Antonin Varenne Fakire

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Inhaltsangabe zu „Fakire“ von Antonin Varenne

Ein nackter Mann wird auf der Pariser Stadtautobahn überfahren. Ein anderer Mann stürzt sich im Museum auf ein Skelett und wird von einem Knochen durchbohrt. Beide Male offenbar Selbstmord, doch Kommissar Richard Guérin hat seine Zweifel. Zur gleichen Zeit untersucht der Psychologe John Nichols den Tod seines Freundes Alan. Dieser ist als Fakir während einer SM-Show verblutet. Wieder liegt ein Selbstmord nahe. Aber war es tatsächlich Suizid? Gemeinsam ermitteln Guérin und Nichols und kommen einer menschlichen Tragödie auf die Spur.

Sprachlich absolut genial, auch die Thematik nicht zu verachten. Nur mit dem Ende kam ich persönlich gar nicht klar...

— Buecherseele79

Ein eigenartiger Stil und außergewöhnlicher Krimi

— LovelySchokobuch

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  • Geplante Selbstmorde in Paris....

    Fakire

    Buecherseele79

    07. March 2016 um 21:30

    Ein Mann rennt nackt über die Autobahn und wird überfahren, ein andere Mann springt im Naturkundemuseum auf ein Pottwalskelett und spießt sich an einer Rippe des Wales auf, ein andere Mann will von einer Brücke springen.. Kommissar Guérin und sein junger Kollege Francis sind Ermittler zu Selbstmorden, Guérin ist auf seinem Präsidium in "Ungnade" gefallen da er einen Topermittler wegen verschiedenen Anschuldigungen in den Selbstmord getrieben hat. Guérin wird schnell klar- die Selbstmorde begannen 2004 mit dem immer gleichen Muster- eine blonde Frau und zwei modern gekleidete Männer waren in der Nähe der Selbstmordopfer... Auf der anderen Seite lernt man den amerikanischen Psychologen John Nicols kennen der in seinem Tipi in der französischen "Wildnis" lebt und es genießt. Der Selbstmord seines Freundes Alan, der als Fakir auftrat und bei seinem letzten Auftritt verstarb, bringt ihn nach Paris. Dort wird er auch gleich von Schlägertypen bedroht denn angeblich schuldet Alan ihnen Geld.... ein Ex-Knacki kommt Nicols zur Hilfe denn Alan hat damals im Golfkrieg gedient, war an brutalen Foltermethoden beteiligt und nach seinem Austieg aus dem Militär konnte er sich nur noch selbst zerstören. Dann kreuzen sich die Wege von Nicols und Guérin und gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der Wahrheit... So- warum nur 3 Sterne? Also sprachlich ist das Buch wirklich super, ich liebe es wenn es einfach etwas anspruchsvoller zum Lesen ist. Leider hat sich der Autor hin und wieder in langen Erzählungen verzettelt was dann sehr langatmig war. Für mich ein grosses Minus- die Fälle haben keine Gemeinsamkeiten, ich war immer am mitraten aber es ging zum Ende hin nur noch um Alan und die Selbstmorde sind komplett unter den Tisch gefallen. Natürlich muss ein Buch nicht immer mit einem Happy End enden, aber es wäre schön gewesen wenn der Autor es aufgeklärt hätte.

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  • Französische Philosophie

    Fakire

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. June 2014 um 09:03

    Fakire ist ein durch und durch französisches Buch. Weder ist es das endlos weite Land der amerikanischen Prärie, noch die maßlosen Städte jenseits des Atlantiks, und auch nicht die systematische Ruhe nordischen Gemüts, zu denen uns der Autor mitnimmt. Fakire flaniert durch ein modernes Paris im Wissen um seine Geschichte und das immer knapp an einem Wutausbruch vorbei. Es fragt nicht nach technischen Möglichkeiten, es zeigt keine ohnmachtsbringende Bestialität, es erklärt nicht die menschliche Unzulänglichkeit. Die Kausalität, die es bietet, ist banal. Die Erklärungsmuster wirr und wahnhaft. Die Welt von Fakire und seine Charaktere sind unerklärbar und am Ende unergründlich. Die am Ende dargebotene Auflösung bemüht sich nicht einmal wirklich ihre Unzulänglichkeit zu kaschieren. Fakire zeigt uns etwas ganz anderes: Die 'condition humaine', die Unbegreifbarkeit des menschlichen Seins. Fakire ist kein psychologischer Krimi - er erklärt nichts. Es ist ein philosophischer - auf der Suche nach der richtigen Frage.

