Antonio Tabucchi

 4.1 Sterne bei 199 Bewertungen
Autor von Erklärt Pereira, Indisches Nachtstück und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Antonio Tabucchi

Antonio Tabucchi wurde am 23. September 1943 in Vecchiano bei Pisa geboren und verstarb am 25. März 2012 in Lissabon. Nach der Promotion in moderner Literatur an der Universität Pisa, war er Ordinarius für portugiesische Sprache an der Universität Genua und Leiter des italienischen Kulturinstituts in Lissabon. Neben Lehrtätigkeiten an der Universität Pisa und Siena veröffentlichte er Romane, Kurgeschichten, Essays und Theaterstücke. Für sein Werk wurden ihm zahlreiche Preise, wie dem Premio Gampiello, dem Premio P.E.N. Club und den Österreichischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet. Tabucchi war Mitbegründer des International Parliament of Writers.

Alle Bücher von Antonio Tabucchi

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Erklärt Pereira

Erklärt Pereira

 (86)
Erschienen am 01.12.2007
Indisches Nachtstück

Indisches Nachtstück

 (21)
Erschienen am 01.08.2009
Der verschwundene Kopf des Damasceno Monteiro

Der verschwundene Kopf des Damasceno Monteiro

 (14)
Erschienen am 01.09.1999
Lissabonner Requiem

Lissabonner Requiem

 (11)
Erschienen am 18.03.2002
Träume von Träumen

Träume von Träumen

 (8)
Erschienen am 01.02.2006
Der Rand des Horizonts

Der Rand des Horizonts

 (8)
Erschienen am 01.01.1997
Die letzten drei Tage des Fernando Pessoa

Die letzten drei Tage des Fernando Pessoa

 (5)
Erschienen am 27.07.1998
Der schwarze Engel

Der schwarze Engel

 (6)
Erschienen am 01.08.2001

Neue Rezensionen zu Antonio Tabucchi

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alexfischts avatar

Rezension zu "Indisches Nachtstück" von Antonio Tabucchi

Für jede Gelegenheit!
alexfischtvor einem Jahr

Antonio Tabucchis Nachtstück wurde mir von meiner Professorin für italienische Literatur empfohlen. Es geht um eine Reise und Suche in Indien, aber eigentlich um viel mehr: Die theosophische Gesellschaft Indiens wird durch Begegnungen repräsentiert, die absurd scheinen, aber in deren kulturellen Kontext doch als völlig normal gelten. Das Paradoxe der indischen Philosophie wird durch Nebenbemerkungen deutlich, aber nicht kritisiert. Die einfache Handlung ist durch einen Erzähler präsentiert, der sich „nicht wichtig macht“, der nichts Spektakuläres aus dem Hut zaubert, sondern Realistisches berichtet. Am Ende stellt sich die Suche als Reflexion heraus.

Tabucchi, der portugiesische Literatur dozierte, war zeitlebens inspiriert von Pessoa, welcher die „Erzählerauflösung“ erfand. Dieses Stück geht in eine ähnliche Richtung.
Ich habe es schön gefunden, aber etwas ganz anderes erwartet.

Was ich toll finde: Man kann es auf vielen Ebenen lesen, so dass es für fast jeden empfehlenswert ist: Als Reisebericht, als kulturelle Annäherung, auf der symbolisch-literarischen Deutungsebene als Rätsel oder einfach als realistische Erzählung.
Ich würde Actionliebhabern und Freunden einer klaren Auflösung am Ende allerdings eher nicht empfehlen.

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Duffys avatar

Rezension zu "Der schwarze Engel" von Antonio Tabucchi

Tabuccis Netz
Duffyvor 2 Jahren

Tabucci ist ein Spieler mit Worten. Seine Fähigkeit, Gedanken und Seelenzustände in Sätze zu formen ist beeindruckend. Die kleineren Geschichten von ihm sind wie eine Spielwiese, auf der sich der Autor austobt, dabei schießt er manchmal über das Ziel hinaus, wenn er nämlich seine Übergänge von Realität in die Fiktion gestaltet, die dem Leser einiges abverlangen. Nun war Tabucci noch nie der Schreiber, den man nebenbei lesen kann, doch die Konzentration, die hier aufzubringen ist, um ihm so zu folgen, dass man auch in den vollen Genuss der Lektüre kommt, ist schon groß. Dabei geht es auch ganz konkret zur Sache, wie z.B. mit der Konfrontation Jugendlicher während der Salazar-Zeit mit der Gewalt oder die Bewältigung der Vergangenheit seines Vaters, der sich ein Junge aussetzt. Doch Tabuccis Stilmittel ist auch gerade das Loslösen von der Realität hinein in etwas Traumhaftes. Grenzbereiche werden betreten und hier könnte es, wenn man sich nicht darauf einlassen kann oder will, zu Missverständnissen kommen. Für den Liebhaber der klaren Strukturen ist das eher nichts, doch wer Tabucci kennt und schätzt, kommt hier voll auf seine Kosten. Wegen dieser Zwiespältigkeit der objektive Versuch von nur drei Sternen. Und das von einem Fan.

