Ariel Magnus

 3,5 Sterne bei 67 Bewertungen
Autorenbild von Ariel Magnus (© Maximiliano Luna / Telam)

Lebenslauf von Ariel Magnus

Große deutsch-argentinische Literatur: Ariel Magnus wird 1975 in Buenos Aires geboren und besucht in Argentinien eine deutsche Schule. Er bekommt ein Stipendium, das es ihm ermöglicht, in Heidelberg und Berlin Romanistik und Philosophie zu studieren. Nach seinem Studienabschluss arbeitet er für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen, darunter die kolumbianische „SoHo“ oder die „taz“. Heute lebt Magnus in seiner Geburtsstadt und ist als Schriftsteller und literarischer Übersetzer tätig. Größere Bekanntheit erlangt der Autor 2007, als sein Roman »Ein Chinese auf dem Fahrrad« mit dem internationalen Literaturpreis Premio La otra Orilla ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt wird. Zu seinen bekanntesten Werken zählt außerdem »Zwei lange Unterhosen der Marke Hering«, in dem Magnus über die Erlebnisse seiner deutsch-jüdischen Großmutter Ella schreibt, die den Holocaust überlebte.

Alle Bücher von Ariel Magnus

Cover des Buches Zwei lange Unterhosen der Marke Hering (ISBN: 9783462044607)

Zwei lange Unterhosen der Marke Hering

 (35)
Erschienen am 10.09.2012
Cover des Buches Das zweite Leben des Adolf Eichmann (ISBN: 9783462000917)

Das zweite Leben des Adolf Eichmann

 (16)
Erschienen am 19.08.2021
Cover des Buches Ein Chinese auf dem Fahrrad (ISBN: 9783462401585)

Ein Chinese auf dem Fahrrad

 (11)
Erschienen am 20.12.2017
Cover des Buches Die Schachspieler von Buenos Aires (ISBN: 9783462050059)

Die Schachspieler von Buenos Aires

 (3)
Erschienen am 09.05.2018
Cover des Buches Tür an Tür (ISBN: 9783462054347)

Tür an Tür

 (0)
Erscheint am 04.05.2023
Cover des Buches Ein Chinese auf dem Fahrrad (ISBN: 9783899032765)

Ein Chinese auf dem Fahrrad

 (2)
Erschienen am 11.06.2010

Neue Rezensionen zu Ariel Magnus

Cover des Buches Das zweite Leben des Adolf Eichmann (ISBN: 9783462000917)
awogflis avatar

Rezension zu "Das zweite Leben des Adolf Eichmann" von Ariel Magnus

Blick in den Kopf des langweiligsten Nazi-Verbrechers
awogflivor 10 Monaten

Dieser Roman und ich, wir haben uns schon von Anfang an auf dem falschen Fuß erwischt, und meine Probleme mit der Geschichte wurden auch im Anschluss nicht besser.

Im ersten Drittel des Werks suchte ich vergeblich den auf dem Buchrücken angekündigten beißenden Spott, denn wenn ich Spott und Ironie nicht diametral entgegengesetzt gegenüber dem Rest des Universums verstehe, fand sich für mich kein Fünkchen davon zwischen den Buchseiten, Im Gegenteil, Adolf Eichmann agiert in seinem argentinischen Universum genauso ernsthaft, teilweise roboterhaft technokratisch, wie ich ihn diese Woche im Film die Wannseekonferenz bewundern durfte.

Ein unverbesserlicher Eichmann (aka Klement) stolpert also durch Argentinien, und in der ganzen Geschichte fand sich kein Wortwitz, keine satirische Szene, kein einziger Spott, nur Nazi pur, eben nicht unter den Fittichen Adolf Hitlers, sondern halt im Universum Juan Perons. Natürlich suchte ich den Fehler zuerst bei mir, und las erstmals schon während meiner Lektüre andere Rezensionen, um zu eruieren, ob ich falsch lag, denn Ironie und Spott sind ja bekanntlich immer sehr individuell, aber ich habe mich nicht getäuscht. Da war wirklich nix zu merken.  Ich frage mich noch immer, warum der Verlag den Roman derart anpreisen musste, wenn er doch ein realistisches Psychogramm aus Eichmanns Sicht, gekoppelt mit einer fiktiven Biografie über das Leben in Argentinien darstellt. Ohne diesen Etikettenschwindel hätte ich realistischere Erwartungen gehabt und den verschwurbelten Stil nicht dem Unvermögen des Autors, sondern der authentischen Darstellung der Figur zugeschrieben.

