Anthony Powell

 3,9 Sterne bei 54 Bewertungen

Lebenslauf

Der englische Proust und Besitzer des britischen Verdienstordens: Der britische Schriftsteller und Literaturkritiker Anthony Powell wurde 1905 in London geboren. Nach seinem Geschichts-Studium am Balliol College, war er lange Zeit als Lektor, Herausgeber und Vertreter im bekannten Verlagshaus Duckworth & Co tätig. Im Jahre 1934 heiratete er eine Adlige namens Lady Violet Pakenham und sie bekamen zwei Söhne namens Tristram und John. 1931 debütierte er mit seinem Roman "Afternoon Men", doch erst mit der zwölfbändigen Romanfolge „A Dance to the Music of Time" wurde er bekannt. Das Hauptthema dieser Werke ist die soziale Mobilität, ergo der Abstieg und der Aufstieg in einer Gesellschaft. Zu der der Zeit des zweiten Weltkrieges stieg seine schriftstellerische Produktivität stark an. Er versuchte viele Romane zu schreiben, während er im walisischen Bataillon der Landstreitkräfte und später beim militärischen Geheimdienst diente. In seinen Werken sind die Spuren des Krieges auch in seiner Kriegstrilogie ersichtlich. Er verfasste nicht nur Romane, sondern auch Bühnenstücke und Literaturkritiken für den Daily Telegraph. 1947 wurde er Literaturredakteur des Times Literary Supplement und später des satirischen Magazins Punch. Nach seinem Tod am 28. März 2000 wurden zudem mehrere Tagebücher und Memoiren, sowie Essays von ihm veröffentlicht.

Alle Bücher von Anthony Powell

Cover des Buches Die Welt des Wechsels (ISBN: 9783423145961)

Die Welt des Wechsels

(6)
Erschienen am 08.12.2017
Cover des Buches Tendenz: steigend (ISBN: 9783423145954)

Tendenz: steigend

(5)
Erschienen am 10.11.2017
Cover des Buches Casanovas chinesisches Restaurant (ISBN: 9783423146371)

Casanovas chinesisches Restaurant

(3)
Erschienen am 31.05.2018
Cover des Buches Täuschung und Selbsttäuschung (ISBN: 9783961600588)

Täuschung und Selbsttäuschung

(3)
Erschienen am 03.04.2023
Cover des Buches Bei Lady Molly (ISBN: 9783423146289)

Bei Lady Molly

(1)
Erschienen am 29.03.2018

Neue Rezensionen zu Anthony Powell

Cover des Buches A Question of Upbringing (ISBN: 9780099472384)
Nicolai_Levins avatar

Rezension zu "A Question of Upbringing" von Anthony Powell

Nicolai_Levin
Old Boys in Jung

1951, also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, ist "A Question of Upbringing" erschienen, als erster Teil der Reihe "A Dance to the Music of Time", die am Ende zwölf Bände umfassen sollte. Die Handlung (soweit man von Handlung sprechen kann) setzt 1921 ein, also kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Wir begleiten den Icherzähler Jenkins (sein Vorname wird in diesem ersten Band nie genannt, ich hab nachgesucht!) vom letzten Schuljahr bis zum Ende seines Studiums ein paar Jahre später.

