Der Totenleser

von Antonio Garrido 
4,5 Sterne bei44 Bewertungen
Der Totenleser
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sonnjas avatar

Lesenswerter historischer Schmöker!

K

Muss man lesen!

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Inhaltsangabe zu "Der Totenleser"

Der chinesische Medicus

China, um das Jahr 1200: Mitten in den turbulenten Zeiten der Song-Dynastie arbeitet sich der mittellose und verwaiste Song Ci mit Fleiß und Entschlossenheit vom Leichenbestatter zum besten Studenten der angesehenen Ming-Akademie hoch. Seine Gabe, die dunklen Geheimnisse aufzudecken, die sich hinter den Verletzungen der Toten verbergen, erregt Aufsehen - aber auch Missgunst. Ci wird denunziert und wegen seiner revolutionären Obduktionsmethoden von der Justiz verfolgt. Doch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten sprechen sich herum, bis sie schließlich auch dem Kaiser Song Nin Zong zu Ohren kommen. Er lässt den "Totenleser" zu sich rufen und bittet ihn, eine Reihe grausamer Morde am Hof zu untersuchen, die seine Dynastie zu vernichten drohen. Song Ci willigt ein - nicht ahnend, zwischen welche Fronten er schon bald gerät, gegen welche Mauern aus Schweigen er stoßen und welchen Intrigen er begegnen wird. Als er sich leidenschaftlich in die kaiserliche Konkubine Blaue Iris verliebt, wird die Luft im Palast dünn für ihn. Wem kann er vertrauen, und wer wird ihn verraten?
Ein atemberaubender Roman über den ersten Gerichtsmediziner der Geschichte, ausgezeichnet mit internationalen Preis des Historischen Romans von Zaragoza.

"Ein atemberaubendes Szenario, eine exzellente Recherche, verblüffende Details und eine Handlung, die packender nicht sein könnte." Radio Onda Cero

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746630137
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:640 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:20.06.2014

Rezensionen und Bewertungen

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    PMelittaMs avatar
    PMelittaMvor 3 Jahren
    Spannender Kriminalroman, der im historischen China spielt

     China, 1206: Song Ci wünscht sich nichts mehr als zu den kaiserlichen Prüfungen zugelassen zu werden. Doch dann stirbt sein Großvater und sein Vater muss den guten Posten in der Hauptstadt aufgeben, um seine Pflicht zu erfüllen. Im Heimatdorf hat sich Song Ci seinem Vater und seinem Bruder unterzuordnen, seine Karriere ist in weite Ferne gerückt. Als eine Leiche auf dem Reisfeld der Familie gefunden wird, scheint das Unglück über Song Ci gekommen zu sein.

    Song Ci ist eine historische Persönlichkeit, er widmete sein Leben der Rechtsmedizin und hat die erste forensische Abhandlung der Geschichte verfasst. Ich finde sowohl das historische China als auch die Rechtsmedizin faszinierend und freute mich auf eine interessante Romanbiografie. Wirklich bekommen habe ich sie nicht, dazu ist der Roman eindeutig zu fiktiv. Sicher weiß man nicht allzu viel über das Leben Song Cis, wenn man jedoch allein die biografischen Daten, die der Autor im Buch aufzeigt, mit dem Roman vergleicht, erkennt man, dass von Song Cis „wahrem“ Leben relativ wenig übrig geblieben ist.

    Dennoch hat mir der Roman sehr gut gefallen. Zum Einen, weil Antonio Garrido es trotzdem schafft, viel Song Ci in den Roman einfließen zu lassen. Der Roman-Song-Ci hat einen unbändigen Willen zu lernen und er beschäftigt sich mit vielen rechtsmedizinischen Fragen. Zum Anderen kommt sehr gut die damalige chinesische Gesellschaft zum Tragen, man erfährt viel über das Gesellschaftssystem an sich, die vielen Regeln und die gesellschaftlichen Riten, es werden aber auch die Nachteile klar. Im sehr umfangreichen Nachwort geht der Autor auf Vieles ein, das er im Roman streift, dort gibt es auch ein Glossar und ein Literaturverzeichnis. Was mich jedoch hin und wieder gestört hat, ist die recht moderne Sprache, der sich hier bedient wird, besonders bin ich über das, in meinen Augen sehr unpassende, Wort „Schwuchtel“ gestolpert.