Als ich ab der Hälfte der Geschichte meine Unsicherheit ausgeräumt hatte, wurde es aber für mich persönlich leider auch nicht besser, denn die Handlung konnte mich überhaupt nicht fesseln, obwohl der Charakter Adolf Eichmann sogar sehr gut getroffen ist. Wahrscheinlich weil das Vorbild so ein fader, blasser Protagonist ist – quasi ein unscheinbarer, langweiliger Mörder – der ein so spießiges Leben führt, dass ihm auch überhaupt nichts Spannendes passiert. Das wird auch der Grund sein, warum Eichmann sich so lange vor der Strafjustiz der Alliierten und dem Mossad verstecken konnte, er war als Person nahezu unsichtbar. Aber ist so eine Figur es dann überhaupt wert, eine Geschichte in seinem Duktus und aus seiner Sicht zu erzählen? Das ist die Frage, die ich für mich bedauerlicherweise mit nein beantworten muss, denn sie verstößt gegen mein erstes und wichtigstes literarisches Gebot „Du sollst nicht langweilen.“ Dabei geht es eben nicht um die Figur des Protagonisten und dass im Bereich des Plots sehr wenig passiert, sondern vor allem darum, dass der Autor diesen umständlichen verschwurbelten Stil und das langweilige nervtötende Herumgelaber von Eichmann übernommen hat, was mich permanent beim Lesen fast in Narkolepsie katapultierte.

Die zwei größten Highlights abgesehen von der Verhaftung im Finale waren ein Mittagessen mit Josef Mengele (aka Doktor Helmut Gregor) und eine doch recht schräge anale Sexpraktik mit einer großen Mohrrübe, die mich aber nicht schockierte, da ich schon einiges über Adolf Hitlers abweichendes Sexualleben gelesen habe.

Ich verstehe durchaus die Intention hinter dem Werk, einige dieser Nazi-Monster und Mitläufer als das darzustellen, was sie wirklich waren: kleine, armselige, spießige, selbstmitleidige, schwache Charaktere, die ihr Leben mit Frau und Kindern genauso leben wie Du und ich.  Nichts von ihrer Menschenverachtung dringt nach außen, es sei denn, sie wähnen sich in Gesellschaft von Gleichgesinnten. Nachträglich ist man immer wieder erstaunt, welche Abgründe in den Taten von solchen braven Bürgern und Nachbarn schlummern. Zu ebendiesen Nazi-Monstern hätte ich dann doch lieber ein Sachbuch mit vielen Blickwinkeln und historischen Bezügen gelesen, anstatt diese lähmende Innenschau. Da hat mir das fiktive Konzept von Timur Vermes und Walter Moers, Adolf Hitler mit Humor und Satire zu begegnen, weitaus besser zugesagt.

Fazit: Konzept nicht uninnovativ, aber definitiv kein Roman für mich. Ich fürchte, an dieser Stelle kann ich weder eine Warnung noch eine Empfehlung abgeben. Da müsst Ihr selbst entscheiden, ob das Buch mit seinem ungewöhnlichen Blickwinkel etwas für Euch sein könnte.

Kommentare: 12
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Cover des Buches Das zweite Leben des Adolf Eichmann (ISBN: 9783462000917)
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Rezension zu "Das zweite Leben des Adolf Eichmann" von Ariel Magnus

Der Pechvogel
JoBerlinvor einem Jahr

Diese romanhafte Darstellung des "zweiten Lebens Adolf Eichmanns" in Südamerika liest sich gut und interessant, bietet aber in der Darstellung seines Charakters, seines Aufstiegs, dann seiner Flucht und Ergreifung keine neue Sichtweise - zu diesem Thema  gibt es wohl bereits sehr viele Detailbetrachtungen. Von Schuld war bei Eichmann nie die Rede, nicht zuletzt die Gesprächsaufnahmen mit alten Kameraden, triefend von Rechtfertigungslitaneien und Nazirenaissancefantasien, zeugen davon.