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  • Rezension zu "Fakire" von Antonin Varenne

    Fakire

    awogfli

    21. April 2013 um 13:26

    Am Anfang war ich sehr angetan von diesem Krimi. Sehr gute Sprachfabulierkunst und ein Hintergrundthema, das sehr interessant ist, nämlich wie Menschen zum Folterer gemacht werden können bzw. die Auswirkung von Folter auf den Gefolterten und den Folterer gewürzt mit ausgezeichneten psychologischen, zeitgeschichtlichen und politschen Hintergründen. Diese an sich hervorragende Grundkonstellation ist aber verpackt in ein Werk mit völlig abstrus entwickelten Figuren, die sich komplett ambivalent und konfus verhalten, so kommt es zumindest mir vor. Nie konnte ich nachvollziehen, warum die Person plötzlich wütend, traurig oder verrückt reagierte. Vielleicht ist dies der geheimnisvolle französische Stil, den ich nicht verstehe, aber die einzelnen Figuren rittern fast darum, wer seinen irreparablen Dachschaden am skurillsten durch psychisch auffällige Verhaltensweisen verdrängt. Mir fällt kein einziger Protagonist ein, der ohne extrem verhaltensauffällige Traumata auskommt - Moment! Der Barman in einem Dorf auf dem Lande und vielleicht ein Hippiepärchen als Neben-Nebenfiguren, was wahrscheinlich ausschliesslich daraus resultiert, dass sie nur nicht ausführlich genug vom Autor beschrieben wurden. Die zwei Handlungssträge sind auch total wirr und fast zufällig miteinander verwoben. Hintergründe und Motive werden überhaupt nicht ausreichend aufgedeckt. In diesem Sinne irrte ich bis zum Schluss durch diesen französischen Krimi der wie der typische Film noir und wie das Gesicht von Jean Gabin geheimnisvoll, ausdruckslos, nebulös, überintellektuell bzw. überhauptnichtintellektuell und unbefriedigend auf mich wirkte. Schwupps löste sich auch der Mordfall und die "Hintergründe" auf und doch habe ich das ungute Gefühl, da steckt irgendwo noch noch ein tieferer Sinn dahinter, den ich nicht verstanden habe. Oder auch nicht :D Abschliessend stellt sich mir die Frage: Sind Franzosen so?

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  • Rezension zu "Fakire" von Antonin Varenne

    Fakire

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    06. August 2011 um 18:49

    Interessant hört er sich an der Klappentext, neugierig macht er auch aber halten kann das Buch leider nicht weil der Klappentext verspricht. Die französische Literatur ist ein Ströphchen für sich. Man mag sie oder man mag sie nicht, man muss wissen wie sie zu verstehen ist. Zeitgenössische Frauenliteratur- gerne auch in Originalsprache- finde ich sehr gut aufgrund des Stils und der herben Melancholie, doch mit diesem Buch – welche am ehesten zur Krimisparte passen zu scheint- konnte ich mich gar nicht anfreunden, warum auch immer ? Die Personen machen den Anschein als wären sie – um möglichst auffällig oder skurill zu wirken- wahllos zusammengewürfelt. Entwicklungen lassen sich meiner Meinung nach mehr erahnen als finden. Die beiden Handlungsstränge selber sind auch nicht sauber stilisiert, auch hier wr wohl die Skurrilität der ausschlaggebende Faktor der Wahl. Neue Ideen sind durchaus vorhanden und reizen den Leser auch zunächst weiter zu lesen aber werden dann doch ad absurdum geführt. Die insgesamt düstere Stimmung die der Leser unweigerlich wahrnehmen muss, trägt dann nicht dazu bei den Leser in positive Stimmungen zu bringen. FAZIT: Es klang viel versprechend aber meiner Meinung nach nur für Liebhaber der französischen Literatur.

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  • Rezension zu "Fakire" von Antonin Varenne

    Fakire

    gst

    18. March 2011 um 14:56

    Auf der Rückseite dieses aus dem französischen übersetzten Kriminalromans steht: 'Jeder Satz ist ein Faustschlag, jedes Wort ein Schnitt mit dem Skalpell'. Ich finde, dass Marie France hier eine sehr passende Bewertung abgegeben hat. Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, ins Geschehen zu kommen: Kommissar Guérin und sein 'kleiner Lambert' kümmern sich um Selbstmorde. Die gibt es in Paris zur Genüge. Allerdings reicht es Guérin nicht, nur die Umstände, unter denen sie stattfinden, zu untersuchen. Statt dessen stellt er Vergleiche an, sucht nach Augenzeugen, um Zusammenhänge herzustellen. In einem weiteren Erzählstrang lernt der Leser John Nichols kennen. Der ist Amerikaner, lebt aber in Frankreich in einem Tipi mitten im Wald. Seine Diplomarbeit als Psychologe hat er über einen Freund geschrieben, der sich nach der Teilnahme am Irakkrieg selbst zerstört. Nichols weiß nicht, ob er an den Selbstmord seines Freundes glauben soll. Bei Nachforschungen trifft er auf Kommissar Guérin... Trotz des teilweisen in meinen Augen konfusen Schreibstils, wurde ich mehr und mehr ins Buch gezogen. Nach der Hälfte wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht. Sicher kein Buch, das sich leicht lesen lässt. Auch kein Buch, das auf meiner persönlichen Bestsellerliste eine Notierung erhält. Aber ein interessantes Buch mit ausgefallenen Ideen.

