Ariëlla Kornmehl

 3.4 Sterne bei 9 Bewertungen

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Alles, was wir wissen konnten

Alles, was wir wissen konnten

 (6)
Erschienen am 19.08.2016
Was Du mir verschweigst

Was Du mir verschweigst

 (3)
Erschienen am 27.01.2011

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Rezension zu "Alles, was wir wissen konnten" von Ariëlla Kornmehl

Schweigen
19angelika63vor 2 Jahren

Klappentext
Jet, ein jüdisches Mädchen, flieht vor den deutschen Besatzern aus Amsterdam. Unterschlupf  findet sie bei einem Bekannten im Vorort Haarlem. Aber Jet ist nur scheinbar in Sicherheit. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als der Nachbar, ein Nazi-Kollaborateur, auf Jet aufmerksam wird und ihr nachstellt. Um ihr Leben zu retten, muss Jet dem Peiniger das eigene Kind überlassen. Kann ein solcher Mensch ein guter Vater sein? Wird Jets Sohn je die Wahrheit über seine Herkunft erfahren?



Jet ist Jüdin und wird von den Eltern aufs Land zu einem Bekannten geschickt. Dort kommt sie als "Dienstmädchen" unter. Doch der Nachbar kommt schnell dahinter, dass Jet eine Jüdin ist. Fortan belästigt und vergewaltigt er sie immer wieder, mit dem Versprechen sie nicht zu verraten, solange sie das macht was er will. Irgendwann ist Jet schwanger. Erst will sie das Kind abtreiben, doch dann überlässt sie es ihrem Peiniger. Kurz nach der Geburt des Kindes ist der Krieg vorbei und Jet verlässt den Ort, den Peiniger und ihr Kind. Sie versucht die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch gelingt ihr das?

"Ich halte dich nur kurz. Nur ganz kurz. Für alle Ewigkeit." (Seite 41)

Dieses Buch ist mit einer gewissen Emotionslosigkeit  geschrieben. Vielleicht liegt das an der einfachen und klaren Schreibweise. Ohne große Schnörkel oder Verharmlosung beschreibt die Autorin Ariëlla Kornmehl die Geschichte von Jet. Von den Belästigungen und Vergewaltigungen durch den Nachbarn. Von dem Wunsch das ungeborene Kind zu töten. Wie sie dieses Kind  über alles liebt und sogar dem Vergewaltiger so etwas wie Zuneigung entgegenbringt.
Dies alles löst es bei mir als Leserin große Emotionen aus. Ich verstehe nicht wie eine junge Frau das alles erleiden kann ohne zu zerbrechen.  Ich frage mich wie kann man einen Menschen "mögen/ lieben/ ..." kann,  der einem so viel Leid angetan hat, dessen Taten Narben auf der Seele hinterlassen haben.

Im weiteren Verlauf des Buches erfahre ich dann was aus dem Kind geworden ist. Hier hat mich verwirrt, dass Jets Sohn plötzlich einen anderen Namen hat. Erklärt oder geklärt wird dies nicht. Im letzten Abschnitt hält Jet noch einmal einen Rückblick auf ihr Leben und versucht zu erklären warum sie so und nicht anders gehandelt hat.

Vor einiger Zeit habe ich ein Buch gelesen, in dem es um Ähnliches ging ... nämlich dem verheimlichen/ verschweigen von Erlebtem. Ich denke jeder Mensch hat seine ganz eigenen Geheimnisse. Die Frage ist und die muss jeder individuell für sich beantworten ... muss ich allen immer alles erzählen, oder ist es besser manche Dinge nicht auszusprechen/ zu verheimlichen/ zu verschweigen,  um zu schützen ... sich, die Familie, Menschen im Umfeld?

"Vielleicht müssen wir nicht alles wissen, wir haben schon so lange ohne dieses Wissen gelebt. Das Schweigen muss unerträglich gewesen sein. Aber sie hat alle damit geschützt, auch sich selbst." (Seite 200)

Trotz der sprachlichen Distanziertheit, ist dies ein Buch voller Emotionen. Emotionen die mich als Leserin berührt haben und mich mit einer Frage zurück lässt ... wie viel Leid kann ein Mensch ertragen, ohne daran zu zerbrechen?

