Aravind Adiga Zwischen den Attentaten

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Inhaltsangabe zu „Zwischen den Attentaten“ von Aravind Adiga

Das Äußerste, was engagierte Literatur leisten kannMit Witz und Furor, Mitgefühl und Humor, Mut und Leidenschaft erzählt Adiga Geschichten, in denen die unbarmherzigen Gegensätze und der unbeugsame Überlebenswille im heutigen Indien plastisch werden. Da ist der zwölfjährige Ziauddin, der in einem Teehaus in der Nähe des Bahnhofs aushilft und, weil er einem hellhäutigen Fremden vertraut, einen großen Fehler macht. Da ist ein privilegierter Schuljunge, der aus Protest gegen das Kastenwesen an seiner Schule Sprengstoff zündet. Und da ist George D'Souza, der Moskitomann, der sich bei der reizenden, jungen Miss Gomes zum Gärtner und dann zum Chauffeur hocharbeitet und alles verliert, als er die strengen Grenzen zu überschreiten versucht.

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    Zwischen den Attentaten
    dominona

    dominona

    23. October 2014 um 14:51

    Beleuchtet wird Kittur, sowohl aus touristischer als auch alltäglicher Sicht und überall tritt ein Problem mit den Kasten auf. Menschen fühlen sich herabgesetzt, wollen sich nicht damit zufrieden geben, nach dem bloßen Zufall ihrer Geburt beurteilt zu werden. Es ist eine Art innerer Kultur-Clash, bei dem auch reich gegen arm eine Rolle spielt. Manchmal hat man die Hoffnung, dass eine der Figuren doch barmherzig agiert, aber dann will die andere Seite wieder zu viel, Grenzen werden überschritten und schon ist alles wieder beim alten. Ein Portrait Indiens anhand kleiner Geschichten? Ja und Nein.

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  • Frage zu "Der Namensvetter" von Jhumpa Lahiri

    Der Namensvetter
    Bella5

    Bella5

    Hallo, ich suche Romane, die in und um Indien handeln. Historisch oder zeitgenössisch. Kann jemand etw. empfehlen?

    • 14
  • Rezension zu "Zwischen den Attentaten" von Aravind Adiga

    Zwischen den Attentaten
    gra

    gra

    24. September 2009 um 17:39

    Der Autor bietet dem Leser eine ganze Reihe kurzer Geschichtchen, die allesamt in einer fiktiven Stadt in Indien spielen. Lehrer, Rikschafahrer, ein reicher Jugendlicher, die Tochter eines drogenabhängigen Tagelöhners - diese und andere sind die Protagonisten der Episoden. Die meisten der vorkommenden Personen sind arm, so bitter arm, dass sie oft kein Dach über dem Kopf und zu wenig zu essen haben - womit der Autor sich wohl an die traurige Realität für viele Inder hält. Adiga schreibt sehr schön, ich habe mich nie gelangweilt und allein schon die völlige Fremdartigkeit der Lebensumstände (auch der wohlhabenderen Figuren) war genug um dafür zu sorgen, dass ich das Buch binnen weniger Tage durch hatte. Da hat es mich auch wenig gestört, dass die einzelnen Episoden außer ein paar Randfiguren rein gar nichts mit einander zu tun hatten, sodass sie eher wie zufällige Schnappschüsse und nicht wie etwas Zusammengehöriges erschienen, was mir sonst eigentlich nicht so gefällt. Allerdings muss ich das ganze Buch in einem Punkt auch stark kritisieren: die von Adiga gewählten Potagonisten unterscheiden sich allesamt von den Menschen in ihrer Umgebung. Sie haben Ambitionen, sie wollen ihre eigene Lage oder auch die einer Gruppe von Menschen in ihrer Umgebung verbessern, sie zeigen irgendeine Form von Initiative. Und genau das wird ihnen ausnahmslos zum Verhängnis. Alle scheitern mit ihren Taten, nichts wendet sich für sie zum Guten. Oft stehen sie am Ende der Episode statt mit wenig mit gar nichts da. Wenn die Katastophe ausbleibt und sie nur erkannt haben, dass sich nie etwas ändern wird und so ihr Leben lang unzufrieden sein werden, müssen sie sich noch glücklich schätzen. Ich habe mich gefragt, was der Autor mit dieser zynischen Herangehensweise aussagen will. Vielleicht möchte er eine Gesellschaft anprangern, die noch immer so undurchlässig ist, dass jeder, der aus seiner vorgefundenen Rolle ausbricht, zwangsläufig ins Verderben rennen muss. Beim Lesen kam mir aber eine andere, weniger schöne Deutung plausibler vor: wer sich gegen seine Kaste, seine Armut oder Chancenlosigkeit wendet, muss scheitern, darum ist es das beste, sich mit dem, was man hat, zufrieden zu geben und sich still zu verhalten. Welche Interpretation auch zutreffender sein mag, das Buch hinterließ einen recht bitteren Nachgeschmack.

