Antonio Manzini

 3.6 Sterne bei 24 Bewertungen
Autor von Der Gefrierpunkt des Blutes, Die Kälte des Todes und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Antonio Manzini

Der Gefrierpunkt des Blutes

Der Gefrierpunkt des Blutes

 (13)
Erschienen am 19.12.2014
Die Kälte des Todes

Die Kälte des Todes

 (5)
Erschienen am 18.12.2015
Spitzentitel

Spitzentitel

 (3)
Erschienen am 23.08.2018
Alte Wunden

Alte Wunden

 (3)
Erschienen am 17.02.2017
Ein kalter Tag im Mai

Ein kalter Tag im Mai

 (0)
Erschienen am 16.04.2019
Black Run

Black Run

 (0)
Erschienen am 28.04.2015

Neue Rezensionen zu Antonio Manzini

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Rezension zu "Spitzentitel" von Antonio Manzini

Raffinierte Satire über das modernisierte Verlagswesen
Gweevor 5 Monaten

Bücher über Bücher lassen das Herz jedes Bibliophilen höherschlagen. In diesem Buch geht es allerdings weniger um Bücher an sich, als um Autoren und das Verlagswesen und die Fallstricke und Tücken der Modernisierung. Und das alles wird im Rahmen einer satirischen Kurzgeschichte erzählt. Ist das Bild, welches der Autor zeichnet, realistisch oder hanebüchene Fantasie? Bewegen wir uns noch in einer Satire oder bereits in der Realität?

Der Leser lernt zunächst den Schriftsteller Giorgio Volpe kennen. Dieser hat sein neuestes Buch beendet und es könnte der nächste Bestseller werden. Das Ganze soll schnell unter Dach und Fach gebracht werden. Aber dann kommt alles anders als gedacht und nicht nur der Leser, sondern auch Giorgio fühlen sich wie in einem Science Fiction-Roman gefangen. Es gibt viele Stellen, die so überspitzt sind, dass man nicht sicher ist, ob es ernst gemeint sein kann. Die Satire gelingt ausgezeichnet, dennoch bleibt einem immer wieder das Lachen im Halse stecken und wird eher zu einem Magenziehen. So amüsant die Lektüre sein mag, so unbehaglich fühlt man sich gleichzeitig. Es kommt sofort Mitgefühl für Giorgio auf, der den Albtraum eines jeden Autors durchleben muss. Das Buch lässt einem auf den achtzig Seiten keine Atempause, sondern gestaltet sich als eine intensive Lesereise. Das Ende ist recht überraschend, aber passend.

Giorgio ist eigentlich kein sympathischer Protagonist. Er ist der typische egozentrische Autor, an den man klischeehafterweise sofort denken muss. Dennoch fällt es nicht schwer, sich mit ihm zu identifizieren, gerade wenn man selbst ein Autor ist. Denn Giorgios Charakter ist nicht der Kern der Geschichte, vielmehr ist es die Handlung, die Ereignisse, mit denen er konfrontiert wird. Und dahingehend kann man gar nicht anders als mit ihm mitfühlen.

Manzinis Schreibstil liest sich leicht und beschwingt. Man braucht ein wenig, um in die Geschichte hineinzufinden, aber durch die geradlinige Handlung ist das kein Problem. Gerade der satirische Humor kommt gut rüber und obwohl man sich ständig denkt, jetzt wäre es zu viel, passt es wie die Faust aufs Auge.

Spitzentitel ist mir völlig überraschend in der Stadtbibliothek ins Auge gestochen. Und genauso überraschend hat mich die Geschichte gut unterhalten. An manchen Stellen wurde es mir zwar fast zu absurd, aber das ist auch irgendwie der Bestandteil und Sinn des Buches. Gleichzeitig muss man ganz schön schlucken, wenn man die Parallelen zum aktuellen Buchmarkt entdeckt. Natürlich ist Spitzentitel keine gehaltlose Unterhaltungslektüre, sondern sollte als Satire gelesen und verstanden werden, aber auf beiden Ebenen weiß die Geschichte kurzweilig zu unterhalten.

Fazit:
Spitzentitel ist kein Roman über Bücher, sondern über Autoren und das Verlagswesen. Die Satire hat einen rasanten, ereignisreichen Plot und schafft es, die durchaus klischeehaften Charaktere darin gut zu verpacken. Der Unterhaltungsfaktor ist groß, aber besonders bleibt das Buch wegen seiner beängstigenden Visionen im Gedächtnis.

