Der Spanische Bürgerkrieg

von Antony Beevor 
5,0 Sterne bei2 Bewertungen
Der Spanische Bürgerkrieg
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Solide Übersicht über die Geschichte des spanischen Bürgerkriegs

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Grausame Details, das Entstehen von Gewalt und Willkür. Spanien, ein Spielbrett, auf dem viele um Macht kämpfen, aber nicht nur die Spanier.

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Inhaltsangabe zu "Der Spanische Bürgerkrieg"

Zum 80. Jahrestag des Ausbruchs des Spanischen Bürgerkriegs – Juli 2016

Der Spanische Bürgerkrieg wurde zum Trauma für das moderne Spanien und ist in der Gesellschaft bis heute spürbar. Im Kampf der Volksfront, die von großen Teilen der europäischen Intellektuellen ideell und militärisch (in internationalen Brigaden) unterstützt wurde, gegen die Nationalisten unter General Franco, hinter dem das nationalsozialistische Deutschland und das faschistische Italien standen, bekämpften sich die beiden großen Ideologien des Jahrhunderts.
Antony Beevor erzählt die Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs und seiner Folgen aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts. Meisterhaft entwirrt er die komplexen gesamtpolitischen und die innerspanischen Ursachen des Krieges und zeigt den dramatischen Verlauf bis hin zur katastrophalen Niederlage der Republikaner 1939.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783570551479
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:656 Seiten
Verlag:Pantheon
Erscheinungsdatum:18.01.2016

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    Matzbachvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Solide Übersicht über die Geschichte des spanischen Bürgerkriegs
    Mehr als aufschlussreich

    Als ich vor einigen Jahren Jaume Cabrés "Die Stimmen des Flusses" las, beschloss ich, irgendwann mein Oberflächenwissen über die Geschichte des spanischen Bürgerkriegs zu vertiefen, was ich jetzt mit der Lektüre dieser Monographie von Antony Beevor tat. Dass dieser ein Autor mit Hang zur Militärigeschichte ist, merkt man auch diesem Buch an, er beschreibt sehr detailliert die Schlachten zwischen den Republikanern und den Nationalisten, doch das ist nicht die eigentliche Stärke des Buches. Vielmehr interessierten mich die Vorgeschichte und die politische Seite des Bürgerkrieges, welche Beevor fundiert beschreibt.

    Gerade als Spanien dabei ist, den "Mief von tausend Jahren" Katholizismus abzustreifen, startet General Franco seinen Putsch gegen die mit denkbar knapper Mehrheit regierende Volksfrontregierung aus Sozialisten, Anarchisten, Liberalen und Kommunisten. Die Begründung: Rettung Spaniens vor dem drohenden Kommunismus. Dahinter verbirgt sich aber sehr viel mehr. Die Abschaffung der Monarchie, die Trennung von Kirche und Staat sowie der Versuch, soziale Gerechtigkeit in einem zutiefst feudalem Land herzustellen, ruft den Widerstand von Großgrundbesitzern, Konservativen und vor allem der Katholischen Kirche hervor. Deren Führer kennen keine christliche Nächstenliebe und rufen zum Kreuzzug gegen den gottlosen Kommunismus, Sozialismus, Liberalismus und alles, was sonst nichts ins eigene Weltbild passt, auf. Interessante Fußnote dabei ist, dass Francos erste Truppen, die "Moros" (=Mauren), muslimische Krieger waren, die massenhaft  spanische Frauen in den eroberten Gebieten vergewaltigten, was die Kirchenoberen offensichtlich nicht störte, denn es waren ja gottlose Republikanerinnen. Auch Fake News sind keine moderne Erfindung. Beide kriegsführenden Parteien sind da nicht zimperlich gewesen, dem jeweiligen Gegner wurden die schlimmsten Gräueltaten unterstellt (nicht dass keine passiert wären, aber sie wurden zusätzlich aufgebläht). Gipfel der Lügen: laut den sich selbst so bezeichnenden Nationalspaniern war die Vernichtung Guernicas nicht die Folge der Angriffe der deutschen Luftwaffe, sondern dadurch verursacht, dass die abziehenden Republikaner die Stadt in Brand gesetzt hätten.

    Ähnlich schändlich wie die Rolle der katholischen Kirche war die der demokratischen Regierungen in Westeuropa, insbesondere die Großbritanniens. Die damalige französische Volksfrontregierung war durchaus geneigt, die spanischen Gesinnungsgenossen zu unterstützen, doch die britische Regierung bremste sie aus, teilweise, weil man eher Sympathie für die nationalistischen Putschisten als die überwiegend demokratischen Republikaner empfand, teilweise, weil man einen größeren Konflikt mit den beiden faschistischen Staaten in Europa befürchtete. So gründete man lieber mit diesen ein sogenanntes "Nichteinmischungskomitee", eine absurde Farce, weil damit festgeschrieben wurde, dass die demokratischen Staaten keine Waffen an die Republikaner liefern durften. Dass gleichzeitig deutsche Luftwaffe und italienische Truppen auf Seiten der Aufständischen eingesetzt wurden, wusste jeder, aber ebenso tat jeder, als ob  es nicht so sei. Ein erbärmliches Versagen der westlichen Demokratien, aber nicht unbedingt überraschend, denkt man an das sich gleichzeitig vollziehende Schicksal der Tschechoslowakei.

    Ein Wort noch zum angeblich drohenden Abfall Spaniens zum kommunistischen Lager, der als Legitimation für Francos Aufstand herhalten musste: Der Einfluss der Kommunisten in der Volksfrontregierung war 1936 sehr gering. Doch mit der Generalsrevolte war die Republik gezwungen sich Verbündete/Unterstützer zu suchen. Das einzige Land, das bereit war, die Republikaner mit Waffen zu beliefern und militärisch zu unterstützen, war die Sowjetunion, über deren egoistische Motive es keinen Zweifel gibt. Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen und die Volksfrontregierung lieferte sich der Sowjetunion aus (es kam ja keine Unterstützung von den demokratischen Staaten). Mit der sich daraus entwickelnden Abhängigkeit gewannen natürlich die Kommunisten immer mehr Einfluss in Spanien und brachten das Land tatsächlich auf stalinistischen Kurs, mit allem, was dazu gehört, etwa Säuberungsaktionen, die Andersdenkende im republikanischen  Lager betrafen. Doch dies ist nicht der Grund, sondern die Folge des faschistischen Putsches.

    PS: Die Lektüre war mal wieder ein Grund für mich, über einen Austritt aus der katholischen Kirche nachzudenken, aber die hat sich ja, Gott sei Dank, weiterentwickelt.

     

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    Caastorbs avatar
    Caastorbvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Grausame Details, das Entstehen von Gewalt und Willkür. Spanien, ein Spielbrett, auf dem viele um Macht kämpfen, aber nicht nur die Spanier.
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