Englischer Harem

von Anthony McCarten 
4,1 Sterne bei270 Bewertungen
Englischer Harem
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (211):
engineerwifes avatar

Ein Buch, das mich begeistert hat! Ein begnadeter Autor ...

Kritisch (14):
Redrose91s avatar

Kann leider nicht so viel damit anfangen. :-(

Alle 270 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Englischer Harem"

Eine junge Frau zu ihren Eltern, untere Mittelschicht im Londoner Vorort: »Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Ich heirate, die schlechte: Er ist Perser. Und übrigens: Er hat bereits zwei Frauen.« So beginnt ein provozierender Roman über Heimat, Kochen und die Faszination des Fremden … und eine Liebesgeschichte wie keine andere – für diese Zeit.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783257239409
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:592 Seiten
Verlag:Diogenes
Erscheinungsdatum:26.05.2009
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.03.2008 bei Diogenes erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Hellena92s avatar
    Hellena92vor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Raus aus dem Klischee- Denken!
    Wunderbares Buch!

    Tracy´s Leben ist langweilig. Ein Aushilfsjob folgt auf den nächsten. Dann betritt sie Sam`s persisches Restaurant und betritt gleichzeitig seine Welt.
    Eine Erzählung über Liebe, Kultur und Diskriminierung im ach so aufgeklärten 21. Jahrhundert.

    Die Geschichte öffnet im Leser Kanäle, die die nicht so einfach geschlossen werden können und sollten. Er öffnet Augen für die Gewalt in der Welt und die Schwierigkeit des Lebens anderer Kulturen, die auf die Inakzeptanz und Ignoranz der Gesellschaft stoßen.

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    Buecherspiegels avatar
    Buecherspiegelvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Liebesgeschichte, zum Nachdenken anregend, nun fast 20 Jahre alt. Ob es diesen Roman auch Heute noch so gäbe?
    Ein Harem in England, Liebe und Gesellschaftsstudie vor den Anschlägen von 9/11

    Auf einem Wühltisch habe ich das Buch von Anthony McCarten „Englischer Harem“ gefunden. Die Geschichte ist vor den fürchterlichen Anschlägen in New York entstanden und erstmals 2001 als Vintage Book bei Random House, Neuseeland erschienen. Unter dieser Kenntnis habe ich dann diese Liebesgeschichte gelesen. Die Protagonisten in diesem Buch erzählen bereits jeder für sich eine Geschichte, die zusammengenommen fast schon eine Gesellschaftsstudie jener Zeit darstellen.

    Da ist der Perser Sam, ein Flüchtling bereits mittleren Alters, der die Witwe seines Bruders, Firouzeh, geheiratet hat. Mit in diese Ehe gebracht hat sie außer ihrer Trauer um ihren, bei einem Bombenattentat verstorbenen Mann, auch ihre vier Kinder, um die sie sich nun gemeinsam kümmern. Aber damit ist die Familie noch nicht komplett. Er hat auch noch eine zweite Frau, die Französin Yvette, wunderschön, auch sie eine Witwe, die Sam, wie auch Firouzeh, nach persischen Riten geheiratet hat. Es verstößt nicht gegen die Gesetze Englands, wo sich die Familie niedergelassen hat. Sam führt erfolgreich ein vegetarisches Restaurant, sehr zum Verdruss seiner Familie im Iran, die doch seit Generationen ihre Geschäfte mit Fleisch macht.


    Tracy, von Beruf Kassiererin mit Hang zu Träumereien, was ihr mal wieder den Job kostet, macht sich auf den Weg, eine neue Arbeit zu finden. Sie sieht im Restaurant von Sam auf einem Schild, dass er eine Bedienung sucht. Aber Tracy ist nicht gerade das, was Sam sich als eine seiner Kellnerinnen vorstellt, doch nach langem Zögern sagt er zu. Tracy´s Vater ist es nun gar nicht recht, dass seine Tochter in einem solchen Etablissement arbeitet. Er glaubt, es ist ein Puff. Er und seine Frau leben in einem heruntergekommen Sozialbau im 23. Stock, in dem der Aufzug nicht nur einmal stehen bleibt. Seine Ehefrau sammelt Unterschriften, damit dieser endlich abgerissen wird, er wiederum verdient sich mit Reparaturen an diesem Haus seinen Unterhalt. Und da ist dann noch der Exfreund von Tracy, der Grabsteinen ihren letzten Schliff verleiht.

