Antonia S. Byatt Ragnarök: Das Schicksal der Götter

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Inhaltsangabe zu „Ragnarök: Das Schicksal der Götter“ von Antonia S. Byatt

Ragnarök ist der große nordische Mythos vom Untergang der Welt, der
auch Richard Wagner zu seiner Oper »Götterdämmerung« inspirierte.
Ein kleines, phantasiebegabtes Mädchen hält eine Nacherzählung der
germanischen Göttersagen in den Händen, und die nordische Sage von
Ragnarök, dem Ende der Götter, wird bald zu ihrer Lieblingsgeschichte.
Doch fragt es sich, wer diese Germanen sein mögen und was sie von
jenen unterscheidet, die den Tod aus nächtlichem Himmel schicken und
vor deren Bomben sie mit ihrer Mutter aufs Land hat fliehen müssen.
Odin, Freyr und Thor sterben in einem letzten Kampf gegen die naturgewaltigen
Riesen; die Sonne und der Mond werden vom Fenriswolf verschluckt,
die Midgardschlange steigt aus dem Wasser empor, zerquetscht
und überflutet die Erde und vergiftet das Meer; das Leben erlischt. Aber
es ist dieses Inferno, das einen Ausgleich von Chaos und Ordnung schafft
und damit einen Neuanfang der Welt denkbar macht.

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  • Die Götter und der Krieg

    Ragnarök: Das Schicksal der Götter

    Wolkenatlas

    21. October 2013 um 09:14

    Die Götter und der Krieg Antonia S. Byatts Prosatext ist Teil der "Mythenserie" des britischen Verlags Canongate Books. Die Verlagsleitung hatte die Idee, wichtige Autoren um Beiträge zu bitten, und die meisten sind dieser Bitte gern nachgekommen. Unter Anderen David Grossmann, Margaret Atwood, Viktor Pelewin, Jeanette Winterson, Su Tong, Dubravka Ugrešić, Olga Tokarczuk, Ali Smith und Klas Östergren, der sich interessanterweise für denselben Mythos wie Antonia S. Byatt entschieden hat. Aus der nordischen Mythologie, in der "Edda" enthalten, steht "Ragnarök" mehr oder weniger für den Weltuntergang und besteht aus einer Schicksalsschlacht, in der Riesen und Götter einander töten, die Erde im Meer versinken lassen und die Welt so in den Zustand des Ur-Chaos zurückstoßen. Eine Sage, die bereits Richard Wagner zu seiner großartigen Oper "Götterdämmerung" inspiriert hat. Um ihre Parabel über die Selbstzerstörung der Menschheit eigenständig umzusetzen, kombiniert die Autorin die mythologische Geschichte mit der Geschichte eines jungen Mädchens zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, das parallel zur Kriegserfahrung besonderes Interesse am Lesen und Verstehen diverser Mythen zeigt. Während sie die "Ragnarök"-Sage liest, zieht sie Parallelen zwischen dem aktuellen Geschehen und dem im Mythos. Das kleine, etwas kränkliche Mädchen, das während des Kriegs mit seiner Mutter in den Norden Englands evakuiert wird, dessen Vater in Afrika bei der britischen Luftwaffe dient, ist natürlich eine höchstwahrscheinlich recht autobiografisch konzipierte Protagonistin. Vermeintlich weit weg vom Krieg, im ländlichen England, stürzt sie sich in eine Nacherzählung der grausigen Geschichte "Ragnarök", die ihr in Anbetracht der Geschehnisse viel plausibler erscheinen, als die in der Sonntagsschule gehörten, frommen Bibelgeschichten, mit all den Schafen und Engeln. Sie beschäftigt sich mit der Frage, was denn die einen Germanen von denen unterscheidet, die daran schuld sind, dass sie mit ihrer Mutter evakuiert werden musste. Während Odin, Fryr und Thor sich im Kampf mit den Riesen gegenseitig ausschalten und der Fenriswolf Sonne und Mond verschlingt, das Wasser die riesige Midgardschlange ausspuckt, wird die Erde vom vergifteten Meer überflutet, und das Leben auf der Erde erlischt. Doch das ist eine Art Tabula Rasa, die es der Erde erlaubt, einen Neuanfang zu schaffen. Die 1936 geborene Antonia S. Byatt, Grande Dame der britischen Literatur, "Booker"-Preisträgerin 1990 ("Besessen") und 1999 von der Königin in den Adelstand erhoben, ist eine großartige Schriftstellerin, deren Werke von profunder Bildung, präzisen Recherchen und großartigem Stilgefühl gekennzeichnet sind: Qualitäten, die in Kombination mit einer ungeheuren Gabe der Handlungsentwicklung meist großartige Romane hervorbringen. "Ragnarök" regt den Leser zum Nachdenken an, trägt den Keim vieler ausgezeichneter Ideen in sich, scheitert aber, trotz ausgezeichneter Prosa und einer stringenten Geschichte, irgendwie am Ende ein wenig eben genau an der vermeintlich ausgezeichneten Idee, die Mythologie mit einer autobiografischen Erzählung zu koppeln. (Roland Freisitzer; 02/2013)

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