Antonia Baum Vollkommen leblos, bestenfalls tot

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Inhaltsangabe zu „Vollkommen leblos, bestenfalls tot“ von Antonia Baum

Eine junge Frau bricht auf, aus der Provinz in die Stadt, die Hoffnung auf Veränderung ist groß. Aber schnell stellt sie fest, dass sie nicht frei ist: nicht frei vom Unglück ihrer Eltern, nicht frei von der Angst, die sie in Ketten legt, nicht einmal frei in der Liebe, die sich als Farce entpuppt. Wer nur die Geborgenheit eines Gefängnisses kennt, dem erscheint jede Bewegung als Gefahr. Antonia Baums Heldin gibt jener Generation eine Stimme, die in den unendlichen Möglichkeiten des Glücks und der Selbstverwirklichung verloren ist. Ein erstaunliches Debüt, eine tragikomische Suada und ein ebenso emotionaler wie kühl sezierender Blick auf eine kaputte Gesellschaft.

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  • Rezension zu "Vollkommen leblos, bestenfalls tot" von Antonia Baum

    Vollkommen leblos, bestenfalls tot
    sabatayn76

    sabatayn76

    23. April 2012 um 15:23

    'Ich brauche ein Leben, aber ich habe keins [...]' Inhalt und meine Meinung: In 'vollkommen leblos, bestenfalls tot' berichtet die Ich-Erzählerin von ihrem Verhältnis zu den Eltern, vom Aufwachsen in einem kleinen Ort, beim Vater und seiner neuen Partnerin, von der (schmutzigen) Scheidung der Eltern, von ihrer Schulzeit, vom Schüren von Zukunftsängsten und dem Flüchten in die Großstadt direkt nach dem Schulabschluss sowie von gescheiterten Beziehungen und der Suche nach dem Glück. In ihrem Roman spricht Antonia Baum dabei relevante und bewegende Themen an, z.B. die Suche nach sich selbst, nach dem Glück und nach Erfüllung, Angst, Versagen, Perspektivlosigkeit, Liebe und Verantwortung. Damit ist der Roman zwar aus psychologischer Sicht spannend, doch war die Lektüre dennoch eine Qual für mich. Sprachlich und stilistisch hat mir das Buch überhaupt nicht gefallen. Als große Liebhaberin von Javier Marías habe ich beispielsweise keinerlei Probleme mit Schachtelsätzen, doch bei Antonia Baum wirken diese aufgesetzt und gestelzt. Das gesamte Buch machte auf mich einen pseudointellektuellen und bemühten Eindruck, die Wortwiederholungen und Neologismen wirkten auf mich nicht innovativ oder kreativ, sondern lediglich unpassend und hölzern. Mein Resümee: Alles in allem war mir der Stil viel zu experimentell. Wer dafür offen ist, für den könnte sich die Lektüre von 'vollkommen leblos, bestenfalls tot' lohnen, für mich war das Buch allerdings keine Freude und keine Bereicherung.

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  • Rezension zu "Vollkommen leblos, bestenfalls tot" von Antonia Baum

    Vollkommen leblos, bestenfalls tot
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    18. January 2012 um 21:22

