Ari Hiltunen

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Ari HiltunenAristoteles in Hollywood
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Aristoteles in Hollywood
Aristoteles in Hollywood
 (3)
Erschienen am 25.09.2001
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Aristotle in Hollywood
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Erschienen am 15.06.2010

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Rezension zu "Aristoteles in Hollywood" von Ari Hiltunen

Back to the Roots
MarkusDittrichvor 5 Jahren

Das geheimnisvolle Buch, um das sich in Ecos grandiosem Name der Rose eine Serie von Morden, Papst-Intrigen und Wahnsinn drehen, ist der verschollene zweite Teil der Poetik des Aristotels, der sich mit der Komödie beschäftigt. Glücklicherweise hat der erste Teil der Poetik - jener über die Tragödie - das Mittelalter überlebt und ist damit das älteste Buch überhaupt, das sich mit der Kunst des Erzählens beschäftigt. Praktisch alles, was auch heute noch gute Geschichtenerzähler antreibt, also der Aufbau der Geschichte, die Wahl des Themas und die Natur der Figuren, hat Aristoteles vor 2300 Jahren beschrieben und zwar präziser als irgend jemand nach ihm - bis heute! Ari Hiltunen, ein Dramaturg und Redakteur für das finnische Fernsehen, ist nun auf die gewagte, aber naheliegende Idee gekommen, den alten Griechen auf unsere modernen Erzähl-Medien anzuwenden: Kino, Fernsehen, moderne Bestsellerromane, ja sogar Cyberspace.
Ich war zuerst skeptisch, dann aber baff, denn tatsächlich hat Hiltunen die Poetik bis aufs Komma genau gelesen und kennt sie wirklich. Und genial wie das Werk Aristoteles' nun mal ist, lassen sich seine eigentlich für die antike Tragödie gedachten Begriffe Eins zu Eins auf die moderne Dramaturgie übertragen. Bis hierhin ist Hiltunens Buch ein Treffer. Er überrundet locker die im Drehbuchbreich gehypten amerikanischen Scriptwriting-Päpste Syd Field, Linda Seger und sogar den besten von ihnen, Robert McKee. Schon die treffende Anwendung des aristotelischen Begriffs der hamartia (dem Fehler als Auslöser der Handlung) auf populäre Filme wie Auf der Flucht - zeigen, wie praktisch und knackig das Handwerkszeug des alten Griechen auch für moderne Autoren ist. Ganz egal ob sie Bücher, Filme oder Fernsehen schreiben.
Da die Poetik schon 2300 Jahre alt ist, glaubt Hiltunen, dass das Erzählen von Geschichten noch viel älter ist und sich seit der Steinzeit kaum verändert habe. Ähnlich wie der Mensch: Obwohl er heute in Häusern lebt und Auto fährt und nicht mehr in Höhlen wohnt, so ist seine Natur doch gleich geblieben. So auch die des Erzählens. Es gibt einen Kern in seinem Wesen, der immer gleich ist, den wir immer wieder suchen und den es aufzuspüren gilt. Von hier aus schlägt Hiltunen einen gewagten Bogen zu anderen Theorien, vor allem zum Monomythos bei Joseph Campbell bzw. dessen Hollywood-Variante von Christopher Vogler.
Hier beginnt nun ein klein wenig das Problem des Buches. Auch ich bin der Meinung, dass sich Aristoteles und Campbell ergänzen. Jedoch führt die Vermengung der Begriffe zu Unschärfen. Obendrein hat Bastei Lübbe eine eher maue Übersetzung schreiben lassen, vermutlich im Glauben, dass es bei "populärwissenschaftlicher Literatur" wie dieser nicht so darauf ankommt. Im Ergebnis hat das leider zur Folge, dass manche "Nachplapperer" inzwischen Voglers Begriffe Aristoteles unterschieben und umgekehrt.
Im Ergebnis ist das Buch aber trotzdem ein Muß für jeden, der sich ernsthaft mit Schreiben beschäftigt. Hiltunen schafft es, den anspruchsvollen Gegenstand leicht und mundgerecht an Beispielen von Volksmärchen, über Shakespeare bis John Grisham zu vermitteln und dabei präzise zu bleiben. Wieso haben die in Finnland eigentlich so coole Redakteure?

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