Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910

von Aram Mattioli 
4,1 Sterne bei7 Bewertungen
Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910
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Ein sehr kritischer Blick auf die Besiedlung Amerikas und wie den Native Americans ihr Land genommen wurde.

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Inhaltsangabe zu "Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910"

Umfassend erzählt und deutet Aram Mattioli die Geschichte der Indianer und ihrer Vernichtung vom 18. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Anschaulich schildert er die globalen Ereignisse vor dem Hintergrund aller zentralen Zeiterscheinungen. Eindringlich beschreibt er den langen und gewaltsamen Prozess der Kolonisierung durch die weißen Siedler. Zugleich bezieht er stets die Sicht der »Besiegten« gleichberechtigt in die Betrachtung mit ein und zeigt eindrucksvoll, wie indianische Nationen ganz unterschiedlich auf die Landnahme reagierten. Daneben kommen die kulturellen Leistungen der Indianer ebenso zur Sprache wie die großen sozialen Umwälzungen und die vielfältigen Lebensformen. In packenden Szenen beschreibt der Autor die entscheidenden Kämpfe und zeichnet treffende Porträts der einfachen Menschen wie der großen politischen Akteure. Ein anregendes und brisantes Buch über die Verwandlung der amerikanischen Welt, das nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf die Gegenwart ein neues Licht wirft.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783608949148
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:464 Seiten
Verlag:Klett-Cotta
Erscheinungsdatum:11.03.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    SiColliers avatar
    SiColliervor 4 Monaten
    Eine überfällige Darstellung zur Geschichte der Indianer Nordamerikas

    Die Zerstörung des indianischen Nordamerika darf als Schlüsselereignis nicht mehr länger aus der Geschichte der USA wegretuschiert werden, gerade weil viele Amerikaner diese Katastrophe jahrzehntelang ausblendeten oder sie in ihrer Bedeutung bis heute kleinreden. (Seite 348)

    Meine Meinung

    „Es ist nicht möglich, alle an California Indians verübten Massenmorde zu thematisieren, weil es schlicht zu viele an der Zahl sind.“ (S. 210) Der Satz stand bei der Überlegung, welches Zitat ich über meine Rezension stelle, mit zur Auswahl. Immerhin hat er es an den Beginn der Rezension geschafft und deutet so auf zweierlei hin: daß es weder im Buch noch in der Rezension möglich ist, alles Relevante zu erwähnen (weil es schlicht zu viel ist) und wes Geistes Kind die heutigen USA sind, was zu deren Verständnis hilfreich ist.

    Selten hat mich ein Buch dermaßen wütend zurückgelassen wie dieses. Und das, obwohl (oder gerade deswegen?) der Autor in durchweg sachlicher, aber gut lesbarer, Sprache die historischen Ereignisse schildert. Daß er sich diese nicht aus den Fingern saugt, mag die übergroße Anzahl von Quellenhinweisen am Ende des Buches bezeugen.

    Zu Beginn führt er aus, daß es heute drei Positionen zum Untergang der Indianer gibt: die erste besagt, daß der Untergang nicht gewollt passierte, sondern eine „unbeabsichtigte Nebenfolge“ (S. 22) der Westexpansion war. Der zweite ist der Meinung, daß die nordamerikanischen Indianer seit Beginn der europäischen Expansion „Opfer eines gezielten und systematisch betriebenen Völkermordes“ wurden. (S. 22f) Der dritte schließlich besagt, daß die erstgenannten beide nicht zutreffend sind, sondern daß die Indianer an verschiedenen einzelnen Formen der Massengewalt, wie zum Beispiel Todesmärsche bei Umsiedelungsaktionen, Unterversorgung in Reservaten, Kindeswegnahmen, Massakern (vgl. S. 24f) unter gingen, diese insgesamt jedoch nicht die Bedingungen der Genozidkonvention vom 9. Dezember 1948 erfüllen würden.