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  • Rezension zu "Fakire" von Antonin Varenne

    Fakire

    Ulf_Borkowski

    28. February 2011 um 19:43

    Eine Serie spektakulärer Selbstmorde, ein abgehalfterter Kommissar der Suretè, nekrophile Polizisten, ein amerikanischer Psychologe, der als Einsiedler in der französischen Provinz in einem Tipi lebt, ein drogenabhängiger Fakir, der für die CIA im Irakkrieg gefoltert hat und seinem Leben in einer spektakulären Show auf der Bühne selbst ein Ende gesetzt hat. Eigentlich eine interessante Ausgangsposition für einen Thriller. Doch, das sei hier vorweg genommen, gelingt es Antonin Varenne, weder einen Spannungsbogen aufzubauen, noch die verschiedenen Handlungsebenen miteinander zu verknüpfen. Richard Guérin, Leutnant der Pariser Kriminalpolizei, leitet das Dezernat für Selbstmorde. Mit seinem unerfahrenen Kollegen Lambert, versucht er eine Serie spektakulärer Selbstmorde aufzuklären, bei denen es anscheinend gewisse Parallelen gibt. Immer wieder werden eine elegante Frau und zwei Männer an den Tatorten gesehen. Zur gleichen Zeit kommt der amerikanische Psychologe John Nichols nach Paris um die Leiche seines Studiensubjekts und Freundes Alan Mustgrave zu identifizieren, der sich bei seiner letzten Fakir-Show angeblich umgebracht haben soll. Nichols findet heraus, dass der Irak-Veteran ein Verhältnis mit einem Diplomaten der amerikanischen Botschaft in Paris hatte und dabei seinem ehemaligen Vorgesetzten, der weiterhin für die CIA tätig ist, über den Weg gelaufen ist. Schnell kommen dem Amerikaner Zweifel an der Selbstmord-Theorie. Über fast 200 Seiten versucht der Autor die beiden Handlungsstränge ohne große Fortschritte zusammenzuführen, um dann dem Leser innerhalb weniger Seiten den Hintergrund des Verhältnisses von Nichols und Mustgrave zu präsentieren. Da wird aus dem homosexuellen, drogenabhängigen Fakir ein Folterer der CIA, über den der Psychologe Nichols eine Dissertation verfasste, die auf Druck des Dienstes nie veröffentlicht wurde. Der Zusammenhang zu der spektakulären Selbstmord-Serie bleibt dabei letztlich nicht nur auf der Strecke, sondern verliert sich vollends und wird gar nicht aufgeklärt. Nebenbei klärt Kommissar Guérin zwar zumindest einen polizeiinternen Skandal um einen Kollegen, der mit falschen Anschuldigungen über seine nekrophilen Neigungen in den Selbstmord getrieben haben soll und ihn selber auf das Abstellgleis des Selbstmord-Dezernates stellte. Die Ansätze für einen guten Thriller sind sicher gegeben, halten aber in keiner Weise, was sie versprechen. Alle Handlungsebenen werden langatmig aufgebaut, um dann in wenigen Seiten aufgeklärt zu werden oder eben gar nicht. Der Zusammenhang der beiden Hauptstränge bleibt am Ende unklar. Die Protagonisten bleiben oberflächlich, viele Details der Biographien nur angeschnitten.

