Auch wenn Klappentext und die dahinterstehende besondere Begabung von Ramona Lindt zunächst ein wenig an eine mystische, ein wenig „Mutanten Superhelden“ Richtung anmutet, das sind nur „Transportwege“ für einen undurchschaubaren Fall von tödlicher Gewalt in idyllischer Seenlandschaft im Norden Schwedens. Wo eigentlich vor allem eins vorherrscht: Ein friedliches Leben der Bewohner. Bisher.
Und da es auch im „wahren Leben“ durchaus vorkommt, das polizeiliche Ermittlungen auch Anstöße von „Hellsehern“ oder „Medien“ teilweise mit aufnehmen, ist das Setting dieses düsteren Thrillers gar nicht so weit weg von dem, was in der Realität auch stattfinden kann.
Und doch gelingt es Marklund, durch seine ruhige, feine, hintergründig agierende Weise, ein ganz besonderes Leseerlebnis der „feinen Nuancen“, gemischt mit etwas magischer Atmosphäre und genau passendem Lokalkolorit (die Landschaft und die Menschen vor Ort fügen einiges zu dieser intensiven Atmosphäre des Kriminalromans mit hinzu) in den Raum der Seiten zu stellen, der für die Lektüre Leser und Leserinnen schnell in den Bann zieht.
Das fängt bei Ramona Lindt an und endet noch lange nicht bei den verschiedenen Figuren, die mehr und mehr ein Geflecht an Beziehungen ergeben. Bis hin zu jenem Falken, der ruhelos und hartnäckig über dem Ort des Mordes kreist.
Ramona, die sich weit weg von heldenhaften Hauptfiguren bewegt. Die mit sich selbst schon genug Mühe hat aufgrund einiger tiefliegender Erfahrungen in ihrem Leben. Und die ihre Gabe deutlich weniger als „wunderbar“ begreift, sondern viel mehr auch die negativen Seiten, die Belastungen und die Zweischneidigkeit dieser Fähigkeit erlebt.
„„Ich freue mich, dass du das hier machst“, sagte er“.
„Ich befinde mich im freien Fall“. So erlebt Ramona sich selbst bei all dem.
Die aber, und das stellt Marklund unaufdringlich und doch präsent mit in seine Zeichnung der Frau, nicht ohne Grund als Sozialarbeiterin arbeitet. Sie hat ein, wenn auch manchmal widerstrebendes, Herz für Menschen und macht im Lauf der Ermittlungen das Schicksal der jungen, toten Frau auch zu ihrer eigenen Motivation. Wer hat die junge Frau auf dem Gewissen? Und vor allem, was überhaupt wäre ein denkbares Motiv hinter all dem? Denn je mehr die Ermittlungen fortfahren, desto unklarer bleibt, ob es ein Mord im Affekt war oder ob dieser Tod eine größere Vorgeschichte in sich trägt.
Und bis zum Ende hin heißt es, wachsam zu sein. Denn das vermeintlich Naheliegende könnte auch ganz anders gewesen sein.
„Manchmal ist nicht derjenige das Monster, von dem man das will“.
Eine andersartige, im Stil hervorragend umgesetzte und in den Bann ziehende Lektüre.