    Das Buch selbst ist in einzelne Kapitel, die sich mit jeweils einer Großthematik, wiederum unterteilt in bestimmte Regionen bzw. Nationen, befassen aufgeteilt. So entsteht für die Zeit ab etwa 1700 bis in die Neuzeit ein sehr umfangreiches und detailliertes Bild dessen, was durch die Besiedelung des Westens durch die Amerikaner den dort seit Jahrhunderten lebenden indigenen Völkern widerfahren ist. Sicherlich würde eine Gesamtdarstellung aller Nationen samt deren Schicksal den Rahmen dieses (und auch jedes anderen Buches) sprengen, aber dadurch, daß wesentliche Schwerpunktthemen behandelt werden, erhält der Leser doch ein recht vollständiges Bild jener Ereignisse, die oft als „Eroberung des Wilden Westens“ verklärt dargestellt werden.

    Neu waren für mich die Ausführungen dazu, weshalb sich viele Nationen mit den Briten und/oder Franzosen gegen die Amerikaner verbündeten. Vor allem die Franzosen gestanden den Indianern - im Gegensatz zu den Amerikanern - viele Rechte zu, so daß sie relativ frei und unbehelligt in von diesen kontrollierten Gebieten leben konnten. Die Parteinahme für Briten und Franzosen war also wohlüberlegt im Sinne des eigenen Überlebens. Die verheerende Wirkung der von den Europäern eingeschleppten Seuchen war mir allerdings schon früher in anderen Veröffentlichungen begegnet.

    Immer wieder wird deutlich, daß es den Amerikanern völlig egal war, wie sie ihr Ziel, den Kontinent vollständig zu unterwerfen und zu besiedeln, erreichen. Dabei trat ein erschreckender Rassismus zutage, der bis heute wirkmächtig ist. Denn die First People wurden nicht als (gleichberechtigte) Menschen, sondern als „Wilde“, als „auf Steinzeitstufe stehengebliebene“, als „unterlegene Rasse“ angesehen, deren natürliches Schicksal es sei auszusterben. Niemand störte sich daran, daß dazu beispielsweise auch der 1. Zusatzartikel zur Verfassung gebrochen wurde (vgl. S. 297).

    Nach der Lektüre des Buches bin ich persönlich zu der Überzeugung gekommen, daß vielleicht kein expliziter schriftlicher Regierungsbeschluß zur vollständigen Ausrottung der Indianer existiert haben mag, die Handlungsweise sowohl von Regierung, US Army als auch den Siedlern lief jedoch auf genau diese hinaus. Weshalb vielleicht nicht im strengen juristischen Sinne nach einer Definition, die Jahrzehnte später erst erstellt wurde, in sachlicher und „gesunder menschenverstandsmäßigen“ Hinsicht jedoch sehr wohl ein gewollter Genozid vorliegt.

    Schriftlich nachweisen läßt sich allerdings der Ethnozid (vgl. das Kapitel S. 294ff: „Versuchter Ethnozid: ‘Töte den Indianer, rette den Menschen’“), in dem versucht wurde, die indianische Religion und Kultur vollständig auszulöschen. Es grenzt schon an ein Wunder, daß dies trotz der massiven Maßnahmen letztlich nicht gelang, wenngleich viel verloren gegangen ist.

    Vieles ließe sich noch anführen, aber wie eingangs erwähnt, reicht dafür der Platz nicht aus. Nur zwei aktuelle Bezüge sind mir im Verlauf des Lesens bewußt bzw. klar geworden. Zum Einen, daß der derzeitige US Präsident Donald Trump in „bester“ amerikanischer Tradition handelt und zum Anderen Europa (bzw. die EU Staaten) aufpassen müssen, daß es ihnen nicht ähnlich ergeht wie den Native Americans. Denn rücksichtslose und rüpelhafte Politik hat in Amerika offensichtlich eine jahrhundertelange Tradition. Dagegen hilft nur große Geschlossenheit, Entschiedenheit und Stärke. Wer weiß, wie die Geschichte in Nordamerika verlaufen wäre, hätten die indigenen Völker über diese Eigenschaften verfügt.

    So bleibt am Ende nur der Hinweis von Simon Pokagon, einem Potawatomi, von 1893 in seinem Büchlein „The Red Man’s Rebuke“:
    „Und während ihr, die ihr Fremde seid und hier lebt, die Angebote der Handarbeit eurer eigenen Länder hierher bringt und eure Herzen voller Bewunderung frohlocken über die Pracht und Größe dieser jungen Republik (...) vergesst nicht, dass diesem Erfolg unsere Heimstätten und eine einst glückliche Rasse geopfert wurden.“ (S. 337)


    Mein Fazit

    Eine umfassende, mit großer Sachkenntnis gut lesbar geschriebene Darstellung der Geschichte der Indianer der USA und ihres Unterganges. Ein unbedingtes Muß für jeden, der sich für die Thematik interessiert.

