Anthony Trollope

 3,8 Sterne bei 54 Bewertungen

Lebenslauf

Anthony Trollope, geboren 1815 in London, war Postaufsichtsinspektor und Schriftsteller. Er schrieb meist in den frühen Morgenstunden nach dem selbstauferlegten Reglement, eine Seite in fünfzehn Minuten zu schreiben; einige seiner 47 Romane sind an die 900 Seiten stark. Die BBC adaptierte viele seiner Werke als Hörstücke und Fernsehsendungen. Heute würde Trollope wohl Romantic-Comedy-Drehbücher schreiben. Er starb 1882.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Anthony Trollope

Cover des Buches Septimus Harding, Spitalvorsteher (ISBN: 9783717523864)

Septimus Harding, Spitalvorsteher

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Erschienen am 15.03.2015
Cover des Buches Die Claverings (ISBN: 9783717521396)

Die Claverings

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Erschienen am 17.10.2007
Cover des Buches Weihnachten auf Thompson Hall (ISBN: 9783458194927)

Weihnachten auf Thompson Hall

 (6)
Erschienen am 26.09.2021
Cover des Buches Die Türme von Barchester (ISBN: 9783717520702)

Die Türme von Barchester

 (2)
Erschienen am 07.03.2005
Cover des Buches Cecilia (ISBN: 9783929745368)

Cecilia

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Erschienen am 01.01.1996
Cover des Buches Miss Mackenzies Mut zu lieben (ISBN: 9783898014243)

Miss Mackenzies Mut zu lieben

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Erschienen am 06.09.2019
Cover des Buches Umwälzungen - Erster Teil (ISBN: 9783758392573)

Umwälzungen - Erster Teil

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Erschienen am 08.02.2024
Cover des Buches Umwälzungen - Zweiter Teil (ISBN: 9783758392580)

Umwälzungen - Zweiter Teil

 (0)
Erschienen am 08.02.2024

Neue Rezensionen zu Anthony Trollope

Cover des Buches Barchester Towers. Die Türme von Barchester, englische Ausgabe (ISBN: 9780141199115)
S

Rezension zu "Barchester Towers. Die Türme von Barchester, englische Ausgabe" von Anthony Trollope

Große Politik in einer kleinen Welt
sKnaerzlevor einem Jahr

Der Bischof von Barchester ist gestorben, sein Nachfolger will Reformen durchsetzen, der alte Klerus stemmt sich dagegen, während der Ortsadlige die Reformen, die  1066 mit der normannischen Eroberung kamen, noch immer bekämpft. So weit es sich um eine Charakterkomödie handelt ist der Roman gelungen, Trollope hat ein paar ziemlich schräge Charaktere gezeichnet, die die Lektüre zum Vergnügen machen.


Etwas schwierig ist der Hintergrund. Wichtig ist der Streit zwischen den alteingesessenen konservativen, machtbewussten aber toleranten Geistlichen und den Neuankömmlingen, die den persönlichen Glauben ernst nehmen, für ihre Stellung kämpfen und ihre Mitmenschen vor allem nerven. Auch hier kann der Autor mit spitzer Feder einiges aufspießen, allerdings bleibt für den heutigen deutschen Leser etwas im Dunkeln, worum es geht.


Tja, und das letzte ist eine Geschmacksache. Trollope führt seine Figuren stark am Gängelband. Nie lässt er sich eine Szene entfalten, immer kommentiert der Erzähler dies und das, immer erklärt er, wie Situation und Charakter hier zusammenwirken und mehr als einmal sagt er, man möge doch bitte nicht schlecht über diese oder jene Figur denken.


Man kann diese Schreibart mögen, in diesem Fall fand ich sie eher nervig.

Cover des Buches Weihnachten auf Thompson Hall (ISBN: 9783458194927)
AndreasKuecks avatar