Inhalt: 4/5
Charaktere: 3/5
Lesespaß: 4/5
Schreibstil: 4/5

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Janine2610s avatar

Rezension zu "Spitzentitel" von Antonio Manzini

Der Albtraum eines jeden Schriftstellers
Janine2610vor 7 Monaten

Darum geht's:

Es ist 23:30 Uhr an einem Oktoberabend, als der berühmte Schriftsteller Giorgio Volpe seinen neuen Roman abschließt. Am folgenden Morgen ruft er gutgelaunt im Verlag an, um die frohe Botschaft zu verkünden.
Dort aber ist nichts mehr wie zuvor: Der Verlag wurde von einem Großkonzern geschluckt, nun haben windige Investoren das Sagen. Statt der vertrauten Stimme seiner Lektorin hört Volpe einen Anrufbeantworter in sechs Sprachen, und wenig später stehen zwei dubiose Typen vor der Tür, die sein Buch publikumstauglich umschreiben wollen. Doch damit fängt das Unheil erst an ...

Meine Meinung:

Viel zu rund läuft es in Giorgio Volpes Leben. Gerade hat er seinen neuen 800-Seiten-Roman, der laut seiner vertrauten Lektorin ein Meisterwerk ist, fertiggestellt. Irgendwie scheint alles wie am Schnürchen zu laufen, sodass man fast schon meinen könnte, es ist langweilig. Dass bald mal was passieren muss, war klar, denn diese Idylle war für mich beinahe nicht mehr zu ertragen.

Natürlich wird man diesbezüglich von Manzini nicht enttäuscht. Man merkt schon bald: es tun sich Probleme auf. Gewaltige Probleme, mit denen Volpe da zu kämpfen hat. Es geschehen Dinge, die fast schon absurd komisch sind – nicht nur für den Protagonisten, auch für mich als Leserin waren die Geschehnisse echt aberwitzig. Man denkt, man ist im falschen Film, so ominös kommt die Handlung schon bald daher. Grund dafür ist der neue Großkonzern "Sigma", der Volpes alten Verlag "Gozzi" übernommen hat und nun zwei eigenartige Typen zu Volpe schickt, die es tatsächlich wagen wollen, sein Meisterwerk Korrektur zu lesen, sprich umzuschreiben – einfach, weil sie der Ansicht sind, dass Negatives in Büchern nichts mehr zu suchen hat und die Sprache an das Verständnis der Leser angepasst werden müsse. Schließlich haben sie das auch bei Krieg und Frieden so gemacht. Das heißt jetzt nämlich nur mehr Frieden, ohne Krieg. Denn Negatives wollen die Leute ja nicht mehr lesen, das ist zu verstörend. Mit diesem Argument und mit ihrem neuen Konzept, die Bücher in "heimischer Mundart" umzuschreiben, wollten sie sich ans Werk machen. Dass Volpe da komplett dagegen war und gefragt hat, ob das hier alles ein Scherz sein soll oder die beiden einfach nur völlig übergeschnappt sind, konnte ich absolut nachvollziehen!

Das muss doch ein Albtraum für jeden Schriftsteller sein, nicht? Damit zerstört man die Träume von Autoren. Ein Buch, in das man all sein Herzblut gesteckt hat und an dem man vielleicht 2,5 Jahre geschrieben hat, soll nun einfach so komplett überarbeitet werden, sodass am Ende eine ganz andere Geschichte herauskommt? Ich würde sogar soweit gehen und sagen: damit bricht man einen Schriftsteller. Wie Volpes Frau Bianca das irgendwann auch mal so schön passend ausgedrückt hat: »Das, was Giorgio da passiert, klingt wie aus einem Science-Fiction-Roman.«

Das Schöne an diesem Roman, der auf mich durch seine nur 77 Seiten wie eine etwas längere Kurzgeschichte gewirkt hat, ist, dass überhaupt keine Langeweile aufkommt. Am Anfang, als alles so rund lief, hat sich dennoch schon irgendwie Spannung aufgebaut, weil ich wusste, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis Volpe mit den ersten Komplikationen konfrontiert wird. Und ab dann war es durchgehend amüsant und fesselnd, sodass ich es gleich in einem Rutsch durchgelesen habe.
Ich wollte eben unbedingt wissen, ob und wenn ja, wie Volpe einen Weg aus dem Schlamassel findet. Ein gewisses Mitgefühl mit dem gedemütigten Protagonisten, der erst ziemlich großkotzig tut, war bei mir, als es Richtung Ende ging, nicht mehr zu verleugnen.

Spitzentitel, das ich als durchaus launig und äußerst unterhaltsam beschreiben würde, bietet vor allem am Schluss eine gewisse Tragik und lässt den Leser nachdenklich zurück.

