Antonio Muñoz Molina

 4.1 Sterne bei 57 Bewertungen
Autor von Die Augen eines Mörders, Die Nacht der Erinnerungen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Antonio Muñoz Molina

Antonio Muñoz Molina wurde 1956 im andalusischen Úbeda geboren. Sein belletristisches Werk ist vielfach preisgekrönt; so wurde er beispielsweise gleich zwei Mal mit dem spanischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet. 1995 wurde er in die Königlich Spanische Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen. Muñoz Molina lebt derzeit in Madrid und New York City.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Antonio Muñoz Molina

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Cover des Buches Die Augen eines Mörders (ISBN:9783328104476)

Die Augen eines Mörders

 (19)
Erschienen am 24.05.2018
Cover des Buches Die Nacht der Erinnerungen (ISBN:9783328104469)

Die Nacht der Erinnerungen

 (7)
Erschienen am 24.05.2018
Cover des Buches Carlotas Liebhaber (ISBN:9783499230967)

Carlotas Liebhaber

 (5)
Erschienen am 01.01.2002
Cover des Buches Schwindende Schatten (ISBN:9783328600138)

Schwindende Schatten

 (5)
Erschienen am 25.02.2019
Cover des Buches Siesta mit Blanca (ISBN:9783499236860)

Siesta mit Blanca

 (3)
Erschienen am 02.08.2004
Cover des Buches Der polnische Reiter (ISBN:9783328104483)

Der polnische Reiter

 (2)
Erschienen am 24.05.2018
Cover des Buches Sepharad (ISBN:9783499232312)

Sepharad

 (2)
Erschienen am 01.02.2006

Neue Rezensionen zu Antonio Muñoz Molina

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Rezension zu "Schwindende Schatten" von Antonio Muñoz Molina

Schwindende Schatten - steigende Faszination
ulrikerabevor 10 Monaten

Ein Autor kehrt nach Lissabon, in die Stadt zurück, in der vor Jahren seinen ersten Roman geschrieben hat. Doch noch einmal davor hat der Mörder von Marin Luther King, James Earl Ray, in Lissabon Zuflucht gefunden.

In schwindende Schatten verfolgt der spanische Autor Antonio Munoz Molina ein interessantes Konzept. Einerseits setzt sich der Autor mit seinem eigenen schriftstellerischen Werdegang auseinander, anderseits rekonstruiert er eines der berühmtesten Attentate der jüngeren Zeitgeschichte. Dabei ist Lissabon Dreh- und Angelpunkt dieses Romans. Erzählt Molina zunächst in strikt getrennten Kapiteln seine Geschichte und die des Attentäters, so vermischt sich später immer wieder Zeit und Ort. Mit James Earl Ray portraitiert Molina einen ungemein schwierigen Charakter. Dabei dringt der Autor immer tiefer in Rays Lebensgeschichte ein, begibt sich an dessen Wurzeln, folgt dessen Wegen, liest die Bücher, die der Mörder gelesen hat.

Das Buch ist nicht immer einfach zu lesen, die Erzählweise ist sehr eigenwillig, Das Narrative und Dokumentarische wechselt oft sprunghaft und doch hat mich dieses Buch ganz tief in seinen Bann gezogen. Vor allem im letzten Teil des Buches wird der Roman zu einem dringenden Appell gegen Rassismus und Ausgrenzung. Obwohl das Buch über einige Längen verfügt, vor allem was den biografischen Teil Molinas betrifft, war ich von der Geschichte eines im Grunde einsamen und fehlgeleiteten, sehr widersprüchlichen Charakters fasziniert.

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Rezension zu "Schwindende Schatten" von Antonio Muñoz Molina

Von Leichtigkeit keine Spur...
pardenvor 10 Monaten

VON LEICHTIGKEIT KEINE SPUR...

In Lissabon, einer der schönsten Städte der Welt, kreuzen sich zwei Lebenswege: James Earl Ray, der als Attentäter von Martin Luther King Schlagzeilen machte, ist auf der Flucht vor der Polizei. Und der passionierte Spaziergänger Antonio Muñoz Molina, der dreißig Jahre später dort an einem seiner wichtigsten Romane arbeitet, auf der Suche nach sich selbst und seinem Schreiben. Die Stadt am Atlantik wird zum Umschlagplatz von Leben, Geschichte und Literatur.

Durchzogen von der vibrierenden Atmosphäre Lissabons und klugen Reflexionen über das Schreiben, klingt »Schwindende Schatten« wie ein guter Jazzsong, wie eine Mischung aus absoluter Kontrolle und Improvisation, aus Leichtigkeit und Tiefe.

Verspricht dieser Klappentext nicht ein ganz besonderes Leseerlebnis? Zumal dieser Roman 2018 für den Man Booker International Prize nominiert war, zeitgenössische Literatur, komponiert wie ein Jazzsong - was würde mich da erwarten?


