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Klett-Cotta_Verlag

vor 1 Monat

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Liebe Lesende,

vor gut zehn Jahren habe ich mich in meinem ersten Buch »Der Tanz um die Lust« gefragt, warum wir auf einmal alle sexy sein müssen. Einige Jahre später habe ich für »Du sollst nicht funktionieren. Für eine neue Lebenskunst« darüber nachgedacht, was es eigentlich mit uns macht, wenn wir nicht nur unser Begehren, sondern auch noch den ganzen Rest zu Markte tragen.
Kurz gesagt: es bekommt uns nicht.

Das neue Buch »Die psychotische Gesellschaft. Wie wir Angst und Ohnmacht überwinden« zu dessen Lektüre ich euch hiermit herzlich einlade, beschreibt den Punkt, an dem wir vor lauter Ökonomisierung – verstanden als Leistungsdenken, Konkurrenz und Gewinnmaximierung – das Leben und uns selbst dermaßen aus den Augen verloren haben, dass wir uns nicht mehr in ihm und miteinander zurechtfinden.  

Wohin man gerade auch blickt, scheint die Welt aus den Fugen geraten. Populismus, Klimawandel und globale Migrationsbewegungen treffen auf den Verlust sozialer Verbindlichkeiten und ein immer stärkeres Auseinanderdriften individueller Lebenswelten. Zugleich leben wir ein einem »postfaktischen« Zeitalter, bestimmt von Fake-News und medialer Manipulation. Als Reaktion auf diese fundamentalen Zweifel an einer gemeinsamen Wirklichkeit wuchern Privatwelten, das reicht von konsumgestützten Existenzen in Filterbubbles zu weit bedenklicheren nationalistischen Schwärmereien. Wir wissen gerade schlicht nicht mehr, wer wir sind und woran wir uns orientieren können. Diese kollektive Identitätskrise und der damit verbundene innere Heimatverlust erzeugt Angst angesichts der Auflösung eines verbindlichen sozialen Zusammenhalts und Ohnmacht angesichts der Unfähigkeit, selbst etwas daran zu ändern. Die Diagnose eines psychotischen Zustandes erlaubt es, solche auf den ersten Blick sehr unterschiedlich scheinenden Phänomene in einer zentralen Metapher zu fassen und dabei das Widersprüchliche, Überfordernde und schlicht Verrückte unserer seltsamen Gegenwart wieder diskutierbar zu machen – Kritik und andere Perspektiven sind ausdrücklich erwünscht!

Denn in der allgemeinen Auflösung, die zugleich eine Auflösung des Allgemeinen ist, steckt zugleich die Einladung, sich von allem selbst ein Bild zu machen. Also ganz konkret zu sehen, wie dort, wo man selbst lebt, gearbeitet, geteilt und gewirtschaftet wird. Diese Rückkehr zur Realität des Lebens ist immer auch ein poetischer Akt, weil so ein frischer Blick, der nicht mehr alles nur nach seiner Verwertbarkeit hin überprüft, sondern in einen Dialog mit der Natur oder den konkreten Lebensbedingungen an einem bestimmten Ort tritt, dem, was er dort findet, auch einen neuen Sinn verleiht. Jeder von uns ist auf eine ganz tiefe Weise wirklich ein Künstler. Das poetische Denken erinnert uns daran, wie viel Gestaltungsfreiheit im eigenen Umgang mit dem Leben liegt.

Eigennutz, Ignoranz und Gier haben uns in diese Lage gebracht, aber bringen uns nun keinen Schritt mehr weiter. Es ist an der Zeit, unsere Rolle auf dieser Erde – nicht als selbstherrliche »Krone der Schöpfung«, sondern als mächtige und deshalb auch besondere Verantwortung tragende Spezies unter anderen Spezies – neu und anders zu denken, zu fühlen und zu leben.

Welche Geschichte erzählst Du Dir über unser Hiersein? Was ist für Dich ein gutes Leben? Und wie sieht für Dich eine wünschenswerte Zukunft aus?

Wenn Du Lust hast, bei der Verlosung zu »Die psychotische Gesellschaft« mitzumachen, schreib uns was zu einer oder mehrerer dieser Fragen – wir sind gespannt auf Deine Gedanken und Deine Perspektive.

Hier könnt ihr in die Leseprobe reinlesen.

Hier geht's zum Trailer.

Während der Leserunde stehe ich immer mal wieder für »Fragen an die Autorin« zur Verfügung. Ich freue mich auf Austausch, Kritik und Inspiration. Ein Lächeln.

