Antonio Damasio

 4,2 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor*in von Selbst ist der Mensch, Wie wir denken, wie wir fühlen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Antonio Damasio ist einer der führenden Protagonisten der Bewusstseinsforschung. Er ist David Dornsife Professor of Neuroscience, Psychology, and Philosophy und Direktor des Brain and Creativity Institute an der University of Southern California. Für seine international bekannte Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet. Seine Sachbücher Descartes Irrtum, Der Spinoza-Effekt und Ich fühle, also bin ich wurden auch in Deutschland zu Bestsellern.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Antonio Damasio

Cover des Buches Selbst ist der Mensch (ISBN: 9783570551790)

Selbst ist der Mensch

 (7)
Erschienen am 21.01.2013
Cover des Buches Wie wir denken, wie wir fühlen (ISBN: 9783446270947)

Wie wir denken, wie wir fühlen

 (1)
Erschienen am 27.09.2021
Cover des Buches Feeling & Knowing: Making Minds Conscious (ISBN: 9781524747558)

Feeling & Knowing: Making Minds Conscious

 (0)
Erschienen am 26.10.2021

Neue Rezensionen zu Antonio Damasio

Cover des Buches Selbst ist der Mensch (ISBN: 9783886809240)
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Rezension zu "Selbst ist der Mensch" von Antonio Damasio

