Antti Tuomainen

 3,7 Sterne bei 178 Bewertungen
Autor*in von Die letzten Meter bis zum Friedhof, Der Heiler und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Antti Tuomainen, Jahrgang 1971, ist einer der angesehensten und erfolgreichsten finnischen Schriftsteller. Er wurde u. a. mit dem Clue Award, dem finnischen Krimipreis, ausgezeichnet, Klein-Sibirien wurde mit dem Petrona Award als bester skandinavischer Kriminalroman 2020 prämiert. Tuomainens Romane erscheinen in über 25 Ländern und werden verfilmt. Die Rechte am Auftakt der Henri-Koskinen-Trilogie, «Der Kaninchen-Faktor», sicherte sich eine Hollywood-Produktionsfirma, in der Hauptrolle wird Steve Carell zu sehen sein. 

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Antti Tuomainen

Cover des Buches Die letzten Meter bis zum Friedhof (ISBN: 9783499273889)

Die letzten Meter bis zum Friedhof

(57)
Erschienen am 22.01.2019
Cover des Buches Der Heiler (ISBN: 9783548611952)

Der Heiler

(44)
Erschienen am 11.11.2013
Cover des Buches Palm Beach, Finland (ISBN: 9783499274770)

Palm Beach, Finland

(20)
Erschienen am 28.01.2020
Cover des Buches Klein-Sibirien (ISBN: 9783499001468)

Klein-Sibirien

(17)
Erschienen am 19.10.2021
Cover des Buches Der Kaninchen-Faktor (ISBN: 9783499001741)

Der Kaninchen-Faktor

(12)
Erschienen am 13.09.2022
Cover des Buches Das Elch-Paradoxon (ISBN: 9783498002626)

Das Elch-Paradoxon

(4)
Erschienen am 13.09.2022
Cover des Buches Die Biber-Methode (ISBN: 9783498002633)

Die Biber-Methode

(4)
Erschienen am 15.08.2023
Cover des Buches Todesschlaf (ISBN: 9783548612294)

Todesschlaf

(5)
Erschienen am 10.10.2014

Neue Rezensionen zu Antti Tuomainen

Cover des Buches Die Biber-Methode (ISBN: 9783498002633)
porte-bonheurs avatar

Rezension zu "Die Biber-Methode" von Antti Tuomainen

porte-bonheur
"Wo Mathematik und Liebe zueinanderfinden, wohnt das Glück."

Der Ich-Erzähler führt einen Freizeitpark, der nach seiner Übernahme vom verschwundenen Bruder gerade gut ins Laufen gekommen ist. Da bietet der Freizeitpark am anderen Ende der Stadt nicht nur freien Eintritt an sondern auch Getränke und Essen zu erstaunlich günstigen Preisen. Und so dauert es nicht lange, bis die Parkfläche bei Henri Koskinen leer bleibt. Wie machen die anderen das, sie können doch unmöglich etwas verdienen und welchem Zweck dient die Gratis-Offerte, will Koskinen wissen und er ist immerhin gelernter Versicherungsmathematiker, er kann das exakt berechnen und darstellen? So stattet er dem Konkurrenzpark einen nächtlichen Besuch ab und stolpert dabei über eine Leiche, nämlich die des anderen Eigentümers. Jetzt muss Koskinen diesen Todesfall aufklären, will er nicht selbst dafür zur Verantwortung gezogen werden. Und das wo er doch gerade erst zu seiner Freundin, der Malerin Laura Helanto gezogen ist und sich in Sachen Familie, eine kleine Tochter ist auch noch da, erst einarbeiten muss. Als dann auch noch in der Schule der Tochter über Spendenbazare eine Paris-Reise organisiert werden soll und Koskinen zur emsigen Mitarbeit überrumpelt wird, weiß er nicht mehr so richtig, wie er das alles noch auf die Reihe kriegen soll...

Welch eine Entdeckung für mich! Ich wusste nicht, dass dies schon der dritte Band des Autors um den Ich-Detektiv Henri Koskinen ist - er liest sich aber ganz ohne Vorkenntnis der anderen beiden - aber was für ein erfrischendes Lese-Erlebnis! Die in der Umschlagsklappe angeführten Kritik-Auszüge, "Der König des schrägen Kriminalromans" und "Ein wunderbarer Autor. Seine Charaktere, Geschichten und die Atmosphäre sind meisterhaft gezeichnet." haben alle recht. Wer es schräg und überrschend mag, dringend auch Abwechslung von den derzeit so viel aufgelegten Regional-/"Urlaubs"-Krimis, wird von Antti Tuomainen bestens bedient. Ein paar wenige (kurze) Längen führen zwar zu einem Sternabzug, fallen aber bei der überschaubaren Seitenzahl ansonsten nicht ins Gewicht. Ein ausgesprochenes Lesevergnügen, wenn man es etwas skurril mag und dabei auch nicht nur eine Leiche erleben will....