    Der Autor lässt nun seine Protagonisten miteinander, umeinander Schicksal spielen, das mal sehr traurig ist, mal voller Gewalt, mit vielen Missverständnissen versehen, doch die Liebe spielt immer die Hauptrolle. Die Ehefrauen von Sam wollen unbedingt, dass sich Tracy in ihn verliebt, denn eine echte Liebesheirat hatte er noch nicht. Tracy wiederum will Sam verstehen, sie kommen sich nur langsam näher. Sie studiert den Koran, obwohl Sam selbst seine Religion schon lange nicht mehr ausübt, was seinen Eltern ein Dorn im Auge ist. Und als Tracy ihren Eltern offenbart, dass sie in einen bestehenden Harem hineinheiratet, ist es mit der elterlichen Liebe vorerst vorbei. Und auch der Exfreund von Tracy will sie überzeugen, dass er doch die viel bessere Wahl ist.

    Dass die Behörden nun Wind von der Sache bekommen, die vier Kinder vor solch einem Unheil bewahren wollen, ist nur ein weiterer Schritt hin zur Eskalation.

    McCarten entwickelt hier eine Liebesgeschichte nicht nur zwischen zwei Menschen, sondern um eine Großfamilie herum. Das Unwissen der westlichen Protagonisten um die Ehre und den Respekt vor dem verstorbenen Bruder, sich um die verbliebene Familie zu kümmern, auf eine Art und Weise, wie wir sie nicht kennen, bringt nicht nur Tracy´s Eltern um den Verstand. Sam kann nicht anders, als den Menschen um sich mit vielen Worten um den heißen Brei herum nichts zu sagen. Ein Haus, dass sich nach allen Seiten ausdehnen will, sich also für keine Seite entscheidet, mit einem Aufzug, der gerne auf der Fahrt nach Oben stehen bleibt, ein Charakter für sich und wichtig für die Beteiligten. Eifersucht bei Tracy´s Exfreund, Beharrlichkeit bei den Behörden, der Showdown möge beginnen. Der Schreibstil lässt einen das Buch nicht aus der Hand legen. Das liegt auch an den tollen Dialogen der liebevoll gezeichneten Personen. Ein Buch, wie geschaffen für einen verregneten Novembertag.

    Informationen über den Schriftsteller finden sich unter anderem unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Anthony_McCarten

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    our-red-carpet-of-bookss avatar
    our-red-carpet-of-booksvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Geschichte rund um Kultur, Heimat, Liebe, Freundschaft, Vorurteile, Schichten der Gesellschaft, unerfüllte Träume, Erwartungen& Familie
    Absoute Leseempfehlung