    Zu guter Letzt handelt es sich hier – für mich zuerst überraschend, wenn man die Thematik bedenkt aber weniger erstaunlich – um einen sehr spannenden Kriminalroman. Das passt natürlich hervorragend zu Song Cis rechtsmedizinischem Interesse und so bekommt er mehr als einmal die Gelegenheit, sein Wissen nicht nur zu zeigen sondern auch zu erweitern (und mit ihm der Leser).

    Der Roman wird aus Sicht Song Cis erzählt, aber in der dritten Person. Der Leser lernt somit den Protagonisten sehr gut kennen, manches Handeln erscheint auf den ersten Blick fremd und unverständlich, doch man muss dies vor dem Hintergrund der Sozialisation betrachten, die er erfahren hat. Da ich schon mehrfach Romane aus dem historischen China gelesen habe, konnte ich mich sofort zurecht finden, wer Probleme hat, liest den sehr interessanten Anhang zuerst, manches wird dann sicher verständlicher, außerdem sollte man sich durchaus zur eigenen Recherche anregen lassen.

    Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Wer eine Romanbiografie erwartet, könnte enttäuscht werden, wer aber auch historische Kriminalromane mag, oder wen die exotische Kulisse fasziniert, wird sich sicher trotzdem gut unterhalten fühlen.

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    sonnjas avatar
    sonnjavor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Lesenswerter historischer Schmöker!
    Gerichtsmedizin

    Song Ci hat es nicht leicht im Leben. Er kämpft gegen Tradition und Bestimmung, aber auch gegen Neid. Mit Beharrlichkeit, Durchsetzungskraft und seinen beachtlichen und außergewöhnlichen Gaben bestimmt er aber sein Schicksal im China des 12. Jahrhunderts und geht seinen Weg.

    Die Story ist rund und spannend. Der Autor bringt die chinesische, teilweise sehr fremd anmutende Kultur lebendig und eingängig rüber.

    Mich hat das Buch gefesselt und ich habe mit Ci gehofft und gelitten. Ein gutes Buch, das man mal gut als Abwechslung zwischendurch lesen kann.

    Darüber hinaus sind im Anhang auch einige Erklärungen zu den kulturellen und historischen Gegebenheiten verzeichnet.

     

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    smutcops avatar
    smutcopvor 5 Jahren
    CSI..

    .. Wer hätte es gedacht, dass CSI in China seinen Anfang nahm? Was hier im 13 Jh unter forensischen Gesichtspunkten zu einer spannenden Story verarbeitet wird, ist wirklich beachtlich!

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    S
    Starbucksvor 5 Jahren
    Intensives Leseerlebnis



    ‚Der Totenleser‘ von Antonio Garrido besticht bereits durch sein tolles Aussehen. Das stolze Hardcover-Buch mit über 600 Seiten sieht so chinesisch und so hübsch aus, dass man es allein daher nicht mehr hergeben möchte. Aber auch der Inhalt überzeugt auf allen 635 Seiten.

    Der junge Song Ci hat immer nur Pech. Immer muss er sich durchschlagen, immer scheinen die Sterne nicht auf seiner Seite, immer wieder möchte man als Leser gern eingreifen. Bevor Ci endlich seinen Job als Totenleser antreten bzw. erlernen kann, kommt er erst einmal vom Dorf in die Stadt. Bereits die Anfangsszene des Buches ist fesselnd und erschreckend. Auch die Wirren auf dem Fluss und in der Stadt sind sehr lebendig und glaubhaft geschildert und geben eine düstere Stimmung wider. Auch, wenn die historischen Hintergründe eher im Hintergrund bleiben – mich hat das kaum gestört – habe ich mich voll in das historische China versetzt gefühlt. Mehr als die realistischen Schilderungen brauchte es für mich nicht.

    Die Handlung insgesamt, die nie aus der Spannung heraus kommt, scheint mir allerdings größtenteils fiktiv. Zu keiner Zeit war mir so wirklich im Bewusstsein, dass der Autor über den wahren ‚Vater‘ der Forensik erzählt. Die forensischen Deutungen waren zuweilen schwer zu verfolgen, aber niemals wirklich verwirrend oder langweilig.

