Paradies für alle

von Antonia Michaelis 
4,4 Sterne bei58 Bewertungen
Paradies für alle
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (51):
Buchgespensts avatar

Ergreifend, wahr und wunderschön.

Kritisch (1):
HannahTizias avatar

ziemlich unrealistisch, aber dennoch herzig

Alle 58 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Paradies für alle"

Das Paradies ist machbar, glaubt der 9-jährige David. Man müsste nur das Geld ein wenig umverteilen. Oder die Kühe von nebenan freilassen, die noch nie auf der Weide waren. Dass David begonnen hat, seine oft wilden Pläne in die Tat umzusetzen, erfährt seine Mutter Lovis erst, als er nach einem Unfall im Koma liegt. Sie findet seine Aufzeichnungen und beginnt zu kämpfen: um ihren Sohn, um ihre zerrüttete Ehe und um das Paradies auf Erden, das zu scheitern droht.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783426512708
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:480 Seiten
Verlag:Knaur Taschenbuch
Erscheinungsdatum:03.08.2015

Rezensionen und Bewertungen

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    Aleshanees avatar
    Aleshaneevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Absolut großartiges Buch mit einer wichtigen und berührenden Botschaft! Wieder mal wunderschön geschrieben ♥
    Absolute Leseempfehlung! Fürs Herz ♥

    Was für ein wunderschönes Buch! Die Botschaft, die Antonia Michaelis hier vermittelt hat, ist für alle Menschen auf der Welt und das macht sie auf eine so berührende und direkte Weise, die mich tief beeindruckt hat. Und wieder hat mich die Schreibweise fasziniert, denn die Autorin schafft es jedes Mal, mit einer so anschaulichen und scheinbar spielerischen Schreibweise, jeden Moment zu einem gefühlten Erlebnis zu machen.

    "Tatsächlich lächelte sie jetzt ein bisschen,
    wie Sonne, die versucht, durch Wolken zu scheinen."
    S. 38

    Zu Beginn wird man gleich mit der Schreckensbotscchaft konfrontiert: der 9jährige David hatte einen Unfall - er wurde abends mitten auf der Autobahn in der Nähe seines Zuhauses angefahren und liegt im Koma. Während die Mutter Lovis aus der Ich-Perspektive die Geschichte erzählt merkt man sofort die Spannungen, die zwischen ihr und ihrem Mann Claas vorherrschen. Ihre Ehe scheint nur noch ein Gerüst zu sein, das aufrecht steht, weil sie für alles andere einfach keine Zeit aufbringen. Weder es abzubauen, noch ihre Beziehung in Frage zu stellen und damit Klarheit zu schaffen.

    Fragen - die sind ein zentraler Punkt in dieser Geschichte. Denn David ist ein ungewöhnliches Kind, ein sehr intelligentes Kind, das sich mit Dingen beschäftigt, die weit über seinen Entwicklungsstand hinausgehen. So hat ihn ein Schulprojekt über Religionen zu der Frage gebracht, ob es nach dem Tod ein Paradies gibt. Die Ungewissheit lässt ihn zweifeln und er entwickelt die Idee: wenn man nicht weiß, ob es nach dem Tod noch etwas gibt, dann sollte man das Paradies doch gleich jetzt erschaffen, für die Lebenden.

    "Wir können uns nicht darauf verlassen, dass nach dem Tod alles besser ist, oder?
    Und deshalb muss man dafür sorgen, dass es hier besser wird."
    S. 95

    Dieses Projekt entdeckt seine Mutter anhand von seinen Aufzeichnungen. Die Handlung baut sich dementsprechend auf - zum einen, wie Lovis mit dem Koma ihres Sohnes umgeht, wie die Beziehung zu ihrem Mann immer brüchiger wird und sie ihr ganzes Leben und ihre Gefühle in Frage stellt. Zum anderen die Projektberichte von David, die in einer kindlich-naiven und gerade deshalb so unglaublich berührenden und tiefsinnigen Art und Weise zeigen, wie leicht es sein könnte, etwas Gutes zu tun. Absolut genial, wie Antonia Michaelis diese Denkweise rüberbringt!
    Seine Neugier und Faszination, alles zu entdecken und ein eigenes Weltbild zu kreieren sind entwaffend und machen klar, wie sehr wir immer auf uns selbst fixiert und damit ungücklich sind, während kleine Gesten die Welt um uns herum so einfach verbessern könnten.
    Dabei ist er aufgeweckt, hat den Blick für Details und tiefere Zusammenhänge; wirkt bisweilen aber auch grüblerisch. Als ihm aufgeht, wie groß sein Projekt tatsächlich ist, steuert das ganze auf eine Katastrophe zu.

    Herr Rosekast, mit dem David sich über alles unterhalten kann ist ein großartiger Charakter. Er nimmt ihn ernst, unterstützt ihm im Denken und lässt ihn eigene Erfahrungen sammeln - ohne mit erhobenem Zeigefinger zu predigen oder ihm etwas vorzuschreiben.
    Davids Freundin Lotta, sie ist so eine wunderbare Figur ... einfach gestrickt hat sie es nicht leicht mit ihrer Familie, aber ihre Zuneigung, ja Hingabe zu ihrem Freund ist so bewundernswert und damit ist sie mir auch sehr ans Herz gewachsen.

    Warum müssen manche Menschen so viel leiden und andere nicht. Reichtum, Gesundheit, Glück -alles scheint so willkürlich verteilt und die Frage, was für ein Gott das zulassen kann, ist für den kleinen Jungen zu einer Obsession geworden. Voller Metaphern und philosophischen Widerhaken, die sich festsetzen und gleichzeitig die Gedanken frei lassen hat es die Autorin geschafft, mich bis tief ins Herz zu berühren und gleichzeitig einen Abstand zu wahren, der einem zeigt, wie sich eine Veränderung für das große Ganze auswirken könnte.