    Leider lag dieses Buch total lange ungelesen in meinem Regal. Mir kam beim Beenden dieses Buches sofort der Gedanke, warum lässt du deine guten Bücher alle im Regal verstauben.Ich gebe ehrlich zu die fast 600 Seiten haben mich immer abgeschreckt, Jedem dem es auch so geht von Euch kann ich nur sagen, gefühlt habt ihr ein Buch von 200 bis 300 Seiten. Die Geschichte von Sam, Tracy, Firouzeh und Yvette zieht Euch so in den Bann, dass ihr nicht aufhören könnt zu lesen.Abgesehen von McCartens unglaublich flüssigen, bildhaften und teilweise poetischen Schreibstil lernen wir tolle authentische Charaktere kennen, die uns an ihrem Leben teilhaben lassen.
    Das Buch beinhaltet so viele Themen: Familie, Kultur, Vorurteile (Wie entstehen Vorurteile), Familie, Freundschaft, Liebe, Trauer, Schichten der Gesellschaft, Unerfüllte Lebenswünsche, Verbitterung, Kochen und vieles, vieles mehr.
    Das Buch hat mir die Botschaft hinterlassen, das Vorurteile dann entstehen, wenn Menschen ihre Unwissenheit mit ihrer eigenen Phantasie füllen ohne diese zu hinterfragen.Sam wird von den Menschen, die nichts mit seiner Kultur anfangen können fast schon verachtet. Dabei erfahren wir von Seite zu Seite welch ein ehrenwerter Mann er eigentlich ist und welche Opfer er erbracht hat um anderen in Not zur Seite zu stehen.
    Ein unglaublich bewegendes Buch, dass ich Euch nur ans Herz legen kann.

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    sommerleses avatar
    sommerlesevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch, dass mich echt in seiner Tiefe überrascht und mitgerissen hat.
    Kulturelle Hürden werden durch Liebe überwunden

    Der Roman "*Englischer Harem*" von Autor "*Anthony McCarten*" erscheint im "*Diogenes Verlag*".

    Die arbeitslose Tracy landet als Aushilfskellnerin in einem persischen Lokal.  Chef Saamar Sahar, genannt Sam, hat zwei Frauen, die beide Tracys Freundinnen werden, aber auch Sam findet Gefallen an Tracy, die sich für seine Kultur interessiert. Sie wird Sams dritte Ehefrau.


    So beginnt ein provozierender Roman über Heimat, Kochen und die Faszination des Fremden … und eine Liebesgeschichte wie keine andere.

    Englischer Harem ist eine mit leichter Ironie erzählte Geschichte über das Schicksal des muslimischen Wahl-Londoners Saaman Sahar aus dem Iran, der sich britischer fühlt, als seine Umgebung sich vorzustellen vermag. Ein Buch, dass mich echt in seiner Tiefe überrascht und mitgerissen hat.

    Das Buch ist eigentlich eine Satire und zeigt die Faszination, aber auch die befremdlichen Ängste vor anderen Kulturen, die sich auch bei aufgeschlossenen Menschen finden.
     
    Wie hier aus einer Liebesgeschichte mit Komik und gesellschaftlichen Schranken ein Roman gestrickt wird, ist wirklich überraschend.

    Besonders nachvollziehbar ist die Schilderung der Familie Tracys, die befürchtet, dass dass die Tochter zum Islam übertritt. Auch Tracys Freunde denken in Klischees und sehen sie als Haremsdame und die englischen Behörden haben so ihre Probleme mit der Eheschliessung.


    Der englische Harem ist ein mitreissendes, erstaunliches Buch, dass einen hintergründigen Inhalt hat und einfach gut unterhält. Hier werden Toleranz und Klischees fremder Kulturen auf den Prüfstand gestellt und damit wird zum Nachdenken angeregt.

    Kommentare: 2
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    mToepfers avatar
    mToepfervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr einfühlsamer, anrührender und mit feinem Humor garnierter Roman mir einer deutlichen Portion Sozialkritik
    Angelegenheiten die niemanden etwas angehen

    Englischer Harem ist eine mit zartfühlender Ironie erzählte Geschichte über das Schicksal des muslimischen Wahl-Londoners Saaman Sahar aus dem Iran, der sich britischer fühlt, als seine Umgebung sich vorzustellen vermag. Im Gegensatz zu seinem Vater, der in Teheran Metzger ist, betreibt Sam in London ein gutgehendes Restaurant für Vegetarier. Spätestens als die junge Tracy Pringle als dritte Frau bei ihm einzieht, interessieren sich die Behörden dafür, was sich hinter den vier Wänden seines Privathaushaltes abspielt, weil sie von Tracys eifersüchtigem Ex-Freund angestachelt wurden. 


