr empfehlen kann und das ich sicherlich ein zweites oder gar ein drittes Mal lesen werde.

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Valilus avatar

Rezension zu "Die niedrigen Himmel" von Anthony Marra

Die niedrigen Himmel
Valiluvor 3 Jahren

Anthony Marra schreibt in seinem Debütroman „Die niedrigen Himmel“ von den absurden Grausamkeiten der beiden Tschetschenienkriege, menschlichem Elend und alles überdauernder Liebe.

Die achtjährige Hawah verliert innerhalb weniger Tage ihren Vater, ihr Zuhause und sämtliche Gewissheiten. Die Ärztin Sonja gibt ihr sorgenfreies Leben in London auf, um bei ihrer Schwester zu sein und sich in Woltschansk als letzte Chirurgin um die vielen Kriegsopfer zu kümmern. Der Historiker Chassan redet seit Jahren nur noch mit seinen Hunden, nachdem sein Sohn das halbe Dorf an die Föderalen verraten hat.

Keiner der Protagonisten kann sich dem Krieg und den damit verbundenen Grausamkeiten entziehen. Besonders eindrücklich dabei ist, wie das Schicksal scheinbar jeden Menschen verändern und brechen kann. Und wie selbst Verrat der eigenen Freunde und Familienmitglieder nachvollziehbar wird. Gleichzeitig – und das ist die für mich noch wichtigere Botschaft des Buches – bringt der Krieg jedoch auch neue Formen von Anteilnahme und Selbstlosigkeit hervor.

Mich hat das Buch beeindruckt. Ich bin sicher, dass es mir nicht so schnell aus dem Kopf geht und mich noch das ein oder andere Mal daran erinnern wird, dass unsere Sicherheit hier keineswegs selbstverständlich, sondern ein großes Glück ist.

Die Geschichte ist dadurch gekennzeichnet, dass sie zwischen den Jahreszahlen, und damit auch zwischen den Kriegs- und relativen Friedenszeiten, hin und her springt. Obwohl mir chronologisch verlaufende Handlungen meist lieber sind, finde ich die Idee hier sehr passend und toll umgesetzt. Die Zeitleisten am Anfang jedes Kapitels waren beim Lesen sehr hilfreich, um die Übersichtlich zu behalten. Durch die zusätzlichen Sprünge zwischen den unterschiedlichen Handlungssträngen werden die Leben der Protagonisten nach und nach miteinander verwoben, was einige unerwartete Verbindungen zum Vorschein bringt und die Handlung insgesamt belebt.

Die Sprache des Buches ist sehr komplex, setzt sich oft aus ausgedehnten Schachtelsätzen zusammen und ist stellenweise sehr bildhaft. Einige Anspielungen werden auch erst im Laufe der weiteren Geschichte richtig verständlich und vieles zwischen den Zeilen bleibt bis zum Schluss frei für eigene Interpretationen. 

Die Darstellung der Charaktere ist schlicht grandios. Anthony Marra versteht es, die Protagonisten mit all ihren Licht- und Schattenseiten in den Fokus zu rücken, ihre Lebenswege miterleben zu lassen, und dabei selbst noch ein gewisses Verständnis für Verräter zu wecken.

Ich möchte das Buch unbedingt weiterempfehlen. Indem es dem Leser die Grausamkeiten der Kriege anschaulich vor Augen führt, löst es einerseits Sprachlosigkeit ob der sinnlosen Opfer aus; andererseits vermittelt es aber auch die Hoffnung, dass selbst in der Hölle des Krieges menschliches Mitgefühl überdauern und Leben retten kann. 

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Scheherazades avatar

Rezension zu "Die niedrigen Himmel" von Anthony Marra

Ein meisterlicher Debütroman
Scheherazadevor 4 Jahren

Die kleine Hawah lebt in einem kleinen Dorf in Tschetschenien, das mitten im Krieg ist. So muss das Mädchen mitansehen wie die Föderalen ihren Vater verschleppen und ihr Haus abbrennen. Aber auch hinter Hawah sind sie her. Sie hat glück, dass ihr Nachbar Achmed sie aus ihrem Versteck rettet und in ein Krankenhaus bringt. Im Krankenhaus treffen sie dann auf Sonja, die das Mädchen eigentlich nicht aufnehmen will, es dann aber doch tut. Und blad geht es Sonja auch nur noch darum das Mädchen zu retten. Denn in einer zerbrechenden Welt sollten wir an Mitgefühl und Liebe festhalten.

Anthony Marras erzählt uns in seinem Debütroman von menschlicher Grausamkeit, die man nicht für möglich halten würde und was diese Grausamkeit mit den Menschen macht. Die Geschichte erzählt aber auch von der Menschlichkeit und der Liebe, die trotz aller Grausamkeiten existieren kann und die Menschen antreibt einander beizustehen.

