Anuschka Roshani

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Autor von Komplizen.

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Erschienen am 12.03.2018

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Rezension zu "Komplizen" von Anuschka Roshani

Sensibel, sehr persönlich, stellenweise schonungslos aber immer mit großer Empathie erzählt
WinfriedStanzickvor 3 Monaten



Es gibt im Leben vieler Menschen einen Zeitpunkt, in dem er beim Blick in den Spiegel von einem Tag auf den anderen mit Erschrecken sieht, dass er alt geworden ist. Andere spüren es bei gewohnten körperlichen Tätigkeiten, oder nach einem nach langen Vorsätzen durchgeführten Arztbesuch, der beängstigende Werte zu Tage brachte.

Mit dieser Ernüchterung einher geht nicht selten eine Veränderung des Blickes auf die eigenen Eltern. Denn die Zeit um das 50. Lebensjahr (Anuschka Roshani ist 1966 geboren) fällt sehr oft mit der Zeit zusammen, in der die bisher zwar alten, aber immer noch auf ihre Weise jung und lebendig wahrgenommenen Eltern, plötzlich krank und gebrechlich werden. Und auf einmal stellt sich dem Sohn oder der Tochter die Frage, wer man eigentlich ist. Wie ist man der Mensch geworden, der heute ist? Was haben die eigenen Eltern damit zu tun? Haben sie mich geprägt oder bin ich meine eigenen Wege gegangen?
An was erinnere ich mich besonders gern, und welche Erfahrungen  schmerzen noch heute? Auch Anushka Roshani stellt sich diese Fragen und geht dafür erzählend in die Geschichte ihrer Eltern zurück. Eine schillernde Geschichte, besonders eines exzentrischen Vaters, von dem sie zu Beginn ihrer Recherchen noch nicht einmal sein Geburtsdatum, weiß.

Als der Vater in hohem Alter eine schwierige Diagnose erhält, und dann schlussendlich bricht, beginnt sie zunächst tastend ihre Suche nach ihren eigenen Ursprüngen und entdeckt überraschende Komplizenschaften.
Sensibel, sehr persönlich, stellenweise schonungslos  aber immer mit großer Empathie erzählt Roshani das Leben ihrer Eltern, das Leben in einer bestimmten Zeit und Stimmung.
Die Eltern und die Tochter sind in diesem Buch nicht nur die Protagonisten einer außergewöhnlichen Familiengeschichte. Die nich nur eine Zeitreise in die Vergangenheit ist, sondern auch die Gegenwart einer Frau mittleren Alters in einem neuen Licht erscheinen lässt.






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Rezension zu "Komplizen" von Anuschka Roshani

Filou und Familie
michael_lehmann-papevor 7 Monaten

Filou und Familie

Es ist die Zeit, in der „fremdländische Attraktivität “ noch Türöffner auf allen, vor allem den oberen Ebenen war. Mitte, Ende der 50er, dann der 60er und 70er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Wobei der junge Perser, der da zum Medizinstudium nach Deutschland kommt (eher aus Zufall), noch ein ungebrochenes Schah-Regime zurücklässt und ob seines Aussehens, seiner Risikobereitschaft, der Lust am Leben und den schönen Dingen (und Frauen) die Herzen weitgehend im Sturm erobert.

Zunächst in Berlin, dann in Hamburg. Einer, klar, der zu Zeiten seinen „Ro 80“ fuhr. Genau das Auto, das vermögende Menschen als Status Symbol ewig juveniler Sportlichkeit bewegten. Menschen, die nicht „ganz oben“ mit schweren Karossen sich fahren ließen, sondern eben „gut dabei“, sportlich und lebenshungrig jeden Tag genossen.

Einer, der im „gereiften“ Alter klagt: „Nach mir sehen sich mittlerweile nur noch dreißigjährige um“.
„Eigentlich ja nicht so schlecht für einen fast 70jährigen“.

Eine Antwort der Tochter im Auto, die den jüngsten Sohn des Vaters, ihren Steifbruder, 12 Jahre alt, völlig verwirrt.

„Aber Papa ist doch nicht mal fünfzig“.

Und das tragisch-lustige daran ist, dass die „neue Familie“ und viele der Kollegen und Bekannten, das tatsächlich unterstreichen würden. Weil der Mann aussieht wie Anfang fünfzig, weil er nicht lügt, was sein Alter angeht, sondern dies eben einfach nie erwähnt. Was wiederum fest zu seiner Sicht des Lebens und der Inszenierung dessen gehört.

Dass dabei die Ehe mit dem „Mannequin“ nicht hielt, die Familie auseinanderbrach (und nur einmal noch für 14 Tage in der alten, persischen Heimat eher als „Rollenspiel“ zur „Aufführung“ kam, das ist einfach nur folgerichtig, liest man die Erinnerung Roshanis an ihre Eltern. Die nicht spinnefeind wurden, sondern während der Ehe und darüber hinaus auch eine Art „Komplizenschaft“ in ihren je ganz anderen Herangehensweisen an das Leben sich erhielten.

So enthält das Buch dann auch, nach Setzung dieser Themen, nicht nur Erinnerungen an eine andere Zeit oder die Aufarbeitung eines Verhältnisses zu einem Vater, sondern Anoushka Roshani stellt auch dem Leser einen Spiegel hin, wie sich selbst, wo jede Falte auch sie überrascht.

„Es muss mit meinem, nicht in gleichem Maße gealterten Selbstbild zu tun haben, dass mich das bestürzt“.

Wobei das nun nicht verwunderlich ist bei Eltern, die jeder für sich hochgradig das Äußere als „gegeben schön“ voraussetzten.

So wie auch die Geschichte Ihres Vaters, der in hohem Alter eine schwierige Diagnose erhält, dann erst wirklich bricht. Ein Bild für Menschen, für eine Zeit, die innerlich mit aller Kraft an vergehender Jugend und Kraft hängen und dabei die Gegenwart, den Blick nach vorne, den verantwortlichen Umgang mit sich selbst und mit den Ihren hintenanstellen.
Sensibel, persönlich, schonungslos teils und doch mit hoher Empathie erzählt Roshani das Leben ihrer Eltern, das Leben in einer bestimmten Zeit und Stimmung und die eigenen Gedanken aus dem eigenen Erleben der zerbrechenden Familie heraus, dass auch sprachlich so angelegt ist, dass es nicht irgendwann langweilig wird.

Sicher ein spezielles Thema mit einer speziellen Atmosphäre, das nicht jeden Leser in gleicher Weise interessieren oder packen wird, aber eine gut geschriebene Betrachtung von Entwicklungen aus konkreten Persönlichkeiten heraus, die viel allgemein Bedenkenswertes in sich tragen.

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