    Antonia Baums Romandebut ist harter Tobac. Ein exzessiver Schreibstil mischt sich mit einer deprimierenden Geschichte. Die Ich-Erzählerin hadert mit sich, ihrer Familie, ihrer nicht existenten Zukunft und mit der Leere der Gesellschaft. Der Schein der Individualisten, für die eine gute Story, eine Frau als Trophäe an der Seite eines erfolgreichen Mannes, ein Apple-Computer mehr gilt als ein Lebensziel. Alle Möglichkeiten offen, kehrt die Heldin ihrem Elternhaus den Rücken und sucht ihr Glück in der Stadt, landet dort bei einem Lifestyle-Blatt und irgendwie bei Patrick, bei dem sie wohnt, der sie aber besitzergreifend zu beherrschen sucht. Die Beobachtungsgabe der Autorin ist immens. Gerade im ersten Teil wurde ich sprachlich mitgerissen und fand soviele Charaktere toll beschrieben - bissig und böse. Solche Typen gibt es zu Hauf in dieser Gesellschaft und einem bodenständigen Menschen wie mir, sind sie suspekt und zuwider. Doch die Geschichte geht weiter. Die Protagonistin geht eine neue Beziehung ein, versucht sich im Studium und scheitert überall. Sie sieht keinen Sinn für sich in der Welt und denkt immer mehr über die einzig logische Konsequenz nach. Auch wenn die Beschreibungen und Statements auch im zweiten Teil des Buches durchaus treffend sind, so nervte mich zunehmend dieser Zynismus ohne positiven Ausblick. Die Aneinanderreihung langer Sätze, manchmal über Seiten ohne Absatz empfand ich am Ende nur noch als anstrengend. Ein wenig mehr Luft zum Atmen, um das Beschriebene sacken zu lassen, hätte dem Buch gut getan.

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  • Rezension zu "Vollkommen leblos, bestenfalls tot" von Antonia Baum

    Vollkommen leblos, bestenfalls tot
    Textravaganzen

    Textravaganzen

    18. January 2012 um 21:09

    Die junge Ich-Erzählerin will aus dem kleinbürgerlichen Idyll, welches überschattet wird von der Scheidung ihrer Eltern, ausbrechen und zieht ohne Plan, aber mit vielen Plänen nach dem Abitur in die große Stadt. „Man kann alles machen. Ich will was werden. Ich weiß noch nicht genau, was, aber ich will. Ich schaue in den Himmel, ich habe ein eigenes Glück, denke ich, worauf ich aufpassen werde, und ich wünsche, bitte, bitte, bitte, dass es gut wird.“ (16) Doch anscheinend passt sie nicht gut genug darauf auf, denn anstatt ein Studium oder eine Ausbildung zu beginnen und sich Stück für Stück ein bisschen Eigenständigkeit aufzubauen, geht die junge Frau eine Beziehung ein, zu Patrick, der sie, wie sie selbst so schön sagt, als „Besitztum“ (30) behandelt. Lief die Erzählerin vorher vor ihren sich immer wieder streitenden (Stief-)Eltern weg, ist sie nun ständig auf der Flucht vor Patrick. Dieser findet sie jedoch jedes Mal, oder lässt sie sich, ohne das zugeben zu können, gar finden? Gegen wen sollte die Erzählerin sonst ihre unglaubliche Wut und Abscheu, die sie immer wieder in lange, detaillierte Mordgedanken fasst, wenden? Gegen sich selber etwa? Schließlich muss die Antiheldin in Baums Roman sich selber eingestehen: „Du, denke ich, hast anderen immer ihr Ferngesteuertsein vorgeworfen, […] und nun, denke ich, bist du selber zu der ferngesteuertsten aller Ameisen unter der Sonne avanciert“ (109). Letzten Endes kann sie Patrick entkommen, oder vergrault ihn, das kann man nicht so genau sagen, aber anstatt aus ihren Fehlern zu lernen begibt sie sich in die nächste ungesunde Beziehung, zu Jo, einen mittelalten und mittelmäßigem Theaterschauspieler. In diesen ist die ach-so-erwachsene Erzählerin verknallt wie eine 13-jährige Pubertierende. Nun ist sie diejenige, die dem Partner hinterher rennt und die Luft zum Atmen nimmt. Natürlich kann auch das nicht gut gehen. Und wieder gibt es seitenlange Folter- und Mordgelüste. Antonia Baums Debütroman soll als Charakterstudie der heutigen Generation von jungen Menschen Anfang zwanzig funktionieren. Die namenlose Erzählerin, mit der sich jeder identifizieren können soll, soll für die jungen Menschen stehen, die nichts mehr zu befürchten haben außer sich selbst. Und den Druck, sich selbst zu verwirklichen. Frauen kommen dabei irgendwie schlechter weg als die Männer, die als dominante Alphamännchen dargestellt werden. Die seitenlangen Gedankengänge spiegeln einen Menschen wieder, der auch im übertragenen Sinne nichts mit einem Punkt abschließen kann. Leider gibt sich die Erzählerin vorrangig als aggressiver Naseweis, der am Ende glücklicherweise doch ein bisschen was versteht und endlich einmal innehalten kann. Baums Roman passt auf die Aussage des betrunkenen und gescheiterten Schriftstellers, die sie in einer Art Prolog der Geschichte der Erzählerin voranstellt: „Keine Geschichten, nichts Ganzes, nur Bedeutungsloses. Aber ich kann nichts dafür. Wäre ich arm, wäre ich ein Ali, würde irgendjemand eine Bombe auf mich werfen, mich wenigstens diskriminieren oder meine Menschenrechte verletzten, glaub mir, es wäre ganz anders.“ (5) Ist es aber nicht.