    Muss man auf jede Frage eine Antwort finden oder reicht es nicht, sich einfach auf das Rätsel einzulassen? Die Welt zu ändern, zu einem Paradies zu machen, kann man nur für sich selbst: das "Böse" kann man nicht gut machen, aber man kann für sich selbst das Beste daraus machen. Doch was ist eigentlich das "Böse"? Kommt es nicht doch auf den Standpunkt an und empfindet nicht jeder etwas anderes? Ist man nicht oft viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um andere wirklich zu verstehen?

    Die anderen Kinder hatten mich ausgelacht, weil es einfach ist,
    jemanden auszulachen, als ihn zu verstehen."
    S. 104

    Während diesem ganzen Gedanken, wie man die Welt verbessern könnte, bleibt aber immer noch im Hinterkopf, wie es denn nun zu dem Unfall kam - vor allem Lovis ist ununterbrochen auf der Suche, nach einer Erklärung, denn sie hat sich in den Kopf gesetzt, dass mit der Lösung alles gut werden wird. Dass, wenn sie alles aufgeklärt hat, ihr Sohn endlich aus dem Koma erwachen wird. Dafür muss sie aber die Mauern, die sie ihr ganzes Leben um sich aufgebaut hat, einreißen und das ist etwas, das sie an ihre psychischen Grenzen bringt.

    Fazit

    Diese Geschichte ist eine, die jeder gelesen haben sollte, der an das Gute im Menschen glaubt. Der die Hoffnung hat, dass jeder Einzelne die Welt ein kleiens bisschen besser machen kann und damit die Kugel ins Rollen bringt, die ein Paradies möglich macht. Einfühlsam und echt werden hier die Gedanken eines kleinen Jungen enthüllt, der eine einfache Lösung für ein weltbewegendes Problem entworfen hat - und den die Erkenntnis aus der Bahn wirft, wie unmöglich sein Vorhaben ist.
    Dabei trägt jeder das Gute in sich - und jeder kann seinen Teil dazu beitragen, dass sich sein Wunsch erfüllt.

    © Aleshanee
    Weltenwanderer

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    The iron butterflys avatar
    The iron butterflyvor einem Jahr
    Der Himmel ist nicht allzu weit entfernt, von Tag zu Tag kommt er näher...

    David Berek ist neun Jahre alt und besucht die vierte Klasse der Montessorieschule. Er ist ein außergewöhnlicher Junge, der sich viele Gedanken macht, gerne Listen anlegt, ungewöhnliche Dinge sammelt und für seine neun Jahre bereits sehr selbstständig unterwegs ist. Auch in der Schule sammelt David neue Impulse für seine Phantasie, so standen zuletzt interessante Themen in der Weltwerkstatt und der Religionswerkstatt auf dem Lehrplan. In der Vorbereitung für einen Vortrag innerhalb der Religionswerkstatt erfährt David nun mehr über Buddha. Buddha, der als Prinz Siddharta geboren wurde und doch viel lieber außerhalb des Palastes ohne Prunk ein Leben ohne Gier, Besitz und viele Habseligkeiten führen wollte. Und obwohl Lotta, Davids beste Freundin, davon überzeugt ist, dass Schokolade und ein eigenes Fahrrad besser sind als jedes Nirwana, erwacht in David der Wunsch die Welt zumindest im Kleinen zu verbessern. David träumt davon durch kleinere und größere Umverteilungen die Welt für alle ein Stück weit zu verbessern, er träumt von einem Paradies für alle. Wenn Frau Hemke nicht ins Altersheim muss, sondern weiterhin mit ein klein wenig Unterstützung in ihrem Haus mit dem schönen Garten leben kann oder die Kühe vom nahegelegenen Hof in Freiheit über die Wiesen ziehen können, anstelle stupide im Stall stehen zu müssen, dann wäre doch schon ein kleines Stück vom Paradies greifbar. Ein Fahrrad für Lotta, eine warme Mütze und etwas mehr Sauberkeit und Ordnung für Rosekast; David beginnt seine geheime Paradieswerkstatt und dokumentiert in Geheimschrift erste Erkenntnisse und Fortschritte. Von all diesen Überlegungen erfährt seine Mutter Lovis erst, als David bei einem Unfall schwer verletzt wird und nun im Koma liegt. Lovis wird durch das Unglück aus ihrer persönlichen Isolation herausgerissen und muss plötzlich nicht nur um Davids Leben, sondern auch um ihre Ehe mit Claas kämpfen.

    Antonia Michaelis erzählt die Geschichte aus Sicht der Mutter Lovis, die, ähnlich wie ihr Sohn David, viel lieber in ihrer Kunst versinkt und sich durch ihre introvertierte Art hinter „ihrer Mauer“ verschanzt. So lernt der Leser zusammen mit Lovis, die die Berichte aus der Paradieswerkstatt Stück für Stück entschlüsselt, Davids Welt kennen. Lovis erschien auf mich anfangs noch sehr symphatisch und einfach überrumpelt, ja überfordert mit der Welt. Doch die Passagen zwischen den Berichten der Paradieswerkstatt füllt Michaelis mit Lovis Gedankenwelt, ihrer Vorgehensweise in dieser kritischen Lebenslage. Alles wirkt sehr unbeholfen und oftmals einfach nur egomanisch. Lovis verschließt lange Zeit die Augen vor Davids gesundheitlichem Zustand, so dass ein Happy End bereits frühzeitig auszuschließen ist. Ich hatte von Antonia Michaelis „Der Märchenerzähler“ gelesen und konnte ihre abgründige Erzählweise bereits kennenlernen. Was mich damals beeindruckte hat mich bei „Paradies für alle“ eher enttäuscht. Auf mich machte das letzte Drittel des Buches den Eindruck, als hätte sie sich nicht wirklich getraut das zu erzählen, was sie erzählen wollte. Stellenweise war die Anhäufung von sozialen Krisen und Brennpunkten in diesem kleinen Dorf einfach zu geballt, zu konstruiert. Der Ansatz, dass ein kleiner Junge die Welt verbessern will, Verantwortung übernehmen will und mit offenen Augen durch die Welt geht, war für mich trotzdem interessant und sehr liebevoll dargestellt. Das liebliche Cover täuscht übrigens eine Stimmung vor, die im Buch selten vorzufinden ist und im Grunde auch nicht passend wäre. Eine nachdenklich stimmende Geschichte, die für junge und nicht mehr so junge Erwachsene geeignet ist.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Ein Buch, das einen nachdenklich stimmt!