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  • Rezension zu "Zwischen den Attentaten" von Aravind Adiga

    Zwischen den Attentaten
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    11. August 2009 um 08:46

    Aravind Adiga: "Zwischen den Attentaten" Geschichten aus einer Stadt Es ist ein großes Ereignis, wenn ein junger Autor seine literarische Karriere mit dem Erhalt des "Man Booker Prize" (2008) beginnt. Ist doch Aravind Adigas Debütroman "Der weiße Tiger" ein brillantes, originelles (mit einem der fulminantesten Eröffnungskapitel der letzten Jahre) und feines Buch, das diesen Preis verdientermaßen (wenn man davon absieht, dass großartige Romane von Peter Carey, Tim Winton, Andrew Crumey und James Kelman von der Jury nicht einmal für die Langauswahlliste nominiert wurden) gewonnen hat. Mit "Der weiße Tiger" hat sich der 1974 in Madras geborene und in Mumbai lebende Autor die Latte allerdings sehr hoch gelegt. "Zwischen der Attentaten" ist eine Sammlung von Prosaminiaturen, eine siebentägige Reise, die teilweise durch wiederkehrende Protagonisten, immer aber durch die Handlung in der zwischen Goa und Calicut liegenden fiktiven Stadt Kittur verbunden ist. Einschübe mit Informationen zur (ebenfalls fiktiven) Geschichte Kitturs (und realen Geschichte Indiens) runden das Bild ab. Pro Tag werden daher ein bis vier Schauplätze in Kittur aufgesucht, die jeweils durch eine eigene Geschichte porträtiert werden. Eine Idee, die der große indische Schriftsteller R. K. Narayan mit seinen "Malgudi Tales" schon vor einigen Jahren auf eindrucksvolle Art und Weise inszeniert hat. Anders und auf beklemmende Weise virtuos hat der ebenfalls 1974 geborene Altaf Tyrewala vor ein paar Jahren in seinem Roman "Kein Gott in Sicht" die Stadt Mumbai porträtiert. Er ließ fünfzig Einwohner Mumbais in verzahnten, aber nicht aufeinander bezogenen Geschichten zum Spiegelbild Mumbais werden. Beginnend mit der Bahnhofsgeschichte des jungen Moslems Ziauddin, der sich immer fügt, bis er merkt, dass er für widrige Zwecke benutzt wird, über Abbasis Auflehnung gegen die durch Bestechlichkeit glänzenden staatlichen Behörden, über den Verkäufer kopierter Bücher, über den ein kurzes Glück als Busschaffner verspürenden Jungen, über den an seiner eigenen Moral zugrundegehenden Lehrer D’Mello, über den an seiner verbissenen Suche nach der Wahrheit zugrunde gehenden jungen Journalisten; die unterhaltenden Geschichten wechseln sich ab, lassen aber mit der Zeit einen eher schalen Geschmack im Lesemund zurück, da die einzelnen Geschichten ein ähnliches Milieu erforschen. Dadurch entsteht eine Art Übersäuerung bzw. Überzuckerung, die durch eine besser aufgefächerte Anlage der Tage in Kittur einen spannenderen Lesefluss haben hätte können. Hier ist auch der große Unterschied zu R. K. Narayan bemerkbar; während Narayans Malgudi eine Universitätsstadt mit einer gehörigen Portion Charme ist, ist Adigas Kittur eine im Sumpf der Bestechlichkeit und zwischenmenschlichen Grausamkeiten versinkende stinkende Moraststadt. Während Narayan seine Figuren liebevoll in