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  • Rezension zu "Vollkommen leblos, bestenfalls tot" von Antonia Baum

    Vollkommen leblos, bestenfalls tot
    Alienor

    Alienor

    02. January 2012 um 18:32

    Achtung: Schwermut... Die Ich-Erzählerin leidet sichtbar an ihrem doch eigentlich noch jungen Leben. Zu Hause fällt ihr die Decke auf den Kopf, der Vater ist ein Egoist, die Mutter längst abgehauen nach Italien und mit der neuen Stiefmutter lässt sich allenfalls über so tiefschürfende Themen wie die Inneneinrichtung reden. Nach dem Abitur zieht es Julia sofort in die große Stadt, in der Hoffnung, dort mehr Leben vorzufinden. Doch sie wird bitter enttäuscht. Sie stolpert von einer kaputten Beziehung in die nächste, fühlt sich in ihrem hippen "ich mach was mit Medien-Job" gefangen und von den oberflächlichen Kollegen angeekelt. Doch es soll alles noch schlimmer kommen... Die Geschichte wird komplett aus Julia's Perspektive erzählt. Der Stil ist ungewöhnlich, der Rythmus sehr schnell und treibend. Man hetzt durch das Buch, wie Julia durch ihr Leben hetzt, immer auf der Suche nach dem Lebenswerten, nach sich selbst. Doch nichts wird ihr Halt geben. An einigen Stellen konnte ich gut mir ihr mitfühlen und der triefende Sarkasmus, der sich durch das ganze Buch zieht, passte wie die Faust auf's Auge zu Situationen, in denen man sich selber bereits befunden hat. Der Schreibstil nimmt einen oft in seiner Drastigkeit gefangen, vor allem, als Frau Baum eine der brutalsten Gewaltfantasien schildert, die ich bis jetzt gelesen habe (näheres an dieser Stelle natürlich nicht). Einige Einfälle sind auch, trotz des Galgenhumors, witzig (die Kinder-Katastrophe...) Doch in vielen Fällen waren Julias Gedanken geradezu unerträglich negativ: Alles und jeder, der ihr über den Weg läuft, zieht sie runter und versaut ihr Leben. Das drückt ganz schön auf die Stimmung und kann zeitweise unglaubwürdig wirken. Insgesamt: Ein Werk, das Spuren hinterlässt, das man sich jedoch nicht gerade in den eigenen düstersten Stunden vornehmen sollte...