    Als ich den Buchtitel gelesen habe, bin ich davon ausgegangen, dass mich eine unterhaltsame, aber doch eher "leichte" Geschichte erwarten würde. Dem war nicht so. 
    Die Geschichte des neunjährigen David, der alles Menschenmögliche versucht, um die aus den Fugen geratene Welt zu verbessern, ist zwar unterhaltsam, aber garantiert nicht leicht zu verdauen.
    Trauer, Freude, lachen, weinen - ein Wechselbad der Gefühle erwartet den Leser beim Miterleben der schönen, aber auch schrecklichen Erlebnisse des großherzigen Jungen und lässt einen auch nach der letzten Buchseite nicht so schnell los. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie danach zum Pfadfinder oder Umweltaktivist werden :)

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    Jacynthes avatar
    Jacynthevor 3 Jahren
    "Paradies für alle" von Antonia Michaelis

    Inhalt


    Der 9-jährige David wollte ein Paradies erschaffen. Ein Paradies für alle. Entstehen sollte es durch Umverteilung von Gütern, Zeit oder Arbeitskraft: wer zu viel von etwas hatte, sollte es anderen, denen es fehlte, abgeben. Und so gründet er seine Paradies-Werkstatt. Seine Mutter Lovis ahnt von alldem nichts. Erst nachdem David einen Unfall hat und im Koma liegt, findet sie seine geheimen Aufzeichnungen. Doch diese erklären noch lange nicht, wieso David plötzlich auf der Autobahn auftauchte, wo er angefahren wurde. War er mit seiner Werkstatt jemandem auf die Füße getreten oder war er gar kriminell geworden? Lovis versucht, die Wahrheit herauszufinden, und nebenbei noch ihr Leben und ihre Ehe zu retten.

    Meine Meinung


    Der Titel des Romans lässt eine fröhliche und hoffnungsvolle Geschichte vermuten, doch wie es typisch für Michaelis ist, hat der Roman insgesamt eine düstere und bedrückende Note, die die Abgründe des menschlichen Daseins erahnen lässt.

    Erzählt wird das Geschehene von Davids Mutter Lovis, was das Buch besonders emotional macht. Zunächst ist sie wie gelähmt, als sie ihr einziges Kind im Koma liegen sieht, doch dann wächst die Idee in ihr, dass er wieder aufwachen könnte, sobald sie herausgefunden hat, was geschehen ist. Was hat ihn an jenem Abend auf die Autobahn getrieben? Im selben Maße, wie sie nach und nach Davids Aktivitäten auf die Spur kommt, findet Lovis auch sich selbst und ist in der Lage, ihr eigenes Leben aufzuarbeiten. Das beinhaltet nicht nur ihre aktuelle Beziehung zu ihrem Mann Claas, sondern auch ihre emotionale Haltung, die sie sich seit ihrer Kindheit aufgebaut hat. Ich empfand diese Selbsterkenntnis als ein besonders gelungenes Element des Romans, die "Mauer" ein schönes Sinnbild für ihre Abschottung, über die Davids unbedarfte Freundin Lotta schließlich klettern kann.

    Davids Berichte, in denen er seine Erkenntnisse und Fortschritte bezüglich seiner Paradies-Werkstatt festhält und die Lovis nach und nach findet, heben sich schon rein optisch vom Rest des Romans ab. Sie sind in einer der Schreibmaschinenschrift nachempfunden Schriftart geschrieben und mit Zeichnungen versehen. Ein sehr schönes Detail, finde ich, denn David hat seine Berichte zum Schutz vor digitalen Schnüfflern tatsächlich auf der Schreibmaschine getippt und, wie er in den Berichten immer wieder erwähnt, Skizzen oder Diagramme beigefügt. Aber obwohl Michaelis immer wieder kleine Fehler bei Fremdwörtern eingebaut hat und David stets als frühreif bezeichnet wird, fand ich seine Texte zu "gut" geschrieben. Das ist natürlich auch der Geschichte geschuldet, denn irgendwie muss sich ja aufklären, was geschehen ist, welche Dialoge stattfanden etc. und mir fällt keine andere Möglichkeit ein, wie man dies anders hätte lösen können.

    "Paradies für alle" entführt den Leser auch in die Welt der Ethik und der Philosophie. Gemeinsam mit dem alten Rosekast versucht David, einen Sinn hinter dem Leben und der Ungleichverteilung von Gütern, Geld und Kraft zu erkennen. Entsprechend den alten griechischen Philosophen stellt Rosekast dabei die entscheidenden Fragen, die David teilweise zum Umdenken zwingen, ihn aber nicht selten auch auf den richtigen Weg führen. Ich war wirklich überrascht, als sich das Mysterium um den geheimnisvollen alten Mann schließlich auflöst. Wer bzw. was tatsächlich hinter Rosekast steckt hat mich geschockt und tief berührt.

    Ich fand es rührend, wie David sein Dorf zu einer kleinen Welt  machte, in dieser agierte und der Meinung war, dass, wenn der Stein erst einmal ins Rollen gebracht worden war, das Gute von alleine den Weg in das Leben der Menschheit finden würde. Seine Ideen haben mich nachdenklich gemacht - Helfen kann so leicht sein und dabei viel bewirken. Aber oft ist es nicht einfach, zu helfen oder nach unseren gesellschaftlichen Maßstäben sogar falsch, und oft führt Hilfe nur zu weiteren Problemen. Das kann einen schnell verzweifeln lassen. Diese Erkenntnis trifft auch David irgendwann und ich wollte ihn nur noch in den Arm nehmen, als sein Weltbild zusammenbrach. Wie schlimm muss es für ein Kind sein zu erkennen, dass die Welt kein guter Ort ist?

    Michaelis führt den Leser und auch Lovis selbst immer wieder auf neue Spuren, lässt spekulieren, fürchten und verwerfen, sodass der Roman detektivische Züge annimmt, fast durchweg spannungsgeladen ist und mehr als nur eine überraschende Erkenntnis bereit hält. Trotz der Michaelis eigenen Düsterkeit habe ich den Roman gern gelesen, denn das Gute, das David trotz allem zu tun vermag, überwog in meinen Augen. Das Ende fand ich sehr gelungen und zum Roman passend. Daher vergebe ich 4 von 5 Wolken für "Paradies für alle".

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    ralluss avatar
    rallusvor 3 Jahren
    Paradieswerkstatt

    “Denn wenn meine Theorie von der Murmel und der schiefen Ebene stimmt – und die stimmt -, dann kippt die schiefe Ebene, sobald ich all die Lösungen auf der oberen Liste umgesetzt habe. Dann rollt die Murmel auf der anderen Seite herunter, und das bedeutet, dass sich die Welt ganz von selbst in ein PARADIES AUF ERDEN verwandelt.”

    David ist 9 und in diesem Alter hat man noch viele Träume. Was er nicht versteht, ist, dass es sich die Menschen unnötig schwer machen. Seine Mutter vergräbt sich in ihre grauen Rechteck-Bilder, sein Vater in die Arbeit in der Klinik und auch sonst herrscht kein Frieden in dem kleinen Dorf zwischen Rostock und Stralsund. Dabei wäre es doch so einfach, man müsste nur das Geld ein wenig umverteilen. Oder die Kühe von nebenan freilassen, die noch nie auf der Weide waren, das wäre ein erster Schritt die Murmel über diese ominöse Schwelle zu bewegen. Er möchte, dass es “das Paradies” auf Erden gibt. Für Jeden. Das sollte doch machbar sein. Da ist die arme alte Nachbarin, die nicht ins Heim möchte, aber von ihrem Sohn dahin gedrängt wird, die humpelnde Spaziergängerin die sich nach Liebe sehnt und seine Freundin Lotta, deren Mutter viel zu viele Kinder und zu wenig Geld hat um sich um jedes einzelne zu kümmern.

    Doch jetzt liegt David nach einem Autobahnunfall auf der A20 Nähe Rostock Süd im Koma auf der Intensivstation und das Einzige was seine Mutter noch von ihm hat, sind seine Werkstattberichte, Aufzeichnungen der Paradieswerkstatt, geschrieben auf einer Schreibmaschine.

    Seine Mutter Lovis ist Malerin und hat in den letzten 9 Jahren eine unsichtbare Mauer um sich aufgebaut.

    “Ich dachte daran, wie ich damals, nach Davids Geburt, um jede Minute des Alleinseins gerungen hatte, jede Minute, die ich zwischen Kindergeschrei und Tischdecken, zwischen Wäschewaschen und Staubsaugen für mich und die Malerei hatte. Jede Minute, in der die Welt mich in Frieden ließ. Am Ende war ich wohl zu gut darin geworden, diese Minuten zu sammeln. Jetzt hatte ich viele Minuten und keine Welt mehr.”

    Nach und nach wird ihre zuvor aufgebaute Idylle auf dem Land mit dem schönen Haus und den 15 schwarzen Schafen immer brüchiger. Nachdem David im Koma liegt macht sie sich auf zu erkunden, was ihr Sohn eigentlich war, was ihn umtrieb, wovon er träumte. Und wer ist ihr Mann, der vielbeschäftigte Oberarzt, und was hat David mitten in der Nacht auf der Autobahn verloren? Sie bemerkt, dass das Leben der Anderen unter der glatten Oberfläche nicht besser ist.

    “Ich fuhr über die ultramarinblau lackierte Oberfläche einer Gartenkugel neben dem Tor und war auf einmal nicht länger eifersüchtig auf die Perfektion dieser so familiären Familienmitglieder. Auf einmal taten sie mir leid. Sie waren gar nicht besser als ich, nur glatter. Und irgendwo unter der glatten lackierten Oberfläche genauso verzweifelt.”

    Es ist eine eigenartige Atmosphäre in die uns Antonia Michaelis hineinwirft. Aus der Sicht der Mutter erleben wir Davids Gefühle und Gedanken in seinen naiven und doch erschütternd wahren, klaren Aufzeichnungen mit. David verändert bei jedem Kapitel seine Geheimschrift und Lovis muss sich zum ersten Mal in ihrem Leben in die Gedankenwelt ihres Kindes einstimmen, damit sie das nächste Kapitel lesen kann. Nach und nach findet sie nicht nur in Gedanken ihr Kind wieder, sondern auch zu sich selbst.

    “‘Vielleicht sind wir die Generation der Trennung. Wir trennen uns von allem. Von der Kirche, von unseren Eltern, voneinander, von unseren Kindern …’ ‘Aber dann bleibt nichts mehr übrig, woran wir uns festhalten können’, sagte ich leise. ‘Nein’.”

    Gerade sie ist es eigentlich, die Hilfe braucht, ihr 9-jähriger Sohn wirkt in seiner Paradieswerkstatt unglaublich reif und erwachsen, auch wenn seine Lösungsversuche der ungerechten Welt kindlich bleiben.

    Ohne in Kitsch abzufallen schafft es Michaelis, die naiven Gedanken des Kindes in die Realität zu übertragen. Klar kann man das Geld nicht umverteilen, aber ein wenig Hilfe und Empathie im täglichen Leben zu anderen Menschen würde schon viel ausmachen. Sorgsam baut sie eine untergründige Spannung auf, im Hintergrund lauert immer etwas Grauenhaftes, die Gedankenwelt von Lovis wird dem Leser sehr plastisch dargestellt, ihre Angst vor Verlust und dem Loslassen, dem Vertrauen in sich und Nähe, Gefühle.

    Ein wunderschöner, poetischer und betroffen machender Roman, der nicht an der Gegenwart jammernd herumkrittelt, nein, der einem viel Kraft und Hoffnung für diese Welt gibt.

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    kitty_montamers avatar
    kitty_montamervor 3 Jahren
    Ergreifend


    Meine Meinung:
    Paradies für alle enthält wahnsinnig viel Hoffnung, aber leider auch ebenso viel Kummer. Dieser setzt sich einem auf die Brust und nimmt einem die Luft zum Atmen. Ich habe wirklich sehr mit der Protagonistin mitgefühlt, die um das Leben ihres Sohnes bangt. Dieser ist aus unerklärlichen Gründen plötzlich auf einer Autobahn aufgetaucht und wurde von einem Auto erfasst. Seit diesem schrecklichen Unfall liegt er im Koma. Lovis, seine Mutter, stellt sich ständig die Frage, was er dort überhaupt getan hat. Diese Unwissenheit überträgt sich natürlich total auf den Leser. Man möchte wissen, was den Jungen dazu gebracht hat, welches sein Ziel war. Was ging wohl in seinem Kopf vor? Bis man dieses erfährt ist es allerdings ein ziemlich langer Weg, der von vielen Emotionen begleitet wird. Es ist außerordentlich spannend, dem Verlauf zu folgen.
    Die Erzählerin von diesem Roman ist Lovis selbst. Sie schildert in der Ich-Form, was sich zuträgt, was sie denkt und wie es in ihrem Inneren ausschaut. Diese Erzählweise brachte mir die Protagonistin ziemlich nahe. Es war für mich nachvollziehbar, wie sie empfunden hat, welche Gedanken in ihrem Kopf umher spuken und auch ihre Handlungen sind sehr nah an der Realität. Im Grunde genommen könnte dieser Roman eine Biografie sein, so echt erschien er mir.

    »"Es ist die Verteilung", sagte ich zu den Buchen. "Die Verteilung ist ungerecht. Manche Leute kriegen wohl nur das Schöne und manche nur das Leid. Aber warum?"«
    Zitat aus: "Paradies für alle"

    Als besonders gelungen empfand ich die einzelnen Aufzeichnungen von David. Diese sind in einer anderen Schrift hervorgehoben und auch der Schreibstil verändert sich, sobald man an einer solchen Stelle angelangt ist. Ich hatte stets das Gefühl, als hätte der neunjährige Junge diese Aufzeichnungen wirklich verfasst, denn es schleichen sich hier und da ein paar Rechtschreib-, sowie Grammatikfehler ein und es ließt sich auch so, als wäre es von einem Kind geschrieben worden. Hier hat Antonia Michaelis echt ganze Arbeit geleistet.
    Durch die Aufzeichnungen lernt man David kennen. Man sieht ihn mit seiner Freundin Lotta spielen, rumtoben und schließt ihn in sein Herz. Als Leser wünscht man sich nichts sehnlicher, als dass Lovis Recht behält und er wirklich wieder aufwacht, sobald sie die Aufzeichnungen entschlüsselt hat.
    Die Idee, die Lovis´ Sohn sich da zurecht gelegt hat, ist mir zu Herzen gegangen. Ich finde es toll, was er auf die Beine stellen wollte und habe sehr lange drüber nachdenken müssen, auch nachdem ich das Buch gelesen hatte. Er möchte die Welt besser machen, ein Paradies für alle erschaffen. Koste es, was es wolle. Was er dabei alles unternimmt, ist für ihn und seine Freundin absolut abenteuerlich und hinterlässt beim Leser des Öfteren mal ein Schmunzeln. Es öffnet einem das Herz zu lesen, wie sorglos, unbedacht und auch naiv die Kinder ihre Ideen in die Tat umsetzen.
    Was ich hingegen ziemlich schade finde ist, dass Antonia Michaelis in diesem Roman ziemlich oft vom eigentlichen Plot abweicht. Mir wurden zu viele Dinge zu sehr ausgeschmückt, was meinen Lesefluss doch schon sehr gestört hat. Stellenweise empfand ich die Geschichte als langweilig und einige Dinge sogar als überflüssig.
    Das Ende war für mich sehr gelungen. Ich denke, wenn es wirklich so ausgegangen wäre, wie es "angekündigt" wurde, wäre ich enttäuscht gewesen auch, wenn ich es tief in meinem Inneren gehofft habe.


    Fazit:
    Ein Roman, der zum Nachdenken anregt. Besonders die Aufzeichnungen von David empfand ich als äußerst gelungen. Antonia Michaelis zeigt erneut, wie toll sie schreiben kann und verzaubert den Leser mit dieser Geschichte aufs Neue. Einziges Manko: Stellenweise wurde mir die Geschichte zu sehr in die Länge gezogen und ich langweilte mich.

    © www.mybooksparadise.de

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    knuddelbackes avatar
    knuddelbackevor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein bewegender und tiefgründiger Roman,der mich sprachlos zurücklässt
    Eine philosophische Reise

    Das verspielte Cover täuscht zunächst über den ernsten Hintergrund der Geschichte hinweg.Die Geschichte wird aus Lovis`Sicht erzählt, deren Sohn nach einem rätselhaften Verkehrsunfall im Koma liegt. Gemeinsam mit dem Leser geht Sie dabei auf eine lange und ja, nach und nach immer schmerzvoller werdende Reise, und versucht Antworten auf Ihre Fragen zu finden. Auf Fragen wie:  Was hat David auf der Autobahn zu suchen gehabt, auf der der Unfall stattfand? Wie ist er dort hingekommen? Wer hat ihn angefahren? Was hat es mit seinen Werkstattberichten auf sich? Und schließlich die alles entscheidende Frage: Wird er wieder gesund? Der Einstieg ist mir trotz des Schicksalhaften Themas sehr leicht gefallen. Dies lag zu einen sicher am Schreibstil der Autoren, die es schafft mit Eindrucksstarken Bildern eine Geschichte mit viel Tiefgang und philosophischen und theologischen Ansätzen zu schaffen. Dies macht sie auf eine wunderbare Art und Weise und in genau der richtigen Dosierung, dass die Geschichte um David nicht zu sehr in den Hintergrund rückt. Mit Hilfe der Werkstattberichte Davids, tauchen Lovis` und der Leser immer mehr in Davids Welt ein und erfahren nach und nach zum Teil schockierende Details aus seinem Leben.

    Ich habe selten eine Autorin erlebt, die so gekonnt mit Wörtern und Bildern umgehen kann, um am Ende beim Leser dann einen Aha-Effekt auszulösen und das Gefühl, dass alles in der Geschichte seine Richtigkeit hat und nun einen Sinn ergibt. Das Buch hat mich wirklich beeindruckt, und ich kann es jeder anspruchsvollen  Leserin nur wärmstens ans Herz legen, die gerne mal wieder ein Buch mit Tiefgang, Emotionen und einen fesselnden & unvergleichlichen Schreibstil lesen möchte. Ihr solltet dieses Buch in dem Bewusstsein lesen,dass Ihr dabei Zeit und Ruhe braucht, denn meiner Meinung nach hat Antonia Michaelis Roman dies im höchsten Maße verdient, und das es Euch weit über die Zeit die Ihr zum lesen benötigt beschäftigen wird.

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    Buchgespensts avatar
    Buchgespenstvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ergreifend, wahr und wunderschön.
    Alles eine Frage der Verteilung

    Mit dem Anruf stürzt Lovis’ Welt zusammen. Ihr Sohn David liegt nach einem Autounfall im Koma. Niemand weiß, ob und wann er wieder aufwacht. Lovis beginnt über ihr bisheriges Leben nachzudenken. War sie eine gute Mutter? Eine gute Frau für ihren Mann? Als sie dann Davids geheimes Projekt entdeckt, ein Paradies für alle zu schaffen, klammert sie sich an den Gedanken, dass alles wieder gut wird, wenn sie das Projekt für David beendet. Langsam beginnt sich ihr Leben zu wandeln.

    Ein Buch, das berührt und fesselt. Es ist nichts für schwache Nerven. Selbst wenn man keine Kinder hat, trifft die Geschichte einen ins Herz. Es bringt einen zum Nachdenken.

    Sprachlich ist es wunderschön und der Einfall wirklich atemberaubend.

    Ich habe gelacht, geweint und mit einem Kloß im Hals weitergelesen. Ein phantastisches Buch, das einem Gänsehaut macht.

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    Fantasie_und_Träumereis avatar
    Fantasie_und_Träumereivor 5 Jahren
    Große Gefühle und eine Umverteilung der Gerechtigkeit

    Klappentext:

    Das Paradies ist machbar, glaubt der 9-jährige David. Man müsste nur das Geld ein wenig umverteilen. Oder die Kühe von nebenan freilassen, die noch nie auf der Weide waren. Dass David begonnen hat, seine oft wilden Pläne in die Tat umzusetzen, erfährt seine Mutter Lovis erst, als er nach einem Unfall im Koma liegt. Sie findet seine Aufzeichnungen und beginnt zu kämpfen: um ihren Sohn, um ihre zerrüttete Ehe und um das Paradies auf Erden, das zu scheitern droht.

    Autorin:
    (Quelle: Droemer Knaur)

    Antonia Michaelis, 1979 geboren, begann bereits als Kind zu schreiben. Sie ist eine renommierte Autorin von zahlreichen Büchern und Theaterstücken für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihr Roman „Der Märchenerzähler“ wurde für den Deutschen Jugendbuchpreis und den Buxtehuder Bullen 2012 nominiert. Antonia Michaelis lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in einem Dorf nahe der Insel Usedom.


    Eigene Meinung:

    Als der 9-jährige David bei einem Verkehrsunfall so schwer verletzt wird, dass er ins Koma fällt, ist seine Mutter Lovis zu tiefst erschüttert. Angeblich sei er extra auf die Autobahn gelaufen. Wie aus dem Nichts dort aufgetaucht. Doch wie ist er dort hingekommen? Was wollte er dort? Lovis ganzes Leben ist nun durcheinander gebracht. Dabi hatte sie zuvor schon genug Probleme. Mit ihrem Job als Künstlerin, mit ihrer Ehe, mit der dicken Mauer um sie herum ... Doch dann findet sie Davids "Werkstattberichte" und beginnt die Dinge aus einem anderen Winkel zu sehen. Und mit der neuen Betrachtungsweise beginnt sie nicht nur darüber nachzudenken, sondern aktiv an ihrem Leben und ihrem Umfeld zu arbeiten.

    Davids Werkstattberichte sind eine Art Experiment. Der Junge entdeckt, dass das Leben nicht gerecht zugeht und positive und negative Lebenseinflüsse häufig schier willkürlich verteilt. Das findet er gemein. Er möchte, dass es allen gut geht. Dass es "das Paradies" auf Erden gibt. Für Jeden. Für die arme alte Nachbarin, die nicht ins Heim möchte, die humpelnde Spaziergängerin und seine Freundin Lotta, deren Mutter viel zu viele Kinder und zu wenig Geld hat. Er beginnt eine ganze Reihe von Versuchen und vielleicht gelingt es ihm die Welt zumindest ein klein wenig zu verbessern.

    Ich bin ein großer Fan der Autorin Antonia Michaelis und mag an ihr vor allem, dass man nie genau weiß, was einen erwartet. Eins ist mir jedoch schon immer aufgefallen: sie ist sehr poetisch und hat häufig einen besonderen Blick auf manche Dinge. Verschleiert sie gern oder stellt sie so dar, dass jeder seine eigene Betrachtungsweise entwickeln kann. In ihrem Roman für Erwachsene "Paradies für Alle" vereint sie eine Mischung aus Philosophie und Religion. Wer vor allem mit dem Letzteren nichts anfangen kann, ist in dem Buch sicher falsch aufgehoben, wobei es vielleicht auch dazu beiträgt diese Sichtweise ein wenig zu ändern...

    Einer der Hauptcharaktere des Buches ist der 9-jährige David, der mit seinen Experimenten nicht nur sein unglaublich gutes Herz unter Beweis stellt, sondern auch zum Nachdenken anregt. Mir gefällt es sehr gut, dass der Leser dabei nicht auf sich allein gestellt wird, sondern quasi in Begleitung von Lovis durch diverse Gedankengänge geführt wird. Allerdings finde ich viele Gedanken des Jungen wenig authentisch. Natürlich gibt es Kinder, die in diesem Alter schon besonders schlau sind, und ich denke es geht gerade darum, dass Kinder sich viele Gedanken machen, Ängste und Nöte der Menschen ernster nehmen und auch ihre eigenen Sorgen entwickeln, aber David ist mir manchmal ein wenig zu fern von einem realistischen 9-jährigen, was mich ein bisschen gestört hat. Ebenso die Länge des Buches, denn an manchen Stellen wird es doch etwas langatmig.

    Eine weitere große Rolle spielt Davids Mutter Lovis. Sie ist diejenige, die Davids Geheimnissen auf den Grund geht. Sie ist diejenige, deren Leben den größten Bedarf an Veränderung hat. Manchmal muss man zuerst in ein tiefes Loch fallen, um selbst wieder bergauf zu finden ...

    Fazit:

    “Paradies für Alle” ist, wie der Titel schon ahnen lässt, ein Buch, das sich mit dem Paradies beschäftigt. Ein Paradies, das dazu beiträgt, dass die Ungerechtigkeit auf der Welt ein kleines bisschen besser verteilt wird, und das alle Menschen glücklich machen soll. Dafür sorgen möchte ein 9-jähriger Junge, der dafür ein hohes Risiko eingeht. Ein Roman, der an manchen Stellen etwas langatmig ist und auf mich teilweise gestellt wirkt, mich dann aber mit großen Gefühlen, Gänsehaut und unvorhersehbaren Wendungen wieder versöhnlich stimmen kann.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 5 Jahren
    Paradiesischer Traum und ein Triptychon für David

    Der hochbegabte, sensible David Berek entwickelt, angeregt durch ein Schulprojekt, eine Vision. Geradezu besessen tüftelt der erst Neunjährige an seiner Initialzündung zur Verbesserung der allgemeinen Gerechtigkeit, zur Erschaffung des Paradieses auf Erden und der Rückkehr Gottes zu den Menschen. Seine ungewöhnlichen, eigenwilligen Vorstellungen und Diagramme teilt er nur mit seiner kleinen Freundin Lotta, die seinen Gedanken zwar nicht wirklich immer zu folgen vermag, aber instinktiv fühlt, wie wichtig David dieses Projekt ist.

    Davids Eltern erfahren erst nach seinem dubiosen Verkehrsunfall von den Ideen ihres Sohnes, der seither im Koma liegt. Schritt für Schritt und voller Schuldgefühle dechiffriert Mutter Lovis die schriftlichen Aufzeichnungen des Jungen. Sie erfährt von dem geheimnisvollen Sonderling Herrn Rosekast, einem im Wald lebenden Philosophen, und löst das Rätsel der Umstände, die zu dem tragischen Unfall führten.

    Für mich ist dieser Roman einer der intensivsten der Autorin Antonia Michaelis. Eine in kraftvollen, aber nicht abgehobenen, Bildern erzählte Geschichte mit theologischer und philosophischer Tiefe, die mit viel Herzblut und Humor von der schmalen Gratlinie zum Kitsch und zur Trivialität zu keiner Zeit abrutscht.

    Der Junge David steht stellvertretend für uns alle, die wir uns in vergleichbarer charmant-kindlicher Naivität über die Ungerechtigkeiten in der Welt oder die "Heilige Dreiunverständlichkeit" echauffieren; er stellt seine Fragen in unserem Namen. Die Autorin findet somit für unsere Gedanken Worte. Wer schon andere Romane von ihr las, weiß um ihr linguistisches Talent und kann sich auch hier wieder an zahlreichen Wortschöpfungen erfreuen. Meine Erwartungshaltung war so gespannt, als ich die "Knopsen" (S. 222) und "... die Tür war verschossen" (S. 282) fand, dass ich sie erst auf den zweiten Blick als Druckfehler (wer weiß?) identifizierte!

    Ich fühlte mich durch diesen leisen, unaufdringlichen Roman in meinen kindischen Gedanken abgeholt. Zudem wird ein unbändiger Appetit auf die zahlreichen weltanschaulichen Quellen, die David speisten und antrieben, angeregt. Einzig bedauert habe ich die nur broschierte, nicht gebundene Ausgabe mit einem unattraktiven Retro-Grafik-Cover, das auf den Inhalt überhaupt nicht abgestimmt wirkt und Assoziationen an eine seichte Strandlektüre weckt.
    (T)

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    Ihr lest gern Bücher aus den verschiedensten Genres? Ihr sucht nach einer Leseherausforderung für 2014? Dann seid ihr hier genau richtig!

    Der Ablauf ist ganz einfach:
    Bei der Themen-Challenge geht es darum, passend zu 20 vorgegebenen Themen mindestens 15 Bücher aus 15 unterschiedlichen Themen zu lesen. 5 Themen können also ausgelassen werden. Wenn ihr ein Thema erfüllt habt, schreibt hier mit welchem Buch ihr das geschafft habt und postet einen Link zu eurer Rezension oder aber verfasst eine Kurzmeinung auf der Buchseite. Bitte sammelt alle eure gelesenen Bücher mit den passenden Themen in einem einzelnen Beitrag, den ich oben in einer Teilnehmerliste bei eurem Namen verlinken werde. Schickt mir dazu eine Nachricht mit dem Link zu eurem Sammelbeitrag. Diese Challenge läuft vom 1.1.2014 bis 31.12.2014. Alle Bücher, die in diesem Zeitraum und passend zu den Themen gelesen wurden, zählen. Wer am Ende des Jahres die 15 Bücher zu 15 verschiedenen Themen geschafft hat, nimmt automatisch an einer Verlosung eines schönen Überraschungspakets teil. Es zählen Bücher aus allen Genres und mit allen Erscheinungsjahren, sofern sie die Themen erfüllen. Sie dürfen gern vom SuB (= Stapel ungelesener Bücher) oder neu gekauft, geschenkt bekommen oder geliehen sein. Man kann jederzeit noch in die Challenge einsteigen und auch passende Bücher zählen, die man zuvor im Jahr 2014 gelesen hat.

    Zu diesen Themen wollen wir passende Bücher lesen:
    Ich habe jedes Thema auch zu einem extra Beitrag hier auf LovelyBooks verlinkt, in dem ihr euch jeweils über die passenden Bücher austauschen könnt.
    Für jedes Thema hänge ich ein Beispielbuch in der Reihenfolge der vorgegebenen Themen an, ihr könnt aber gern andere lesen!
    1. Bücher, die erstmalig vor 2010 erschienen sind
    2. Bücher, die Teil einer Reihe sind (alles ab mindestens 2 Bänden)
    3. Bücher, die ein vorranging rotes Cover haben
    4. Bücher, deren Buchtitel eine Zahl enthalten
    5. Bücher, die ausschließlich als Taschenbuch / Broschur erschienen sind (nicht als Hardcover, E-Book zusätzlich ist ok)
    6. Bücher, bei denen der Vor- oder der Nachname des Autors mit dem gleichen Buchstaben beginnt, wie der Buchtitel
    7. Bücher, die bisher noch keine Rezension auf LovelyBooks haben (es zählt der Zeitpunkt des Lesebeginns)
    8. Bücher, in denen es ums Essen geht und das auch durch den Buchtitel, das Cover o.Ä. ausgedrückt wird
    9. Bücher von deutschsprachigen Autoren
    10. Bücher, die weniger als 250 Seiten haben
    11. Bücher, auf denen hauptsächlich Schrift und kein vordergründiges Covermotiv zu sehen ist
    12. Bücher von Autoren, die schon mindestens 5 Bücher veröffentlicht haben
    13. Bücher, die in der Hardcover-Ausgabe einen Schutzumschlag haben
    14. Bücher, deren Buchtitel aus mindestens 5 Wörtern bestehen
    15. Bücher, die aus einer anderen Sprache als dem Englischen oder Französischen übersetzt wurden
    16. Bücher, die in einer Stadt mit mehr als 1 Mio. Einwohner spielen
    17. Bücher, die in einem unabhängigen Verlag erschienen sind (keine Verlagsgruppen / Konzerne)
    18. Bücher, auf deren Cover mindestens 3 Lebewesen zu sehen sind (es zählen Menschen & alle Tierarten)
    19. Bücher, die auf LovelyBooks mit 4,5 - 5 Sternen bewertet sind (es zählt der Zeitpunkt des Lesebeginns)
    20. Bücher, deren Hauptfigur mindestens 10 Jahre jünger oder älter als ihr selbst ist (wer dieses Thema erfüllen möchte, müsste hier sein Alter verraten - in meinem Fall müsste die Figur 17 oder jünger bzw. 37 oder älter sein)

    Ich wünsche uns allen ganz viel Spaß & ich bin gespannt, welche Themen sich am leichtesten und welche als am schwierigsten heraustellen! Wer ist dabei?

    Antworten auf häufig gestellte Fragen:

    * Bezieht euch bei der Zuordnung des Buches zu einem der Themen immer auf die Ausgabe des Buches, die ihr selbst besitzt!
    * Wenn es in der Aufgabenstellung keine spezielle Eingrenzung gibt, zählt wirklich alles, was dazu passt. Zahlen zählen also auch als Zahlen, egal ob ausgeschrieben oder nicht usw.
    * Ich kann diese Challenge nicht in Unterthemen gliedern, da das nur bei Leserunden geht.
    * Sprache, Format etc. sind egal - auch Hörbücher gelten, außer es ist für das Thema von Bedeutung
    * Unabhängige Verlage sind solche, die nicht zu einer Verlagsgruppe / einem Konzern gehören. Wenn ihr unsicher seid, schreibt mir eine Nachricht mit dem entsprechenden Verlag.
    * Man kann diese Challenge mit anderen kombinieren, als auch Bücher hierfür und gleichzeitig für andere Challenges zählen.
    * Die Zuordnung der Bücher zu bestimmten Themen kann auch nachträglich noch geändert werden.
    * Wichtig ist, dass man das Buch 2014 beendet. Wann man es angefangen hat, ist egal.
    * Postet euer jeweiliges Buch bitte erst, wenn ihr es wirklich komplett gelesen & eine Rezension oder Kurzmeinung geschrieben habt.
    * Ein paar Beispiele für Verlage,  die als unabhängig zählen - es gibt aber wirklich ganz viele, fragt mich im Zweifel einfach per Nachricht: Hanser Verlag (und Unterverlage), Aufbau Verlag (und Unterverlage), dtv, Coppenrath Verlag, Diogenes Verlag, usw.
    * Falls Bücher, die eine ISBN habe, noch bei LovelyBooks fehlen, geht in eure Bibliothek und sucht es oben unter "Bücher hinzufügen". Dort wählt ihr für deutschsprachige Bücher die Suche bei Amazon.de aus, für fremdsprachige alternativ Amazon.co.uk oder .com
    * Bei Themen, für die der Stand bei Lesebeginn entscheidend ist (Bücher, die noch keine Rezension haben / Bücher, mit Bewertung zwischen 4,5 - 5 Sternen) vertraue ich einfach darauf, dass ihr wirklich nur welche angebt, wo das stimmt.
    * Keine Mangas & Comics, außer für Thema 10 - Graphic Novels zählen überall, sofern sie dem Thema entsprechen

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