"Ich liebte den Jazz (...) Ich liebte die Musik als solche und auch als ethisches und ästhetisches Modell für das Verfassen von Literatur, ihre Mischung aus Disziplin und Hingabe, aus virtuosem technischem Können und absoluter Kontrolle, aus gleichermaßen Improvisation und Verzückung, Leichtigkeit und Tiefe, Tempo und Verzögerung. So sollte das klingen, was ich schrieb, mit mächtigem Anfangsschub und ohne zu wissen, wohin es ging, manchmal gradlinig und andere Male auf Umwegen, auf denen ich mich zu verlaufen drohte und dann doch unerwartete Schätze fand." (S. 95)


Es fängt schon damit an, dass es mir schwerfällt zu schildern, worum es in diesem Roman eigentlich geht. Denn hier wird nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern wenigstens zwei verschiedene, nebeneinandergestellt, abwechselnd in getrennten Kapiteln, ohne wirklichen Bezug zueinander, lediglich die portugisische Stadt Lissabon als verbindendes Glied.

Dort war James Earl Ray 1968 für einige Tage, Station seiner Flucht, nachdem er Martin Luther King ermordet hatte. Antonio Muñoz Molina spürt den Spuren der Vergangenheit nach, beschwört das Lissabon vergangener Tage herauf, erzählt dabei - durchaus nicht stringent und chronologisch - Begebenheiten aus dem Leben des berühmten Mörders, schält einen Charakter aus den Schatten der Vergangenheit heraus, der dennoch wenig greifbar bleibt. Blass wie sein Gesicht, bleibt auch Ray als Figur, der sich unter vielen falschen Namen versucht unsichtbar zu machen.

Dreißig Jahre später war Antonio Muñoz Molina selbst das erste Mal in Lissabon, für drei Tage, die er exzessiv auskostete, um möglichst viele Eindrücke für seinen damaligen Roman zu sammeln. Später folgten weitere Besuche, und stets waren es diese Besuche, die ihn aus dem Alltag katapultierten und gleichzeitig ein Stück weiter zu sich hin führten, zu dem, was er wirklich sein wollte.


"Unter seiner stillen Oberfläche bestand mein Dasein aus einer wahllosen Aneinanderreihung bruchstückhafter Leben, einem Nichtausleben frustrierter Sehnsüchte, aus verstreuten Teilen, die nicht zusammenpassten. Das meiste von dem, was ich tat, berührte mich nicht. Was ich in meinem Innern war und was mir wirklich etwas bedeutete, blieb einem Großteil der Menschen um mich herum verborgen..." (S. 42)


Wenn ich jetzt Sätze wie dieses Zitat lese, ist die Faszination für das Schreiben des Autors wieder greifbar, die ich zwischenzeitlich durchaus verspürt habe. Molina zählt sicher nicht ohne Grund zu den wichtigsten Gegenwartsautoren Spanies, Träger vieler Auszeichnungen. Und den Sätzen des Romans ist anzumerken, wie sorgfältig an ihnen gefeilt wurde. Leider sorgten viele andere Faktoren dann dafür, dass diese Faszination bei mir zunehmend verloren ging und einer allumfassenden Langeweile Platz machte.

Was man Molina zugute halten muss, ist seine akribische Recherche - zu allem und jedem. Jedes Detail von Interesse wurde im Vorfeld ausgiebig von ihm beleuchtet - und dann ebenso großzügig im Roman positioniert, Themen, die wie Gedankensprünge daherkommen, oftmals ohne Verbindung zur eigentlichen Erzählung, einfach weil es dem Autor gerade in den Sinn kam.


"Der Roman entsteht aus allem, was ich weiß, aus allem, was ich nicht weiß, und aus dem Gefühl, mich voranzutasten, ohne je einen exakten erzählerischen Rahmen zu finden, weil eine Geschichte statt zu einem Schluss zur nächsten führt, immer wieder neue Verbindungen herstellt, genau wie die Synapsen unseres Gehirns es tun." (S. 500)


Solcherlei Informationen finden sich nicht etwa im Nachwort, sondern sind Teil des Romans - nicht nur das Leben des Autors, seine Begegnungen, Erkenntnisse, Empfindungen finden hier einen Platz, sondern auch Einblicke in das Entstehen eines Romans, wie Molina ihn schreibt. Das mag für manchen Leser von Interesse sein - mich ödete diese für mich immer mehr zur Nabelschau geratende Selbstdarstellung zunehmend an.

Bleibt die Erzählung um James Earl Ray, den mutmaßlichen Mörder Martin Luther Kings, gejagt von hunderten von FBI-Beamten. Anfangs fand ich diese Passagen durchaus interessant, doch erging sich die Schilderung der Tage in Lissabon in endlosen Wiederholungen ähnlicher Handlungen und Verhaltensweisen, wobei die Figur selbst schemenhaft bleibt, die Schilderugen oftmals unwirklich wie im Traum, die vergehende Zeit ein zähfließendes oder langsam tröpfelndes Konstrukt.