Der Roman spielt in einem Land, das schon lange keine Ordnung mehr kennt. Es gibt keine Obrigkeit, keine Polizei, keine Verwaltung, kein Gesundheitswesen. Strom und Wasser sind Luxus, an die sich keiner mehr erinnert, die Städte sind Ruinen – der Ort ist Tschetschenien. Die Geschichte spielt an fünf Tagen im Jahr 2004. Die Protagonisten sind einmal Hawah, deren Vater verschleppt wurde, Achmed der sie rettet, Chassan ein Historiker und sein Sohn Ramsan, der durch Folter gebrochen wurde und nicht nur Hawahs Vater verraten hat, Sonja, die Ärztin im einzigen Krankenhaus der Provinz ist und nach ihrer Schwester Natascha sucht. Die Gegenwart ist 2004, aber die Erinnerungen der Protagonisten gehen bis ins Jahr 1994 zurück. So erfährt der Leser sehr viel von den Tschetschenienkriegen. Sehr hilfreich dabei ist, dass über jedem Kapitel ein Zeitstrahl angebracht ist und fett hervorgehoben wird in welchem Jahr das nächste Kapitel spielt.

Die Geschichten, die hier erzählt werden, haben mich sehr berührt. Es ist ein Thema, das unter die Haut geht und einen noch sehr lange nach der Lektüre an das Gelesene erinnert. Es ist ein Buch, dass ich nicht so schnell vergessen werde.

Der sehr sensible Erzählstil hat mir sehr gut gefallen. Marras Formulierungen sind wirklich besonders und seine Sprache sehr dicht. Sie nimmt einen mit in diese unmenschliche Welt und lässt den Leser an den Schicksalen der Protagonisten teilhaben. Ich kann fast nicht glauben, dass es sich hier um einen Debütroman handelt, so meisterlich wie Marra erzählt.
Dieser Roman geht wirklich unter die Haut und lässt einen nicht so schnell wieder los. Ich kann ihn uneingeschränkt jedem empfehlen. Volle fünf Sterne von mir.

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Gespräche aus der Community

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DieBuchkolumnistins avatar

Anthony Marras atemberaubender Debütroman erzählt von menschlicher Grausamkeit und davon, was sie aus uns macht. Und von Liebe und Menschlichkeit, die alles überdauern:



Die achtjährige Hawah muss mit ansehen, wie die Föderalen ihren Vater verschleppen und ihr Haus niederbrennen, in einem kleinen Dorf in Tschetschenien, mitten im Krieg. Auch hinter dem Mädchen sind sie her. Ihr Nachbar, Achmed, rettet sie aus ihrem Versteck und bringt sie zum nächsten Krankenhaus. Dort treffen sie auf die Ärztin Sonja, die Hawah widerwillig aufnimmt. Doch schon bald geht es auch für Sonja nur noch darum, das Leben des Mädchens zu retten. Denn in einer Welt, in der alles zerbrochen ist und Freunde zu Wölfen werden, hilft nur das unbedingte Festhalten an dem, was uns zu Menschen macht: Mitgefühl und Liebe. LESEPROBE


Der Autor Anthony Marra hat mit seinem ersten Roman "Die niedrigen Himmel" weltweit für Begeisterung gesorgt. Seine Sprachgewalt und die Fähigkeit Emotionen in wenige und doch so treffende Worte zu packen, konnte die Kritiker überzeugen. Sogar Bestsellerautor T.C. Boyle findet: 
»Kraftvoll, überzeugend, wunderbar geschrieben.«

Gemeinsam mit dem Suhrkamp Verlag vergeben wir 25 Leseexemplare von "Die niedrigen Himmel" und freuen uns über Testleser, die mit mir gemeinsam den Roman lesen und diskutieren wollen und im Anschluss eine Rezension schreiben. Sicherlich ist gerade bei diesem Roman der gemeinsame Austausch besonders sinnvoll um alle Facetten zu erkennen und das Buch miteinander unterschiedlich zu entdecken. 
Die Bewerbung ist bis einschliesslich 13. Februar 2014 möglich.

Anthony Marra wurde 1984 in Washington, D. C., geboren. Während seines Studiums zog es ihn zu Studienaufenthalten nach Prag und Sankt Petersburg. Er war unter den ersten ausländischen Touristen, die die Republik Tschetschenien nach dem Krieg besuchten, was so außergewöhnlich war, dass er um drei Interviews für das tschetschenische Fernsehen gebeten wurde. Er erwarb einen MFA am Iowa Writers’ Workshop und war von 2011 bis 2013 Fellow im Wallace-Stegner-Programm der Universität Stanford, wo er u. a. bei Adam Johnson studierte und wo er selbst künftig lehren wird. 2012 erhielt er den Whiting Writers’ Award, der jährlich an Debütautoren mit außerordentlichem Talent vergeben wird – unter den Preisträgern sind Jonathan Franzen und Jeffrey Eugenides.

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