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Rabenfraus avatar

Rezension zu "Erklärt Pereira" von Antonio Tabucchi

"Diese Stadt stinkt nach Tod..."
Rabenfrauvor 2 Jahren

Lissabon im Sommer 1938. Ein Jahr später schon wird der zweite Weltkrieg vor der Tür stehen. Im Moment bekommt Portugal selbst von den Unruhen wenig mit. Es herrscht das faschistisch-autoritäre Regime von António de Oliveira Salazar – damals Ministerpräsident von Portugal – und im in Spanien tobenden Bürgerkrieg wird Franco von Mussolini und Hitler unterstützt.

Tabucchi’s Figur Pereira, ehemals Lokalreporter einer großen Zeitung, flüchtet sich in seine aktuelle Arbeit, in die Erstellung einer Kulturseite, die einmal wöchentlich in der Abendzeitung Lisboa erscheint. In seinem stillen Kämmerlein, fernab der eigentlichen Redaktion und des regierungstreuen Zeitungsdirektor, schreibt er Nachrufe auf verstorbene Schriftsteller, und übersetzt vor allem französische Erzählungen und Romane des 19. Jahrhunderts für seine Leser. Ein sicherer Hafen, eine Blase, in der er sich vor der Wirklichkeit, vor der politischen Lage und auch vor seiner eigenen Meinung verstecken kann. Davor Stellung zu beziehen.

[…] aber für einen Menschen wie mich in einem Land wie diesem ist es nicht einfach, sein Bestes zu tun, wissen Sie, ich bin nicht Thomas Mann, ich bin nur ein unbekannter Kulturredakteur einer bescheidenen Abendzeitung, hin und wieder schreibe ich einen Nachruf auf einen berühmten Schriftsteller und übersetze französische Erzählungen des neunzehnten Jahrhunderts, mehr läßt sich nicht machen.
(Seite 71)

Die Wandlung aber, die Pereira erfährt, nachdem Francesco Monteiro Rossi und Marta in sein Leben treten, geschieht schleichend, und ist gerade deshalb umso faszinierender, da glaubhaft gestaltet. Pereira ist, was so viele von uns sind: Zu bequem, zu faul, zufrieden mit dem was sie haben, solange sich ihre eigene Situation nicht zum Schlechteren ändert.

Verdeckt äußert Pereira Kritik am System, spricht von Reue in seinen übersetzten Erzählungen, hofft, dass die versteckte Botschaft ein offenes Ohr findet. Und doch verläuft diese Veränderung so schleichend, dass Pereira selbst sich nicht erklären kann, warum er so gehandelt hat, wie er es letztendlich tat. Und genau das macht seine Figur so glaubwürdig.

Pereira als Figur besuchte Tabucchi eines Tages, und ließ ihn nicht mehr los. Inspiriert von wahren Geschehnissen, wie es sie zu Zeiten wie diesen sicherlich mehr als einmal gegeben hat, schreibt Tabucchi hier eine Zeugenaussage nieder, fast schon ein Verhör, in der Pereira seine Entwicklung vom Realitätsflüchtling zum stillen Widerstandskämpfer beschreibt. Erklärt. Pereira erklärt. Der Titel des Buches ist sicherlich auch im eigentlichen Text Programm. und zieht den Leser gekonnt in seinen Bann.

Man mag nun Theorien aufstellen: So könnten die Charaktere in „Erklärt Pereira“ einfach nur Pereira’s Gewissen sein, seine anderen Seelenteile, wie sein Arzt selbst sogar die Theorie beschreibt. Sein Freund, der Priester, die jüdische Dame im Zug, und eben jener erwähnter Arzt, alle könnten eine bildhaft gewordene Form von Pereiras Gewissen geworden sein, seines politischen Unterbewusstseins. Ein Unterbewusstsein, dem durchaus klar ist, dass etwas getan werden muss.

[…] ich bin zu der Überzeugung gelangt. daß wir nicht eine einzige Persönlichkeit besitzen, wir haben viele Persönlichkeiten, die unter der Vorherrschaft eines hegemonischen Ichs nebeneinander existieren.
(Seite 138)

Erklärt Pereira“ ist ein ruhiger Roman, eine Mitschrift eines Verhörs, wie es durchaus stattgefunden haben könnte, und zeigt den Weg seiner Hauptperson auf, die Stellung bezieht, die sich mit der Wahrheit auseinandersetzt, der bewusst wird, dass etwas getan werden muss – und deren Leben sich durch diese Erkenntnis zunächst schleichend, aber grundlegend verändert.

Ein Roman, dessen Botschaft schon bei politischen Machtkämpfen der Neuzeit eingesetzt wurde, aber der fernab davon wohl für jeden einzelnen Leser eine wichtige Erkenntnis bereithält. Welche genau das ist, das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

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