Rezension zu "Selbst ist der Mensch" von Antonio R. Damasio
HeikeGvor 12 Jahren

Bewusstsein = Geist mit einem zusätzlichen Dreh
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"Meine Seele ist ein verborgenes Orchester; ich weiß nicht, welche Instrumente, Geigen und Harfen, Pauken und Trommeln, es in mir spielen und dröhnen lässt. Ich kenne mich nur als Symphonie."
Diese Worte schrieb der große portugiesische Melancholiker Fernando Pessoa in seinem "Buch der Unruhe". Wohl nicht allein, weil die genetischen Wurzeln Antonio Damasios in Portugal liegen, hat ihn der amerikanische Professor für Neurowissenschaften, Psychologie und Neurologie seinem Werk vorangestellt, sondern weil dieser Satz so überaus zutreffend das ganze von ihm behandelte Thema erfasst. Damasio wirft einen Blick hinter die Kulissen. Ihn interessieren gerade die verborgenen "Einzelkämpfer" im Großen und Ganzen, ohne die wir nicht wären, was wir heute sind, weil sie gerade jenes Etwas hervorbringen, das wir so trivial Bewusstsein nennen. Für den Wissenschaftler ist die getrennte Betrachtung der verschiedenen Teile des Bewusstseinspuzzle und deren angemessene Würdigung Grundvoraussetzung für den Versuch, eine umfassende Beschreibung zu formulieren.
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Damasio, dessen Bücher "Descartes' Irrtum" oder "Ich fühle, also bin ich" bereits zu Bestsellern avancierten und in über 30 Sprachen übersetzt wurden, nimmt sich mit Verve dieses komplexen und schwer greifbaren Themas an. "Wir alle haben freien Zugang zu unserem Bewusstsein. Es perlt in unserem Kopf so leicht und reichlich, dass wir es ohne jedes Zögern und ohne Besorgnis jeden Abend nach dem Zubettgehen abschalten lassen, und wenn am Morgen der Wecker klingelt, lassen wir es wiederkehren - mindestens 365-mal im Jahr, Nickerchen nicht mitgerechnet. Und doch ist kaum etwas anderes an unserem Dasein so bemerkenswert, grundlegend und scheinbar rätselhaft wie das Bewusstsein." Was erzeugt die unzähligen in unserem Geist aufscheinenden Inhalte? Wer ordnet und bändigt sie? Ist es möglich, die unsichtbaren Fäden aufzuspüren, die diese Inhalte zu jenem bunten, reichen, quirligen Etwas verbinden, das wir Selbst nennen? Warum fühlen wir diese Komposition sogar?
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Letztendlich bilden jedoch zwei Fragen das Grundgerüst des vorliegenden Buches. Erstens: Wie baut das Gehirn einen Geist auf? Und zweitens: Wie sorgt das Gehirn in diesem Geist für Bewusstsein? Deren Beantwortung wird - das sei vorab erwähnt - trotz immer weiter fortschreitender Erkenntnisse in der Bewusstseinsforschung - auch Antonio Damasio nicht gelingen. Dennoch gleicht sein "Gang durch ein Minenfeld" keineswegs einem Ausflug auf zu dünnem Eis. Nicht um das starre Behaupten eigener Sichtweisen geht es dem Hirnforscher, sondern "mithilfe der vorhandenen Kenntnisse, so unvollständig und vorläufig sie auch sein mögen, überprüfbare Vermutungen anzustellen und von der Zukunft zu träumen." Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Strukturen im Gehirn des Menschen erforderlich sind und wie es arbeiten muss, damit ein bewusster Geist entstehen kann. Seine Hypothese einer komplexen möglichen Architektur des Gedächtnisses, bei der ein "Gehirnraum" Erlebnisse kartiert und bewusst wahrnehmbare, geistige Bilder produziert, ein anderer hingegen Formeln speichert, nach denen die Gedächtniskarten "retroaktiviert" werden können, erscheint verständlich und nachvollziehbar. Gerade Untersuchungen mit Hirnverletzten/-geschädigten legen die Vermutung nahe, dass eine derartige Dual-Kooperation möglich scheint.
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Bei seiner Annäherung an den bewussten Geist misst Damasio vor allem dem Selbst eine besondere Rolle bei. Seiner Überzeugung nach entsteht ein bewusster Geist erst dann, wenn zu grundlegenden geistigen Vorgängen ein Selbst-Prozess hinzukommt. "Taucht in einem Geist kein Selbst auf, ist er auch nicht im eigentlichen Sinn bewusst. In dieser missliche Lage befinden sich Menschen, deren Selbst-Prozess durch traumlosen Schlaf, Anästhesie oder eine Erkrankung des Gehirns außer Kraft gesetzt ist." Nur wie definiert man dieses Selbst? Ist es immer vorhanden, wenn wir bei Bewusstsein sind, oder nicht? Antonio Damasio beantwortet diese Frage mit einem klaren "Ja". Allerdings spürt man es nicht immer. Unstrittig ist für ihn allerdings seine allzeit präsente Fühlbarkeit. Diesen Emotionen und Gefühlen widmet sich der Neurologe gleichfalls in großem Umfang. "Sie sind die emotionsbasierten Signale, die ich als somatische Marker bezeichne."
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Damasio versteht es, auf unkonventionelle Art und Weise zu begeistern und trotz seines schwierigen Sujets mitzureißen. Er spannt einen überaus großen Bogen von der Gehirn-Biologie bis hin zur menschlichen Kulturgeschichte. Ein gewisses neurologisches Grundverständnis sollte der Leser allerdings mitbringen. Auch wenn Aufbau und Arbeitsweise unseres "Denkapparates" im Anhang gut erläutert werden, erweist sich der behandelte Stoff als überaus komplex und zuweilen in seiner Terminologie recht fachspezifisch. Allerdings lohnt sich diese Mühe unbedingt. Zu verstehen, wie das Gehirn den "Protagonisten" erzeugt, den wir mit uns herumtragen und als Selbst oder Ich bezeichnen, ist ein überaus spannendes Unterfangen. Und auch wenn man nach der Lektüre - um noch einmal das Eingangszitat von Fernando Pessoa heranzuziehen - immer noch nicht in der Lage ist, jede Nuance von Geigen, Harfen, Pauken und Trommeln auseinanderzuhalten, dem Verständnis einer "Symphonie von Mahler'schen Proportionen", als der unser Geist von Antonio Damasio bezeichnet wird, ist man trotzdem ein klitzekleines bisschen näher gekommen. Und das, ganz ohne den fühlbaren Genuss eingebüßt zu haben.

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