    Wer vor der hohen Seitenzahl zurück schreckt, dem sei gesagt, die merkt man wirklich nicht. Die Seiten fliegen nur so dahin, wenn man sich abends im Bett oder auf der Couch so richtig in das Buch vertieft. Wer mich so fesseln kann, der hat volle Sternzahl verdient! Dass der Autor intensiv recherchiert hat, zeigt sich spätestens im Anhang. Da ich meine Bücher aber meistens von vorn nach hinten verschlinge, ist mir dieser leider erst spät aufgefallen. Ein Hinweis am Anfang wäre gut gewesen, oder warum stellt man solche Informationen nicht ganz nach vorn? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, so manches vorher zu wissen?

    Alles in allem ist ‚Der Totenleser‘ von Antonio Garrido eines meiner Lesehighlights des Jahres. Dieses Buch schmückt jetzt mein Bücherregal und wird dieses auch nicht mehr verlassen. Absolute Leseempfehlung für alle, die das Thema ‚China‘ sympathisch finden!

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    Nina2401s avatar
    Nina2401vor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Ein absolutes Muss für Fans von spannenden historischen Romanen, die ein Faible für Forensik haben.
    Die Geburtsstunde der Forensik

    Ich liebe historische Romane und ich liebe Forensikthriller. Daher war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Und ich wurde nicht enttäuscht.

    Die Einführung beginnt gemächlich. Ich erfahre sehr viel über Song Li und seine Vergangenheit. Von Anfang an nehmen die chinesischen Rituale, bei denen ich oftmals heftig schlucken musste, sehr viel Platz ein. Ein Beispiel ist der Gehorsam dem älteren Bruder gegenüber, auch wenn es manchmal unsinnig ist. Da war vieles für mich unverständlich und mir wurde klar, wie fremd und anders diese Kultur ist.

    Ein Schicksalsschlag jagt den nächsten, die Szenarien waren teilweise so eklig, dass ich froh bin, dass es keine „Riechbücher“ gibt. So viel Elend, das war mir zum Teil echt zu viel und zu deprimierend. Das Leben hat Song Li zu einem Einzelgänger gemacht. Er geht unerbittlich seinen Weg, der gepflastert ist von Gewalt und Brutalität, von Missgunst und Intrigen und von unvorstellbarer Armut.

    Allerdings fand ich es sehr interessant, so detailliert über eine mir bislang unbekannte Epoche zu lesen. Garrido schreibt und beschreibt ziemlich schonungslos und dieses Buch ist für zarte Gemüter nicht so sehr geeignet.

    Song Li ist eine interessante Persönlichkeit, die tatsächlich gelebt hat und Garrido hat ihm mit seinem Buch  ein Denkmal gesetzt. Gleichzeitig schafft er ein üppiges Sittengemälde vom alten China. Denn er führt uns nicht nur die bittere Armut in den Elendsvierteln vor Augen sondern entführt uns auch in das von Reichtum und Überfluss geprägte Leben im Palast des Kaisers.

    Absolut fasziniert war ich von Song Lis Arbeitsweise. Das Thema Forensik finde ich so spannend. Und hier kann ich die Anfänge hautnah miterleben. Es ist erstaunlich, mit welch einfachen Mitteln und natürlich seinem scharfen Verstand Song Li überraschende Rückschlüsse gezogen hat. Allein schon aus diesem Grund fand ich das Buch sehr lesenswert.

    Ein absolutes Muss für Fans von spannenden historischen Romanen, die ein Faible für Forensik haben.

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    BrittaHaslers avatar
    BrittaHaslervor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Totenleser" von Antonio Garrido

