Wow – das war wirklich eine interessante und vor allem überraschende Fantasy-Geschichte. Ich hatte beim Hören mehrfach das Gefühl: Damit habe ich jetzt nicht gerechnet. Die Story entwickelt sich ganz anders, als man es vielleicht erwartet, und genau das hat sie für mich so spannend gemacht.
Wir begleiten vier sehr unterschiedliche Figuren – Aylia, die Assassine, Taran, den Tierflüsterer, Langara, die Hure, und Rylo, den Leibwächter der Königin. Gemeinsam sollen sie das von Naturkatastrophen zerstörte Land Aldaketa retten, indem sie ein Tor in eine andere Welt finden. Überschwemmungen, Vulkanausbrüche, Erdbeben – und zusätzlich verschwindet auch noch die Magie. Viel Zeit bleibt ihnen also nicht.
Erzählt wird die Geschichte aus wechselnden Perspektiven, was bei vier Hauptfiguren nicht immer einfach ist. Aber hier funktioniert das richtig gut. Die ersten drei Viertel haben ein angenehmes Tempo, die Perspektiven greifen sauber ineinander, auch wenn es zeitlich mal ein paar Minuten zurückgeht. Das ergibt ein rundes Gesamtbild. Die Sprecher waren wirklich großartig gewählt. Insgesamt haben die Stimmen hervorragend zu den jeweiligen Figuren gepasst. Jede hatte ihren eigenen Klang, ihre eigene Energie – und genau das ist bei vier wechselnden Perspektiven unglaublich wichtig. Dadurch konnte ich mich jederzeit orientieren und noch tiefer in die Geschichte eintauchen.
Im letzten Viertel zieht das Tempo dann extrem an – und ich hatte kaum noch Zeit zum Durchatmen. Aber genau dieses Gehetzte passt perfekt zur Situation der Figuren.
Emotional haben mich vor allem Taran und Aylia erreicht. Ihre Hintergründe haben mich mehr berührt als die der anderen beiden. Insgesamt hätte ich mir an manchen Stellen – etwa bei Aylias Verbindung zu Jorin oder bei Langaras besonderer Fähigkeit – noch etwas mehr Tiefe gewünscht, um wirklich komplett mitzufühlen. Trotzdem versteht man ihre Beweggründe gut. Die vier sind Fremde, müssen gezwungenermaßen zusammenarbeiten, und Vertrauen entsteht hier nicht sofort. Das mochte ich sehr, denn Vertrauen muss man sich verdienen. Oder wie Aylia sagen würde: „Vertraue niemals einer Assassine.“
Ein echtes Highlight waren für mich die Dialoge zwischen Langara und Rylo. Wortgewandt, voller Vorurteile, voller Reibung – und gleichzeitig unglaublich unterhaltsam. Dieses konfliktreiche Zusammenspiel trägt die Geschichte enorm.
Die Welt selbst wird eher angerissen, der Fokus liegt klar auf der Mission und den Figuren. Große epische Charakterentwicklungen sollte man nicht erwarten – aber dafür bekommt man eine intensive, konfliktreiche Reise mit überraschenden Enthüllungen. Bis zum Schluss bleibt offen, ob die Mission gelingt oder ob vielleicht sogar alles verloren ist. Und am Ende stellt sich auch die moralische Frage: Was ist eigentlich das Richtige?
Für mich ist das eine spannende, gut ausgearbeitete Fantasy-Story mit starkem Hörbuch-Erlebnis, tollen Sprecherleistungen und einer Geschichte, die mehr ist als nur eine klassische Quest.