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  • Rezension zu "Vollkommen leblos, bestenfalls tot" von Antonia Baum

    Vollkommen leblos, bestenfalls tot
    R-E-R

    R-E-R

    29. November 2011 um 21:32

    “Annabelle, ach Annabelle, du bist so herrlich intellektuell. Du bist so wunderbar negativ und so erfrischend destruktiv. Ich bitte dich, komm sei so gut, mach meine heile Welt kaputt.” So besang Reinhard Mey 1972 seine imaginäre, nonkonformistische Freundin. Wie gut passt dieses Bild auch zu der namenlosen jungen Heldin aus Antonia Baums “vollkommen leblos, bestenfalls tot”. So herrlich deprimierend liest sich dieses Buch. Eine junge Frau sitzt am Schreibtisch, erledigt ihre Hausaufgaben und lauscht nebenbei den sich streitenden Eltern. Nicht den biologischen, denn die leibliche Mutter Carmen hat ihren Ehemann Götz schon seit geraumer Zeit verlassen. Götz streitet mit Astrid, dem Carmen Ersatz, und das Mädchen überlegt einzuschreiten. Um Ruhe zu haben. Sie lässt es bleiben, setzt sich auf ihr Fensterbrett, raucht und beschließt am nächsten Tag das Haus und ihr bisheriges Leben zu verlassen. Auf in die Stadt, denn Stadtluft macht frei! Das dies keineswegs so ist, erfährt die junge Frau sehr bald. Eingeengt durch eine vorschnell eingegangene Beziehung tauscht sie das eine Gefängnis gegen ein anderes. Das man es hier mit einem eher schwermütigen Roman zu tun hat, ergibt sich offenkundig schon aus dem Titel. Dazu noch der Klappentext: “ein kühl sezierender Blick auf eine in ihrer Selbstzufriedenheit kaputte Gesellschaft”. Das kaputte Umfeld der jungen Heldin wird bereits im ersten Kapitel sehr deutlich. Unglücks Ehe, Elterneinzelteile, Ehefrauen-Katastrophe, Einrichtungsglasur wie dickflüssiger Kleister, die Angstanstalt Schule mit ihren Terrorfluren, Zukunftsbesessenheit, Einschüchterungslehrkörper sind nur einige der sprachlichen Wortschöpfungen für das Existenzdesaster der Figuren. Was mich am Ende des ersten Kapitels allerdings verwunderte war: Die Heldin setzt sich Kopfhörer auf und lauscht einer Einschlafkassette, auf der Ronja durch den Wald rennt. Damit kann eigentlich nur “Ronja Räubertochter” von Astrid Lindgren gemeint sein. Ich habe mir bisher nicht vorstellen können, das jemand der Bücher von Astrid Lindgren kennt und diese gehört oder gelesen hat, so dermaßen des Lebens überdrüssig sein kann. Auf dem Klappentext steht auch die Frage: “Wie findet man im Labyrinth zahlloser Möglichkeiten einen Weg ins eigene Leben?“. Dieser Satz drückt eigentlich die Hoffnung aus, trotz der oben erwähnten kaputten Gesellschaft die Möglichkeit eines eigenen, glücklichen Lebens zu haben. Antonia Baum gibt ihrer Heldin diese Möglichkeit nicht. Sie nimmt tatsächlich nur mit Röntgenblick jede noch so kleine Einzelheit auf. Untersucht und analysiert diese und fügt sie ihrer desolaten Weltsicht hinzu. Frauen, die nur darauf aus sind “auf Männer draufzuklettern” um “an ihnen dranzuhängen und sie zu heiraten”. Was sie entweder “unglücklich oder babyblödsinnig oder beides werden lässt”. Männer, die als “ferngesteuerten Gärtner” Mädchen in ihrem “Gartenzaun-Areal” haben wollen. Mädchen, die man vom Zaun aus sehen darf, die aber “unterhalb der Wimper kein einziges Haar haben” dürfen. Sie müssen “vollkommen leblos, bestenfalls tot” sein. Dieses Buch öffnet vor dem Leser einen Schlund schwermütigen Sarkasmus, der nicht einmal Grautöne kennt, sondern nur schwarz malt. Die durchaus scharfsichtigen Beobachtungen gehen durch diesen Fatalismus unter. Die seitenlangen Gedankenmonologe der Ich-Erzählerin sind eigentlich vollkommen tot oder bestenfalls leblos.

