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Tasmetu

vor 2 Monaten

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Original-Rezension auf tasmetu.de

Ich habe mich immer gefragt, wieso wir „Das Tagebuch der Anne Frank“ nie in der Schule gelesen haben. So oft sprachen wir über den 2. WK und den Holocaust und den Terror, der so viele Menschen dahinraffte. Und natürlich kannte ich Anne Frank, kannte auch das Haus in Amsterdam, in dem sie sich versteckte. Doch gelesen hatte ich ihr Tagebuch nie, auch wenn es im Regal auf mich wartete.
Als ich sah, dass eine Graphic Diary erscheinen sollte, war ich hin und weg von der Idee. Kurzweilig, mit schönen Illustrationen – so würde meine erste Lesererfahrung ihres Tagebuchs sicher angenehm werden. Dass ich es, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen würde und es mich so berühren würde, war mir damals noch nicht klar.
Das Tagebuch wird in diesem Graphic Diary nicht vollständig wieder gegeben, dennoch glaube ich, dass Anne Franks Seele und Emotionen sehr gut dargestellt wurden. Ich hatte bei der Lektüre das Gefühl, sie zu kennen und zu verstehen. Ihre Sorgen, ihre Ängste, ihre Wut, ihre Ohnmacht, ihre Probleme.
Viele Menschen beschweren sich immer, dass Anne ihrem Tagebuch klassische Teenager-Probleme anvertraut. Ich weiß nicht, wie man sich darüber beschweren kann. Es ist ein echtes Tagebuch und sie ein echtes, junges Mädchen. Die Pubertät und die Liebe machen nicht vor einem Halt, nur weil draußen Soldaten nach dir suchen, um dich aufgrund deiner Religion umzubringen.
Sie beschreibt den Alltag, den Hunger, ihre Sehnsüchte, ihre Depression, ihre Sexualität, ihre Entbehrungen und ihre Dankbarkeit. Und ich denke, Ari Folman, David Polonsky und das restliche Team haben die Stimmungen und all diese Themen wundervoll umgesetzt. Ich konnte mich in ihr wiederfinden, obwohl ich niemals solch einen Horror erleben musste wie sie. Ich verstand, was sie durchmachte, ohne je in ihrer Position gewesen zu sein, mit meinem ganzen Herzen, und das ist genau das, was dieses Tagebuch erreichen sollte. Dass man tief im Inneren versteht.
Ich hoffe, dass diese Graphic Diary die Geschichte von Anne Frank vielen jungen Lesern, vielen Schülern und vielen Lesemuffeln zugänglich macht. Denn es ist schnell gelesen, es ist dank Annes Sarkasmus sogar unterhaltsam, es ist wunderschön gestaltet und enorm wichtig. Gerade jetzt, heute, wo so viele Menschen zu vergessen scheinen, welches Leid nationalsozialistisches Gedankengut mit sich bringt.

Autor: Ari Folman
Buch: Das Tagebuch der Anne Frank
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