    Ich muss sagen, dass das Buch einen völlig anderen Eindruck erweckt, wenn man den Klappentext liest. Beim richtigen Lesen dann hatte ich permanent das Gefühl, dass hier irgendetwas nicht so recht passt. Zuallererst sei gesagt, ich fand das Buch sehr spannend und habe es auch in einem Rutsch durchgelesen. Allerdings hatte ich nie das Gefühl, tatsächlich einen historischen Roman zu lesen, als vielmehr eine Charles Dickens Geschichte vor dem Hintergrund der chinesischen Song-Dynastie. Meine Hochachtung für den Autor, denn das Buch ist hervorragend recherchiert, und ich habe unendlich viel dabei gelernt. Allerdings hät die Story kaum das Niveau, das sie verspricht. Alles dreht sich um einen naiven, lieben kleinen Kerl namens Ci, der sich nichts sehnlicher wünscht, als die Kaiserlichen Prüfungen zu bestehen. Auf dem Weg dahin muss er sich durch einen Riesenberg von Schwierigkeiten kämpfen. Sein Weg ist gepflastert mit unglaublichen Tragödien, die nach der hundertsten Wiederholung einfach nur noch ärgerlich sind. Man kann eine dramatische Geschichte auch erzählen, OHNE dem Protagonisten eine Hundertschaft an Widersachern entgegenzusetzen. Und es würde auch funktionieren, wenn wenigstens eine Figur dabei wäre, die der Hauptfigur ausnahmsweise mal KEINE Steine in den Weg legt. Aber dem ist nicht so. Das Buch müsste heißen CI gegen den Rest der Welt. Wie gesagt, die Story war spannend aber zugleich zäh, denn alles lief stets nach Schema F ab. Eine Dauerschleife an haarsträubenden Problemen. Das fand ich etwas enttäuschend. Es war eine Abenteuergeschichte, aber mehr auch nicht.

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    Blausterns avatar
    Blausternvor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Totenleser" von Antonio Garrido

    China im 13. Jahrhundert unter der südlichen Song-Dynastie: Song Ci wächst in einem kleinen Dorf auf, zieht dann aber mit seiner Familie in die Stadt Lin’an, wo er seine Schule erfolgreich beendet und beginnt, an der Universität zu studieren. Als sein Großvater stirbt, kehren sie zurück ins Dorf, um das Trauerjahr einzuhalten. Doch in dem Dorf geschieht Grausames. Ein Mord an Song Cis altem Lehrer, der in Verbindung mit seiner Familie steht. Sein Vater fällt in Unehre, sein Bruder in einen qualvollen Tod und seine Eltern kommen beim Brand ihres Hauses um. Song Ci flüchtet wieder in die Stadt Lin’an und nimmt seine kleine kranke Schwester mit und eine große Verantwortung. Doch wieder Fuß zu fassen mit der Schande über den Namen seines Vaters war im damaligen China nicht leicht und an einen beruflichen Aufstieg kaum zu denken. Schließlich arbeitet er auf dem Friedhof und widmet sich seinem Talent, dem Totenlesen bis er zufällig dem Leiter der Akademie begegnet und sich seine forensischen Fähigkeiten bis an den kaiserlichen Hof herumsprechen. Dadurch macht er sich wieder neue Feinde und seine verbotene Liebe macht die Sache auch nicht besser.
    Die Geschichte beruht auf einen wahren Hintergrund; Song Ci war der erste Gerichtsmediziner und der Ur-Vater der forensischen Medizin. Antonio Garrido hat die Lebensgeschichte von Song Ci gut recherchiert, und wir bekommen hier auch einen perfekt geschilderten Einblick in die Untersuchung der Leichen sowie in die chinesischen Sitten und Gebräuche. Ci ist ein erstaunlicher Charakter, der sich nach allen Niederschlägen immer wieder aufrappelt und weiterkämpft. Das Buch ist in sechs Abschnitte geteilt und einen Anhang, der auch sehr interessant und am besten vor Beginn des Buches zu lesen ist. Es war auf seinen über 600 Seiten durchgängig spannend und zu keiner Zeit langatmig. Immer neue Fragen wurden aufgeworfen, auf deren Lösung man gespannt hinfieberte.

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    passionelibros avatar
    passionelibrovor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Totenleser" von Antonio Garrido

    „Der Totenleser“ von Antonio Carrido spielt in China um 1200 und erzählt die Geschichte des mittellosen und dann verwaisten Beamtensohnes Song Ci. Mit einem überdurchschnittlichen Scharfsinn und Durchhaltevermögen schafft er es, auf die berühmte Ming-Akademie. Vom Leichengräber über Student wird er schließlich zum kaiserlichen Hof gerufen, um mysteriöse Mordfälle aufzudecken.
    Doch Neid, Korruption und Hass sind gefährliche Gegenspieler und Ci, trotz seiner außergewöhnlichen Kombinationsgabe, hat ein schweres Los.
    Der Roman mit über 600 Seiten darf nicht als „klassischer“ historischer Roman gesehen werden, so geht es doch in erster Linie um die Entstehung der Rechtsmedizin in einem Staat wie China, der dem Europa aus dem Mittelalter weit voraus war.
    Die einzelnen Handlungsfäden werden in einem furiosen Finale zusammengeführt, doch konnte mich das Buch leider nicht so fesseln und ich musste mich immer wieder aufraffen, um es zu Ende zu lesen.

