Antonella Lattanzi

 4 Sterne bei 3 Bewertungen
Autorin von Noch war es Nacht.

Lebenslauf von Antonella Lattanzi

Eine Kennerin dunkler Leidenschaften: Antonella Lattanzi ist eine italienische Roman- und Drehbuchautorin. Sie wurde 1979 in Bari geboren und studierte Literaturwissenschaften in Rom. Für ihre Arbeiten als Drehbuchautorin, wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Seit 2010 unterrichtet Lattanzi außerdem an der Scuola Holden. Dieses, von Alessandro Baricco und Carlo Feltrinelli in Rom gegründete, Institut für Kreatives Schreiben ist das berühmteste seiner Art in Italien. In ihrem Debütroman „Una storia nera“ (2017; deutsch: „Noch war es Nacht“, 2018) erzählt Antonella Lattanzi die Geschichte der ehemals leidenschaftlichen, aber obsessiven und gewalttätigen Liebe zwischen Vito und Carla. Erst spät gelingt Carla die Trennung. Aber aus der Ferne versucht Vito weiter, Carla zu beherrschen. Am dritten Geburtstag ihrer jüngsten Tochter Mara ist die Familie noch einmal scheinbar friedlich vereint. Doch dann eskalieren die Ereignisse erneut. Die Filmrechte an „Noch war es Nacht“ wurden an eine TV-Produktionsfirma verkauft, die aus dem hochemotionalen Stoff eine Serie für das Fernsehen drehen wird. Das Drehbuch schreibt die in Rom lebende Autorin selbst.

Alle Bücher von Antonella Lattanzi

Noch war es Nacht

Noch war es Nacht

 (3)
Erschienen am 21.08.2018

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Rezension zu "Noch war es Nacht" von Antonella Lattanzi

Schwer einzuschätzen, in Ordnung als Fazit
Benni_Cullenvor 2 Monaten

Manchmal packt es mich und ich habe Lust auf einen Roman von italienischen Autoren. Ich finde, dass sie einen ganz besonderen Stil haben und eine völlig eigene Art und Weise Geschichten zu erzählen. Irgendwie chaotischer als deutsche Autoren, aber auch sehr viel näher an den Figuren dran – ich kann das sehr schwer in Worte fassen und möchte auch eigentlich gar nicht zu viel sagen, denn dann wirkt es so, als hätten alle Autoren eines Landes die gleiche Schreibe. Das stimmt natürlich nicht, aber doch meine ich, dass man bei manchen Ländern die Kulturen rauslesen kann. Und naja, letztes Jahr habe ich schon eine italienische Autorin gelesen, dieses Jahr sollte es also Antonella Lattanzi mit ihrem Buch “Noch war es Nacht” werden – und was auf mich zukam, damit hatte ich gar nicht gerechnet.

Wir begleiten im Prinzip Carla, die für ihre kleine Tochter Mara eine Geburtstagsparty schmeißt. Sie lädt Maras ältere Geschwister, Nicola und Rosa, die beide schon erwachsen sind, ein sowie ihren Exmann Vito, der in der Beziehung sehr einengend und engstirnig war. Der Abend läuft sehr entspannt ab und obwohl es einige Spannungen gibt, können ihn alle beteiligten genießen. Doch am nächsten Morgen fehlt von Vito jede Spur und die Polizei ermittelt in jede Richtung – auch in die, in der Carla die Hauptverdächtige ist. Die Leser begeben sich auf die Reise in die Vergangenheit der Familie als auch auf die Spuren der Gegenwart, denn am Ende muss eine Frage beantwortet werden: Wer ist für Vitos Verschwinden verantwortlich? Und wird er jemals zurückkehren?