Rezension zu "Weihnachten auf Thompson Hall" von Anthony Trollope

…nette Geschichte aus der viktorianischen Ära!
AndreasKueckvor 2 Jahren

Mrs. Brown ist „verschnupft“: Seit 8 Jahren hat sie – aus Rücksicht auf die Gesundheit ihres Gatten – auf ein Weihnachtsfest auf Thompson Hall im Kreise ihrer Familie verzichtet. Doch in diesem Jahr möchte – Nein! – muss sie unbedingt dort sein, da ihre jüngere Schwester ihren Liebsten der Familie vorstellen und sich verloben möchte. Nun haben sie es schon bis in ein Pariser Hotel geschafft, da kränkelt ihr Mann allzu offensichtlich in der Hoffnung, eine Weiterreise zu unterbinden. Nur ein heilsamer Senfwickel könnte ihn von einer tückischen Bronchitis befreien, meint er. Seine Gattin ist wild entschlossen, das Weihnachtsfest unter allen Umständen in der Heimat bei ihrer Familie zu verbringen. So macht sie sich zur späten Stunde auf den Weg Richtung Speisesaal, um dem dort vorhandenen Senftopf seines Inhalts zu berauben. Doch die Flure in so einem schlafenden Hotel sehen alle recht gleich aus, zumal sie nur unzureichend von einer Kerze beleuchtet werden. Nach einigen Irrungen und Wirrungen befindet sie sich doch tatsächlich auf den Rückweg, in der einen Hand ihre dürftige Lichtquelle, in der anderen Hand eine in ihrem Taschentuch gewickelte Portion Senf. Erleichtert schlüpft sie ins Zimmer, wo ihr Mann schon zu schlafen scheint. Aus Rücksichtnahme macht sie kein Licht, sondern vertraut auf den kläglichen Schein der Kerze in ihrer Hand. Die üppige Portion Senf wird auf der Brust des schlafenden Herrn verteilt und mit dem Taschentuch abgedeckt. Mit Schrecken erkennt sie plötzlich, dass sie sich im falschen Zimmer, am falschen Bett und somit beim falschen Mann befindet. Voller Panik flüchtet sie aus dem Raum in der Hoffnung, dass niemand sie mit dem Geschehenen in Verbindung bringen möge. Dummerweise vergisst sie in der Hektik ihr Taschentuch, das ein auffälliges Monogramm ziert und sie am nächsten Morgen als die Übeltäterin identifiziert. War die Erklärung, die sie ihrem Gatten geben musste, schon unangenehm für sie, so ist ihr das Zusammentreffen mit ihrem „Opfer“ über alle Maßen peinlich. Zumal dieser sie bei der Weiterreise scheinbar verfolgt: In welches Transportmittel sie auch immer steigen, er scheint schon dort zu sein. Was mag das nur bedeuten…?

Anthony Trollope gilt als einer der meistgelesenen Autoren der viktorianischen Epoche und erfreut(e) sich in Großbritannien einer großen Beliebtheit. Die vorliegende Erzählung erschien im Jahre 1876 als Serie in der britischen Illustrierten „The Graphic“ und ist definitiv ein Kind ihrer Zeit bzgl. der Rollenbilder, Standesunterschiede und gesellschaftlichen Gepflogenheiten.

„Weihnachten auf Thompson Hall“ lässt vermuten, dass diese Geschichte eben dort spielt. Doch weit gefehlt: Vielmehr fungiert Thompson Hall als eine Art Sehnsuchtsort für unsere Heldin, der sie veranlasst einige unüberlegte Dinge zu tun, die sie unter anderen Umständen nie und nimmer getan hätte. Dies in Kombination mit der damals vorherrschenden Etikette, was sich für eine Dame schickt, liefert die Erklärung für die unüberlegten Übersprungshandlungen der Protagonistin.

So ist dies zwar durchaus charmant zu lesen, die Lektüre weckte nur leider nicht das erhoffte Weihnachtsgefühl in mir. Das schönste Fest des Jahres spielt hier nur eine unwichtige Nebenrolle: Die eigentliche Geschichte könnte sich auch zu jeder anderen Jahreszeit ereignen. Zudem vermisste ich die vielzitierte Trollope’sche Ironie – oder ich erkannte sie nicht als solche. Die Erzählung kitzelte recht wenig den Vor-Leser in mir hervor. Wobei ich mir eine visuelle Umsetzung als Komödie im Stil eines Oscar Wildes durchaus vorstellen könnte.

Als Insel-Bücherei Nr. 1792 in eben dieser erschienen, erfreut das Büchlein natürlich wieder mein bibliophiles Herz, wozu auch die lose in den Text eingestreuten Illustrationen von Irmela Schautz nicht im unerheblichen Maße beitrugen und es optisch zu einem Schmankerl machen.

Cover des Buches Septimus Harding, Spitalvorsteher (ISBN: 9783717523864)
SiColliers avatar

Rezension zu "Septimus Harding, Spitalvorsteher" von Anthony Trollope

Wenn ein Weltverbesserer aktiv wird
SiColliervor 4 Jahren

Ha, es würde ihm keine Sekunde Unbehagen verursachen, schon morgen seine Politik zu ändern, wenn es die Zeitung fordert. (Seite 259)

 

Meine Meinung

Das ist eines der ganz wenigen Bücher, die ich gelesen habe, ohne vorher zu wissen, worum es geht. Einfach deswegen, weil ich schon lange etwas von Anthony Trollope lesen wollte. Um es kurz zu machen: es hat sich gelohnt, sehr gelohnt. Auch wenn das Thema - heute würde man so etwas wohl als „Shitstorm“ bezeichnen - nicht unbedingt meines ist. Aber Trollope hat einen so einmaligen Schreibstil, daß selbst so eine ernste Thematik amüsant zu lesen ist.

