Antoine Leiris

 4.6 Sterne bei 87 Bewertungen

Lebenslauf von Antoine Leiris

Antoine Leiris, geboren 1981, war Journalist beim Radiosender »France Info«. 2014 kündigte er, weil er sich auf das Schreiben eines Romans konzentrieren wollte. 2015 wurde seine Frau im Bataclan ermordet – statt des Romans entstand »Meinen Hass bekommt ihr nicht«, ein Buch über seine Trauer, das zum internationalen Bestseller wurde. Er erhielt dafür den Prix littéraire des Rotary Club. Seit 2018 arbeitet er als Redenschreiber für die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. 

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Danach, das Leben

Neu erschienen am 07.10.2020 als Hardcover bei S. FISCHER.

Alle Bücher von Antoine Leiris

Cover des Buches Meinen Hass bekommt ihr nicht (ISBN: 9783764506025)

Meinen Hass bekommt ihr nicht

 (82)
Erschienen am 09.05.2016
Cover des Buches Danach, das Leben (ISBN: 9783103970449)

Danach, das Leben

 (0)
Erschienen am 07.10.2020
Cover des Buches Meinen Hass bekommt ihr nicht (ISBN: 9783837136753)

Meinen Hass bekommt ihr nicht

 (4)
Erschienen am 09.05.2016
Cover des Buches You Will Not Have My Hate (ISBN: 9781911215349)

You Will Not Have My Hate

 (1)
Erschienen am 20.10.2016

Neue Rezensionen zu Antoine Leiris

Neu

Rezension zu "Meinen Hass bekommt ihr nicht" von Antoine Leiris

Vous n’aurez pas ma haine...
pardenvor 9 Monaten

VOUS N'AUREZ PAS MA HAINE...

Antoine Leiris verlor beim Anschlag im Konzertsaal Bataclan in Paris im November 2015 seine Frau Hélène, die Mutter seines 17 Monate alten Sohnes Melvil. Kurz danach postete der Journalist einen offenen Brief an die Attentäter auf seinem Facebook-Profil. Die Botschaft: 'Vous n'aurez pas ma haine' - 'Meinen Hass bekommt ihr nicht'. Denn mit ihm bekämen die Täter einen Stellenwert, den sie nicht verdient haben. Mit seinen Gedanken und Gefühlen traf Leiris einen Nerv; sein Beitrag verbreitete sich rasant, Tausende lasen und teilten ihn. In seinem Buch gibt er nun den Ereignissen eine Klammer: Er schreibt über die Zeit kurz vor den Anschlägen in Paris und kurz danach. Über das Warten, dann die Gewissheit. Er schreibt über seine Frau und über ihre gemeinsame Geschichte. Und darüber, wie der kleine Melvil eine dringend notwendige Konstante in Leiris‘ Leben ist, da er mit seinen Bedürfnissen eine klare Struktur in einen Alltag bringt, in dem nichts ist wie vorher.


"Freitag Abend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass bekommt ihr nicht." 


Dieser Satz ging um die Welt, und ich erinnere mich noch gut daran, als ich ihn das erste Mal gelesen habe, kurz nach dem Anschlag - Gänsehaut und Staunen. Als ich nun entdeckte, dass es hierzu auch ein Buch gab, wollte ich es unbedingt lesen.

Antonie Leiris ist Journalist, und das Spiel mit den Worten ist ihm nicht fremd. In diesem schmalen Büchlein findet er bewegende Worte, schildert seinen neuen, veränderten, aufgezwungenen Alltag ohne seine Frau, ohne die Mutter seines kleinen Sohnes. Schildert die Geschehnisse fast reportmäßig, lässt aber gleichzeitig zwischen den Zeilen die Gefühle voller Wucht aufstehen, so dass der Leser von ihnen mitgerissen wird. 