    Da man als Leser Einblick in Sams Motive hat, kommt man nicht umhin sich für eine Gesellschaft zu schämen, die leben und leben lassen nach wie vor nicht zum obersten Prinzip erhoben hat. Die keinerlei Gespür dafür entwickeln möchte, welche Angelegenheiten sie nichts angehen und was plumpdreistes Einmischen für unnötigen Stress und Leid hervorrufen kann. Ich las den umfangreichen Roman mit einem lachenden und einem tränenden Auge.

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    Tortumees avatar
    Tortumeevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein interessantes Buch über Kulturaustaisch und Jugendrebellion. Schillernd wie in 1001 Nacht.
    Weitet euren Horizont!

    Das Buch lag schon lange in meinem Regal, da ich es geschenkt bekam, aber die das Interesse aufbrachte es anzufangen. Schließlich bekam ich doch Lust darauf, und setzte es als nächstes auf meine liste. Die Geschichte ist wunderschön und durch den eingängigen Schreibstil des Autors sehr angenehm zu lesen. Es handelt von einer jungen Engländerin, die in einen Harem heiratet, bei dem der Mann deutlich älter ist als sie. Von ihren Eltern wird diese Art der Ehe nicht toleriert, ebensowenig wie von der Gesellschaft. Es gibt einige Komplikationen mit dem Ex und dem Jugendamt, welche sich zuspitzen und ein tragisches Ende nehmen. Teilweise vielleicht etwas langatmig, aber dennoch spannungsreich, vorallem durch die Sprache. Der Autor befasst sich mit einem komplizierten, in der Gesellschaft auf Unverständnis und Ablehnung stoßenden Thema, und die sozialkritische Funktion des Buches ist in eine schöne Geschichte eingefasst, sodass sie dem Leser unbewusst nähergeführt wird. Man öffnet sich mit dem Lesen neuen, fremden Kulturen und die eventuell anfänglich dagewesene Skepsis weicht offenem, aufrichtigem Interesse und Faszination. Ich habe das Lesen sehr genossen!

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    Iudass avatar
    Iudasvor 4 Jahren
    Zusammenprall zweier Kulturen.