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    Mine_Bs avatar
    Mine_Bvor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Totenleser" von Antonio Garrido

    Der historische Roman von Antonio Garrido „Der Totenleser“ spielt um das Jahr 1200 im alten China, zu Zeiten der Song- Dynastie. Die Hauptperson ist ein Junge namens Song Ci, welcher auf Grund eines persönlichen Grundes mit seinen Eltern und dessen Schwestern zurück in das Heimatdorf in die ostchinesischen Provinz Fujian zurückkehrt. Dort muss Ci seinen Bruder Lu bei der Feldarbeit helfen. Währenddessen denkt Ci über sein altes Leben als Assistent bei Richter Feng in der Hauptstadt Lin‘an nach und wie sein großer Bruder damals sein Vorbild gewesen war, in der aktuellen Situation empfindet er seinem Bruder gegenüber nur noch Gleichgültigkeit. Auf Grund eines plötzlichen Mordes in dem Dorf und einem tragischen Unfall flüchtet Ci mit seiner kranken Schwester Mei Mei in die Hauptstadt, in der Hoffnung, dort ein besseres Leben führen zu können und an der dortigen Akademie aufgenommen zu werden, um dort sein Studium wieder aufzunehmen. Doch schon bald muss er merken, dass dies leider nicht so einfach ist und muss sich auf diesem Weg vielen Herausforderungen stellen. Auf diesem Weg lernt er viele Personen kennen, welche ihm nicht immer wohl gesonnen sind. Zuerst arbeitet er bei einem geldgierigen Wahrsager namens Xu, dieser würde für Geld alles tun und bietet Ci einen Job an, in der Hoffnung, dass er ihn mehr Geld einbringen wird – mit seinem außerordentlichen Talent, Schmerzen zu überwinden und akzeptieren und auch mit der Art, aus Toten zu lesen. Im Verlaufe des Buches treten weitere relevante Persönlichkeiten auf, die Ci nichts Gutes wollen.