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    Buchgespensts avatar
    Buchgespenstvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Fundierte, objektive, schonungslose, entromantisierte Darstellung der erschütternden Geschichte der Indianer Nordamerikas. Aufwühlend!
    Schonungslose Wahrheit

    Amerika und seine Indianer – eine Geschichte voller Romantisierung, Politisierung und Vertuschung. Eine objektive geschichtliche Darstellung ist schwierig, da viele Quellen von persönlichen Zielen geprägt sind, doch auch in Amerika setzt sich ein differenzierte r Forschungsansatz, der nicht darauf beharrt das Gesicht zu wahren, immer mehr durch. Mit diesem Buch liegt eine schonungslose Darstellung der Geschichte der First Peoples zwischen 1700 und 1900 vor. Schonungslos ist sie in vielerlei Hinsicht. Nicht nur Vertreter der alten Politik, sondern auch diejenigen, die die Indianer romantisieren stoßen hier auf Erkenntnisse, die ihr Weltbild auf den Kopf stellen. Was bleibt ist ein großartiger Einblick in den erbarmungslosen Kampf um einen Kontinent, Kultur und Lebensform, der zur Vernichtung der Indianer führte.

    Das Buch nimmt dem Leser den Atem. Er möchte Weinen, er möchte helfen und doch weiß er, dass der große Kampf verloren ist. Dieses Werk ist schonungslos. Fundiert geschrieben wird der Bogen bis in die heutige Zeit gespannt; wie Nordamerika und Kanada mit ihrer Geschichte umgehen und wie sich die Indianerpolitik bis heute auswirkt. Ein brillantes Sachbuch, das nichts für schwache Nerven ist. Informativ und spannend verändert es den Leser und schafft ein völlig neues Welt- und Geschichtsverständnis. Eine klare Leseempfehlung!

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    raveneyes avatar
    raveneyevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein sehr kritischer Blick auf die Besiedlung Amerikas und wie den Native Americans ihr Land genommen wurde.
    Unfrei im eigenen Land

    Die alten Western zeigen eine Bild von der Besiedlung Amerikas, das die Pioniere als strahlende Helden darstehen lässt. Aber was wenn der Schein trügt? Dies wird in diesem Buch gnadenlos beleuchtet.

    Vorweg muss gesagt werden, dass das Buch sprachlich teilweise etwas kompliziert ist und nicht immer einfach zu verstehen. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, findet unter diesen Buchdecken ein ganz neues Bild von der Besiedlung Amerikas.

    Dieses Buch zeigt auf, mit welcher Selbstverständlichkeit die Neuankömmlinge in der neuen Welt von Anfang an Land für ich beansprucht haben, das ihnen nicht gehörte. Das hier schon Jemand wohnte war ohne Belang und Bedeutung, denn es waren nur Wilde, die nicht wussten wie sie Land zu ihrem Vorteil nutzen konnten.
    Es zeigt auf mit welchen Versprechungen und Maßnahmen, die Indianernationen immer weiter in ihrem selbstbestimmten Leben und in ihrem eigenen Land, eingeschränkt wurden. Und welchen Stellenwert sie in den Überlegungen der ja so demokratischen Regierung hatten.
    Es geht um die Zerstörung vieler Kulturen und Lebensräumen, um Übervorteilung, falsche Versprechungen, Vernachlässigung, Zwangsumsiedlungen, Umerziehung, Rassismus, Gewalt und vieles mehr.

    Das Buch zeigt ein erschreckendes Bild vom Land of the free und seiner Besiedlung, die bis heute nachwirkt.