Herzliche Grüße

Ariadne

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Autor: Ariadne von Schirach
Buch: Die psychotische Gesellschaft

Nele33

vor 1 Monat

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Erst einmal: Was für ein passender Titel des Buches in der heutigen Zeit.
Ein gutes Leben für die Zukunft wäre für mich ein innehalten der Gesellschaft, also der Menschen, denn wir alle sind Teil dieser Gesellschaft. Es ist leicht auf die vermeintlich anderen zu zeigen und vorschnell Urteile aus dem Bauch zu fällen. In dieser Hinsicht wünsche ich mir für jeden einzelnen ein Umdenken, etwas Abwendung vom medialen Hype und wieder ein "in die Augen blicken" während gesprächen und dadurch wieder ein wenig Respekt in die Welt zu bringen.

Michael_Blum

vor 1 Monat

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Manchmal finde ich es einwahres Wunder, dass ich existiere - und es kann mich ja nur deshalb wundern, weil ich offenbar mit soetwas wie 'Bewusstsein' ausgestattet bin. Dann fühle ich mich wie ein Teil eines gigantischen Wunders. Ein anderes Mal denke ich, dass der Mensch an sich nur ein Durchgangssyndrom n enem unvorstellbaren Prozess ist. Und weil wir heute soviel wissen können, glaube ich so manchesmal, eigentlich überhaupt nichts zu wissen und verwirrt durchs Leben zu ziehen... Da keimt dann schon hin und wieder die Sehnsucht nach dem 'guten' Leben auf - doch was kann das sein?? In der Abgeschiedenheit leben, in Einklang mit der Natur? Für eine wichtige Sache kämpfen, mit seinem persönlichen Einsatz eine Wirkung zu erzielen? Manchmal glaube ich, wir sind ein Volk aus Süchtigen (abhängig gemacht vom Turbokapitalismus), ein Volk von Paranoikern (es braucht offensichtlich wieder Feindbilder zur Kanalisierung der eigenen Ängste), ein Volk von Depressiven (aufgeben, ohne Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, sich in die romantische Paarbeziehung zurückziehen), ein Volk von Zwangsgestörten (Selbstoptimierung als zentraler Lebensinhalt)...

Da ich das letzte Buch von Ariadne von Schirach schon sehr geschätz habe - freue ich mich jetzt umso mehr auf ihr neues Werk!

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Ariadne_von_Schirach

vor 5 Tagen

Leseabschnitt 4: Figuren des Übergangs S. 143 – 188
@Rose75

Ich habe diese drei Figuren letztlich Bewusstseinszustände genannt, weil es bei dieser Typologie um alles geht, was ein Mensch in der Welt sieht, erfasst, zulässt und was nicht. Worauf er oder sie sein Bewusstsein, seine Aufmerksamkeit richtet, und welche Geschichte er oder sie sich gerade über sich, die anderen Menschen und das Leben erzählt.

Dabei etwas oder auch ganz vieles vom Ganzen des Lebens nicht wahrzunehmen oder nicht wahrnehmen, wahrhaben zu wollen, ist immer auch eine Art Abwehr, eine Verdrängung, weil immer alles dazugehört, da ist. Genau diese Verdrängung ins Unbewusste nennt Kirkegaard "Verzweiflung“, weil sie die Ganzheit des Lebens und damit auch die Fülle und Farbigkeit der eigenen Lebendigkeit beschneidet. Sich für dieses Ganze zu öffnen ist oft auch ziemlich unangenehm - niemand wird ja gerne mit der eigenen Eitelkeit oder dem eigenen Machtstreben konfrontiert, und erst recht nicht mit der eigenen Inkonsequenz.

Die drei Figuren sind dabei sowas wie Wahrnehmungs- und Bewertungskonfigurationen, man könnte sogar von mehr oder weniger typischen Betriebssystemen sprechen - was man halt gerade so macht und denkt und will, wenn man nicht selbst nachdenkt. Jeder einzelne Mensch ist immer viel komplexer, wir haben ja alle an jedem einzelnen Tag oft ganz viele Bewusstseinszustände, sind mal offen, mal ignorant, mal beschwingt, mal traurig usw. Ob man selbst sich jetzt in den Beschreibungen dieser Figuren wiederfindet kann man nur selbst beantworten. Mir selbst ist das alles jedenfalls nicht so fremd. Ein Lächeln.

Frohe Ostern, Ariadne

LaSonrisa

vor 5 Tagen

Leseabschnitt 2: Vom unbestimmten Tier S. 23 – 83

Eos schreibt:
Ich muss immer noch sagen, für meinen persönlichen Geschmack ist mir die Sprache zu dicht mit Metaphern, Vergleichen und eher uneindeutig verwendeten Begriffen („wir können es Liebe oder Versöhnung nennen“) gespickt, die es schwierig machen, den roten Faden zu finden.

So empfinde ich das Buch bislang auch. Einige Gedankenanstöße sind wirklich sehr spannend und interessant, aber irgendwie ist alles recht dicht gedrängt und mir fehlte auch irgendwie der rote Fäden und die Struktur.