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  • Rezension zu "Vollkommen leblos, bestenfalls tot" von Antonia Baum

    Vollkommen leblos, bestenfalls tot
    Binea_Literatwo

    Binea_Literatwo

    24. October 2011 um 19:41

    Rot. Kopfgefängnis. Zwei Worte, die mich im Buch auf jeder Seite begleiten, genau wie der Titel, der schon innehalten lässt, bevor man das Buch überhaupt aufschlägt, bevor man nur annähernd weiß, worum es geht. Sie ist es, die ausbricht. Sie ist es, die umherirrt. Sie ist es, die nicht ankommt. Sie ist es, die lieben will, aber nicht liebt. Sie ist es, die sich anlehnen will, sich aber nicht anlehnt. Sie ist es, die gern eine Familie hätte, aber nur eine Patchworkfamilie hat. Sie ist es, die gern ein anderes Leben hätte, was sie nicht bekommt. Sie ist pessimistisch und verwandelt sich immer mehr in noch tieferen Pessimismus. Sie hätte gern ein Ziel, findet aber keins. Sie wäre gern diejenige, von denen sie behauptet, ebendiese zu sein. Sie ist gefangen im Kopfgefängnis und jeder Ausbruch bleibt ein Versuch, weil er kein richtiger Ausbruch sein soll. Sie hat Gedanken, die nicht ans Anhalten denken, die nicht anhalten sollen, auch wenn es noch so wichtig wäre. Sie malt sich Bilder voller Hass, die sich bewahrheiten und sich doch nicht bewahrheiten sollen. Sie denkt rassistisch und politisch und dann doch wieder ganz anders. Sie lebt in der Realität und gleitet doch durch die Fiktion. Sie lebt ihre Fantasie, die eigentlich nicht diese Fantasie sein soll, in sich selbst aus. Sie sucht ein Ende, in dem es endgültig sein soll, wobei sie dabei den unbegonnenen Anfang ersehnt. Sie. Rot. Kopfgefängnis. Die Autorin Antonia Baum lässt mich gleich im Kapitel vor dem ersten Kapitel inne halten. Genau das ist es, was ein Buch auszeichnet. Stopp. Anhalten. Zurück. Nochmal lesen und verinnerlichen. Dann ins erste Kapitel einsteigen und auf ihre Protagonistin treffen, die wahrlich keine Freude am Leben hat. Ein Tapetenwechsel hat sie in diese Stadt getrieben, anders sollte es werden. Sie ist jung und hat ein Leben, auf das sie nicht schauen möchte. Raus hieß das Ziel, heißt das Ziel. Das Umfeld ist nicht gut für sie, ihre Familie ist nicht so, wie sie hätte sein können und ihr Freund ist das personifizierte Unglück. Von der Liebe ganz zu schweigen und vom Glück ebenso. Umgeben von Ketten, steht die Frau, die noch junge Frau, vor der Tür des Lebens, was gelebt werden will, aber scheinbar nicht gelebt werden kann. Sie ist kühl, ein Kontakt zu ihr scheint unmöglich, sie ist nicht greifbar und bleibt entfernt. Jedes Wort, was etwas über die Protagonistin aussagt, muss gefunden werden, gesucht werden und dann klammert man sich an eben dieses Wort. Diese Umklammerung wird von Seite zu Seite kraftloser. Ob man als Leser schreit, helfen will, verzweifelt im Handlungsverlauf, alles ist egal. Sie bleibt entfernt und genau das ist der Grund, warum ich an ihrer Seite bleibe und doch nicht an ihrer Seite bin. Die Autorin spielt mit ihren Worten eine reine Diashow im Buch ab, eine Diashow, die vollkommen leblos, bestenfalls tot ist. In ausladenden Bildern gibt sie dem Leser keine Möglichkeit die Diashow bunter zu gestalten, die Farbpalette bleibt in dunklen Tönen und muss so angenommen werden. Lange Schachtelsätze mit vielen Wortwiederholungen führen eine Tiefgründigkeit mit allerlei Untiefen herbei, die zum Anhalten führen, ein Weiterlesen ist stellenweise nicht möglich. Zu bewegend sind die Worte, das Reflektieren auf sich selbst ist zu übermächtig und doch ist es stellenweise einfach nur die Leere, die man verarbeitet. Nachvollziehbar, teils amüsant, aber auch niederschmetternd. Die Erzählkunst, die depressive, hasserfüllte und auch horrormäßige, ist beeindruckend, aber auch bitter und unerträglich. Ein Buch, was keinesfalls zartbesaitete oder lebensunlustige Menschen lesen sollten, ein Buch, was vollkommen leblos, bestenfalls tot ist und doch das Gegenteil vom Besagten. Die Sprache ist einmalig, die Stimmung, in die es den Leser zieht, ist ungewöhnlich und bringt die Gefühle, die erst ruhen wie ein See, in ein wellendes Meer. Einige Wellen sind mir persönlich zu stark übergeschwappt, diese hätte ich gern flacher entgegen genommen, aber es ist wie es ist „vollkommen leblos, bestenfalls tot“.