In Kapitel eins treffen wir Jenkins in einem englischen Privatinternat. Namentlich werden weder die Schule noch die spätere Uni genannt, der Autor Anthony Powell war selbst in Eton und Oxford. Jenkins erhält in der Schule Besuch von seinem Onkel Giles, der verursacht wegen einer gerauchten Zigarette nachhaltigen Ärger mit dem Hauslehrer, dem Jenkins und seine Freunde im kommenden Sommer einen ziemlich üblen Streich spielen. In Kapitel zwei folgen Besuche des Icherzählers bei den Familien seiner Freunde Stringham und Templer, samt Beobachtungen des jeweiligen familiären Mikrokosmos. Kapitel drei führt uns an die Loire, wo Jenkins einen Sommer lang zwischen Schule und Uni sein Französisch aufpolieren soll. Zufällig begegnet er dort dem ehemaligen Mitschüler Widmerpool und beobachtet die absurde Fehde zweier skandinavischer Pensionsgäste. Das abschließende Kapitel vier ist der Universität gewidmet: Der exzentrische Professor Sillery unterhält eine lose Teegesellschaft, zu der auch Jenkins sich gesellt. Sein Schulfreund Stringham stößt nach einem Jahr in Kenia (bei seinem Vater) auch an die Uni, entscheidet sich aber nach einem oder zwei Semestern für den Job als Sekretär eines aufstrebenden Geschäftsmannes und Politikers. Templer, der andere der Schulfreunderunde, hat sich von Anfang an für eine Karriere in der Londoner City entschieden. Eine Spritztour in Templers neuem Auto, die waghalsig beginnt und im nächtlichen Straßengraben endet, setzt ein Ende der Freundschaft zwischen Templer und Stringham. Jenkins geht in London mit Onkel Giles essen.

Und dann ist das Buch zu Ende.

Misst man "A Question of Upbringing" an den Maßstäben, die man für gewöhnlich an Belletristik legt, schreien einen die Unzulänglichkeiten und Schwächen förmlich an: Keine richtige Handlung, kein Spannungsbogen, nichts! Nur ein Icherzähler, der mehr oder weniger passiv getrieben wird und beobachtet, eben zur Musik der Zeit tanzt, ohne eigene Akzente zu setzen. Der Nichtinhalt ist Programm, das ist schon klar, das ist kein klassischer Roman; hier soll die Epoche einer Gesellschaftsschicht in anekdotischen Episoden besichtigt werden.

Ob das funktioniert, weiß ich tatsächlich nicht. Die Sprache ist elegant und klug, die Figuren haben Kontur und Tiefe, und in den Episoden spitzt durchaus so etwas wie Humor zum leichten Schmunzeln hindurch - etwa wenn Jenkins bei seinem Abschied in der französischen Pension versehentlich der falschen Frau seine Zuneigung erklärt.

Man hat Powells Epos immer wieder mit Marcel Proust und seiner Suche nach der verlorenen Zeit verglichen. Das finde ich unpassend. Zum Einen ist Powell dreißig Jahre später dran, und als prononcierter Literaturkritiker weiß er, dass man ihm ein simples Abkupfern bei Proust nicht verzeihen wird. Er zeigt zudem - jedenfalls in diesem ersten Band - kein explizites Programm oder Motiv, das ihn treibt. Und: Figur und Autor scheinen mir weit weniger leidend und überspannt als Proust und sein Alter Ego. Gegenüber der geradezu zwanghaften Analyse seines Daseins, die Proust dazu getrieben hat, sein (verfremdetes) Seelenleben literarisch auszubreiten, wirkt sowohl der ezählende Powell wie seine Ichfigur stabil und zufrieden in ihrer Existenz und ihren Lebensumständen. Sie werfen einen scheinbar unbedarften, aber doch sehr scharfen Blick auf Milieu, Stil und Typen, ohne sie satirisch aufs Korn zu nehmen (wie das Proust bisweilen sehr wohl unternommen hat).

Es plätschert alles sehr, sehr ruhig dahin, nicht unangenehm zu lesen, aber die Entscheidung, ob ich das nun anmaßend und unendlich langweilig finden soll, oder doch eher raffiniert und unglaublich subtil, habe ich noch nicht getroffen. Das werden wohl erst die folgenden Bände zeigen.

