Antje Rávic Strubel

 3.5 Sterne bei 117 Bewertungen

Lebenslauf von Antje Rávic Strubel

Antje Rávic Strubel wurde am 12.April 1974 geboren. Nach dem Abitur macht sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin. Danach studiert sie an der Universität in Potsdam und in New York Literaturwissenschaften, Amerikanistik und Psychologie. Während ihres Studiums schrieb Strubel bereits für die Potsdamer neuesten Nachrichten und die Berliner Seiten der FAZ. Bekannt wurde sie 2001, als sie bei den Klagenfurter Literaturtagen den Ernst-Willner-Preis erhielt.

Alle Bücher von Antje Rávic Strubel

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Kältere Schichten der Luft

Kältere Schichten der Luft

 (28)
Erschienen am 01.09.2008
Gebrauchsanweisung für Schweden

Gebrauchsanweisung für Schweden

 (27)
Erschienen am 06.04.2018
Sturz der Tage in die Nacht

Sturz der Tage in die Nacht

 (15)
Erschienen am 22.08.2013
Offene Blende

Offene Blende

 (11)
Erschienen am 23.02.2017
Fremd Gehen

Fremd Gehen

 (9)
Erschienen am 01.11.2004
Unter Schnee

Unter Schnee

 (9)
Erschienen am 24.11.2016
Tupolew 134

Tupolew 134

 (6)
Erschienen am 01.10.2006
Vom Dorf

Vom Dorf

 (5)
Erschienen am 24.11.2016

Neue Rezensionen zu Antje Rávic Strubel

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simone_richters avatar

Rezension zu "Fremd Gehen: Ein Nachtstück" von Antje Rávic Strubel

Zweifel, Ängste, erahnte Andeutungen in meisterlicher Erzählkunst
simone_richtervor einem Jahr

Der Roman beginnt mit einem Blick von einem alten Mann in einem Marineuniform-Mantel auf der Admiralsbrücke, zu Daniel der am Fenster steht. -- Daniel Stillmann, ein in Berlin lebender Mathematikstudent, begibt sich danach auf die Suche, um das Geschehene einordnen zu können. Handelt es sich um Mord, als darauf ein Ohrläppchen und ein Bein im Kanal aufgefunden werden? Die andere Geschichte im Buch handelt vom einem ungenannten Ich und Marlies, die einen Krimi schreiben. Man muss sich auf die Geschichte einlassen, dann verläuft die dritte Geschichte im Kopf des Lesers.

Der Plot ist surreal, "das Nachtstück", wie es sich verstanden wissen will ist Fiktion, alles verschwimmt zu Parallelen. Dabei hat Daniel Angst vor Einsamkeit und Sehnsucht nach einer Freundin. Ein fiktiver Krimi auf den man sich einlassen muss in dem Wechsel zwischen Fiktion und Realität. Den Schreibstil muss man mögen, dann erschließt sich einem direkt ein Erzählfluss aus Erzählkunst von Beziehungen, Ost-West-Realität und hoher Mathematik und Philosophie, die auch immer mal wieder vom Protagonisten bemüht werden. Präzise und bildhaft kommt dieses Verwirrspiel daher und geheimnisvoll bis hin zu nur Andeutungen.

Antje Rávic Strubels meisterliche Erzählkunst muss man erleben. "Sie erzählt hellsichtig und leidenschaftlich von wilder Neugier, von Unruhe, Aufbruch und einem Begehren, wie man es in der deutschen Literatur lange nicht gelesen hat.
Antje Rávic Strubel, 1974 in Potsdam geboren, veröffentlichte u.a. die Romane „Offene Blende“ (2001), „Fremd Gehen. Ein Nachtstück“ (2002), „Tupolew 134“ (2004), „Vom Dorf. Abenteuergeschichten zum Fest“ (2007). Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, ihr Roman „Kältere Schichten der Luft“ (2007) wurde mit dem Rheingau-Literatur-Preis sowie dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet, der Roman „Sturz der Tage in die Nacht“ (2011) stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Antje Rávic Strubel wurde mit einem Stipendium in die Lion-Feuchtwanger-Villa in Los Angeles eingeladen sowie als erster Writer in residence 2012 an das Helsinki Collegium for Advanced Studies. Antje Rávic Strubel lebt in Potsdam." (Brandenburgisches Literaturbüro)

