Antje Kluge-Pinsker Als Hildegard noch nicht in Bingen war

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Inhaltsangabe zu „Als Hildegard noch nicht in Bingen war“ von Antje Kluge-Pinsker

Der Disibodenberg ist die Heimat der Hildegard von Bingen. Hier verbrachte sie vierzig Jahre ihres Lebens. Insgesamt 20 Autoren aus der Archäologie, den Geschichtswissenschaften und der Kunstgeschichte fassen in diesem Band in allgemein verständlicher Form das Wissen über diesen Ort zusammen, der jeden seiner Besucher in seinen Bann zieht.

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  • Rezension zu "Als Hildegard noch nicht in Bingen war" von Falko Daim

    Als Hildegard noch nicht in Bingen war
    wolfschwerdt

    wolfschwerdt

    18. May 2010 um 18:24

    „Als Hildegard noch nicht in Bingen war“ ist der Titel einer Neuerscheinung des Römisch- Germanischen Zentralmuseums, die eine umfassende interdisziplinäre Betrachtung des Berges des heiligen Disibod und seiner Umgebung liefert, in der die spätere Hildegard von Bingen immerhin rund 40 Jahre gewirkt hatte. 20 Autoren haben im Buch „Als Hildegard noch nicht in Bingen war“ das Thema Disibodenberg zum Anlass genommen, um aus ihrem jeweiligen Fachgebiet heraus Beiträge zur Kunst- Kultur- oder Besiedlungsgeschichte der Region um den, wie der Herausgeber Falko Daim in seinem Vorwort formuliert, „wunderbaren Ort, dessen Ausstrahlung sich wohl niemand wirklich entziehen kann“, zu publizieren. Und natürlich beginnt es mit dem Disibodenberg selbst, mit den historischen Eckdaten der wechselvollen Klostergeschichte, die immerhin vermutlich bereits im 8. Jahrhundert begonnen hatte. Beiträge zu Topografie und Geologie, der Gartenkunst des 19. Jahrhunderts und eine Darstellung der Geschichte Disibods und seines Berges bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts schließen sich an. Interessant hierbei vor allem die Quellenlage und –diskussion, zum Leben und Wirken Disibods. Als eine der Hauptquellen zum Heiligen Disibod gilt seine von Hildegard von Bingen etwa 500 Jahre später verfasste Vita. Diese Vita ist eine Vision, die Hildegard auf Bitte des disibodenberger Abtes 1170 in Bingen verfasst hatte. Und da Hildegard von Bingen 40 Jahre lang im Kloster auf dem Disibodenberg gewirkt hatte spielt sie in den historischen Beiträgen naturgemäß immer wieder eine Rolle. Und nicht zufällig schließt das Buch mit dem Kapitel „Die Visionen Hildegards von Bingen und der Disibodenberg“ und einer Vita der faszinierenden Klosterfrau. Aber eigentlich geht es in dem Buch nur am Rande um Hildegard. Die Beiträge decken vielmehr ein breites Spektrum historisch- kulturwissenschaftlicher Forschungen zum Berg und seinem Umfeld ab. Das reicht zeitlich von der Steinzeit bis heute, thematisch von Siedlungsgeschichte, Landschaftsgeschichte, Umweltgeschichte, über Archäologie und Baugeschichte, Kirchen- und Wirtschaftsgeschichte. Und dort, wo die Quellen- und Fundlage einen direkten Bezug zum Disibodenberg und seiner Region nicht zulässt, wird auf Erkenntnisse vergleichbarer Regionen und Prozesse zurückgegriffen. Tatsächlich stößt der Leser relativ oft auf den Hinweis, dass zum jeweiligen Thema bezogen auf die Untersuchungsregion noch nicht ausreichend geforscht, untersucht, gegraben oder gefunden worden ist. Die außerordentlich informativen Ausführungen zu vergleichbaren Strukturen anderer Regionen, zur Geschichte der fränkischen Landnahme, Missionierung und Aufbau von klostergestützten Verwaltungsstrukturen des Mittelalters bilden hier einen guten Ausgleich. Die Forschungslücken beinträchtigen daher weniger die inhaltliche Qualität des Buches, sie dokumentieren vielmehr, das sei hier vom Autor dieses Beitrages angemerkt, die diskussionswürdige regionale Schwerpunktsetzung von Archäologie und Denkmalpflege. Das Buch „Als Hildegard noch nicht in Bingen war“ ist bewusst interdisziplinär angelegt. Damit schließt es trotz der relativen Unabhängigkeit der einzelnen Beiträge voneinander generelle Verständnislücken. Klosterwirtschaft wird als eine ökonomisch, technisch, administrative und politische mittelalterliche Infrastruktur eben besser begreifbar, wenn man sie beispielsweise mit mittelalterlicher Landschaftsentwicklung, fränkischer Siedlungsstrategie oder dem Lehens- und Schenkungswesen und der staatlichen Fiskalstrukur in Zusammenhang stellt. Dass beispielsweise Klöster auch noch Indikatoren für Klimaverhältnisse sein können, dafür steht übrigens der Beitrag „Weißer Orleans – mittelalterliches Wärmezeitrelikt am Disibodenberg?“, der sich mit den wahrscheinlich ältesten Reben Deutschlands, dem Weißen Orleans in den historischen Weinlagen am Disibodenberg befasst. Alles in Allem ist das Buch für jene Leser, die vielleicht nicht einen so engen, wohl auch emotionalen Bezug zum Disibodenberg haben, wie die Herausgeber, ein interessanter und fundierter Überblick vor allem über ländliche mittelalterliche Strukturen und ihre Entwicklungsprozesse, der den Leser möglicherweise auch die eigene Region noch einmal neu entdecken lässt.

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