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  • Rezension zu "Fakire" von Antonin Varenne

    Fakire

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    26. February 2011 um 19:36

    Ich kann die durchweg positiven Kritiken meiner Mit-Rezensenten nicht teilen. Auch wenn ich mir wie ein Kostverächter vorkomme, weil ich diesen ungewöhnlichen Krimi nicht mit Lobeshymnen überschütte - ich fand das Buch einfach nur schlecht. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, veilleicht ist die Schreibweise einfach nicht mein Stil. Ich glaube auch nicht, mich nur für leicht geschriebene Romane begeistern zu können, eher im Gegenteil, aber was Varenne dem Leser zumutet ist vor allem ein völlig abstruser Plot. Erzählt werden zwei Handlungstränge: um den Amerikaner John Nichols, Psychologe und Einsiedler, dessen schwuler Freund als Fakir auftritt, unglücklicherweise auch noch Bluter ist und bei einem Auftritt angeblich mit Absicht verblutet - also Selbstmord begeht. Der andere Strang wird um den Polizisten Guérin und seinen Assistenten Lambert gewebt, die sich nur mit Selbstmorden beschäftigen. Alle Selbstmorde sind eindeutig und nichts deutet auch nur im entferntesten auf Mord hin. Dennoch will Guérin hier Zusammenhänge finden. Bei seiner Suche stößt er auf eine Truppe edel angezogener Leute, die immer wieder an den Tatorten anwesend sind. Offen bleibt bis zum Schluss, ob es sich immer um dieselben Personen handelt. Außerdem hat Guérin auch noch mit ehemaligen Kollegen zu tun, die krumme Dinger drehen und mit denen er in Konflikt geraten ist und deshalb in die Selbstmordabteilung versetzt wurde. Beide Stränge führen natürlich irgendwann zusammen und ergeben ein sehr seltsames Bild, welches mit dem Irak-Krieg, Folter und was diese mit Menschen macht, die sie ausgeführt haben, zu tun hat. Alles in allem hat Varenne hier viel zu viel gewollt, um den Leser am Ende allein zu lassen. Ich habe gar nichts dagegen, auch zwischen den Zeilen zu lesen und den Leser so in die Handlung mit einzubeziehen, aber hier klaffen einfach zuviele Lücken. Auch gibt es keine wirkliche Auflösung, auch mit viel Phantasie nicht. Wer das als Gewinn in der Literaturlandschaft begreift - bitte schön. Für meinen Geschmack wird hier eine gute Grundidee komplett in den Sand gesetzt. Einzig positiv habe ich den Spannungsbogen empfunden, der mich dann doch das Buch hat zuende lesen lassen, aber nur, um dort erst recht enttäuscht zu werden.

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  • Rezension zu "Fakire" von Antonin Varenne

    Fakire

    michael_lehmann-pape

    25. February 2011 um 13:23

    Selbstmorde und Todesfälle Eine fast surreale Welt in der französischen Hauptstadt ist es, in der Antonin Varenne seine fast ebenso surreal anmutende Geschichte ansiedelt. Zumindest aber die dunklen Ecken von Paris sind es, die häufig in den Blick gerückt werden von den Protagonisten der Geschichte, die ebenfalls dunkle, dem Wahnsinn nahe Seiten nicht nur in sich, sondern ganz offenkundig nach außen hin tragen. Surreale Selbstmorde verbinden im Lauf des Buches zwei Erzählstränge miteinander. Der eine Strang wird getragen von Kommissar Guérin, nach einem Zusammenbruch abgeschoben mit einem eher tumb wirkenden Mitarbeiter in die Sparte „Selbstmorde“ der Pariser Polizei. Einer, der immer auf der Kante zum Wahnsinn zu jonglieren scheint, der alles mit allem in Verbindung seiht und mehr Opfer denn Akteur seiner inneren Bilder ist. Auch wenn er einen der Selbstmorde verhindern kann, eine solche Häufung merkwürdiger Selbstmorde kann für ihn kein Zufall sein. Als dann noch ein Teil der Mordkommission in einem anderen Fall die Nerven verliert und vom Dienst suspendiert wird, übernimmt er die Ermittlungen der aufsehenerregenden Todesfälle. Einer dieser Todesfälle ist jener von Alan, der als Fakir im düstersten, erotisch-pornographischen Umfeld auftritt und sich bei einem dieser Auftritte vor aller Augen verbluten lässt, hängend an zwei Fleischerhaken an der Decke. Sein Freund und Therapeut John Nichols reist aus der französischen Provinz nach Paris, um die letzten Angelegenheiten Alans, des heroinsüchtigen Piercingfanatikers, zu ordnen. Und sieht sich umgehend persönlichen Bedrohungen ausgesetzt. Beileibe ist John Nichols trotz seines Berufes nicht der „normale“ Mensch, der nun den zweiten Erzählstrang schultert. Er selbst lebt auf einem verwilderten Grundstück in der Provinz in einem Tipi, trägt indianisch anmutende Kleidung und reist tatsächlich mit Pfeil und bogen nach Paris. Surreale Figuren, gebrochene Persönlichkeiten, die dennoch eines vereint: Dass, was sie als Aufgabe empfinden und annehmen nehmen sie ganz auf sich. Mit jeder Faser seines Seins verfolgt Guérin die Aufklärung der Selbstmorde und setzt sich Nichols auf die Spuren seines toten Freundes. Beide treffen als Gegner und Verbündete auf teils ebenso sonderliche Personen, niemand im Buch legt seinen Lebensweg ungebrochen zurück. Erst ab der Mitte des Buches deutet Varenne eine Verbindung aller Vorfälle an, erst zum Ende der sich im Tempo steigernden Ermittlungen versucht er vor den Augen der Leser offen zu legen, wie sehr Guérin der Wahrheit nahe wahr, das alles mit allem verbunden ist. Ein Versuch, der allerdings nur mäßig gelingt und äußerst konstruiert wirkt. Sprachlich setzt Varenne seine surreale Geschichte bilderreich, düster und emotionsgeladen um. Knappe Sätze, präzise Dialoge und Protagonisten mit genauso viel Innen- wie Außenleben irren, suchen, taumeln teilweise durch die Strassen und Parks von Paris, mehr von der Intuition geleitet denn von logischen und deduktiven Ermittlungsergebnissen. Antonin Varrenne ist ein anderes Buch gelungen, mit einer ganz eigenen Sprache und einer ganz eigenen Atmosphäre, die noch am ehesten mit der harten und düsteren Welt eines James Ellroy vergleichbar wäre, aber einen ganz eigenen Akzent setzt, der einen nicht loslässt, wenn man sich auf diese besondere Art und die besonderen Personen im Buch einlässt. Eine Atmosphäre, die Ungereimtheiten in der Konstruktion der Geschichte aufwiegt.