    Die Art des historischen Romans hat mir recht gut gefallen – der Handlungsort ist das alte China, wie ich finde, ein recht interessanter zeitlicher Abschnitt. Jedoch hat man nicht immer das Gefühl, in dieser Zeit zu sein, man kann sich teilweise auch recht gut vorstellen, dass diese Geschichte sich auch zu der heutigen Zeit in China abspielen könnte. Der Schreibstil von Antonio Garrido hat mir sehr gut gefallen, das Buch hat sich flüssig lesen lassen und war auch recht angenehm zu lesen. Die Art, wie es der Autor geschafft hat, Spannung in das Buch zu integrieren, hat mir gut gefallen. Das Buch selber ist in einzelne Abschnitte gegliedert und in jedem dieser Abschnitte existiert ein eigener Spannungsbogen. Das empfand ich als sehr angenehm und hat mich von dem Talent des Autors überzeugt. Man hatte nicht das Gefühl, dass eine Passage jetzt überflüssig wäre oder zu sehr ausgeschmückt, jeder Abschnitt war in sich stimmig und spannend – und dadurch ließ sich in dem Buch ein eindeutiger roter Faden erkennen.
    In diesem Buch lernt man recht viel über die damaligen Traditionen und die Kultur im Lande China, auch der Anhang ist sehr detailliert und gut gestaltet. Das hat mir persönlich sehr gefallen. Jedoch würde ich es nicht als reinen historischen Roman bezeichnen. In diesem Werk wird sich zwar auch mit der damaligen Kultur beschäftigt, jedoch liegt der Hauptaspekt eher auf der Entwicklung der damaligen Gerichtsmedizin und dem Einfluss von Ci. Doch in diesem thematischen Aspekt, der Weiterentwicklung und Verfeinerung der Gerichtsmedizin hätte ich mir teilweise etwas detailliertere Ausführungen gewünscht. Ich würde es daher eher als einen historischen Krimi bezeichnen.
    Der Protagonist in diesem Buch ist Song Ci. Er ist durch eine spezielle Krankheit gekennzeichnet – er kann keinen Schmerz empfinden. Er empfindet es als eine Bürde und versucht, diese Tatsache vor seinen Mitmenschen zu verheimlichen. Teilweise ist Ci ein sehr mutiger, intelligenter und willensstarker junger Mann, der sich hingebungsvoll für seine kranke Schwester Mei Mei aufopfert, der alles dafür gibt, sein Lebensziel zu verfolgen, der nur lernen will, dessen großer Traum es ist, an der Akademie zu studieren und auch sehr viel tut, um dieses Ziel zu erreichen. Teilweise ist er aber auch recht naiv und viel zu gutgläubig. Er fällt gerne mal auf andere Personen herein und versucht, nur das Gute in ihnen zu sehen. Er ist innerhalb dieses Buches von einer Katastrophe in die nächste gelangt und hat immer versucht, sich da herauszukämpfen. Mich persönlich hat diese Mischung aus Naivität und willensstarker Intelligenz leider nicht ganz überzeugt – manchmal bin ich nicht wirklich warm mit dem Protagonisten geworden.
    Als einen negativen Aspekt von diesem Buch empfand ich die kurze Inhaltsbeschreibung auf dem Buchumschlag. Ich rate davon ab, diese zu lesen und sich daraus eine Vorstellung über den Inhalt zu machen. Leider spiegelt diese Beschreibung den Inhalt nicht korrekt wieder, sie ist irreführend und nimmt dem Buch doch viel vorweg.

    Als Fazit möchte ich sagen, dass dieses Buch durchweg ein gelungenes Werk ist. Jedoch sollte man keinen klassischen historischen Roman erwarten, sondern eher eine Mischung aus Kriminalroma und einem historischen Roman. Wer Bücher über und in dem alten China mit einem Einschlag in die Gerichtsmedizin mag, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen. Das Buch ist durchweg spannend und hat ein überraschendes Ende mit gut gezeichneten Charakteren.

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    Marcurias avatar
    Marcuriavor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Totenleser" von Antonio Garrido