Und überall bedient sich  Ariel Magnus - sein Eichmann ist mal ein trotteliger Mittelmäßiger, ein gerissener Glückritter, ein fanatischer Antisemit, ein zurückhaltender Mörder, ein sorgender Familienvater. In seinem Nachwort „after Office“ fasst Magnus die Widersprüchlichkeit und Romanhaftigkeit seiner Eichmann-Darstellung und seiner Quellen zusammen. Dabei pendelt er zwischen Klischeehaftigkeit und einer Art Faszination um bekannte Nazigrößen. Ich finde das schade und etwas vertane Arbeit,  doch für erste Info und Einstieg in eigene Recherche ist das Buch geeignet und empfehlenswert.

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Cover des Buches Das zweite Leben des Adolf Eichmann (ISBN: 9783462000917)
S

Rezension zu "Das zweite Leben des Adolf Eichmann" von Ariel Magnus

Ohne Reue
sunny-girlvor einem Jahr

In dem Buch beschreibt Adolf Eichmann in der Ich-Form sein Leben in Argentinien. Das Buch wird chronologisch, aber in Episoden erzählt. Wir erfahren viel über seine Gedankenwelt und damit seine Gesinnung. Er zeigt keinerlei Reue und ist eher noch stolz auf seine Leistungen. Er ist der Prototyp des pflichtbewussten deutschen Beamten, der nur Befehle befolgt hat. 

Besonders das letzte Kapitel, in dem der Autor seine Beweggründe dieses Buch zu schreiben erläutert, haben mich beeindruckt.

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Gespräche aus der Community

»Ich hab doch meine Freiheit, und Freiheit ist so viel wert. Das Wort ist klein, aber der Inhalt ist riesig.«

Emma ließ sich mit 22 Jahren auf der Suche nach ihrer blinden Mutter freiwillig ins Konzentrationslager Theresienstadt und später nach Auschwitz deportieren und wäre ihrer Mutter auch auf dem Weg in die Gaskammer nicht von der Seite gewichen, hätten nicht die Nazis selbst sie aufgehalten.
Der argentinische Autor Ariel Magnus will diese Frau, seine Oma, näher kennenlernen und beginnt, ihr Fragen zu ihrer Vergangenheit zu stellen. Entstanden ist ein überaus humorvolles und unkonventionelles Porträt einer Holocaust-Überlebenden, die seit 50 Jahren in Brasilien lebt und die in ihrer Authentizität mit allen Klischees bricht, die ohne Bitterkeit oder Selbstmitleid zeigt, wie vielschichtig das Leben ist, auch in den dunkelsten Zeiten. Ariel Magnus und seine temperamentvolle Großmutter reisen dabei zwischen Deutschland, Brasilien und Argentinien hin und her, sie streiten, provozieren, überraschen, und so entfaltet sich vor dem Leser ein Kaleidoskop von unpathetischer Menschlichkeit, familiärer Wärme und pragmatischen Lebensentscheidungen.
(Leseprobe zum Download)

Mir wurde der Roman "Zwei lange Unterhosen der Marke Hering" von Ariel Magnus bereits vor einigen Monaten vom Verlag Kiepenheuer & Witsch zum Probelesen gegeben und ich war von der ersten Seite an begeistert. Selten habe ich so einen unterhaltsamen und leichten Bericht über die damalige Zeit gelesen, der trotzdem unheimlich berührend ist. Es gibt so wahnsinnig viel Lektüre und Filme über das Thema, weswegen wir oft leider schon abgestumpft sind und uns kaum mehr ein Bericht von damals die tatsächlichen Eindrücke zu vermitteln mag. Aber Ariel Magnus berichtet so normal vom Zusammensein und den Berichten seiner intelligenten und lustigen Großmutter, dass man sogleich Seite an Seite reiht und kaum mehr aufzuhören vermag diese Frau zu bewundern und ihren Lebensweg weiterzuverfolgen. Ich würde mich freuen, wenn ich Euch mit meiner Begeisterung über diesen kleinen Literaturschatz anstecken kann!
Weitere Informationen zu Buch und Autor gibt es auf der Verlagswebsite

