Anton Tantner

 3,9 Sterne bei 7 Bewertungen

Lebenslauf

ANTON TANTNER geboren 1970 in Wien. Historiker mit Passion für Nummern und Wanderdü- nen, lehrt als Senior Lecturer an der Universität Wien, Publikationen u. a. für Augustin und Tagebuch. http://tantner.net, Mastodon: @adresscomptoir@mastodon.social

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Anton Tantner

Neue Rezensionen zu Anton Tantner

Die Hausnummer - ein kaum beachtetes Detail im städtischen Raum

Der Wiener Historiker Anton Tantner nimmt sich in diesem leider nur 80 Seiten dünnen Buch eines Themas an, dem man im Allgemeinen nur wenig Bedeutung schenkt: der Hausnummer. 

Er erklärt wann und wo die ersten Hausnummern vergeben worden sind, und wer einen Nutzen daraus gezogen hat. 

Wer hatte die Idee, die rechte Straßenseite mit ungeraden und die linke Seit mit geraden Hausnummern zu versehen? Etwas worüber sich kaum jemand Gedanken macht.  

Ebenso wenig, wie über das kleine Detail, dass auch Hausnummern diskriminierend sein können: Tantner führt uns in das Prag des 18. Jahrhunderts, in dem sogenannte „Judenhäuser“ durch eine, in römische Ziffern geschriebene Hausnummer, sofort kenntlich waren. Die anderen Hausnummer sind in arabischen Ziffern beschriftet.  

Zahlreiche Fotos von (alten) Hausnummern aus ganz Europa dokumentieren, wie Ordnung in die Orientierung der stets wachsenden Städte gebracht wurde.  

Für mich als Vermesserin, die ständig mit Grundstücken und Kataster zu tun hat, und sich auch für historische Stadtpläne interessiert, eine wertvolle Ergänzung. 

Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne und finde es sehr schade, dass es so wenige Seiten hat.

 

Cover des Buches Von Straßenlaternen und Wanderdünen (ISBN: 9783854768685)
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Rezension zu "Von Straßenlaternen und Wanderdünen" von Anton Tantner

Bellis-Perennis
Macht Lust, auf Spurensuche zu gehen

Historiker Anton Tantner sammelt in diesem leider nur 160 Seiten dünnen Buch zahlreiche Kurisosa aus und um Wien. Der Autor ist für seine akribische Suche nach Orten und Details abseits von ausgetrampelten Alltagspfaden bekannt.  

Mehrere der 41, von ihm ausgewählten ungewöhnlichen Schnipsel der Vergangenheit sind ursprünglich in Wiener Print- und Onlinemedien erschienen. Auch in der Straßenzeitung Augustin hat sich so manches Schmankerl verborgen.

Oder wusstet ihr, dass der Stephansdom erst 1810 einen Blitzableiter erhalten hat? Literat Karl Kraus hat das rund 100 Jahre später folgendermaßen quittiert: „Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Misstrauensvotum gegen den lieben Gott.“ (S. 15)

 

Zudem macht Tantner ein bisschen Werbung für ein anderes Buch aus seiner Feder („Die ersten Suchmaschinen“): Er beleuchtet in den Kapiteln 22 bis 26, wie man vor Google & Co zu einer gesuchten Adresse oder einem Handwerker gekommen ist. Die Antwort ist: Man bediente sich der „Frageämter“, die es an 1819 in größeren Städten gegeben hat, Anekdoten aus jenem von Wien, Innsbruck oder Brünn sind hier nachzulesen. 

Im Kapitel 32 - "Das Disneyland der Habsburger" macht sich Anton Tantner über das Schloss Laxenburg und seinen Park lustig. Hier frönten die Habsburger des 18. und 19. Jahrhunderts opulenten Ritterspielen und ergötzten sich an längst vergangenem Ruhm.  

Ein Zeugnis diskriminierender Art findet sich in Kapitel 35: In einigen böhmischen Städten werden ab 1770 Häuser jüdischer Eigentümer durch Hausnummern mit Römischen Ziffern gekennzeichnet, jene von christlichen Eigentümern mit arabischen Ziffern. Diese diskriminierende Beschriftung ist keine habsburgische Erfindung. Die Stadt Worms geht hier mit schlechtem Beispiel ab 1641 voran. Zu einem großen Problem werden diese unterschiedlichen Hausnummern, wenn ein jüdisches Haus in christlichen Besitz übergeht (und umgekehrt). Das höchst interessante Thema Hausnummern behandelt Anton Tantner in einem anderen Buch. 

Fazit:

Diesem Buch, das sich mit allerlei Kuriosem aus Wien und Umgebung beschäftigt, gebe ich gerne 4 Sterne. 

 

Cover des Buches Die ersten Suchmaschinen (ISBN: 9783803136541)
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Rezension zu "Die ersten Suchmaschinen" von Anton Tantner

Bellis-Perennis
Wer liefert was? - vor Google und Co.

Wer gab dem Wissbegierigen in Zeiten vor Google und Co. Auskunft? Das ist die Frage, die sich Autor Anton Tantner stellte.

Auf 176 Seiten gibt es einen Abriss über die Geschichte der „Frag- und Auskunftsbureaus“.

Der Einstieg beginnt im Paris von 1580 mit dem Vorschlag von Montaigne, doch eine staatliche Auskunftsstelle zu eröffnen, in der „Angebot und Nachfrage“ einander finden könnten.
Wir erfahren von Théophraste Renaudot, der um 1612 das königliche Privileg erhielt, ein „Bureau d’Adresse“ eröffnen zu dürfen. Renaudot bot nicht nur Adressen, Immobilien, Auskünfte und Arbeitsvermittlung an, sondern als gelernter Arzt, auch medizinische Beratung an. Er was also quasi „Dr. Google“. Natürlich wurde er von allen, möglichen Leuten angefeindet. Verletzung des Datenschutzes (auch, wenn das damals anders hieß) wurde ihm vorgeworfen.

Weiter geht die Reise des Informationsmanagements mit dem Londoner „Offices of Intelligence“.

Im Wien des 17. Jahrhunderts beleuchtet der Autor das Projekt der „Fragstuben“ von Angelus de Sumaran.
In Preußen übernehmen Adresshäuser gleich die Aufgabe der Pfandleihanstalten, weil ja irgendwo das Geld hereinkommen muss.

Der Philosoph und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibniz hatte hochfliegende Pläne, die leider niemals verwirklicht wurden.

Später, im 18. Jahrhundert etablieren sich im Habsburgerreich „Frag- und Kundschaftsämter“, dessen Anzeigenblatt als „Wiener Zeitung und amtlicher Anzeiger“ als Zeitung bis heute überlebt hat.

Der Autor Anton Tantner ist Historiker und hat mit diesem Buch eine interessante Aufzählung von Institutionen erstellt. Er beschreibt das Sammeln, Organisieren und Weitergeben von Informationen, nicht nur an Einzelpersonen sondern auch an staatliche Interessenten.

Das vorliegende Buch liest sich ein wenig wie eine Diplomarbeit. Doch irgendwie endet sie plötzlich.

Die Quellenangaben und das weiterführende Literaturverzeichnis sind sehr ausführlich. Ich bin verleitet, das eine oder andere noch nachzuschlagen.


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