    Dieses Buch lag schon lang in meinem Buchregal. Sehr lang. Genau genommen seit der Frankfurter Buchmesse vor zwei Jahren, damals, als Neuseeland Gastland war. Schon da begeisterter Leser von Anthony McCarten kaufte ich mir ein Buch und ließ es von ihm signieren. Gut, er schrieb meinen Namen falsch (wahrscheinlich kam mir mein sächsischer Dialekt bei der englischen Aussprache in die Quere), aber der Smiley machte alles wieder wett. »Englischer Harem«, so der fast widersprüchlich anmutende Titel, erschien wie auch schon McCartens andere Romane in deutscher Übersetzung bei Diogenes und hat den in heutigen Zeiten fast stolzen Umfang von sechshundert Seiten. Also ein Buch, das nicht mal an einem Abend bei halben Bewußtsein durchgelesen werden will. Und das würde der Geschichte auch nicht gerecht werden. Wir lernen die junge Tracy kennen, die mit ihren Eltern in einem der sozialen Brennpunkte Londons lebt. Aber dieses äußerlich so ramponierte Umfeld blendet sie einfach aus, in dem sie sich in eine orientalisch eingefärbte Traumwelt begibt. Ein Traum, der wahr zu werden scheint, als sie sich als Servicekraft in einem persischen, vegetarischen Restaurant bewirbt. Dort begegnet sie dem Iraner Saaman Sahar, der das Restaurant aufbaute und leitet und kann schon recht bald als begabte Kellnerin bei ihm anfangen. Aber Saamans Kosmos hat mehr zu bieten als nur ein ungewöhnliches Lokal. Sam, so nennt er sich gern, hat nämlich noch zwei Frauen. Zwar ist er nicht nach geltendem englischem Recht mit ihnen verheiratet, so doch aber im persischen Sinne. Dazu hat er noch drei Kinder, die seine erste Frau mit in die platonische Ehe brachte. Tracy ist sofort fasziniert von Sam und beschließt recht schnell, sich auch mit ihm zu vermählen und in den Familienverband einzusteigen. Ihr Umfeld ist natürlich so gar nicht über diesen Harem begeistert und befürchtet unsittliches Treiben. Ihre Eltern voran versuchen sie wieder ins heimische Nest zu holen, doch Tracy, die sich in ihrem neuen Leben mehr als behütet sieht, läßt sich von nichts überzeugen. Auch als sich erste Schwierigkeiten auftun, weiß sie, wohin sie gehört. Es ist zwar eine Traumwelt, aber sie kämpft vehement für ihren Erhalt. Dieses Buch ist in allererster Linie sicherlich die beschriebene Liebeskomödie. Aber es ist eine ungewöhnliche Liebe und so ist auch der Roman ungewöhnlich. Der Leser merkt rasch, daß es gar nicht nur um Tracy und ihren Liebhaber/Ehemann Saaman geht, sondern daß hier ein kulturelles und gesellschaftliches Abbild gezeigt wird. Es sind Welten, Vorstellungen und Meinungen, die aufeinander prallen und die Konflikte erzeugen. Und so realistisch und charakterlich gut gezeichnet die Personen sind, so realistisch wirken auch die Konflikte. An vielen Stellen könnte man meinen, McCarten schildert hier wirklich einen authentischen Fall. Und so geschieht alles vor der Kulisse des modernen Londons. Zwar ist man zu Anfang des Romans fast nur innerhalb der drei Häuser – Tracys Eltern, Restaurant und das Zuhause der Sahars – aber mit fortschreitender Erzählung öffnet sich neben dem gedanklichen Horizont auch der räumliche immer mehr. Das Geschehen wird auf die Londoner Straßen und in öffentliche Gebäude verlegt. McCarten nutzt bewußt ein für westliche Leser recht ungewöhnliches kulturelles Konstrukt, um Kritik an der Gesellschaft zu üben. Sein Protagonist Sam versucht aufzudecken, warum man in seinem Umfeld so gegen seine Ehe mit drei Frauen wettert: es sei der pure Neid. Doch ist das wirklich so oder ist es nicht auch das Ärgernis oder der Versuch, die eigene Kultur zu bewahren? Es ist nun das zweite Buch aus der Feder McCartens, in dem er den Islam thematisiert und zur Debatte stellt, doch hier in diesem kommt die Debatte sehr kurz und es ist eine geradezu einseitige Darstellung dieser Religion, die gerade jetzt für viel Zündstoff sorgt. Doch mit Tracy