"Aus der Ferne betrachtet hat man immer den Eindruck, dass derjenige, der das Schlimmste überlebt, ein Held ist. Ich weiß, dass ich keiner bin. Das Schicksal hat zugeschlagen, das ist alles. Es hat mich vorher nicht gefragt. Es hat nicht herauszufinden versucht, ob ich dafür bereit war. Es hat Hélène geholt und mich gezwungen, morgens ohne sie aufzuwachen." 


Antoine Leiris ist kein Held und auch kein Heiliger. Er ist ein Überlebender, der sich weigert, dem Hass nachzugeben und sich damit auf eine Stufe mit den Terroristen zu stellen. Er will dem Kummer,  der Trauer, der Verzweiflung ins Gesicht sehen und sie nicht umlenken auf etwas, auf das er wütend sein kann. Er will es schaffen, den Alltag zu leben und stark zu sein - für seinen Sohn, der nun ohne seine Mutter aufwachsen muss.

Menschlich, bereindruckend, berührend, bewegend, mahnend - kurz: Lesen!


© Parden

Kommentare: 9
26
Teilen

Rezension zu "Meinen Hass bekommt ihr nicht" von Antoine Leiris

Ein unvergessliches Buch!
Radagastvor 2 Jahren

Als am 13. November 2015 in Paris ein Attentat im Konzertsaal Le Bataclan verübt wurde, war ich zuhause und las gerade die Tagesnachrichten. Ich sah die Bilder und las die eilig zusammen geschriebenen Artikeln der diversen Zeitungen. Ich war hypnotisiert von diesen Irrsinn der an diesen Abend geschehen war. Antonie Leiris hat mit seinen Buch (oder Bericht) ein Zeichen gesetzt das nicht nur mich bewegt, sondern viele andere Menschen auf dieser Welt. In diesen Buch hat er sowohl seine Trauer, Verlust, Ängste und Hilflosigkeit nieder geschrieben, als auch seine Freude und Hoffnungen. Nicht nur einmal ist mir eine Träne über die Wangen gekullert als ich dieses Buch gelesen habe und leicht schmunzeln musste ich auch, als er Alltagsbegebenheiten mit seinen Sohn erzählt. Die liebevolle und innige Verbundenheit zu seiner Helene ist beim Lesen förmlich spürbar. Doch trotz der liebevollen und schmerzlichen Erinnerungen an seine Frau, verliert Antonie nicht die Zukunft aus den Augen. Ein bewegendes Buch das ich jeden Empfehlen kann!

Kommentieren0
17
Teilen

Rezension zu "Meinen Hass bekommt ihr nicht" von Antoine Leiris

Emotional, berührend, echt
LaLecturevor 3 Jahren


Inhalt


Am 13. November 2015 verliert Antoine Leiris seine Frau und die Mutter seines einjährigen Sohnes bei dem Anschlag auf den Pariser Konzertsaal Bataclan. Wenige Tage später veröffentlicht er einen Facebook-Post mit dem Titel „Vous n’aurez pas ma haine“ („Meinen Hass bekommt ihr nicht“), der tausendfach geteilt wurde, auch von internationalen Medien. Bald darauf beginnt er zu schreiben. Ohne besonderes Ziel schreibt er seine Erlebnisse und Gedanken in den Tagen nach dem Anschlag nieder, die er im März 2016 in einem Büchlein, benannt nach seinem berühmt gewordenen „Brief“ auf Facebook, veröffentlicht.



Meinung

Die furchtbaren Terroranschläge, die Ende 2015 Paris erschütterten, dürften wohl weltweit kaum einem Menschen entgangen sein, der zu diesem Zeitpunkt Zugang zu Medien hatte. Der Schock und die Angst waren groß, nicht nur in Frankreich, und Solidaritätsbekundungen wie „Pray for Paris“ oder die Illumnination von Bauwerken in den Farben der französischen Nationalflagge wurden auf der ganzen Welt gezeigt.