Cover des Buches Klein-Sibirien (ISBN: 9783499001468)
Pascal_Maesss avatar

Rezension zu "Klein-Sibirien" von Antti Tuomainen

Pascal_Maess
Klein Sibirien – tragisch, schräg und herrlich skurril

Antti Tuomainen beweist erneut, dass er das skandinavische Gegenstück zu Guy Ritchie sein könnte – mit seinem ganz eigenen Ton, einer Vorliebe für Außenseiter und einem feinen Gespür für das Tragikomische. Nach Palm Beach, Finnlandverschlägt es uns diesmal nach Klein Sibirien – ein nordisches Kaff mit dem ganz großen Chaos.

Der Ich-Erzähler ist Pfarrer – und gleichzeitig eine klassische tragische Figur. Vom Leben gebeutelt, von seiner Frau betrogen, aus Afghanistan traumatisiert zurückgekehrt und nun auch noch zeugungsunfähig. Aber statt sich in Selbstmitleid zu suhlen, entscheidet er: Jetzt reicht’s! – und genau daraus zieht der Roman seinen Drive. Dieser melancholische, aber nicht selbstmitleidige Ton funktioniert richtig gut, weil er immer wieder durch trockenen Humor und lakonische Selbstreflexion gebrochen wird.

Wie schon in Palm Beach lebt das Buch stark von seinen Figuren – und was für welche das wieder sind: ein abgehalfterter Rallyfahrer, ein Endzeit-Philosoph, schräge Dorfbewohner, und ein Protagonist, der einfach nicht mehr Zuschauer seines eigenen Lebens sein will. Alle leicht überzeichnet, aber nie zu viel. Die Skurrilität dieser Menschen verleiht dem Roman Tiefe, ohne dass Tuomainen große Monologe oder Psychogramme braucht – die Geschichten, Eigenarten und absurden Verwicklungen machen die Figuren einfach lebendig.

Das zentrale Thema – ein mysteriöser Meteorit und der Kampf darum – ist natürlich abgedreht, aber funktioniert als Aufhänger wunderbar. Die vielen Wendungen halten den Spannungsbogen oben, besonders weil man als Leser:in nie genau weiß: Wer steckt wirklich hinter dem Einbruch? Und gerade die Eifersucht des Pfarrers bringt eine weitere, menschlich glaubwürdige Ebene hinein.

Interessant ist auch, wie der Roman mit Glaube, Moral und Zufall spielt – etwa, wenn ein Pfarrer selbst nicht mehr an Gott glaubt und trotzdem die moralische Instanz des Dorfes wird. Das Ganze bleibt aber durchweg satirisch und pointiert – nie schwer, nie belehrend.

Unterm Strich ist Klein Sibirien nicht ganz so bissig wie Palm Beach, Finnland, dafür vielleicht eine Spur melancholischer und reflektierter. Eine klare Empfehlung für alle, die schrägen Humor mögen – und zwischen tiefen Gedanken und absurd-komischen Szenen gerne hin- und herschaukeln.

Cover des Buches Palm Beach, Finland (ISBN: 9783499274770)
Pascal_Maesss avatar

Rezension zu "Palm Beach, Finland" von Antti Tuomainen

Pascal_Maess
Schwarzer Krimi mit Coen-Vibes – keine Schublade, aber jede Menge Charakter

Zunächst einmal: Palm Beach, Finland lässt sich für mich in kein klassisches Genre stecken. Wer hier Nordic Noir erwartet, liegt falsch – aber das ist keineswegs negativ gemeint.

Schon die ersten Seiten haben mich überrascht, nicht zuletzt, weil die deutsche Übersetzung von Jan Costin Wagner stammt – einem Autor, den ich sonst mit stiller Melancholie verbinde. Palm Beach, Finland hingegen ist das genaue Gegenteil: bunt, ironisch, überzeichnet, dabei aber niemals albern. Die Stimmung erinnerte mich sofort an die Serie Fargo– schwarzer Humor, skurrile Figuren, eine gewisse Lakonie und das alles mit nordischem Flair.

Was das Buch für mich besonders gemacht hat, ist die Kombination aus düsterer Grundstimmung und einem konstanten Augenzwinkern. Die Charaktere sind schräg, ja – aber nie platt. Im Gegenteil: Tuomainen gelingt es, sie so fein zu zeichnen, dass ich mit jeder Figur mitfühlen konnte. Ich habe ihre Motivationen verstanden, ihre kleinen Dramen gespürt – und das hatte ich bei einem Buch mit diesem Tonfall nicht erwartet.

Die Kapitel sind angenehm kurz gehalten, was für Tempo sorgt. Die Handlung an sich ist nicht revolutionär, aber das scheint auch gar nicht das Ziel zu sein. Vielmehr steht das Figurenensemble im Mittelpunkt – und genau das funktioniert wunderbar. Die Geschichte ist durch ihre Überzeichnung fast schon comichaft, wird dadurch aber in ein neues Licht gerückt. Was auf dem Papier banal klingt, wird durch Stil und Ton extrem unterhaltsam.

Für mich war Palm Beach, Finland eine erfrischende Abwechslung zum klassischen Nordic Noir. Kein purer Krimi, keine Komödie – eher ein liebevoll skurriles Verwirrspiel mit viel Atmosphäre und Herz. Wer offen ist für ein wenig stilistischen Grenzgang, bekommt hier einen echten Geheimtipp serviert.

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