kommt zwar eine Frau mit starker Gedächtnisleistung, aber wenig kritischem Urteilsvermögen ins Spiel. Sie ist von Anfang an empfänglich für die paradiesisch anmutende Exotik, die Sam und sein Leben für sie ausstrahlen. Sie lebt sich in die Familie ein, liest unreflektiert den Koran und entwickelt fast euphorische Begeisterung für das schöne Leben fernab des armen, aber spießigen Daseins. Dabei verbleibt vieles einseitig, zu schwarz-weiß gefärbt. Die Sahars sind die schöngefärbten Guten, die, die einfach nur unbehelligt das Heile-Welt-Leben feiern wollen und von den eifersüchtigen Mitmenschen daran gehindert werden sollen. Sie schaffen es zwar, ihre Art des Lebens durchzusetzen, aber die Verluste des Kampfes sind hoch. Auch die Schilderungen des Zusammenlebens der drei Frauen werden als zu schön um wahr zu sein beschrieben. »Sie sind füreinander da, die drei Frauen. Vielleicht ist ihnen das selbst nicht ganz klar, aber sie sind weniger mit mir verheiratet als miteinander.« (S. 432) Das ist schon früh in der Erzählung klar und es wird auch deutlich, welche Unterstützung und Sicherheit der englische Harem den drei von herben Schicksalsschlägen gezeichneten Frauen bieten. Und dieser Gedankengang, fernab von jeder erotischen Komponente, ist beachtlich schön umgesetzt, wenngleich nicht immer ganz glaubhaft. Ein paarmal kann man zwar sehen, daß die herzliche, innige Liebesbeziehung zwischen Tracy und Sam auch nicht spurlos an Yvette und Firouzeh, den beiden platonischen Ehefrauen, vorbeizieht, aber das ist sehr selten. Den Großteil arrangieren sie sich ohne Murren und Knurren – ja, sogar mit sehr großem Elan – mit der Situation. Sprachlich ist »Englischer Harem« aber auf einem guten Niveau, wobei man auch immer nicht aus den Augen verlieren darf, daß man eine Übersetzung vor sich liegen hat; hier von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. Die Dialoge sind glaubhaft niedergeschrieben, ohne zu große gestelzte Ecken und passen zu ihrem jeweiligen Charakter. Besonders an dem redseligen Sam kann man das gut beobachten, wie er sich vom ruhigen, besonnenen Familienvater, der gern Weisheiten jeglicher Couleur weitergibt, in einen zornigen, aufbrausenden Mann verwandelt. Auch dramaturgisch ist es gut und spannend aufgebaut, sodaß selbst bei fast sechshundert Seiten Roman wenige Durststrecken zu bemängeln sind. Als besonders angenehm fand ich das zeitliche Konstrukt, welches mit Tracys Eintritt in die persische Welt chronologisch vonstatten geht, sodaß man ihre Geschichte schon recht bald kennt, die allerdings Saamans Leben erst in Rückblenden offenlegt. Man kann zwar vieles schon erahnen, stellt aber erst am Ende fest, welche Tragweite alles zusammen wirklich hatte. Auch kleine literarische Feinheiten, Metaphern und Bilder lassen sich im Text finden und machen die Lektüre spannend und würzig. Ein besonders angenehmes und intelligent konstruiertes Bild möchte ich zum Abschluß nehmen: Das Haus der Eltern Tracys – ein mehrstöckiger Plattenbau – war aufgrund des Alters und der fehlenden Pflege verfallen und heruntergekommen. Der Fahrstuhl war außer Betrieb, der Putz bröckelte und eine ganz große Gefahr ging von den Neigungen der Gebäudewände aus. Das Haus drohte unter der Last einfach auseinander zu brechen. Monica, Tracys Mutter, führt fast aussichtlose Kämpfe zur Behebung der maroden Zustände, doch erst nach einigen Anläufen gelingt es ihr, den Sprengungsbefehl für den Abriß des Gebäudes zu bekommen. Und so kommt es, daß sie den Knopf drücken darf, der das Haus dem Erdboden gleichmacht. »Ein Haus, das sich nie hatte entscheiden können, in welche Richtung es sich neigen sollte, kam endlich zu einem Entschluss.« (S. 576) Daß das Haus stellvertretend Symbol für viele der Personen im Roman ist, entdeckt man erst nach und nach. So, wie das Haus unentschlossen war, so waren es auch die in ihm lebenden Menschen.