Inmitten der Trauer, der Angst und des geschürten Hasses stach Antoine Leiris‘ berührender offener Brief an die Mörder seiner Frau heraus, denn er stellt schon im Titel klar: Er will diese Menschen nicht hassen. In seinem Text geht es darum, dass er sich nicht von Hass blenden und auf Hass mit Hass antworten will, auch für seinen Sohn, der nicht in einem solchen Umfeld aufwachsen soll. Eine, wie ich finde, starke und wunderschöne Botschaft.

Doch sein Buch, das den gleichen Titel trägt wie besagter Brief, ist, obwohl er diesen enthält, mehr als das. Er ist in erster Linie der schonungslose, emotionale aber auch poetische Bericht der ersten Tage nach dem Anschlag, der Leiris‘ Frau Hélène das Leben kostete.
Der Autor beschreibt seine Emotionen, als er von dem Anschlag erfährt und ihm zum ersten Mal der Gedanke kommt, Hélène könnte unter den Opfern sein. Er beschreibt den Weg zur schrecklichen Erkenntnis, das lähmende Gefühl, dass das Leben ohne seine Frau keinen Sinn mehr hat, aber auch den Alltag mit seinem kleinen Sohn, der weitergehen muss, trotz des Schmerzes.

Zum Teil wirkt das Buch wie eine Art Tagebuch, da jeder Eintrag mit dem Datum des Tages und einer Uhrzeit beginnt und Leiris zum Teil so einfache Dinge wie das Abendessen oder das Nägelschneiden beschreibt. Zum Teil ist es aber auch eine Art Gedankenfluss, eine reine Auflistung von Gedankenfetzen, die ihm kommen. Ein anderes Mal schweift er ab in philosophische Überlegungen oder Erinnerungen an die Vergangenheit. Dabei wechselt der Stil oftmals von konkret zu abstrakt und geradezu poetisch.
Leiris legt sich nicht auf einen bestimmten Stil fest, doch bei einem Buch wie diesem ist das auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass das kurze Büchlein authentisch und echt rüberkommt, einen die Gefühle des Autors spüren lässt, und das tut es definitiv, gerade weil man richtig spürt, dass er große Teile davon einfsch spontan runtergeschrieben hat, wie ihm die Dinge gerade in den Sinn kamen.

Das Buch ist aufgrund des dramatischen Themas natürlich sehr emotional, traurig und berührend und ich war sehr beeindruckt davon, wie ehrlich der Autor seine Schwäche und Verzweiflung zugibt; gesteht, dass sein nicht einmal zweijähriger Sohn ihm teilweise stärker vorkommt als er sich selbst.
Überhaupt sind die Momente zwischen Leiris und seinem Sohn unglaublich berührend. Er beschreibt, wie er versucht, für Melvil so viel Normalität wie möglich zu schaffen, während er eigentlich manchmal einfach aufgeben und sich dem Schmerz hingeben will. Wie dieser kleine Mensch einem so großen Menschen so viel Kraft und Liebe geben kann, war wirklich berührend zu lesen. Und bei dem Brief, den Leiris im Namen seines Sohnes an Hélène geschrieben hat, kamen mir entgültig die Tränen.
Obwohl Hélène das gesamte Buch nur in den Erzählungen ihres Mannes vorkommt, wirkt sie durch die liebevollen Worte und intimen Erinnerungen, mit denen er sie beschreibt, stets absolut lebendig, was es auch für die Leser*innen umso schmerzhafter macht, dass sie so früh gestorben ist und ihre Familie unvollständig hinterlassen hat.


Fazit

Ein Buch wie dieses zu bewerten ist im Grunde unmöglich, denn es basiert nicht nur auf den wahren Erlebnissen des Autors, sondern steckt auch voller roher, authentischer Emotionen, die einen beim Lesen mitnehmen. Wer einen Einblick in den unglaublichen Schmerz eines Witwers, aber auch die Kraft, die die Liebe zu einem Kind einem geben kann, bekommen will, dem sei diese Lektüre ans Herz gelegt.


Kommentieren0
0
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 129 Bibliotheken

auf 18 Wunschzettel

von 1 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks