Antonia Rothe-Liermann

(389)

Lovelybooks Bewertung

  • 308 Bibliotheken
  • 5 Follower
  • 6 Leser
  • 144 Rezensionen
(155)
(167)
(55)
(9)
(3)

Interview mit Antonia Rothe-Liermann

Wenn Sie morgen – was ich natürlich niemandem wünsche – ins Krankenhaus St. Anna eingeliefert werden, dann wäre ich die junge Ärztin in der Aufnahme, die Ihre Eingangsuntersuchung durchführt und Ihnen hoffentlich gleich Vertrauen einflößt. Ab morgen bin ich nämlich PJlerin. Natürlich bin ich im Studium zu einer wahren Lernmaschine geworden, hatte ein verkümmertes Sozialleben und vor lauter Schlafmangel in der Prüfungszeit Augenringe wie ein Pandabär. Aber was soll's?! Ich will Ärztin werden, seit ich denken kann. Und ich werde mein Praxisjahr an einem Lehrkrankenhaus in Berlin absolvieren. Wilde Hauptstadt, ich komme! Ach ja: Ich bin Single. Medizinstudenten sind irgendwie alle Angeber oder Streber. Aber keine Sorge, ER wird schon kommen. Schließlich ist Berlin voller attraktiver Männer und unter den Studentinnen munkelt man sowieso, dass sich im PJ einfach JEDE verliebt! Lena, 24, Medizinstudentin im Praktischen Jahr

Wie und wann ist Ihnen Lena, die Hauptfigur Ihrer Serie, zum ersten Mal begegnet?

Manchmal kommen Figuren wie von allein und man überlegt erst danach, welche Geschichte man gerne mit ihnen zusammen erleben würde. Aber hier war es anders. Als ich das Angebot bekam, eine Krankenhausserie zu schreiben, stand noch nicht fest, was für ein Mädchen zur Hauptfigur werden könnte. Also habe ich darüber nachgedacht, was für mich die größte Herausforderung an einem Berufsstart als Ärztin wäre: Die Angst, Fehler zu machen. Aber ich wollte keine furchtsame Protagonistin, lieber eine, die sich volle Kraft voraus ins Ärztinnenleben stürzt. Ich fand es spannend, dass Lena theoretisch bestens auf die Herausforderungen ihres Berufes vorbereitet ist, sich aber von Kleinigkeiten wie der Frage nach der Kittelgröße - oder eben von einem respektlosen Patienten - noch völlig aus der Fassung bringen lässt. Ein großer Schuss Selbstironie erleichtert ihr Leben natürlich, trotzdem kämpft sie wie wir alle mit dem Erwachsenwerden - und ihre große Klappe ist manchmal einfach zu schnell für sie. Als ich die Figur einmal gefunden hatte, war es ganz leicht, für sie zu schreiben.

Verraten Sie uns schon ein bisschen mehr über die Fortsetzung, „Miss Emergency – Diagnose Herzklopfen“, die Mitte Mai erscheint?

Es wird kompliziert! Nicht nur, dass Lena und ihre Freundinnen im zweiten Tertial die Chirurgie meistern müssen - auch die neue Oberärztin ist eine ziemliche Herausforderung. Und im Privatleben der Mädels geht in diesem Tertial alles schrecklich drunter und drüber...

Sie waren eine der Drehbuchautorinnen der Fernsehserie „Doctor’s Diary“. Wurde es Zeit für eine Krankenhaus-Serie in Buchform? Welches ist Ihre Lieblingsserie?

Ich habe in der 2. Staffel zwei Folgen mitgeschrieben, hatte sehr großen Spaß daran und hab eine Menge gelernt. Eine Krankenhaus-Serie in Buchform hat natürlich den Vorteil, dass man, wenn man mag, 36 Kapitel hintereinander lesen kann und nicht immer die zähe Woche Zwangspause bis zur nächsten Folge überstehen muss. Ich gebe zu, dass ich diese Warterei immer schwer aushalte und deshalb Serien lieber auf DVD anschaue. Eine spezielle absolute Lieblingsserie habe ich nicht. Schon eine Auswahl zu treffen, fällt mir schwer, weil ich nicht mal ein Lieblingsgenre habe. Wenn ich 10 nennen dürfte, wären meine Hits: Californication, Boardwalk Empire, Breaking Bad, Entourage, The Big Bang Theory, Grey's Anatomy, Dr. House, Mad Men, How I Met Your Mother und Gilmore Girls.

Wie unterscheidet sich ein Drehbuch von einem Roman? Gibt es Unterschiede bei der Ideenfindung und beim Schreiben?

Ich glaube, weder bei der Planung noch beim Schreiben gibt es große Unterschiede. Bei einem Drehbuch liefert man allerdings nur eine Grundlage, die von den Schauspielern, dem Regisseur und vielen anderen interpretiert und erweitert wird. Beim Drehbuchschreiben habe ich immer eine genaue Vorstellung – und der Film sieht jedes Mal ganz anders aus. Das ist fast immer toll. Wenn man ein Buch schreibt, kommt niemand und gibt Deiner Vision ein Bild: Entweder man hat es geschafft, die Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen – oder eben nicht.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen und was begeistert dich daran besonders?

Eigentlich habe ich mir schon als Kind immer einen schreibenden Beruf gewünscht. Ich liebe Geschichten. Also vielleicht ist es am treffendsten, zu sagen, dass ich nicht zum Schreiben "gekommen" bin, sondern es eher gesucht habe. Am meisten hat mich immer das Drehbuchschreiben fasziniert. Ich habe mich an der Filmhochschule beworben, hatte das Glück, genommen zu werden und konnte dort das nötige Handwerk lernen. Es ist toll, etwas zu schreiben, das andere zum Leben erwecken. Beim Romanschreiben müssen die Bilder im Kopf des Lesers entstehen können. Das habe ich nun zum ersten Mal versucht. Die Arbeit ist eine ganz andere, aber nicht weniger spannend. Was mich an meinem Beruf am meisten begeistert, ist, dass ich Geschichten entwickeln darf, die ich selbst gern lesen oder sehen würde - und dass ich immer noch nichts lieber machen würde.

Welche Bücher/Autoren liest Du selbst gern und wo findest bzw. suchst Du Empfehlungen für den privaten Buchstapel?

Ich lese schrecklich gern und es fällt mir schwer, einzelne Bücher herauszuheben. Ich liebe die Romane von Umberto Eco ebenso wie die von Nick Hornby und lese genauso gern Krimis wie historische Romane oder auch Kinderbücher. Klar kaufe ich auch Bücher, auf die ich durch Besprechungen oder Kataloge neugierig geworden bin, aber am liebsten stöbere ich in kleinen Buchläden. Ich finde es herrlich, von einem Buch zum anderen zu gehen, überall hineinzulesen und mich überraschen zu lassen.

Von welchem Autor würdest Du Dir mal ein Vorwort für eines Deiner Bücher wünschen und warum?

Im Moment schreibe ich an einer Krankenhaus-Serie. Das ist ein besonderes Genre mit einem eigenen Charme, aber wohl kein Genre für Vorworte. Man kann nicht alles haben.

Wo holst Du Dir die Ideen und Inspiration fürs Schreiben?

Ideen sind eigentlich überall, wo Menschen sind. Zuhören, lesen, lauschen. Oft sind es Gespräche, manchmal aber auch Zeitungsartikel, in denen mir Themen begegnen, die mich faszinieren; manchmal sind es auch nur kleine Aspekte einer viel größeren Geschichte.

Wie und wann schreibst Du normalerweise, kannst Du dabei diszipliniert vorgehen oder wartest, bis Dich in einer schlaflosen Nacht die Muse küsst?

Ich schreibe eine festgelegte Anzahl von Stunden am Tag. Das Ergebnis ist höchst unterschiedlich, manchmal bringe ich in einer 10-Stunden-Schicht fünfzehn Seiten zu Papier, manchmal nur zwei. Wenn einen nachts die Muse küsst, ist das toll, aber ich warte nicht darauf. Für solche Fälle habe ich einen Notizblock am Bett liegen, die nächtlichen Geistesblitze sind aber nur in seltenen Fällen tageslichttauglich.

Welche Wünsche hast Du im Bezug auf Deine Bücher und Deine Arbeit für die kommenden Jahre?

Eigentlich nur einen: Ich wünsche mir, dass es mir gelingt, jedes Buch oder Drehbuch so hinzukriegen, dass es mir selbst Freude macht, es wiederzulesen.

Wie fühlt man sich, wenn man erfährt, dass das erste eigene Buch veröffentlicht wird?

Als ich vom Verlag gefragt wurde, ob ich das Buch schreiben möchte, habe ich mich riesig gefreut. Ich hatte so große Lust auf das Projekt, dass ich noch am selben Tag mit der Arbeit angefangen habe. Dann das Buch in den Händen zu halten, war ziemlich verrückt. Einerseits war mir der Text total vertraut, andererseits sah alles so neu und schick und fertig aus. Und erst dabei wurde mir plötzlich klar, dass ich jetzt nichts mehr ändern kann. Erst nach ein paar Tagen habe ich mich getraut, es noch einmal in aller Ruhe zu lesen...