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Bris avatar

Rezension zu "Alles, was wir wissen konnten" von Ariëlla Kornmehl

Leerstellen
Brivor 2 Jahren

Jet, eine junge Jüdin aus Amsterdam muss auf dem Land untertauchen. Die Nazis haben die Niederlande besetzt, und Jets Familie muss ihr Hab und Gut auflösen. Möbelstücke und nicht so wertvolle Gegenstände werden bei einer Firma verwahrt, was mitgenommen werden kann, wird mitgenommen. So bringt Jet in ihrem Köfferchen ein Bild Edgar Degas zu Henk, dem Bekannten auf dem Land, der das Risiko eingeht, sie als seine Haushaltshilfe auszugeben. Jets Mutter gibt ihr das Bild mit, damit die darauf abgebildete Tänzerin über sie wacht.

Die Deutschen sind in Haarlem keine Gefahr für Jet, wohl aber der unangenehme Nachbar, ein Nazi-Kollaborateur. Es kommt, wie man vermuten kann - Jet kann sich ihrer Haut nicht wehren und lässt vieles über sich ergehen, damit niemand erfährt, dass sie Jüdin ist und dass das nicht ihr einziges Geheimnis darstellt. Das geht soweit, dass sie den gemeinsamen Sohn schweren Herzens dem Vater überlassen und ihm ihre Beziehung nie offenbaren werden wird. Dadurch rettet sie nicht nur sich.

Ariëlla Kornmehl ist mit ihrem Roman Alles, was wir wissen konnten kein schöner Roman gelungen, aber ein sehr guter. Zeigt sie doch in einer klaren, kühlen Distanziertheit - vor allem sprachlich - was Menschen fähig sind zu erleiden, um zu überleben und offenbart gleichzeitig, dass ein Leben nicht nur aus einer Perspektive betrachtet werden kann. Zu den unterschiedlichen Sichtweisen kommen noch die Leerstellen, die nicht gefüllt werden können. Bravourös geht Kornmehl damit um. Neben der zweiten Sicht, die der Leser durch Otto, den Sohn Jets und ihres Peinigers, erhält, zeigt die Autorin, wie unterschiedlich ein und derselbe Mensch sich in verschiedenen Beziehungen verhalten kann, ohne seine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Die Quintessenz, die dabei zu Tage tritt ist: Wir werden nie alles wissen.

Wer kennt das nicht aus der eigenen Familiengeschichte? Großeltern, Eltern erzählen Geschichten von früher, die man aus eigener Anschauung nicht kennen kann. Doch was genau hinter den Erzählungen steckt, ist nie ganz sicher. Manchmal fehlt ein Puzzlestück, das eine Verbindung aufdecken könnte. Ab und an werden diese Puzzlestücke kurz vor dem Tod zum Beispiel der Großeltern aus dem Vergessen hervorgeholt und setzen Beziehungen in ein neues, anderes Licht. Leerstellen können aber dennoch bleiben. Denn auch die eigene Erinnerung kann die Wahrheit verändern. Einzig Degas Tänzerin scheint ihre Aufgabe, über Jet zu wachen, wahrgenommen zu haben und vielleicht können über die Reise, die das Bild hinter sich hat, nachträglich einige Leerstellen gefüllt werden ...

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JoBerlins avatar

Rezension zu "Alles, was wir wissen konnten" von Ariëlla Kornmehl

Zu wenig
JoBerlinvor 3 Jahren

Alles, was wir wissen konnten …. ist leider nicht viel, denn Ariëlla Kornmehl kann den an sich guten Plot ihres Roman nicht zufriedenstellend umsetzen.

Holland zur Zeit der deutschen Besatzung in den 40er Jahren, eine junge jüdische Frau versteckt ihren Geliebten auf dem Land und wird durch ihren nationalsozialistischen Nachbarn, der von Raubkunstverkäufen recht gut lebt, erpresst und belästigt. Diese Übergriffe lösen widersprüchliche Gefühle in ihr aus. Sie fühlt sich entehrt aber latent auch zu ihrem Peiniger hingezogen – eine psychologisch äußerst interessante Entwicklung, die jedoch nicht weiter ausgearbeitet wird. Der gesamte Roman leidet unter mangelndem Tiefgang und unter der fürchterlich einfältigen Schreibweise, die bestenfalls den Übungen des ersten Semesters Creative Writing genügt. Doch selbst da könnte ein Satz wie „Sein Vater hatte immer wie eine Mutter für ihn gesorgt“ wohl kaum bestehen.

Für mich gab es dann aber doch eine wichtige Entdeckung: Die Autorin erwähnt einen Raubkunstskandal um den niederländischen Kunsthändler Jaques Goudstikker. Der Wikipedia Eintrag zu seinem Leben liest sich so interessant, so spannend, so bewegend, wie es Ariëlla Kornmehl niemals vermocht hätte.

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