Madrid, Mexiko

von Antonio Ortuño 
4,7 Sterne bei3 Bewertungen
Madrid, Mexiko
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Großartig geschrieben und strukturell versemmelt

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Wie auch sein erstes Werk schwer beeindruckend!

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Inhaltsangabe zu "Madrid, Mexiko"

Madrid, 1923: Yago Almansa und sein Freund Benjamín verbringen ihre Nachmittage bei Ramón, einem alten Anarchisten.
Weniger wegen der Politik, sondern mehr wegen María, Ramóns bildschöner Enkelin. Später, im Spanischen Bürgerkrieg, kämpfen sie, Yago bei den Anarchisten, Benjamín bei den Kommunisten. So werden sie Feinde, und als María sich für Yago entscheidet, Todfeinde. Beide fliehen, als die Lage für die Gegner Francos immer schwieriger wird. Während der eine hofft, in Mexiko eine neue Heimat für seine Familie zu finden, hofft der andere, dort seinen Widersacher endgültig zu erledigen.
Mexiko, 1997: Yagos Enkel, der neunzehnjährige Omar Almansa hat ein Verhältnis mit seiner Chefin Catalina. Sie ist wesentlich älter und eigentlich mit Mariachito, dem korrupten Boss der Eisenbahnergewerkschaft, liiert. Als dieser die beiden eines Tages in flagranti erwischt, endet die Geschichte für Catalina und Mariachito tödlich, doch Omar kann entkommen. Auf der Flucht vor der Polizei und dem brutalen Handlanger Mariachitos sieht er nur einen Ausweg: Madrid.
In der spannenden, episodenreichen Familiengeschichte der Almansas erzählt Ortuño mit klarer, präzise Sprache davon, was es heißt zu emigrieren, und von den historischen Dimensionen, die die Menschen zur Flucht drängen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783956141652
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:200 Seiten
Verlag:Kunstmann, A
Erscheinungsdatum:08.03.2017

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    Widmar-Puhls avatar
    Widmar-Puhlvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Großartig geschrieben und strukturell versemmelt
    Spanischer Bürgerkrieg und mexikanische Drogenmafia in einem Buch

    Mit "Die Verbrannten" hat Antonio Ortuno einen knallharten Thriller über das organisierte Verbrechen in Mexiko geschrieben. Jetzt folgt in der gleichen, wuchtig-schonungslosen Sprache ein Roman über die Flucht eines Mannes namens Yago nach dem verlorenen spanischen Bürgerkrieg nach Mexiko - und die Flucht seines Enkels Omar vor der Mafia aus Mexico nach Madrid. Die Idee hat was, aber die Durchführung ist leider unnötig kompliziert geraten. Der Reihe nach:
    1923 konkurrieren die jungen Anarchisten Yago Almansa und sein Freund Benjamín um die Liebe der schönen María. Im Spanischen Bürgerkrieg kämpft Yago dann bei den Anarchisten, Benjamín aber bei der Kommunisten. So werden sie Todfeinde. Beide fliehen gegen Ende des Bürgerkrieges nach Mexiko - Benjamín aber mit dem gestohlenen Goldschatz seiner Kampfgruppe. Dementsprechend schlechter geht es María und Yago, die auch in Mexiko enge Verbindungen zu den dort jedoch völlig korrupten Gewerkschaften pflegen.
    1997 hat Yagos Enkel Omar ein Verhältnis mit seiner wesentlich älteren Chefin Catalina. Die erfolgreiche Antiquitätenhändlerin ist mit Mariachito liiert, dem mächtigen Boss der Eisenbahnergewerkschaft, und verdient sich eine goldene Nase mit dieser Connection. Als die zwei in flagranti erwischt werden, endet das für Mariachito und Catalina tödlich, doch Omar kann mit einem Haufen Geld entkommen. Auf der Flucht vor der (unfähigen) Polizei und dem brutalen Handlanger Mariachitos landet er schließlich mit Frau und Kindern in Madrid.
    Beide Handlungsstränge zeigen die Verwicklung vieler "normaler" Leute ins organisierte Verbrechen - sowohl in Spanien als auch in Mexiko. Dass die Kommunisten eine wesentliche Mitschuld am Sieg Francos hatten, weil sie ihre anarchistischen und sozialistischen Verbündeten auf Betreiben Moskaus massenhaft liquidiert und verraten haben, ist eine unbequeme historische Tatsache. Ebenso
    undurchdringlich ist die Verstrickung vieler Mexikaner in ekelhaften Rassismus ("Sie hassen Euch dafür, dass ihr dieses Land kolonisiert habt, wollen aber, dass ihr ihre Töchter heiratet") und die üble Mischung aus allgegenwärtiger Korruption und Drogenmafia. So gut wie jeder hat irgendwo die Pfoten im Dreck oder lässt sich bumsen, um Vorteile zu haben.
    Das ist ebenfalls typisch für diesen Autor, der 2010 als einer der besten seines Landes geehrt wurde, obwohl er mt 41 Jahren noch recht jung für die Branche ist: Sein Personal ist alles andere als nett. Er beschreibt Menschen, die halt so sind, wie sie sind - und so reden, wie die Leute nun mal reden. Das ist oft alles andere als schön zu lesen, aber kreuzehrlich.
    Schade nur, dass die zwei gespiegelten Handlungsstränge so unordentich in zeitlich gegenläufigen Kapiteln einander folgen. Auf "Guadajara, 1997" folgt "Ein Strand von Veracruz, 1946", danach wieder Guadajara 1997 und dann plötzlich "Madrid, 1923" - und so weiter. Das stiftet eine unnötige Verwirrung (schon weil man dadurch die Figuren erst spät wirklich kennen lernt), die man anders hätte auflösen müssen.