LaSonrisa

vor 5 Tagen

Leseabschnitt 2: Vom unbestimmten Tier S. 23 – 83

Am meisten blieb mir in diesem Abschnitt die Aussage "Heilung ist das Finden eines neuen Seins" im Kopf. Ich denke, dass allumfassende Heilung möglich ist, wenn man bewusst selbstbestimmt lebt und merkt, dass man viel mehr selbst in der Hand hat, als man oft denkt. Außerdem wäre es wunderbar, wenn jeder Liebe gegenüber der Umwelt und anderen Menschen und vor allem sich selbst gegenüber als das Höchste Gut ansiehen würde Denn wie kann dann noch Hass und Neid auf der Welt existieren, wenn Liebe das höchste Gut eines jeden Menschen ist? Ist jetzt weit hergegriffen, aber das wäre für mich die perfekte Welt. Eine Welt ohne Religion, eine Welt in der Liebe und Achtsamkeit allem Leben gegenüber die Norm und das höchste Gut sind.

Emmas Geschichte und die Geschichte Adas haben mich sehr berührt. Ich frage mich manchmal ob die psychischen Erkrankungen in dieser schnellebigen Welt nicht davon zeugen, dass die Erkrankten die Menschen mit normalem Empfinden sind, weil ihnen das Verrückte sichtbar wird und das Leid ihrer Seele schreit.

Auch wenn ich keinen richtig roten Faden in diesem Abschnitt fand, fand ich doch sehr viele Denkanstöße, die wirklich zum Nachdenken anregen. Ich finde, dass jeder für sich überlegen muss, in was für einer Welt er leben will und dann versuchen sollte, sich diese Welt zu gestalten, so gut er kann. Nicht so viel auf das Negative achten, sondern das für einen selbst Positive bestärken.

seschat

vor 4 Tagen

Leseabschnitt 2: Vom unbestimmten Tier S. 23 – 83
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Nun habe auch ich endlich den zweiten Abschnitt absolviert. Ich muss ehrlich zugeben, dass mich das Buch, und hier vor allem die philosophischen Exkurse, extrem beim Lesen herausfordert und ich mich sehr konzentrieren muss, um nichts zu verpassen.

Auf welche Kanarische Insel hat sich die Autorin denn zurückgezogen? Lanzarote?

Es stimmt, der Mensch ist letztendlich für sein eigenes Glück selbst verantwortlich. Die westliche und östliche Hemisphäre haben einfach andere Werte. Die Wertschätzung des Alters in Asien beispielsweise finde ich sehr gut. Und ja das Heimatgefühl bzw. die -losigkeit erwachsen gerade aus dem Mangel an solchen Konstanten bzw. Beständigkeiten. Immer muss alles noch toller, größer etc. sein, aber der Mensch bleibt dabei auf der Strecke (s. Geschichte von Emma). Wohin kommen wir denn, wenn immer mehr "ich" statt "wir" regiert. Gerade auch in Bezug auf den Umgang mit unserer Welt - Ausbeutung oder Bewahrung.

Die medizinische Abgrenzung bzw. der Versuch einer Abgrenzung war äußerst spannend zu lesen. Dementsprechend verwirrend war dann auch das Beispiel mit Ada & Co. Schlimm, wenn man die Identität verliert und es nicht mitbekommt...

ShyRose

vor 4 Tagen

Leseabschnitt 3: Die Unordnung der Dinge S. 84 – 142

Ja, die Sprache ist anspruchsvoll, jedoch bringt sie ihre Argumentation direkt auf den Punkt. Es ist beinahe schon beängstigend zu sehen, wie sich die Gesellschaft verändert und sie sich nicht dagegen wehren und diesen Übergang noch nicht einmal realisieren.
Nach einer kurzen Pause freue ich mich aber auf das Weiterlesen.

ShyRose

vor 4 Tagen

Leseabschnitt 4: Figuren des Übergangs S. 143 – 188

Das Thema der Verzweiflung hat mich zu einer Selbstreflektion gebracht. Die einzelnen Beispiele waren gut, denn so hatte man eine visuelle Vorstellung von den einzelnen Thesen.
Nach jeden Kapitel sehe ich die Gesellschaft anders und versuche ,,genauer hinzusehen", aufmerksamer zu sein.

ShyRose

vor 4 Tagen

Leseabschnitt 5: Die Welt neu erzählen S. 189 – 252

Besonders das Kapitel,, Träumen" war toll. Der Bezug, dass wir Menschen nicht nur als Individuen leben ,sondern mit vielen anderen, hat mir besonders gut gefallen. Es ist wie du sagst. Wir leben im Hier und Jetzt. Deshalb sollte wir das ersehnte Glück fördern und aufkommende falsche Vorstellungen verbannen.

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