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  • Rezension zu "Fakire" von Antonin Varenne

    Fakire

    Jetztkochtsie

    22. February 2011 um 09:24

    Wer bei diesem Buch einen klassischen Thriller oder gar Krimi erwartet, wird enttäuscht werden. Wer bei diesem Buch einen logischen, klaren Text mit einer guten Geschichte erwartet, wird enttäuscht werden. Wer sich mit diesem Buch einfach nur gut unterhalten will, wird enttäuscht werden. Wer glaubt, dieses Buch sei einfach zu lesen und zu verdauen, wird enttäuscht werden. Wer einen realistischen spannenden Roman lesen möchte, wird enttäuscht werden. Wer jedoch ein literarisches Glanzstück in einem brillianten Stil lesen will, bei dem es nicht so sehr darauf ankommt Antworten zu geben, als mehr darauf, die richtigen Fragen im Kopf des Lesers auszulösen, der ist mit diesem Buch sicherlich gut aufgehoben. Varenne biegt sich die Realität so zurecht, wie es zu seiner Geschichte paßt, sogar das Sebastian-Syndrom, das er für die Erklärung mancher Ereignisse heranzieht, ist, wie ich, selbst neugierig geworden, dann feststellen mußte, keinesfalls die Erkrankung der Psyche, als die Varenne es darstellt, sondern eine Mutation der Blutkörperchen (einfach ausgedrückt). Was zwar ebenfalls paßt, im Buch aber eben mit keinem Wort erwähnt wird. Auch die Auflösung des Falls oder sollte ich sagen der Fälle ist eine fadenscheinige, die sich der Leser selbst zusammen interpretieren darf und die eigentlich nur auf die Abgründe der Menschheit gerichtet ist. Einsamkeit und mangelndes Sozialgefüge, Wahnsinn und Skurilität sind es auf die der Autor unseren Blick lenkt. Nekrophilie unter Staatsbediensteten, verschämt unterdrückte Homosexualität, der Drang sich selbst zu verletzen und Hilflosigkeite säumen den Wegesrand dieser Geschichte. In diesem Buch findet sich nicht eine nach unseren gesellschaftlichen Normen als normal anzusehende Figur. Der eine wohnt im Tipi mitten im Wald, der nächste ein Exknacki als Parkwächter mit absonderlichen Charaktereigenschaften, ein verwirrter Polizist, der mit dem Papagei seiner toten Mutter kommuniziert, während dieser die Freier seiner Mutter zitiert, ein Bluter als Fakir, eine Künstlerin, die sich nackt auszieht, mit Farbe übergießt und sich selbst an Wände schmeißt.... allein dieses Potpourri an Menschen, die uns unsere Normalität so herrlich genießen lassen können, reizt zum Lesen und das sollte es. Sicherlich nicht den normalen Spannung und Ablenkung suchenden Thrillerleser, aber jemanden, der sich gerne in Geschichten verliert, bizarre Szenen und phantastische Geschwindigkeit der Sprache genießt und für den ein gutes Buch mehr ist als Nervenkitzel.

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