Szene setzt und dabei keine Unterschiede zwischen Bettler und Edelmann macht, geht Aravind Adiga mit unerbittlichem und kompromisslosem Blick vor. Er treibt seine Figuren an und lässt sie alle fallen, er lässt sie ihr kurzes Glück durch dumme Fehler schneller verlieren, als sie es erarbeiten konnten. In einer Erzählung bietet der junge Kommunist und Schriftsteller Murali seine Erzählungen einem Redakteur an, der ihn nach seinem Lieblingsautor befragt; "'Guy de Maupassant'. Murali korrgierte sich: 'Nach Karl Marx.' 'Bleiben wir mal bei der Literatur', erwiderte der Redakteur. 'Jede Figur bei Maupassant ist so ... ' Er krümmte den Zeigefinger und ließ ihn wackeln. 'Sie will und will und will. Bis zu ihrem letzten Atemzug will sie. Geld. Frauen. Ruhm. Mehr Frauen. Mehr Geld. Mehr Ruhm. Aber ihre Figuren', er streckte seinen Finger wieder, 'wollen rein gar nichts. Sie laufen einfach durch eine genau beschriebene Dorfatmosphäre und sind tief in Gedanken versunken. Sie laufen zwischen Kühen und Bäumen und Hähnen herum und denken nach, und dann laufen sie weiter zwischen Hähnen und Bäumen und Kühen herum und denken noch mehr nach. So ist das.' 'Sie denken darüber nach, wie man die Welt verbessern kann', protestierte Murali. 'Sie sehnen sich nach einer besseren Gesellschaft.'" Aravind Adigas Figuren "wollen", manche denken auch nach, nicht alle wollen die Gesellschaft verbessern, oder träumen nur davon ohne etwas dafür tun zu wollen. Aravind Adiga geht hart mit ihnen um, er zeigt keine Spur von Mitleid, man spürt keine Empathie, mitunter meint man fast, Aravind Adiga würde sich über die Dummheit und Tollpatschigkeit seiner selbst erschaffenen Protagonisten amüsieren, er vergibt konsequent keine zweiten Chancen und zeichnet ein buntes, aber durchaus trauriges Bild einer Gesellschaft. Dadurch entsteht ein durch und durch trostloses Bild, das mit den letzten Geschichten gegen Ende hin aber eine große Steigerung erreicht. Diese Steigerung versöhnt, regt auch zum wiederholten Lesen einiger Erzählungen an, kann aber den insgesamt etwas lauen Nachgeschmack nicht ganz verdrängen. "In einer Hölle wie dieser muss selbst Gott laut schreien, um sich bemerkbar zu machen", klagt in Altaf Tyrewalas Roman "Kein Gott in Sicht" ein Metzger auf einem überfüllten Marktplatz. In "Zwischen den Attentaten" fehlt dieser schreiende Gott, fehlt der Glaube an einen (welchen auch immer) Gott, an ein Etwas, und vor allem fehlt fast allen Protagonisten das notwendige Selbstvertrauen, um dem Leser wenigstens ansatzweise das Gefühl zu geben, er oder sie hätten eine (wenn auch geringe) Chance, sich in Kittur zu behaupten und einen (wenn auch unbedeutenden) Sieg gegen die Widrigkeiten zu erringen. Aravind Adiga ist eine große Hoffnung für die indische Literatur, ein besonders talentierter Autor, der sicherlich noch brillante und wichtige Bücher schreiben wird. "Zwischen den Attentaten" ist ein Intermezzo; gut, jedoch mit Abstrichen. (Roland Freisitzer; 08/2009) Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at

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