Die Geschichte einer kurzen Ehe

von Anuk Arudpragasam 
3,5 Sterne bei2 Bewertungen
Die Geschichte einer kurzen Ehe
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Inhaltsangabe zu "Die Geschichte einer kurzen Ehe"

Die Geschichte eines Tages im Krieg. Dinesh, ein junger Mann, versorgt Verletzte in einem Lager im Dschungel, läuft ziellos umher, denkt an seine Mutter, die getötet wurde und an deren Gesicht er sich nicht mehr erinnert. Jede Nacht fallen Bomben, doch sie machen ihm keine Angst mehr. Ein Mann bittet ihn, seine Tochter zu heiraten, Ganga. Er hofft, dass Dinesh für sie sorgen wird. Ganga ist eine junge, ernsthafte Frau – und nun seine Frau. Die beiden versuchen, die Fremdheit zu überwinden, ihre unerwartete Nähe zu erkunden, bevor der Krieg sie wieder trennt. In unvergesslichen Szenen lässt Anuk Arudpragasam die menschliche Existenz inmitten der Finsternis in ihrer ganzen Würde aufscheinen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783446256774
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Erscheinungsdatum:24.07.2017

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    serendipity3012vor einem Jahr
    Kriegsalltag

    Kriegsalltag 

    Es gibt keine Schonfrist. Gleich auf der ersten Seite: ein sechsjähriger Junge, der schon ein Bein verloren hat, bei der Explosion einer Landmine, und der nun auch seinen rechten Arm verlieren wird. Der Leser wird Zeuge der Amputation, die ausführlich beschrieben wird. Es gibt keine Betäubung, der Arzt führt die Operation ruhig und ohne das Zeichen jeglicher Emotion durch, der bewusstlose Junge erwacht vom Schmerz. Ein kaum zu ertragender Romanbeginn, der zeigt, was für eine Geschichte uns erzählt werden wird, und der andeutet, auf welche Weise.

    Wir befinden uns einem Flüchtlingslager, wo, wird nicht mitgeteilt, es ist nicht relevant. Es herrscht Krieg. Alle, die es bis hierhin geschafft haben, haben Angehörige verloren und wissen, dass auch der eigene Tod wahrscheinlich ist vor Ende des Krieges, wann immer dies auch kommen mag. Man hat sich eingerichtet, einen Alltag im Grauen gefunden, ist abgestumpft. Der sri-lankische Autor Anuk Arudpragasam erzählt in seinem Debütroman „Die Geschichte einer kurzen Ehe“ von einer nur sehr kurzen Zeit in diesem Lager.

    Auch Dinesh hat seine Angehörigen verloren, floh mit seiner Mutter, die unterwegs starb. Im Lager kommt ein alter Mann auf ihn zu, der ihn bittet, seine Tochter Ganga zu heiraten. Er hofft, seine Tochter bei Dinesh versorgt zu wissen, auch wenn fraglich ist, ob die Ehe sie wirklich schützen kann in Zeiten, in denen andere Regeln gelten als sonst. Dinesh willigt ein, und er und Ganga versuchen zaghaft, sich einander anzunähern. Sie sind Fremde füreinander.

    Arudpragasam erzählt seine Geschichte sehr ruhig, beschreibt ausführlich, vor allem auch sinnlich das, was den Menschen im Lager und als Beispiel Dinesh noch geblieben ist. Der Autor konzentriert sich dabei vor allem auf den Körper und Körperfunktionen, die er minutiös beschreibt oder zum Beispiel auf den so menschlichen Wunsch, sich nach langer Zeit ausgiebig zu waschen. Es sind die Alltäglichkeiten, die geblieben sind, wo alles andere verloren ist, der Wille, sich ein bisschen Würde zu bewahren.

    Zweiter Schwerpunkt seiner Geschichte ist das Zwischenmenschliche, was zwischen Dinesh und Ganga passiert, auch hier mit großer Behutsamkeit geduldig dargelegt. Der Ton des Autors ist dabei stets der gleiche: Das Schlimme unterscheidet sich nicht mehr vom eigentlich Belanglosen, das hier so viel wichtiger wird, an das die Menschen sich klammern.

    „Die Geschichte einer kurzen Ehe“ ist ein schmales Buch, das ich trotzdem immer wieder zur Seite legen musste, weil es so deprimierend, so trostlos ist – auch wenn die Protagonisten immer wieder versuchen, der Trostlosigkeit etwas entgegenzusetzen und dies ihnen auch ein Stück weit gelingt. Es ist ein Roman, den man vor allem ertragen muss. Arudpragasam findet eine treffende Sprache, um seine Geschichte zu erzählen und vermittelt die Hoffnungslosigkeit, der seine Protagonisten ausgesetzt sind, so gekonnt, dass die Geschichte mich niedergedrückt hat. Es ist eine Geschichte über die Würde des Menschen, und sie beschönigt nichts. Dem Autor ist sein Roman durchaus gelungen. Gern gelesen habe ich den Roman aber trotzdem nicht. Vielleicht spricht dies hier aber gerade auch für das Buch und dafür, dass es sein Ziel erreicht hat.


