Der heroinsüchtige Onkel des Autors Désiré zählt zu den ersten AIDS infizierten Frankreichs in den 1980er Jahren. Er lebt in einem kleinen französischen Dorf, wo jede*r jede*n kennt und die Familie aufgrund der Metzgerei, die sie betreiben, einigermaßen angesehen ist.
Für die Familie, insbesondere für die Mutter stellte diese Krankheit eine Katastrophe dar, weil AIDS-erkrankte stigmatisiert waren – als schwul und/oder drogenabhängig. Dass ihr Sohn Désiré drogenabhängig sei, wollte sie nicht wahrhaben. Zur großen Tragödie ist die familiäre Geschichte auch deswegen ausgewachsen, weil nicht nur der Onkel infiziert war, sondern auch seine Frau und die gemeinsame Tochter.
In einem zweiten Erzählstrang wird der wissenschaftliche Part zu AIDS erzählt – von den ersten Entdeckungen des Virus bis zum Versuch, ein geeignetes Medikament zu erforschen.
„Danke.“ Die junge Wissenschaftlerin ist verblüfft: „Aber wofür? Es ist uns nicht gelungen, Sie zu retten.“ Mit halb geschlossenen Augen, an der Schwelle zwischen zwei Welten, findet der Sterbende noch die Kraft zu antworten: „Nicht für mich. Für die anderen.“ (s. S. 151)
Wir können uns heute glücklich schätzen – Wissenschaft und Forschung haben längst Medikamente entwickelt, die AIDS-Infizierte ein nahezu „normales“ Leben und auch eine vergleichbare Lebenserwartung ermöglichen, wie nicht infizierten Personen.
Ein tief berührendes, autobiografisches Buch über Krankheit und familiäre Scham, das einen nachdenklich zurücklässt. Großartiges Debüt!
Anthony Passeron
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Die Schlafenden
Jacky
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In zwei Erzählsträngen behandelt der Autor zum einen seine Familiengeschichte in einem abgelegenen französischen Dorf und zum anderen die AIDS-Forschung, die Anfang der 1980er in den USA und Frankreich begann. Die Familiengeschichte wird in den 1980er Jahren zum Drama, das weiter nachwirkt. Anthony Passeron schildert das Geschehen, so wie er es als Kind miterlebt hat, was einen als Leser noch mehr mitnimmt. Die Sprachlosigkeit und Verdrängungsversuche der Familie schildert er absolut nachvollziehbar, ebenso wie die Folgen für die einzelnen Personen und ganze Generationen. Der Schrecken der Krankheit, die Verzweiflung der Betroffenen und die lange Hoffnung auf eine Therapie wird greifbar. Ich glaube, dass das, was die ersten AIDS-Kranken und ihre Angehörigen damals durchgemacht haben, was verdrängt und marginalisiert wurde, heute aufgrund der Erfahrungen jedes Einzelnen mit der Corona-Pandemie erst richtig verstanden werden kann. Dieses Buch ist wichtig, um aus der Vergangenheit zu lernen, aber auch, um die Gesellschaft zu versöhnen.
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