Ich fand die Atmosphäre von Anfang an sehr düster und dunkel, was mir für die Grundgeschichte passend erscheint. Allerdings war das dann nach knapp 80 Seiten dann auch wieder etwas zu wenig. Denn da ist man mit der Geschichte des Klappentextes durch und fragt sich ständig: Wo geht es jetzt hin? Und leider habe ich erstmal keine Antwort darauf bekommen. Denn anstatt die Grundgeschichte voranzutreiben, springt man erstmal zu allen möglichen Sichtweisen und Nebenfiguren, die irgendwie, irgendwas mit den Hauptfiguren zu tun haben. Da lernt man dann mal eine Nachbarin kennen, die Schwester, die Geliebte oder oder oder – die Liste ist lang und es nervte mich irgendwann nur noch, dass ich mit dem Hauptplot nicht voran kam. Ja, vielleicht ein Stilmittel, über die Stimmung hier zu gehen und sich darauf zu verlassen, für mich aber leider ein ungenutztes Potenzial, denn die Geschichte hätte definitiv Punkte gehabt, die man spannungsvoll hätte aufbauen können. So flaute die Spannung relativ schnell ab und auch das Ende konnte das nur bedingt wieder wett machen. Schlussendlich kam der Schluss unerwartet, aber man hätte besser darauf hinschreiben können.

Dabei waren mir die Figuren an sich irgendwann suspekt. Besonders Nicola mochte ich irgendwie gar nicht und je mehr ich las, desto unsympathischer wurde dieser mir auch. Vielleicht lag das aber auch daran, dass man viel von seinem Leben mitbekam, das zunächst gar nicht zum Hauptplot passte. Ich persönlich wollte eher von Carla was wissen und die Ermittlungen mitbekommen – davon fand leider wenig statt. Die anderen Figuren konnten mich dabei auch weniger überzeugen. Mit Carla litt ich etwas mit, Rosa fand ich einfach naiv und alle anderen Figuren waren für mich nicht wichtig. Schade, auch hier hätte man mehr rausholen können, indem man sie besser in den Fall einbezogen hätte.

Nun sagt ihr: Plot nicht gut strukturiert, Charaktere nicht überzeugend, nervige Nichtigkeiten thematisiert – warum habe ich es überhaupt weitergelesen? Tja, irgendwie hatte die Geschichte doch irgendwie was an sich, das mich anhalten lassen. Wahrscheinlich war es diese mysteriöse Stimmung, die ständig über der Geschichte hing und die genau zu dem Stil passte, den ich von italienischen Autoren gewohnt bin. Denn ja, die Geschichte war nicht perfekt durchdacht und vielleicht nicht immer zu 100 % spannend, aber sie hatte dennoch etwas ganz eigenes, das mich inne halten ließ und mich zum Nachdenken brachte. Ob das jetzt alles ausbügelt oder nur Teile – irgendwie war ich gefesselt und konnte nicht aufhören.

Mein Fazit:
Ich habe wirklich lange nachgedacht, wie mein Fazit ausfällt, denn formal wäre das hier eine 2 Sterne-Rezension. Ich meine: Plot nicht überzeugend, Charaktere nicht sympathisch und nervige Elemente – ich habe es oben schon aufgezählt und könnte weitermachen. Allerdings beschäftigte mich der Fall einfach noch Tage nach Beenden des Buches und ich war mir nicht ganz sicher, ob ich es wirklich richtig interpretiert habe – denn ja, man muss interpretieren und bekommt nicht einfach irgendwas vorgesetzt. Das löste was in mir aus, das ich ganz schwer beschreiben kann. Deshalb sind mir 2 Sterne zu wenig, auch wenn formal einiges nicht gestimmt hat. Dennoch hat mich das Buch ja zum Nachdenken gebracht – und das zählt doch auch, oder? Deshalb vergebe ich insgesamt 3 Sterne und kann nur sagen: Wer nachdenken will und mal Lust auf was völlig anderes hat – here you are. Wenn ihr dagegen einen spannenden Fall haben wollt mit ganz vielen Spannungselementen, der ist vielleicht mit anderen Krimis oder Thrillern oder Romanen besser bedient, die den Mainstream mehr aufgreifen.