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Janna_KeJasBlogs avatar

Rezension zu "Fremd Gehen: Ein Nachtstück" von Antje Rávic Strubel

Zwischen Fiktion & Realität
Janna_KeJasBlogvor einem Jahr

| © Janna von www.KeJas-BlogBuch.de |

Ganz klar ein Buch, dessen Schreibstil der Leser mögen muss, um sich auf die Geschichte einlassen zu können. Und ein Buch bei dem mir die Besprechung nicht leicht fällt. Wie fange ich diese Art des Schreibens ein, ohne durchgehen zu zitieren? Wie gebe ich die Geschichte wieder, ohne zu viel zu verraten? …

Es geht um Daniel, seine aufkeimenden Ängste, seine Sehnsucht nach der nicht greifbaren Freundin. Es geht um den Alten, welcher nachts am Steg war – die Blicke trafen sich, er und Daniel umkreisen sich, ohne sich nahe zu kommen. Und es geht um die Ich-Erzählerin, ihrem Abtauchen und Marlies.

Es beginnt mit Daniel, mit seiner Beobachtung eines Mordes. Es beginnt mit dem Blick eines alten Mannes, der etwas erkannte was nicht war … – Dies ist der Beginn des Krimis den sich Marlies und die Ich-Protagonistin überlegt haben. Kein Name, kein Geschlecht – einzig durch den Klappentext hatte ich erfahren, das die Ich-Perspektive von einer Frau erzählt wird. Etwas unbekanntes, nicht greifbares. Irrelevant und doch immer ein Teil der Geschichte. Das Geschlecht spielt keine Rolle, denn die Geschichte spielt mit der Erwartung an sich und wirft die Leser mitten rein.

Nach dem Abschnitt von Daniel wird schnell klar, das seine Geschichte Fiktion ist, ein ausgedachter Part eines Buches. Doch dann verschwimmt es, Parallelen zeichnen sich durch die Seiten … aber es bleibt verschwommen. Kaum in der Hand, entschwindet einem die Antwort auch wieder. Fragen werden aufgeworfen und bleiben unbeantwortet. Eine Ahnung entsteht, welche im Verlauf der Geschichte eines besseren belehrt wird. Man glaubt die Grenzen zu kennen, doch je tiefer ich in die Geschichte eintauchte, umso mehr fragte ich mich was von der Fiktion Realität ist und umgekehrt. Die Ich-Erzählerin lässt sich von ihrem eignen Protagonisten, dem Alten, einnehmen. Sie lässt sich führen von Marlies. Um sich dann in Daniel wieder zu finden. Die Parallelen zwischen Realität und Fiktion sind so stark und doch bin ich immer wieder verunsichert, wer von wem bestimmt wird.

Es ist absolut kein Krimi und es ist kein ‚typischer‘ Roman. Ein sehr eigener Schreibstil, welcher sich poetisch an die Grenzen begibt. Eine große Frage steht im Raum. Und alle Protagonisten sind Gefangene ihrer selbst. Mit eignen Problemen, eignen Sehnsüchten und …

"[…] dann hatte die Angst ihn eines Tages mit solcher Macht überfallen, […] als sie da war, füllte sie ihn so vollkommen aus, daß er sie nie wieder los wurde."
(S. 35)

… den Ängsten und Unsicherheiten. Einsamkeit und Freundschaft. Ein in sich stimmiger Wechsel der Protagonisten. Besonders beim Part der Ich-Erzählerin spielt sie selbst eher eine Nebenrolle, vielmehr steht Marlies im Mittelpunkt, ohne jedoch selbst je ihre Sichtweise zu erzählen. Die Sehnsucht wird skizziert, die kleinen Probleme wenn Worte ungesagt bleiben. Ein Buch zum eintauchen, wenn man sich darauf einlassen kann.