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    Aischas avatar
    Aischavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Anspruchsvolles Sachbuch über die Vertreibung und Dezimierung der nordamerikanischen Native Peoples durch die Weißen, schockierend ehrlich!
    Die Geschichte der nordamerikanischen Native Peoples - informativ, aber auch anstrengend


    Um es gleich vorwegzunehmen: Ich habe wenig Geschichtskenntnisse und hatte ein informatives Sachbuch über die nordamerikanische Siedlungsgeschichte aus Blick der Native Peoples erwartet. Was habe ich bekommen? Ein sehr umfangreiches und informatives Buch über den Verlauf der Besiedlung durch die Weißen und der damit einhergehenden Dezimierung der ursprünglichen Bevölkerung, ja, aber in meinen Augen eher ein Fach- denn ein Sachbuch.
    Wer ausreichend Vorwissen mitbringt, dem erschließt sich das vorliegende Werk wahrscheinlich leichter als mir. Ich hätte mir mehr erklärende Fußnoten und anschauliche Fotos, Tafeln etc. gewünscht.
    Dennoch zeigt Mattioli vieles deutlich und räumt mit verbreiteten Stereotypen auf. Es gab eben nicht "die Indianer" sondern hunderte verschiendenster Native Peoples, die sich in Sprache, Kultur und Lebensgrundlage wie auch ihrer Einstellung der Siedler gegenüber sehr unterschieden. Klar benennt der Autor den oft kaum verhohlenen Rassismus nicht nur der einfachen Siedler sondern auch von amerikanischen Präsidenten. Kriege, Goldrausch und Deportationen werden ausführlich beschrieben, ebenso wie das Leben in den Reservaten und Umerziehungsinternaten. Ich hatte mir aber mehr Details zum Leben der Natives erhofft, auch wenn die Datenlage dazu mangels schriftlicher Überlieferung aus nicht-weißer Feder dürftig ist.
    Bei 464 Seiten sind mir sowohl 30 Seiten Literaturverzeichnis wie auch 60 Seiten Anmerkungen (die fast ausschließlich Quellenangaben sind) für ein Sachbuch unangemessen viel.
    Dennoch - bei aller Kritik - drei Sterne, da Mattioli hoffentlich dazu beiträgt, dass sich die USA endlich ihren damaligen Verbrechen stellen und die längst überfällige Aufarbeitung der schandhaften eigenen Siedlergeschichte an Stelle falscher Verklärung setzen. Die Nachkommen aller ermordeten Native Peoples haben ein Recht darauf.

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    Buchraettins avatar
    Buchraettinvor einem Jahr
    Ein intensives Sachbuch, das für mich eher schon ein historisches Fachbuch ist

    Die ersten Begegnungen mit den Native People, den First Americans oder Indianern, kamen bei mir über Filme, mit einem berühmten Indianer, Verkleidungen im Karneval, doch hat mich ihre Geschichte immer interessiert und ich war gespannt auf dieses Sachbuch.
    In diesem Buch wird von der Besiedlung des Wilden Westen berichtet. Die Expansion der Weißen, der Umgang mit den vielen Völkern, die die Native Americans bildeten.
    Politik, Kriege, Epidemien, Krankheiten, Bündnisse, Handel, der Umgang mit den Menschen, Brutalität.
    Der Autor bietet dem Leser einen umfassenden Einblick in den Ablauf der damaligen Ereignisse.
    Das Vorwort des Autors gibt mir als Leser einen guten Einstieg in das Buch und ich fand es sehr persönlich geschrieben.
    Das Inhaltsverzeichnis zu Beginn des Buches bietet dem Leser gleich einen guten Überblick über das Buch und dessen Inhalts. Am Ende des Buches findet der Leser ein umfangreiches Literaturverzeichnis, ein Nationenregister und auch das gefiel mir sehr eine Zeittafel von 1100 bis 1907 mit jeweils einem kurzen Textbaustein.
    Sehr gelungen ist der Innenband des Buches mit der Übersichtskarte von Nordamerika um 1700 und hinten im Einband eine Karte „ Indianische Gebietsverluste 1860-1890 und Reservate".
    Im Buch selbst finden sich immer wieder Übersichtskarten, die Geschehnisse verdeutlichen.
    Der Text ist sehr detailliert geschrieben. Es wird eine durchaus anspruchsvolle Sprache mit vielen Fachbegriffen und auch Fremdwörtern verwendet. Die historischen Details werden ausführlich und auch sehr intensiv dargestellt.
    Was mich hier manchmal störte, sind das auch Wiederholungen gibt, Dinge, die auf einigen Seiten schon erklärt wurden und nun noch einmal ausführlich erläutert werden.
    Mir kam es manchmal so vor, als lese ich eine wissenschaftliche Abhandlung, auch durch die Dichte und Tiefe der Erklärungen, das intensive darstellen der historischen Fakten und das Unterlegen mit historischen Quellen.
    Ich habe ein Sachbuch erwartet, das auch für historische Laien verständlich dargestellt ist. Ich fühlte mich hier manchmal etwas erschlagen mit den vielen Details. Mir wurde auch zu wenig auf das Leben, den Alltag, die Kultur der Native People eingegangen. Das war immer wieder mal wieder ein Thema, nimmt aber in dem Buch für mich wenig Raum ein. Es stand für mich die politische Geschichte, die Ausbreitung der Siedler, die Kämpfe, die Kriege, das nahm mir in diesem Buch sehr viel Raum ein.
    Was mir hier auch fehlte, es gibt keine Fotos in diesem Buch. Es ist ein Sachbuch, das mich eher an ein Fachbuch erinnert. Es ist sehr intensiv berichtet, es gibt eine sehr dichte Masse an Fakten wieder.
    Für ein Sachbuch, für mich als historischen Laien, fehlt einfach das Anschauungsmaterial, wie z.B. Fotos. Ich denke es ist ein hervorragendes Buch, wenn man tief in dieses geschichtliche Thema eintauchen will.
     Gut gefallen hat mir, dass es Szenen gibt, die sehr anschaulich beschrieben werden. Da ist dem Autor gelungen, das Wissen so zu vermitteln, dass ich als Leser durchaus auch gefesselt lesen kann. Es ist durchaus auch ein Buch, das mit dem Wissen, das es vermittelt, beim Leser Emotionen auslöst, gerade weil es historische Fakten sind.
    Ich denke, wer ein Sachbuch sucht, das wirklich intensiv und tief in dieses historische Thema eintaucht, der sollte hier unbedingt zu greifen.
    Ich habe mir einfach noch ein anderes Sachbuch dazu geholt und mir dort die Fotos und Zeichnungen angeschaut als Ergänzung. Es bekommt trotz meiner Kritikpunkte 3, 5 Sterne.