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    Bea_Mevor 10 Monaten

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    Pressestimmen

    Ein beeindruckender Debütroman aus Sri Lanka: die Geschichte eines Tages im Krieg. "Ein Triumph." Colm Tóibín

    "Ein Buch über den Krieg und die Angst – doch es ist ein Buch über Beharrlichkeit, Mut und Zärtlichkeit. Ein Triumph." Colm Tóibín
    „Dieses Buch ist ein ganz besonderes Epitaph, geschrieben von einem Hochbegabten, der verstehen will und sich deshalb in den Kopf eines Mannes versetzt, den er erfunden hat, um die Verheerung des Kriegs zu begreifen… Arudpragasam dringt vor an einen Punkt kreatürlicher Existenz, an dem die Wahrnehmung scharfgestellt ist, aber die Gefühle nahezu tot sind. Ein erstaunliches Buch, zum Wiederlesen.“ Verena Lueken, FAZ, 27.07.2017
    „Dies ist ein Roman, der wie eine Kerze in allertiefster Dunkelheit leuchtet. Es ist ein kostbarer, würdiger Text, vor dem man sich als Leser verneigen möchte, und das Stärkste, was man der Armseligkeit und Erbärmlichkeit des Terrors entgegensetzen kann.“ Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur, 01.08.2017
    „Ein eminentes Buch über die menschliche Hoffnung – und ein Debütroman, dessen vielversprechender Autor schon jetzt in der Liga eines Michael Ondaatje spielt.“ Claudia Kramatschek, NZZ, 13.09.2017
    „Ein herausragendes und wichtiges Buch, das ohne Illusionen den verlorenen Möglichkeiten der Menschlichkeit im größten Schrecken nachspürt … Schockierend, erdrückend und er-schütternd ist Die Geschichte einer kurzen Ehe nicht zuletzt auch wegen der literarischen Klasse, mit der Anuk Arudpragasam operiert: Was es bedeuten kann, als Zivilist zwischen Militärs zerrieben zu werden, wurde selten so eindrucksvoll beschrieben – ein Statement zu einem DER Themen unserer globalisierten Zeit.“ Ulrich Noller, WDR Cosmo, 20.09.2017
    „Mit phänomenologischer Präzision schildert dieser junge Autor aus Sri Lanka die Mühsal, mit der mitten im Krieg … die dringlichsten menschlichen Bedürfnisse befriedigt werden und die verzweifelten Versuche der Gehetzten und Gejagten, einen letzten Rest Würde zu wahren. … Da es keine Aussicht auf Errettung gibt, zählt nur der Augenblick, der eine stille, aber existenzielle Wucht entfaltet. Subtil und feinfühlig geschrieben, mit einem atemberaubend dramatischen und herzzerreißenden Ende. Kaum zu glauben, dass dies ein Debütroman ist!“ Ilija Trojanow, Buchreport, 03.08.2017
    „Seine Geschichte ist so ungeheuerlich, weil sie von Kraft und Schönheit des Lebens angesichts des nahenden Todes und von Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten erzählt. Dinesh, seinen Mut, seine Zärtlichkeit und seine selbstverständliche Güte werden wir nicht vergessen.“ Renée Zucker, rbb Inforadio, 23.07.2017
    „Inmitten all der Härte legt Anuk Arudpragasam etwas frei, das es in dieser rohen und Form selten zu entdecken gibt: Das Ringen eines Menschen um seine eigene Menschlichkeit. … Die 220 Seiten des Romans schildern einen einzigen Tag voller extremer Ambivalenzen. Auch die Sprache changiert zwischen härtester Brutalität und zarter Poesie. Die feinfühlige Übersetzung von Hannes Meyer trägt diesem Spannungsfeld Rechnung. … ‚Die Geschichte einer kurzen Ehe‘ ist bestürzend, fremd, faszinierend und erschütternd zugleich. Eine überaus bemerkenswerte Stimme meldet sich zum ersten Mal literarisch zu Wort. Ein Buch, das einen so schnell nicht wieder loslässt.“ Carolin Courts, Deutschlandfunk, 17.8.2017
    „Ein Meisterwerk.“ Simone Hamm, WDR3, 30.10.2017

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