Dabei könnte alles so schön sein: Septimus Harding, Witwer, ist Vorsteher eines Armenasyls mit zwölf Insassen. Seine älteste Tochter ist mit dem Erzdiakon der Diözese verheiratet, seine jüngste Tochter Eleanor wird wohl bald einen Mr. Bold heiraten, die Bewohner des Heims sind zufrieden und Mr. Harding auch. So könnte es eigentlich bleiben, wäre Mr. Bold nicht ein Weltverbesserer erster Ordnung. Und so bringt er einen Ball ins Rollen, der sich zur einer Lawine entwickelt, die nicht mehr zu stoppen ist, und Mr. Hardings Leben (das seines zukünftigen Schwiegervaters) zu zerstören droht. Wie das bei Weltverbesserern so war und ist, nehmen sie auf äußere Umstände oder gar Folgen ihres Tuns wenig bis keine Rücksicht noch denken sie groß darüber nach, wenn sie eine Entwicklung in Gang setzen.

So auch hier, als Mr. Bold öffentlich die Frage stellt, ob die Bezüge von Mr. Harding eigentlich im Sinne des Stifters des Armenasyls gerechtfertigt sind oder ob statt des Vorstehers nicht die Insassen das Geld bekommen sollten. Da ist es mit der Ruhe denn vorbei. Mr. Harding ist verunsichert, Eleanor verärgert, die Armen hoffen auf Reichtum, der „Ihnen zustehen würde“, der Erzdiakon sieht alles völlig in Ordnung - wo kommen wir hin, wenn kirchliche Institutionen und vor allem Pfründe infrage gestellt werden?! - der Bischof ratlos. Als dann die Tageszeitung „Jupiter“ den Fall groß aufgreift und landesweit über das kleine Städtchen und die Berechtigung des Mr. Harding auf sein Einkommen diskutiert wird, ist das Chaos perfekt.

Mit teilweise beißender Ironie, einem gewissen Sarkasmus sowie einer gehörigen Portion Humor entwickelt Trollope die Handlung, die zwar im 19. Jahrhundert angesiedelt ist, sich in ähnlicher Form aber durchaus auch heute so ereignen könnte. Die Funktion, die im Buch die einflußreiche Zeitung „Jupiter“ hat, würden heute die sogenannten „sozialen Medien“ übernehmen, wo sich ja auch ohne viel Vorwissen (warum muß man von einer Sache eigentlich etwas verstehen, wenn man sich dazu äußern will?) munter zu allen möglichen und unmöglichen Themen verbreitet wird und Forderungen aufgestellt werden, die an Absolutheit kaum zu überbieten sind.

Und die Moral von der Geschicht? Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Etwas, was für Aktivisten aller Zeiten Gültigkeit hat. Ich habe nämlich (meistens) den Eindruck, daß man - wie Mr. Bold - alles nur sehr einseitig durch eine getönte Brille sieht, danach handelt - und das große Ganze völlig aus dem Blick verliert. Mit entsprechenden Konsequenzen. Aber an die denken diese Aktivisten ja nicht, denn für diese müssen sie weder gerade stehen noch gar Verantwortung übernehmen.

Im Nachwort meiner Ausgabe heißt es übrigens zum Abschluß desselben (S. 381): „Die folgenlose Aufrichtigkeit des Spitalvorstehers, die für andere als reine Donquichotterie erscheint und Harding an den Rang sprachlicher und gesellschaftlicher Konventionen rückt, ist insofern ein beredeter Kommentar Trollopes auf seine eigene Zeit.
Inwiefern dies auch ein Kommentar auf andere Zeiten, zum Beispiel unsere, ist, bliebe zu untersuchen.

 

Mein Fazit

Wenn ein Weltverbesserer aktiv wird und gut gemeint nicht gut gemacht ist, kann eine Entwicklung aus dem Ruder geraten. Mit Ironie, Sarkasmus und einer großen Portion warmherzigem Humor erzählt Trollope eine Geschichte, die so oder ähnlich auch heute ablaufen könnte. Vergnügliche Lesestunden mit einem durchaus ernsten Thema sind garantiert.

 

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