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    Manuel_Deinerts avatar
    Manuel_Deinertvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Aufschlussreich, informativ und schonungslos ehrlich!
    Informativ, aufschlussreich und schonungslos ehrlich!

    Was MATTIOLI mit diesem Werk geschaffen hat, ist eine schonungslose, unfassbar umfangreiche und aufschlussreiche Kritik am Umgang der Amerikaner mit den First Peoples.

    Gleich zu Beginn macht MATTIOLI klar, dass es ein schwieriges Unterfangen werden wird, das er da in Angriff genommen hat: es gibt nämlich kaum schriftliche Aufzeichnungen aus jener Zeit (1700-1900), da die First Peoples keine Schrift besaßen – und es gibt nicht DIE Indianer. Unter den Native Americans gab es Dutzende verschiedene Nationen mit unterschiedlichen Sprachen und Kulturen. Da aber bis weit in die Neuzeit in der amerikanischen Geschichtsschreibung beim Thema „Westerweiterung“ nur am Rande ein paar aufsässige Indianer erwähnt werden, will MATTIOLI das Ganze aus Sicht der First People erzählen. Ein gutes Anliegen, wir mir scheint.

    Die Informationen, die MATTIOLI dafür aus hunderten Quellen zusammenträgt, sind unglaublich vielseitig – und auch stets nicht ganz wertfrei. Er nennt die Besiedlung des Westens bspw. eine „Wiederbesiedlung auf Gräbern von Hunderttausenden“ und spricht vom „Sonntagsgesicht der neuen Republik“: sie bedeutet Rechte und Freiheiten nämlich nur für Weiße. 

    Dabei zeigt er die politischen Konflikte zwischen den Kolonialmächten Frankreich und England auf, erklärt das christlich geprägte „Eroberungsrecht“ der neuen Siedler und Begründer der USA, die mit der Bibel in der Hand alle unterjochten, ermordeten oder vertrieben, die ihnen im Weg standen. Er erzählt von den unzähligen Gefechten, den Versprechen und Verträgen mit den Natives, die immer wieder seitens der USA gebrochen und nach eigenem Vorteil geändert wurden. Er beschönigt nicht die unglaubliche Gewalt, mit der die Siedler und die US-Armee vorgingen und macht klar, wieso auf beiden Seiten der Hass auf den jeweils anderen entstand. Schließlich berichtet er vom trost- und hoffnungslosen Reservatsleben, von den eigens zur Indoktrination vorgesehenen Indianerschulen, dem legendären Geistertanz und der Entstehung des Popkulturbegriffs „Wilder Westen“ als verklärte Geschichtsromantik – der, wie es am Ende passend heißt „eine einst glückliche Rasse geopfert wurde“. 

