Docteur Faber, ein erfahrener und durchaus erfolgreicher Psychoanalytiker, kennt die Menschen und ihre Eigenheiten, ebenso wie verschiedene Patiententypen und ihre Bedürfnisse. Nathalia jedoch trifft einen Nerv und erscheint mit jeder Sitzung undurchdringlicher. Sie gibt ihm immer neue Rätsel auf, bis Faber ahnt welche Entwicklung die Gespräche nehmen werden und er sich fragt, wer hier eigentlich wen therapiert und ob die geheimnisvolle Frau überhaupt existiert.
Von Anfang an spürt man, dass etwas unbehagliches und bedrohliches unter der Oberfläche schwelt, was allerdings weder konkretisiert werden kann noch greifbar ist. Dadurch entwickelt sich sofort ein Sog, der den Leser von Seite zu Seite antreibt und keinerlei Atempausen zulässt. Mit jedem weiteren Wort wird spekuliert, jeder Satz genauestens analysiert, jede Geste eingehend betrachtet. Kurzum, der Leser versucht sich selbst am Ergründen der menschlichen Psyche, kann diese jedoch zwangsläufig, mangels Kenntnissen, nicht in sämtlichen Feinheiten erschließen. Das trübt das Lesevergnügen aber keineswegs.
Antoine Laurain schreibt sehr poetisch, ohne dass es abgehoben oder aus der Zeit gefallen wirkt. Vielmehr fängt er sprachlich die vorherrschende Atmosphäre gekonnt ein und erschafft somit ein wort- und bildgewaltiges Zusammenspiel auf unterschiedlichen Ebenen. Es ist schlichtweg ein Genuss dem Geschehen zu folgen – trotz möglicher Gefahren. Die Erzählung nimmt ihren Lauf, mit jedem weiteren Ereignis nehmen die Erkenntnisse zu, die Einzelteile verbinden sich und ergeben ein klares Bild.
Mit seiner fantasievollen Geschichte gelingt dem Autor ein außergewöhnliches Werk, das nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird, sondern noch eine ganze Zeit nachklingt.



