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Rezension zu "Noch war es Nacht" von Antonella Lattanzi

Ein Buch, das tief berührt
buchstabensammlerinvor 4 Monaten

Rund ums Buch:
Titel: Noch war es Nacht
Autorin: Antonella Lattanzi
Verlag: Rowohlt
Buch: Gebundene Ausgabe / Lesebändchen
Seiten: 285
Erschienen: 21.08.2018
ISBN: 978-3-463 406992
Preis: 20,00 €

Cover:
Ein sehr ansprechendes Cover, die Schulter einer Frau, die ihr Gesicht wegdreht. Ein rotes, ausgeschnittenes Kleid....das auf schwarzem Hintergrund.... man denkt an Verführung...

Inhalt:
Mara möchte zu ihrem dritten Geburtstag ihren Vater Vito dabei haben, den Vater, der nicht mehr bei ihr, und ihren beiden älteren Geschwistern Rosa und Nicola wohnt... der Vater, der die Mutter Carla schlägt und sich nicht unter Kontrolle hat. Carla macht alles möglich, damit der Geburtstag ein schöner Tag wird, in der Wohnung ihres Bruders, ein neutraleres Umfeld. Doch am nächsten Tag ist Vito spurlos verschwunden.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mich sehr tief berührt. Wie würde ich reagieren, was würde ich machen, wenn ich jemanden lieben würde, der sich nicht unter Kontrolle hat und mich schlägt, mich erniedrigt? Niemals hat er Hand an die Kinder gelegt, niemals würde er diesen etwas antun, doch ein falsches Wort, und ich spüre seine Hand. Ich würde durchdrehen, aber ich würde vor allem reden, mit anderen Menschen und Anzeige erstatten. Aber in dieser Geschichte ist es anders, in der römischen Vorstadt, in der Carla abhängig von Vito ist, von seinem Geld und seinen Launen, und: sie liebt ihn. Ja, diese Abhängigkeit und Liebe wird ihr zum Verhängnis.
Das Buch behandelt das Thema häusliche Gewalt auf eine sehr subtile Art, dass man es fast ausklammern kann, denn auf der anderen Seite ist es auch ein Krimi, bei dem es um die Suche des verschwundenen Vito geht. Die Geschichte ist unglaublich emotional und fesselt den Leser immer wieder an die Frage: was hätte ich gemacht? Wir würde ich handeln? Und was empfinden die Kinder, die ihre Mutter leiden sehen, immer wenn der Vater sie schlug, die aber einen Vater vermissen, der ein Guter für sie war und der nun verschwunden ist.
„Rosa war unentschlossen, ob sie weiterhin auf die Geräusche der beiden hören oder sich auch Kopfhörer aufsetzen sollte. Jener Vater, der alles kurz und klein schlug und der auch die Mutter schlug, schien ihr nicht der gleiche Vater zu sein, der seit nunmehr fünf Tagen vermisst wurde. Der Vater, um den sie sich so sehr sorgte, ein wehrloser, herzensguter, verschwundener Vater.“ (Seiter 72)

Und man findet Vito, das kann man hier vorwegnehmen, es ist absehbar, auf einer Müllhalde tot und schnell wird Carla als Mörderin ins Gefängnis verbannt. Die Qual, die sie ertragen muss, ihre Kinder nicht sehen zu können, die bei ihrer Schwiegermutter sind und dort beeinflusst werden... ich habe so mitgelitten. Ich konnte den Schmerz von Carla spüren....
Und dann wird der Fall groß aufgezogen, im TV, gerichtlich verhandelt und man ist baff über die Ruhe und gelebte Ausweglosigkeit, die Carla rüber bringt... und doch passieren Dinge, mit denen man nicht rechnet.

Fazit:
Ein Buch, was den Leser fragen lässt, ob die Protagonistin Opfer oder Täter ist.... diese Frage muss sich jeder selbst beantworten. Und die Debatte bleibt: häusliche Gewalt ist ein Thema, was viel zu wenig diskutiert und vor allem die Beweggründe geklärt werden und was Abhängigkeit, Liebe und der Wunsch nach der perfekten Familie mit Menschen machen kann. 

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