    "Die Wunden sind unbestechliche Zeugen der Geschehnisse. Manchmal sagen sie uns, wann,
    und manchmal sagen sie uns sogar, warum jemand getötet wurde." (S.358)
    .
    Der junge Song Ci lebt gegen 1200 zu Zeiten der Song-Dynastie gemeinsam mit seinen Eltern und Geschwistern in einem kleinen Dorf in der ostchinesischen Provinz Fujian. Entgegen seiner Stärken und Wünsche bestehen seine Aufgaben dort vor allem aus anstrengender Feldarbeit. Ursprünglich war die Familie nach Lin'an gezogen, wo Ci an der Akademie Rechtsmedizin studierte, um eines Tages als Staatsrichter Anstellung zu finden, doch aufgrund eines Todesfalls mussten sie in das Heimatdorf zurückkehren und Ci demnach seine Studien abbrechen. Als dann aber bald darauf im Dorf ein schrecklicher Mord geschieht, kann Ci zum ersten Mal sein außerordentliches Können unter Beweis stellen und sich seiner Berufung als Totenleser ein Stück nähern, die ihn im Laufe der Geschichte noch zu einem schweren Verhängnis werden wird.
    .
    Obwohl ich weder historische Romane, noch Krimis zu meinen bevorzugten Genres zähle, hat Antonio Manuel Garrido es von der ersten bis zur letzten Seite geschafft, mich gefangen zu nehmen und nicht mehr loszulassen. Völlig unvorbereitet bin ich an dieses Buch herangetreten (und bin im Nachhinein sehr froh darüber, denn "Der Totenleser" ist eines dieser Bücher, bei denen man den Klappentext partout meiden sollte, da die dort beschriebenen Ereignisse erst etwa in der zweiten Hälfte des Buches einsetzen.) Was genau zeichnet dieses Werk also aus?
    .
    Ich habe selten erlebt, dass ein Buch keine einzige langatmige, überflüssige oder gar unschlüssige Stelle enthält. Dem Autor gelingt es, anstelle eines typischen Spannungsbogens über die knapp 650 Seiten viele kleine und große Wenden mit eigenen Höhepunkten einzubauen. Wann immer man sich als Leser sicher wähnt, das Geschehen einigermaßen im Blick zu haben oder es gar wagt, Vermutungen über den weiteren Verlauf anzustellen, taucht die nächste Überraschung auf, die sich schlüssig in das Gesamtgeschehen einfügt.
    .
    Der Hauptaugenmerk der Geschichte liegt eindeutig auf dem kriminalistischen Teil, weshalb eingefleischte Fans historischer Romane einwenden mögen, dass man oftmals nicht das Gefühl habe, sich im alten China zu befinden. Das mag stimmen und doch habe ich durch die Lektüre sehr viel über alte Traditionen, Lebensweisen und Vorgänge zur damaligen Zeit gelernt. Neben den konfuzianischen Regeln erfährt man beispielsweise einiges über die Totenwache, die Eunuchen, Konkubinen, allgemein Abläufe am Hof und selbstverständlich über die Anfänge der Gerichtsmedizin. Speziell dieser letzte Punkt hat mich oftmals fasziniert. Die Beobachtungsgabe und Geschicktheit, die der Protagonist bei der Aufklärung einiger Fälle an den Tag legt, die Methoden, die er entwickelt und die der Leser hautnah mitverfolgen kann, sind schlichtweg beeindruckend, vor allem in Anbetracht des Vermerkes im Anhang, dass all dies historischen Schriften entnommen wurde.
    .
    Jede im Buch auftauchende Figur ist glaubwürdig dargestellt und speziell die Hauptpersonen tragen sehr individuelle Charaktereigenschaften. Während zu Beginn die Verteilung der guten und bösen, der sympathischen und weniger beliebten Personen eindeutig scheint, verschwimmt diese klare Grenze, passend zum Verlauf der Geschichte, mit der Zeit immer mehr, was zusätzliche Spannung erzeugt und wodurch man sich als Leser auch hier nie sicher sein kann.
    Der Schreibstil ist sehr angenehm und im positivsten Sinne unauffällig. Der Aufwand, den der Autor in die Recherche gesetzt hat, ist deutlich zu erkennen. Besonders hervorzuheben sind auch die gut gestalteten Atmosphären - beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, dass diese Geschichte mit all den einprägsamen Szenen, interessanten Orten und lebendigen Charakteren eine geradezu perfekte Vorlage für eine Verfilmung wäre.
    .
    "Der Totenleser" ist ein rundum gelungener Roman und somit mein persönlicher Favorit aus dem Jahre 2012 und sei hiermit jedem, der sich für die Thematik interessiert, vorbehaltslos empfohlen.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    aufbauverlags avatar

    Der chinesische Medicus

    China, um das Jahr 1200: Mitten in den turbulenten Zeiten der Song-Dynastie arbeitet sich der mittellose und verwaiste Song Ci mit Fleiß und Entschlossenheit vom Leichenbestatter zum besten Studenten der angesehenen Ming-Akademie hoch. Seine Gabe, die dunklen Geheimnisse aufzudecken, die sich hinter den Verletzungen der Toten verbergen, erregt Aufsehen – aber auch Missgunst. Ci wird denunziert und wegen seiner revolutionären Obduktionsmethoden von der Justiz verfolgt. Doch seine außergewöhnlichen Fähigkeiten sprechen sich herum, bis sie schließlich auch dem Kaiser Song Nin Zong zu Ohren kommen. Er lässt den „Totenleser“ zu sich rufen und bittet ihn, eine Reihe grausamer Morde am Hof zu untersuchen, die seine Dynastie zu vernichten drohen. Song Ci willigt ein – nicht ahnend, zwischen welche Fronten er schon bald gerät, gegen welche Mauern aus Schweigen er stoßen und welchen Intrigen er begegnen wird. Als er sich leidenschaftlich in die kaiserliche Konkubine Blaue Iris verliebt, wird die Luft im Palast dünn für ihn. Wem kann er vertrauen, und wer wird ihn verraten?

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     Euer Team vom Aufbau Verlag

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