Dieser Wechsel der Protagonisten, das Springen zwischen Fiktion und Realität gefiel mir von Beginn an sehr gut. Ich mag Geschichten die nicht vorhersehbar sind, nicht mal greifbar wohin sie verlaufen. Aber ich muss ihr folgen können und stellenweise gelang es mir nicht immer. Kurzzeitig verlor ich mich in der Geschichte, einen wirklichen Halt hat man jedoch nie so ganz. Nicht mal 200 Seiten gleiten durch die Finger und an dieser Stelle meiner Besprechung ist jedes weitere Wort von mir ist eines zu viel …

Das Buch ist nicht in Kapitel oder Abschnitte unterteilt, es ist ein Fluss der Worte, welcher nur durch kleinere Absätze getrennt ist.

"Am Realismus gehen die schönsten Ideen kaputt."
(S. 116)

Und genau danach lebt das Buch. Es ist wie ein einziger Traum mit verschiedenen Ebenen und doch so nahe an der Realität, das es ein einziges Verwirrspiel ist. Eines welches mir Freude bereitete zu lesen und vor allem ohne die große Antwort einher geht.

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Lesedetektivs avatar

Rezension zu "Kältere Schichten der Luft" von Antje Rávic Strubel

Eine süße Tortur - nichts für leichte Gemüter
Lesedetektivvor 2 Jahren

Handlung



Ein Kanu-Camp in Schweden. Hier arbeiten Aussteiger, Abenteuersuchende, Arbeitslose und Naturfreaks. Für einige Sommerwochen retten sie sich in eine kulturferne Landschaft. Auch Anja hat sich aus ihrem deutschen Kleinstadtalltag geflüchtet. Sie sucht Ruhe, doch sie wird überrascht von einer Leidenschaft: Eines Tages steht eine fremde junge Frau am See und legt Anja die Arme um den Hals und entführt sie in ein unbewohntes Haus. Sie gibt ihr den Namen ihres verlorenen Geliebten, des Schiffsjungen Schmoll. Doch der Zauber, die nachgeholte Unschuld dieser ersten Liebe, wird bald vergiftet durch den Argwohn und die Übergriffe der Campbewohner. Angst und Verstörung bedrohen nicht nur die Phantasien, sondern auch die Realität der beiden Frauen. Aus Aggression wird schließlich tödliche Gewalt. (Fischer Verlag)

Meine Meinung



Nach dieser Inhaltsangabe, die ich hier ganz bewusst nun übernommen habe, hatte ich mich auf eine Liebesgeschichte gefreut, die gesellschaftliche (In-)toleranz behandelt und daher durchaus aktuellen Bezug nimmt. Nun sei aber allen, denen es ebenso geht wie mir, gesagt: dies ist keine Gesellschaftsanalyse, Kritik an irgendetwas, noch bezieht dieser Roman in irgendeiner Weise Stellung zu gar nichts oder irgendetwas. Er ist schlichtweg verstörend in einer absolut fantastischen Art und Weise. Also schon mal ganz zu Anfang: alle, die das Kafkaeske lieben, werden "Kältere Schichten der Luft" sehr genießen. 

Worauf ich also in meiner Rezension besonders eingehen werde, ist - Überraschung, Überraschung - die Abstrusität und Verwirrung, mit der Strubel spielt. Zunächst einmal ist dieser Effekt besonders auf den Schreibstil zurückzuführen. Ich persönlich hatte anfangs meine Probleme, mit der Kargheit und Knappheit der parataktischen Sätze klarzukommen. Schließlich hatte ich eine blumige Liebesgeschichte erwartet. Doch nach ein paar Seiten wollte ich gar keinen anderen Stil mehr. Denn die Kargheit der Sprache spiegelt exakt auch die Kargheit des Settings, dieses Naturcamps irgendwo in Schweden, hervorragend wider. Die gesamten 192 Seiten fahren dem Leser nicht unbedingt Schauer über den Rücken, vielmehr hält sich die Düsternis der Atmosphäre die ganze Zeit über auf einem Level. Es gibt keine Steigerung, obwohl sich die Handlung durchaus zuspitzt; ebenso wird sie nicht positiver. Die gesamten 192 Seiten sitzen die Kälte, die Nässe, die Gleichgültigkeit und endlose Monotonie dem Leser im Knochenmark. Die kurzen Sätze verraten stets genausoviel, wie nötig zu dieser Qual ist, und niemals mehr, um den Leser aus der Endlosigkeit zu erlösen. Es ist eine süße Tortur.

