Ari Turunen

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Ari TurunenKann mir bitte jemand das Wasser reichen?
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Kann mir bitte jemand das Wasser reichen?
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 (4)
Erschienen am 01.03.2017
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Erschienen am 26.09.2016

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Rezension zu "Kann mir bitte jemand das Wasser reichen?" von Ari Turunen

Plädoyer für weniger "Ich"
derMichivor einem Jahr

Es ist an Sympathie kaum zu überbieten, wenn der Autor gleich im Geleitwort zugibt: "Wie viele andere bin eigentlich auch ich eingebildet." Wunderbar! Da erklärt nicht einer von oben herab, wie man sich zu bessern hat, sondern reflektiert von Anfang an sein eigenes Verhalten auf humorvolle Art. Da liest man gerne weiter und staunt, was sich die Menschheit in Sachen Arroganz schon geleistet hat. Kein noch so großer Wisenschaftler, Herrscher, Heer- oder Geschäftsführer scheint völlig immun gegen die in der griechischen Tragödie als Hybris beschriebene Eigenschaft zu sein.

In einem kurzweiligen Ritt durch die Welt- und Wirtschaftsgeschichte begegnen dem Leser reale Figuren, die eigentlich die besten Vorraussetzungen hatten, Großes zu leisten. Stattdessen: Überschätzung, Übermut und Übertreibung, die letztendlich zu Fehleinschätzungen und Versagen führen. Sogar hochverehrte Denker wie Marx und Kant waren offenbar vor Arroganz und latentem Rassismus nicht gefeit. Während man noch innerlich nickt und sich weise wähnt, weil man ja schon immer geahnt hat, dass die Großen der Welt einen an der Waffel haben, stößt man immer wieder auf Passagen, die direkt oder indirekt die eventuell bei jedem vorhandenen Tendenz zur Überheblichkeit ansprechen. Und selbst das ist ziemlich amüsant, falls man denn bereit ist das eigene Verhalten augenzwinkernd zu hinterfragen.

Keine Angst, niemand wird hier seinen Stolz einbüßen. Der Autor macht auf Augenhöhe vor, was er seinen Lesern bietet: Eine Entzauberung der Unfehlbarkeit des Menschen, die als Mythos so alt wie die Menschheit selbst ist und gerade im Zeitalter von weltweiter Vernetzung und reflexartigen Hasskommentaren nichts an Relevanz verloren hat. Ein schönes Plädoyer für mehr Demut und Weisheit. Schließlich kann nicht jeder wie Silvio Berlusconi ein "Jesus Christus der Politik" sein. Sich selbst zu hinterfragen war schon lange nicht mehr so unterhaltsam. Gerne hätten die Absätze über das Erkennen der eigenen Arroganz noch etwas länger sein dürfen und die Anekdoten über die arroganten Versager der Weltgeschichte ein wenig ausführlicher. Gerade die Hintergründe so mancher Begebenheit bleiben damit im Dunkeln. Für einen ersten Überblick ist das kleine Buch dennoch hervorragend geeignet.

Originaltitel: "Ettekö te tiedä, kuka minä olen. Ylimielsyyden historiaa"
Seitenzahl: 208
Format: 11,8 x 18,5 cm, Taschenbuch
Verlag: Piper

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Rezension zu "Kann mir bitte jemand das Wasser reichen?" von Ari Turunen

Die kurze Geschichte der Arroganz - eine gedankliche Übung in eigener Demut von Ari Turunen
thursdaynextvor 3 Jahren

Kann mir bitte jemand das Wasser reichen?

Die kurze Geschichte der Arroganz von Ari Turunen

- eine gedankliche Übung in eigener Demut -

 

Ein in heutiger Zeit fast schon anachronistisch unpopuläres Buch, angesichts der vielen ABC und sonstigen Promis, Bloggern, Tweets, Rezensenten, Kritikern, Youtubern und anderen nabelschauig veranlagten Individuuen die sich, dank des technologischen Fortschritts in sämtlichen Medien tummeln und ihre Meinung verkünden.

So kann ich natürlich nicht an mich halten meinen Senf dazu hinauszuschreiben.