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    Sommerregens avatar
    Sommerregenvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wie auch sein erstes Werk schwer beeindruckend!
    Im wahrsten Sinne wortgewaltig.

    Zwei sehr verworrene und verflochtene Handlungsstränge werden in diesem Buch gekonnt verknüpft. Ihre Verbindungsstelle liegt darin, dass es sich um die kompilzierte Familiengeschichte der Almansas handelt, die bewegter kaum sein könnte.
    Die Handlung erstreckt sich über den Zeitraum von 1923 bis 2014, was auch erklärt, weswegen es zu derart vielen schwierigen Situatonen und unterschiedlichen Lebenswelten kommt. So begleitet man die Figuren auf Fluchten, im Spanischen Bürgerkrieg, erlebt, wie aus Freunden erbitterte Feinde werden und erlebt hautnah, wie es sich anfühlt, keine wirkliche nationale Identität zu haben und sich daher immer als außenstehend zu fühlen zu haben.

    Sprachlich ist "Madrid, Mexiko" wie auch schon Ortuños Debüt äußerst eindringlich und geht mit ungeschönten Beschreibungen und kraftvollen Wörtern nahe, pflanzt sich hartnäckig festsetzende Bilder in den Kopf und lässt einen in die verschiedenen Epochen eintauchen. Viele Passagen muss man mehrfach lesen, um ihnen gerecht zu werden, da sie so geballt und geladen an Inhalt sind. Zudem sind die einzelnen Sätze, ebenso wie die Handlungsstränge an sich, dicht und eng verwoben, sodass man beim Lesen angehalten ist, aufmerksam und wachsam zu bleiben und die Augen nicht vor dem oft erschütternden Inhalt zu verschließen. Ortuños Worte lösen dabei einen starken Sog aus, lassen einen nicht mehr los und auch wenn man sich am liebsten eine Pause gönnen, um das Gelesene verarbeiten und überdenken zu können, ist man doch nicht in der Lage, das Buch länger als nötig aus der Hand zu legen. Darüber hinaus wird man sich gerade aufgrund der teilweise wütenden Worte erst des Ausmaßes bewusst, dass die beschriebenen Ereignisse für die Bevölkerung, für die Menschen ganz konkret, bedeuten und was es heißt, zur Flucht gedrängt zu werden.
    "Zu sagen, er habe geträumt, wäre falsch, denn er konnte nicht ohne die Unterstützung von Tabletten schlafen, und manchmal selbst dann nicht; doch er hatte den lebhaften Eindruck zurückbehalten, dass der Concho sein keuchendes, brutales Gesicht gegen die Fensterscheibe gedrückt und in seine Wohnung gesehen hatte. Sein Schweiß, der ihm mit der Feinfühligkeit eines Faustschlags in die Nase gestiegen war, stank nach Ammoniak." (S.97)
    Die Charaktere in "Madrid, Mexiko" sind sehr stark gezeichnet, weswegen man von ihnen recht schnell ein klares Bild erhält. Was nicht bedeutet, dass man wüsste, wie man über sie zu denken habe. Aber dadurch dass der Autor seinen Figuren starke Konturen verleiht, werden sie greifbar, wirken real und lassen sich in ihren Facetten wahrnehmen.
    Auch gelingt es dem Autor den Leser bereits vor Beginn der einzelnen Abschnitte auf das Kommende einzustimmen - so beispielsweise durch das Zitieren der Liedzeilen "Spanish bombs rock the province / I'm hearing music from another time" (S. 203) aus "Spanish Bombs" von The Clash.
    Dass die Geschichte zwischen den einzelnen Episoden von Kapitel zu Kapitel wechselt, verleiht dem Leser ein Gefühl der Unsicherheit, des Unbeständigen, wie es auch die Charaktere immer wieder erfahren müssen. Dennoch entdeckt man so die sich herauskristallisierenden Verbindungen der verschiedenen Erzählungen zueinander. Zu Beginn des Buches war es für mich gelegentlich etwas schwierig, den Überblick zu behalten ob der wechselnden Figuren, Zeiten und Orte, doch wird dies leichter mit der Zeit.