Ebenso karg wie die Worte sind resultativ auch die Charaktere. Strubel beschreibt sie eben so viel wie nötig, den Rest überlässt sie dem Leser. Dennoch ist dem Leser gar nicht so viel Spielraum gelassen, da grundsätzlich alles, Handlung, Charaktere, Hintergrund etc., so schwammig ist. Der Leser hat ganz einfach keinerlei Anhaltspunkte, was zu jedem Charakter, einschließlich der Protagonistin eine gewisse Distanz aufbaut. Diese Distanz aber wiederum harmonisiert wunderbar mit der unangenehmen Atmosphäre. So wirkt jeder Charakter mindestens unheimlich bis hin zu gruselig und psychotisch. 

Zuletzt aber spielt der "Plot" die wichtigste Rolle in puncto Verwirrung. Denn unbedingt viel mehr als in der Inhaltsangabe geschrieben ist, passiert tatsächlich nicht. Es gibt wenige Dialoge, einige Wechsel im Setting und durchaus passiert schon mal etwas, das auf eine Handlung, wie es im ursprünglichen Sinne gemeint ist, zurückzuführen ist. Was aber am verstörendsten noch ist, ist die Tatsache, dass sich durchaus ein roter Faden spüren lässt. Der Punkt ist der, dass er sich nur spüren, aber nicht fassen lässt. Nachdem ich mit dem Buch fertig war, habe ich lange überlegt, ob ich das Buch wörtlich oder metaphorisch sehen sollte. Ersteres habe ich schnell ausgeschlossen, da es ganz einfach keinen Sinn machte. Beim Versuch, eine Deutung vorzunehmen, stieß ich allerdings ebenfalls schnell an meine Grenzen. Ähnlich wie bei Kafka hatte ich viele Theorien und Ansätze, jedoch konnte jede einzelne an irgendeinem Punkt widerlegt werden. Und auch jetzt noch weiß ich nicht wirklich, was ich für mich aus dieser Leseerfahrung ziehen sollte. Vermutlich war es einfach eine Reise in die Teile des Gehirns, die außerhalb von Rationalität und Normalität liegen. Ich habe es genossen.

Fazit



"Kältere Schichten der Luft" ist eine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art. Im Grunde ist das Thema der homosexuellen Beziehung hochaktuell, jedoch bezieht der Roman keinerlei Stellung. Genau genommen setzt er sich mit dieser Thematik selbst gar nicht auseinander. Einsamkeit, Vergangenheit, Zukunft und Hass stehen im Vordergrund. Die quälende Atmosphäre, unheimliche Charaktere und der nicht zu fassende rote Faden werden durch den kargen Schreibstil gestärkt. Insgesamt lässt sich der Roman ganz einfach als äußerst verstörend beschreiben und ist daher nichts für leichte Gemüter. Wer sich darauf aber gerne einlässt, wird eine großartige Leseerfahrung machen und Teile seines Selbst finden, die nichts mehr mit der Rationalität des Alltags gemein haben. So gesehen könnte es eine Anti-Alltags-Kur sein :)

4 von 5 Sternen

Euch hat die Rezension gefallen? Dann schaut doch mal auf meinem Blog vorbei! Ich freue mich über neue Lesedetektive :)
http://lesedetektiv.blogspot.de/

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Zusätzliche Informationen

Antje Rávic Strubel wurde am 12. April 1974 in Potsdam (Deutschland) geboren.

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