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  • Rezension zu "Vollkommen leblos, bestenfalls tot" von Antonia Baum

    Vollkommen leblos, bestenfalls tot
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    21. October 2011 um 20:57

    Schwierig zu diesem Buch Stellung zu beziehen. Antonia Baums Stil ist ungewöhnlich, Umschreibungen, Metaphern, Vergleiche (mal mehr, mal weniger raffiniert - an manchen Stellen treffend und präzise, an anderen wie aus der Luft gegriffen und nicht einleuchtend); ganz klar, die Handlung rückt in den Hintergrund, es geht, um es mit den Worten der Autorin zu sagen, eher darum wie die Figur auf die Dinge blickt, wie sie denkt und vor allem was sie denkt. Wer also Action und Spannung sucht, wird mit diesem Roman nicht glücklich. Ich habe das Buch noch nicht durchgelesen, bin gerade mal in der Mitte, aber es braucht immer ein wenig Überwindung es wieder zur Hand zu nehmen und weiterzulesen. Da gibt es kein hastiges Umblättern und stundenlanges Versinken in der Lektüre, kommt einem doch nach einer längeren Lesephase alles irgendwie absurd vor, als würde die negative Sichtweise der Protagonistin auf den Leser übergehen. Bestenfalls liest man das Buch also, wenn man sowieso gerade mit der Welt um einen herum hadert und nicht, wenn man gerade fröhlich durch's Leben tänzelt.

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  • Rezension zu "Vollkommen leblos, bestenfalls tot" von Antonia Baum

    Vollkommen leblos, bestenfalls tot
    Jetztkochtsie

    Jetztkochtsie

    10. October 2011 um 16:44

    Ganz nett, wobei ganz nett sicherlich nicht das war, was die Autorin zu erreichen versuchte. Aber sie kommt an die Großen dieser Art zu Schreiben, wie Selim Özdogan oder Sibylle Berg einfach nicht ran. Immer wieder denkt man, ja jetzt hat sie es, jetzt drückt sie sich treffend aus, man versteht die Situation, das Gefühl, die Beklemmung und dann folgt wieder leicht banales Geseier. Leider, denn Potential kann man hier sehr wohl erkennen, allerdings drückt sie sich sehr oft wirklich gewollt verschroben aus, was mich im Lesefluß störte, auch die Zeitsprünge und Wechsel der Situationen waren für mich nicht immer förderlich zum Funktionieren der, naja Geschichte will man es eigentlich nicht nennen, sagen wir des Textes. Trotzdem eine durchaus interessante Lektüre, die allerdings sicherlich nicht jedem Durchschnittsleser mit dem einzigen Interesse an Unterhaltung gefallen wird. Ich fand es, wie gesagt, ganz nett und hoffe im nächsten Buch dann auf eine deutliche Steigerung.

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