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    Armillees avatar
    Armilleevor 4 Jahren
    Eine unvergleichliche Liebesgeschichte von drei Frauen und einem Mann.

    In einem Londoner Vorort in einem Ghetto-Hochhaus mit 27 Stockwerken wohnt die junge Frau Tracy bei ihren Eltern. Sie arbeitet in einem Supermarkt an der Kasse, ist hochintelligent und träumt sich durch ihren Arbeitstag. Meist stehen dann nicht normale Kunden bei ihr, um zu bezahlen, sondern in ihrer Fantasie die Queen, oder ein toller Schauspieler aus Hollywood. 
    Als sie diesen Job verliert, macht sie sich aufgestylt wie ein leichtes Mädchen auf den Weg in die Stadt, um sich dort in einem Restaurant einen neuen Job zu suchen.
    Und nun nimmt diese tolle Geschichte ihren Lauf. Sie arbeitet für einen Perser mit zwei Frauen und vier Kindern, der ein vegetarisches Restaurant führt.
    Das hier ist nicht einfach nur ein Buch über diese ungewöhnliche Konstellation, als sich Tracy in diesen Perser verliebt und ihn schließlich heiratet. Sondern hier wird aus allen Perspektiven dargestellt, wie "wir" anderen Menschen damit umgehen. Wie unsere Fantasie sich ungeheuerliches ausmalt, was dann zu "unserer" Wahrheit wird. Ob es stimmt oder nicht, ist dabei doch meist egal. Wie die Behörden reagieren, die Nachbarn, Tracy´s Ex-Freund und ihre Eltern.
    Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Spannend, menschlich, unmenschlich, humorvoll und nachdenklich machend. Eine flott geschriebene Romankomödie, die ich so noch nie gelesen habe.
    Sehr nachhaltig...!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Kurzmeinung: habe jetzt über die Hälfte gelesen, es ist ein super Buch, nach der ersten Paar Seiten, musste ich es mir kaufen und habe es nicht bereut
    mein Absolutes Lieblingsbuch 2013

    ich habe dieses Buch verschlungen. Es war wirklich schön und die Geschichte ist sehr real. Anthony McCarten weiß, wie man die Leser schon ab Seite 3 fesselt. 


    Schnappt es euch wenn ihr es in der Buchhandlung eures Vertrauens findet und lest die ersten 5 Seiten, ihr werdet es danach nicht mehr weglegen können. 


    Was ich am Ende etwas schade finde ist, dass sich alles etwas überschlägt.Bis dahin aber echt klasse =) 

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    Nymphes avatar
    Nymphevor 6 Jahren
    Rezension zu "Englischer Harem" von Anthony McCarten

    Tracy verliert ihren Job an der Supermarktkasse, weil sie eine Träumerin ist. Sie hat einfach weggesehen, als eine alte Frau etwas einsteckte, weil sie sich gerade vorstellte, dass diese Frau die Königin ist. So muss sie sich einen neuen Job suchen und findet ihn als Kellnerin in einem vegetarischen, persischen Restaurant. Der Chef, Sam, ist nach seinem Studium in England einfach dageblieben und nicht zurück in den Iran gegangen. Er liebt die englische Kultur.
    Was sich dann entspinnt, ist eine feine, zarte Liebesgeschichte, die auch von der Tatsache nicht gestört wird, dass Sam bereits zwei Frauen hat. Nur die Gesellschaft scheint ein Problem damit zu haben.
    Dieses Buch ist wirklich außerordentlich intelligent geschrieben und hat mich von der ersten bis zur letzten Seite in den Bann gezogen. Am schönsten fand ich die Entwicklung von Tracy von der etwas naiven Supermarktkassiererin, die alle Preise im Kopf hat, zur gebildeten Frau, da Sam ihr ein Welt eröffnet, die ihr vorher verschlossen war.
    Jede Figur ist bis zum letzten durchdacht und realistisch geschildert, von Tracys "Versager-Vater" bis hin zum Mitarbeiter des Jugendamtes Sebastian Patridge. Keine Figur ist irgendwie überflüssig in dem Buch sondern sinnvoll in die Geschichte eingewebt:
    Fazit: Ein Meisterwek.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    L
    Ich schleiche schon ein paar Wochen um das Buch „Englischer Harem“ herum. Inhaltsangabe und Cover finde ich sehr ansprechend, konnte mich aber bislang noch nicht dazu durchringen es zu kaufen. Habt ihr das Buch schon gelesen? Lohnt es sich? Wäre dankbar für Eure Einschätzung. Vielen Dank.
    L
    Letzter Beitrag von  LovelyBooks-Uservor 8 Jahren
    Habs jetzt bestellt :-) Vielen Dank für Deine Antwort
    Zum Thema

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