    Viel konnte ich aus den Kapiteln mitnehmen und lernen und Zusammenhänge verstehen, die mir vorher nicht klar waren. Dabei bedient sich der Autor einer klaren und einfachen Sprache und gliedert die Kapitel in gut strukturierte Abschnitte. Einige Karten machen die ganze Westbewegung zusätzlich deutlich.

    Als MATTIOLI schreibt, dass „die Zerstörung des indianischen Nordamerikas als Schlüsselereignis nicht länger aus der Geschichte der USA wegretuschiert werden“ darf, kann ich ihm da nur zustimmen und hoffen, dass es zu einer amerikanischen Aufbereitung der eigenen Geschichte dienlich ist. Aber das hoffe ich wohl vergebens.

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    widder1987s avatar
    widder1987vor 9 Monaten
    Kurzmeinung: ...
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    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    Klett-Cotta_Verlags avatar
    Liebe Geschichtefreundinnen und -freunde,
    wer hat Lust bei einer Leserunde zu Aram Mattiolis Buch
    »Verlorene Welten. Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700 - 1910« mitzumachen?

    Diese Buch ist nicht eine »einfache« Geschichte über die Indianer Nordamerikas, sondern eine Abhandlung ihrer Geschichte aus der Sicht der »First Peoples«. Eingehend ergründet der Autor die politischen Motive aller Seiten im erbarmungslosen Kampf um den Kontinent, der zur Vernichtung der Lebensformen und der Kultur der Indianer führte.

    Eine Leseprobe findet ihr auf unserer Website.

    Auch in der Presse kam
    »Verlorene Welten« schon gut an:

    »Der Schweizer Aram Mattioli hat in seinem Buch »Verlorene Welten« die Geschichte der Indianer Nordamerikas zwischen 1700 und 1910 so aufgeschrieben, dass man das Buch, einmal angefangen, nicht mehr zur Seite legt.« Jochen Siemens, Stern, 01.06.2017

    »ein packendes Buch ... im deutschsprachigen Raum hat es bis jetzt kein vergleichbares Werk über die Indianer mit dieser Perspektive gegeben.«
    Pirmin Bossart, Luzerner Zeitung, 16.07.2017

    »Aram Mattiolis Untersuchung dekonstruiert die Legenden der westlichen Welt und hilft uns, unser eigenes Verständnis für das reale Geschehen zu schärfen.«
    Wolf Senff, Titel Kulturmagazin, 07.04.2017

    Umfassend erzählt und deutet Aram Mattioli die Geschichte der Indianer und ihrer Vernichtung vom 18. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Anschaulich schildert er die globalen Ereignisse vor dem Hintergrund aller zentralen Zeiterscheinungen. Eindringlich beschreibt er den langen und gewaltsamen Prozess der Kolonisierung durch die weißen Siedler. Zugleich bezieht er stets die Sicht der »Besiegten« gleichberechtigt in die Betrachtung mit ein und zeigt eindrucksvoll, wie indianische Nationen ganz unterschiedlich auf die Landnahme reagierten. Daneben kommen die kulturellen Leistungen der Indianer ebenso zur Sprache wie die großen sozialen Umwälzungen und die vielfältigen Lebensformen. In packenden Szenen beschreibt der Autor die entscheidenden Kämpfe und zeichnet treffende Porträts der einfachen Menschen wie der großen politischen Akteure. Ein anregendes und brisantes Buch über die Verwandlung der amerikanischen Welt, das nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf die Gegenwart ein neues Licht wirft.

    Spannend? Dann bewerbt euch doch gleich hier auf die Leserunde. Wir freuen uns auf eine gemeinsame Lektüre mit euch.

    WICHTIG!

    Liebe Alle,

    wir haben uns beschlossen, die Bewerbung noch bis Montag zu verlängern, damit die anderen noch die Chance bekommen können, sich bei uns zu bewerben :)

    Viel Erfolg!

    Viele Grüße
    Euer Klett-Cotta Verlag
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