 

Ist doch die „kurze Geschichte der Arroganz“ ein wilder historischer Trip, quer durch die Zeitrechnung, der zuletzt bei Lehman Brothers Chef, Richard Fuld Halt macht. Ein Sach - Roman, Protagonisten: mehrere Millionen, oder besser die gesamte Menschheit denn niemand ist vor Arroganz gefeit. Einige herrausragende Hauptfiguren sind dennoch zu nennen. Unter anderem tun sich hier die ehemaligen Vertreter der Katholischen Kirche besonders hervor. Staatsoberhäupter, Generäle, Firmenlenker vulgo CEOs, Forschungsreisende, Investmentbanker, Philosophen und andere Verdächtige. Doch auch der kleine Mann (hier ist wahrhaftig eine stark geschlechtsspezifische Ausprägung vorhanden zugunsten, oder je nach betrachtung ungunsten der Y-  Chromosomenträger. Sind diese doch genetisch bedingt weitaus anfälliger für Selbstgefälligkeit, Egomanie und diverse andere Spielarten und Erscheinungsformen der Arroganz. So scheint  es zumindest, denn Beispiele weiblicher Arroganz abgesehen von Diven wie Mariah Carey die mit Unmengen von Klamotten und Koffern voller Schuhen reist, sowie auf pinkfarbenem Tiolettenpapier besteht, was ihr als Überheblichkeit und Größenwahn ausgelegt wird, sind selten.

„Überheblichkeit verträgt sich nicht mit Sinn für Humor, denn dieser setzt Selbstironie voraus.“

 

„Einer der namhaftesten Philosophen der Aufklärung, Immanuel Kant, kam zwar nie aus Königsberg heraus, schrieb aber dennoch beherzt über andere Kulturen....In seinem Werk über Ästhetik (Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen) behauptet er allen Ernstes, die Hautfarbe markiere auch Unterschiede in den geistigen Fähigkeiten:<<...dieser Kerl war vom Kopf bis auf die Füße ganz schwarz, ein deutlicher Beweis, dass das was er sagte dumm war.>>

 

Allgemein hält sich eine jede Kultur für die einzig Wahre. Die Inuit in Grönland glaubten „..die europäischen Entdeckungsreisenden seien in ihr Land gekommen, um von ihnen Tugend und gute Manieren zu lernen.“

 

So gibt der Autor im Vorwort: Zum Geleit, dass es doch am schwierigsten ist,die eigene Beschränkheit zu erkennen und vor allem sie einzugestehen. Ratschläge von anderen Menschen sind ärgerlich.....Arroganz ist immer eine Fehleinschätzung.“

 

So amüsant das Lesen und das Eintauchen dieser Schilderung der Arroganz auch ist, oft bleibt einem das Lachen im Hals stecken, denn die Auswirkungen des erhöhten Dopamin- und Serontoninspiegels bei den Alphamännchen der Arroganzfraktion verschlechtert eklatant das Leben vieler Unbeteiligter, in vielen Fällen beendet es dieses.

 

Doch der Finne Ari Turunen lässt den Leser nicht völlig verzweifeln. Im sechsten und letzten Kapitel „Die Kunst der Demut“ erzählt er von „Erfolgsgeschichten für die Toleranz, Respekt vor anderen und Offenheit für Kritik das Fundament gelegt haben.“ Wie die Wissenschaft im alten Griechenland entstand und es zur Renaissance in Italien kam."

 

Erfolg bezeichnet er als: Glückssache, Toleranz und Würdigung von Wissen. Erfolg beruhe auf Humanismus. Und er kann es, für mich sehr überzeugend, belegen unter anderem mit dem Erfolgsgeheimis Dschingis Khans, der zwar nicht zwingend für gelebten Humanismus steht, aber immerhin fähig war, auf seine Berater zu hören und loyal all diejenigen zu belohnen, ohne Ansehen des Status, die ihm wertvolle Dienste erwiesen hatten.

 

Klare Leseempfehlung und zum Abschluss ein schönes „Badmot“ (bon kann man es schwerlich nennen!) eines italienischen Delegierten der auf einer internationalen Konferenz die hervorragenden Ergebnisse der PISA- Untersuchung mit folgenden Worten kommentierte:

Schön und gut, aber wer will in Finnland wohnen.?“

 

 

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