    Alles in allem handelt es sich um ein sehr nahegehendes Buch, dessen Inhalt sich schwerlich zusammenfassen lässt und dessen Komplexität beeindruckt. Sprachlich ist es, wie bereits "Die Verbrannten" , außergewöhnlich - man kann im wahrsten Sinne von "wortgewaltig" sprechen. Unter anderem werden stark gezeichnete, oftmals kantige Charaktere und eine verworrene Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund verschiedener Epochen von 1923 bis 2014 gekonnt dargestellt und erzählt.

    Kommentare: 3
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    JulesBarroiss avatar
    JulesBarroisvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Antonio Ortuño, öffnet mit diesem unbequemen Roman die Tür eines Abgrunds.
    Wir sind Reisende

    Madrid, Mexiko - Antonio Ortuño (Autor), 200 Seiten, Verlag: Kunstmann, A; Auflage: 1 (8. März 2017), 20 €, ISBN-13: 978-3956141652

      „Beim zweiten Schuss wusste er, dass er tot war.“ (Seite 11) Der Roman beginnt mit der Gewissheit des Todes. Alles was folgt ist der verzweifelte Kampf, um die Vollendung dieses Schicksal hinauszuzögern.

    Antonio Ortuño erzählt zwei parallele, miteinander verwobene Geschichten, die einen Zeitraum von über 90 Jahren umfassen, von 1923 bis 2014. Die Verbindung zwischen den beiden sind die Familienbande seiner Figuren. Eine sehr komplexe Familiengeschichte. Kapitel und Charaktere wechseln zwischen dem Spanien der 20er Jahr, dem Spanien des Bürgerkrieges (1936-1939), dem Mexiko der spanischen Einwanderer zum Zeitpunkt des Bürgerkrieges und des aktuellen Mexikos der Nachkommen.

    Und auch diese spanischen Emigranten der dritten Generation bleiben Ausländer, deren einzige Sicherheit die Unsicherheit ihrer Identität bleibt.

    Der Autor erinnert an die extreme Situation von den Anhängern der Zweiten Spanischen Republik und dem Debakel und der Querelen der Linken auf der Iberischen Halbinsel; die andere Geschichte bezieht sich auf zeitgenössische Probleme, unter denen die Nachkommen der spanischen Exilanten in Mexiko leiden, die sich mit der täglichen Gewalt und der Rache auseinandersetzen müssen.

    Der Roman befasst sich mit der Frage der nationalen Identität. Themen wie Migration und Grenzen, die mit Humor, Ironie, stilistische Präzision und viel Fantasie erzählt wird. Antonio Ortuño liefert ein klares und buntes Porträt von verschiedenen Epochen und Umgebungen; einprägsame Charaktere sowie einzelne Stimmen und Chöre in wenigen Pinselstrichen.

    Aber Madrid, Mexiko“ ist auch für Antonio Ortuño eine Annäherung an seine Wurzeln. So sagte er in einem Interview: „Ich bin der Sohn von Einwanderern und ich fühlte mich immer ein wenig fehl am Platz“.

    Ortuños Schreibstil ist wie ein Sirenengesang mit vielen Akkorden, wo es für den Leser darum geht, die Feinheiten in dieser sprachlichen Musik zu entdecken und sich dem fesselnden Tempo des Romans hinzugeben.

    Antonio Ortuño, öffnet mit diesem unbequemen Roman die Tür eines Abgrunds. Ein Roman über den ungelösten Mexiko-Spanien Konflikt und über das heutige Mexiko als eine Mischung aus vielen Identitäten. Sehr lesenswert, aus literarischer und historischer Sicht.

    Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Antje Kunstmann Verlages

    http://www.kunstmann.de/titel-0-0/madrid_mexiko-1248/

    Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

     

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