Cover des Buches Eine Frage der Erziehung (ISBN: 9783423145947)
Giselle74s avatar

Rezension zu "Eine Frage der Erziehung" von Anthony Powell

Giselle74
A dance to the music of time

"Eine Frage der Erziehung" ist der erste Band der zwölfbändigen Reihe "Ein Tanz zur Musik der Zeit" des englischen Schriftstellers Anthony Hopkins. Darin wird die englische Gesellschaft und ihr Wandel vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Ende der Sechziger Jahre sehr detailgetreu und umfassend beschrieben.
Der erste Band nun beginnt 1921 in einem britischen Internat. Wir beobachten Nick Jenkins, dessen Leben in dem Zyklus erzählt wird, und seine Freunde Charles Stringham und Peter Templer beim traditionellen Tee, bei Verwandtenbesuchen, im Umgang mit dem Lehrpersonal. Sofort stolpert man über offensichtliche Eigentümlichkeiten britischen Internatswesens, darüber, dass es akzeptierte Arten des Benehmens und selbst des "Über die Stränge Schlagens" gibt und unakzeptable. Den Unterschied kennt man - oder verrät sogleich die Nichtzugehörigkeit zu entsprechenden Gesellschaftsschichten.
Im weiteren Verlauf begleiten wir Jenkins zu einem Sprachaufenthalt nach Frankreich, bei den ersten Schritten auf der Universität und erleben seine ersten Verliebtheiten. Im Grunde passiert nicht viel. Jenkins berichtet über seine Erlebnisse, teilt seine Gedanken dazu und öffnet dabei ganz nebenbei und im Plaudertone die Tore zu einer verlorenen Welt.
Ich glaube, man muss diese Art des Schreibens mögen. Es ist wie mit Koriander, entweder man liebt ihn oder man findet ihn seifenartig im Geschmack, dazwischen gibt es nichts. Hier ist es wohl ebenso. Ich kenne diverse Stimmen, die dem Buch gepflegte Langeweile vorwerfen, denen Handlung fehlt, Spannung, Ereignisse. Ich habe diesen ersten Band geliebt und fast ohne Unterbrechung gelesen, wollte und konnte mich nicht trennen von diesem anderen Leben, diesem durchaus auch ereignislosen Alltag in einer mir eher fremden Gesellschaft, diesem Blick auf Personen und die Gründe ihres Verhaltens. Und ich freue mich darüber, dass ja nun noch elf weitere Bände auf mich warten, sofern dem Verlag nicht zwischendrin die Puste ausgeht, was ich mir gar nicht ausdenken mag. Zwei weitere Bände sind schon erschienen, zwei werden demnächst erscheinen. Sollte also in nächster Zeit hier Stille herrschen, dann tanze ich zur Musik der Zeit.

 

Cover des Buches Eine Frage der Erziehung (ISBN: 9783423145947)
Petra54s avatar

Rezension zu "Eine Frage der Erziehung" von Anthony Powell

Petra54
Zum Glück bekam ich die Trilogie geschenkt und musste kein Geld dafür verschwenden.

„Ein bedeutendes Werk der Literatur – brillant und hinreißend geschrieben“, urteilt BBC. „Alle Qualitäten: Witz, Ironie und genaue Beobachtung sind überreichlich vorhanden“, meint The Times.

Nun – überreichliche genaue Beobachtungen reihen sich aneinander. Eine zusammenhängende Geschichte erschloss sich mir nicht – jedenfalls nicht bis zu dem Punkt, an dem ich gelangweilt abbrach.

Die Fortsetzung „Tendenz steigend“ wird etwas verhaltener in langen, wenig konkreten Sätzen im Klappentext beschrieben. Auch diesem Titel konnte ich nicht lange folgen.

Den letzten Band „Die neuen Herren“ aus der Reihe „Ein Tanz zur Musik der Zeit“ ließ ich unbeachtet und biete sie meinen Nachbarn an. Vielleicht möchte jemand diese Bücher wegen des bekannten Autors in seinem Regal stehen haben – ich jedenfalls nicht.

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Zusätzliche Informationen

Anthony Powell wurde am 21. Dezember 1905 in London (Großbritannien) geboren.

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