Langeweile also hinsichtlich beider Handlungsstränge, verstärkt noch durch stilistische Mittel wie endlosen Aufzählungen oder Schachtelsatzgebilden von zig Zeilen oder gar einer ganzen (eng bedruckten) Seite. So gibt es beispielsweise zwei ganze Seiten von wahllos anmutenden Auflistungen von Werbeanzeigen der sechziger Jahre (S. 256 ff.) oder gar sechs fast absatzlose Seiten darüber, wo James Earl Ray auf seiner Flucht überall gesehen wurde, was er dabei trug, wie er aussah, welches Fahrzeug er fuhr... (ab S. 206).  Füllmaterial für den Roman - das war noch das Schmeichelhafteste, was mir dazu einfiel.


"Alle waren - das wusste er zu seiner eigenen Schande am besten - aus hinfälligem Material gemacht, aus dem Lehm und dem Staub der Erde, einer zerbrechlichen Legierung aus Gold und dem Ton des Töpfers, wie die Statue aus dem Traum des Königs Nebukadnezar, edelmütig und niederträchtig zugleich, heute Helden und am Tag darauf feige, habsüchtig oder unzüchtig, nach außen bescheiden und innerlich überheblich, von gerechtem Eifer und vom Zorn gegen Unrecht besessene Propheten, Komödianten oder Schauspieler, die eine Menge begeistern und zugleich innerlich unbeteiligt sein können, sich mit einem Seitenblick in den Spiegel vergewissern, das die beabsichtigte Geste gelungen ist, heimliche Ungläubige, nicht weil ihnen der Glaube abhandengekommen ist, sondern wegen der schieren Wiederholung der immer gleichen Worte, so wahr und so notwendig sie auch sein mochten, wegen der rhetorischen Effekte, die nie ihre Wirkung verfehlten, der tausend Mal erzählten Witze und der ganzen Routine, die die Nächsten in seiner Umgebung schon erwarten und voraussagen können, resigniert, zynisch, gelangweilt, Wort für Wort und Nacht für Nacht, manchmal gar mehrmals am Tag, wie die Helfer und Techniker, die einen Kandidaten im Wahlkampf umschwirren, ihn auf Reisen begleiten, aus nächster Nähe beobachten können und schließlich als peinliche Parodie erleben, eine fuchtelnde, von hysterischer Energie getriebene Marionette, gepudert und geschminkt für die Fernsehkameras, schweißgebadet im heißen Licht der Scheinwerfer." (S. 457 f.)


Ein (!) Satz! Anstrengend? Eben!

Bis zum Schluss blieb mir die Antwort darauf verwehrt, weshalb diese zwei Geschichten nebeneinander erzählt wurden. Gab der Stoff um den Mörder Martin Luther Kings alleine nicht genug her für einen Roman? Fürchtete der Autor, dass der autobiografische Anteil keine ausreichende Leserschaft finden würde?

Für mich war es so jedenfalls nichts Halbes und nichts Ganzes. Der Einblick in die Geschichte von James Earl Ray war durchaus interessant - hätte ich nicht die ganze Zeit das Gefühl gehabt, dass der Autor versucht, der Figur seine Idee davon aufzudrücken, wie diese sich gefühlt und was sie gedacht haben mag, und damit die Authentizität gleich wieder zu verwischen.

Als Fazit bleibt eine bleierne Müdigkeit, eine große Erleichterung, den Roman endlich zuschlagen zu können, ein Gefühl vertaner Zeit. Das ist sehr schade, denn das schriftstellerische Können, das ich durchaus registriert habe, ging so für mich gnadenlos unter.


© Parden

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Rezension zu "Deckname Beltenebros" von Antonio Muñoz Molina

Vergangenheit und Zukunft....
kassandra1010vor 4 Jahren

Während in Madrid noch Franko herrscht, wird Darman aus England zurück in den Einsatz beordert um dort aufzuräumen.

Sein neuer Auftrag erinnert ihn an seinen letzten Auftrag vor gut zwanzig Jahren, als er seiner Mission Beltenebros auf der Spur quer durch Madrid gefolgt ist.

Er trifft auf eine scheinbar alte Freundin und Darman beginnt an sich zu zweifeln, da er sein damaliges Opfer wiedererkennt und in ein verwobenes Spinnennetz hineinrutscht und nicht mehr weiß, wie er daraus entkommen soll.

Ein Spionageroman bei dem die Gegenwart und die Vergangenheit ineinander verschwimmen und das Spanien während der Diktaturherrschaft äußert kritisch und sehr ehrlich beleuchtet wird.

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