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flokratissons avatar

Rezension zu "Spitzentitel" von Antonio Manzini

Wenn Autoren zu Produktcodes werden
flokratissonvor 10 Monaten

Nach zweieinhalb Jahren voller schlafloser Nächte und 862 Packungen Zigaretten ist es vollbracht. Giorgio Volpe, seines Zeichens der erfolgreichste Schriftsteller Italiens, hat sein Meisterwerk fertig. Einen achthundert Seiten umfassenden Wälzer über die schicksalhafte Geschichte seiner Familie zur Zeit des Faschismus. Erwartungsvoll schickt er das Manuskript an Fiorella, die Lektorin seines Vertrauens. Längst jedoch hat sich das Verlagswesen gewandelt. Die drei großen Verlage Italiens wurden von Investoren zum Riesenkonzern Sigma fusioniert, der allein auf Umsatz und Zufriedenstellung der Massen bedacht ist. Die Literatur als solches ist abgeschafft, sie heißt nun „Kommunikation in heimischer Mundart“. 
Bald stehen zwei unbekannte Herren vor Giorgios Tür, fest entschlossen, seine Familienchronik in eine platte Heldenstory mit klischeehafter Liebesgeschichte umzuschreiben. Giorgia hat genug und wendet sich an kleinere Verlage – für die Bewahrung künstlerische Freiheit ist er bereit, finanzielle Einbußen in den Kauf zu nehmen. Doch schnell stellt er fest: Sigma ist überall und schreckt für die eigenen Ziele vor keinen Mitteln zurück.
Kritik an Gesellschaft und System
„Spitzentitel“ ist eine bissige Gesellschaftssatire, die sich hauptsächlich drei Themen zum Gegenstand nimmt: Die Dekadenz der Gesellschaft, die Mechanismen des Kapitalismus und damit verbunden die Unterdrückung von Freiheitsrechten. Der Autor tischt uns eine Gesellschaft auf, für die anspruchsvolle Literatur keinen Wert mehr hat. Schließlich soll alles verständlich und leicht verdaulich sein. Rezeptbücher von TV-Sternchen und die Autobiografie eines Fußballtorwarts sind folgerichtig bessere Investitionen als etwa ein Roman von Thomas Mann. Der Erfolg eines Buches misst sich obendrein an der Häufigkeit von Sexszenen. In Zeiten von “Adam sucht Eva”, einer Flirtshow, dessen Konzept allein auf die Nacktheit der Teilnehmer basiert, ist die Darstellung der oberflächlichen Gesellschaft in “Spitzentitel” nicht allzu realitätsfern.
Die Kritik an den Kapitalismus verdeutlicht sich in der Monopolisierung der Verlagsbranche. Vielfalt und Diversität werden in den Boden gestampft. Sigma wird zur Großmacht, mit einer überdimensionierten und mächtigen Verlagszentrale. Investoren aus China haben das Kommando und Lektoren aus Russland, die nur gebrochen italienisch sprechen, dürfen die Werke nach bestimmten Vorgaben umschreiben. Auch vor Spitzentiteln macht Sigma keinen Halt, und da die Würze in der Kürze liegt, wird etwa Tolstois Krieg und Frieden auf 300 Seiten gekürzt. So sind bald alle Bücher gleichförmig und vorhersehbar und Autoren plötzlich nur noch “Produktcodes”, die für jedes ihrer Bücher die gleichen, vorher festgelegte Verkaufszahlen erzielen müssen. 
Wie einst schon bei Kafka und zahlreichen dystopischen Romanen gibt es auch hier mit Giorgio Volpe eine Person, die sich gegen das System auflehnt, um für individuelle Freiheit und Recht zu kämpfen, sich in Gefahr begibt und an Grenzen stößt. Giorgio Volpe offenbart sich die deprimierende Erkenntnis, dass kritiklose Unterordnung die beste Option ist. 
Kurz und durchgehend unterhaltsam
Manzini verwendet eine direkte und schnörkellose Sprache. Die Protagonisten nehmen kein Blatt vor dem Mund, sind dabei erfrischend authentisch. Das Werk ist dialoglastig, verzichtet auf Hintergrundgeschichten, Wendungen und ausgefeilte Charakterisierungen. Dabei punktet es mit unterhaltsamen Dialogen, hohem Erzähltempo, skurrilen Einfällen und einer Handlung, die sich fortlaufend in eine Art Spionagethriller verwandelt. Selbst als Thriller nimmt das Werk sich indessen nicht allzu ernst, verleitet es doch immer wieder zum Schmunzeln. Da sich in dem Szenario jedoch viele Parallelen zu unserer Lebensrealität finden, bleibt einem das Lachen gelegentlich im Halse stecken.Mit 77 Seiten ist “Spitzentitel” recht kurz geraten und lässt sich in einem Zug lesen. Allein der Länge nach zu urteilen, könnte es also glatt ein Werk des Sigma-Verlags sein. 

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