Zusammen mit Kiepenheuer & Witsch suchen wir 25 Testleser für "Zwei lange Unterhosen der Marke Hering". Hast Du Lust mit uns das Buch zu lesen, darüber zu diskutieren und im Anschluss eine Rezension dazu zu schreiben? Hinterlasst einfach bis zum 12. September 2012 einen Kommentar, warum Euch gerade dieser Roman interessieren würde. Ich freue mich auf Eure Beiträge und die darauffolgende Diskussion! Selbstverständlich ist auch jeder, der das Buch in der kommenden Woche nicht gewinnt, herzlich einzuladen mit dabei zu sein und uns beim Lesen und dem Austausch zu begleiten!

Ariel Magnus, geboren 1975 in Buenos Aires. Studium in Deutschland, schrieb für verschiedene Medien in Lateinamerika, die taz in Berlin und Spiegel Online und lebt heute als Autor und literarischer Übersetzer in Buenos Aires. Er hat bislang neun Bücher veröffentlicht. 2007 wurde er für seinen Roman »Ein Chinese auf dem Fahrrad« mit dem internationalen Literaturpreis Premio La otra Orilla ausgezeichnet. Das Buch wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und wurde ein internationaler Bestseller. "Zwei lange Unterhosen der Marke Hering" ist sein zweiter Roman, der auf Deutsch erscheint.
384 Beiträge
IraWiras avatar
Letzter Beitrag von  IraWiravor 9 Jahren
Für alle, die gern ein etwas anderes Buch zum Thema Holocaust lesen wollen, starte ich hier eine Wanderbuchrunde zu "Zwei lange Unterhosen der Marke Hering".

Zum Inhalt:

Emma ließ sich mit 22 Jahren auf der Suche nach ihrer blinden Mutter freiwillig ins Konzentrationslager Theresienstadt und später nach Auschwitz deportieren und wäre ihrer Mutter auch auf dem Weg in die Gaskammer nicht von der Seite gewichen, hätten nicht die Nazis selbst sie aufgehalten.

Der argentinische Autor Ariel Magnus will diese Frau, seine Oma, näher kennenlernen und beginnt, ihr Fragen zu ihrer Vergangenheit zu stellen. Entstanden ist ein überaus humorvolles und unkonventionelles Porträt einer Holocaust-Überlebenden, die seit 50 Jahren in Brasilien lebt und die in ihrer Authentizität mit allen Klischees bricht, die ohne Bitterkeit oder Selbstmitleid zeigt, wie vielschichtig das Leben ist, auch in den dunkelsten Zeiten. Ariel Magnus und seine temperamentvolle Großmutter reisen dabei zwischen Deutschland, Brasilien und Argentinien hin und her, sie streiten, provozieren, überraschen, und so entfaltet sich vor dem Leser ein Kaleidoskop von unpathetischer Menschlichkeit, familiärer Wärme und pragmatischen Lebensentscheidungen.

Die üblichen Regeln:

- jeder hat 2 Wochen Zeit das Buch zu lesen

- bittet meldet euch hier im Thema, wenn ihr das Buch bekommen habt und wenn ihr es weiter schickt

- sobald ihr das Buch bekommen habt, erkundigt ihr euch bitte bei eurem Nachfolger nach seiner Adresse

- sollte das Buch verloren gehen, teilen sich Absender und Empfänger die Kosten für ein neues Exemplar

Außerdem habe ich noch eine kleine Bitte an euch: Ich bin etwas neugierig, wo man Buch überall hinwandert, deswegen werde ich dem Buch eine Postkarte beilegen, auf der ihr eure Heimatstadt (oder die nächstgrößere Stadt) eintragen könnt. Aber das ist natürlich freiwillig!

Teilnehmer:

1) Linny --------- erhalten am 17.10.

2) mecedora -------------- erhalten am 27.10.

3) conneling ------------- erhalten am 21.11.

4) Sophie333 ------------- erhalten am 06.12.

5) Babscha ------------- erhalten am 22.12.

6) Nefertari35 ----------- erhalten am 18.01.

7) Dunkelblau ---------- erhalten am 13.02.

8) Nicole_L --------- erhalten am 06.03.

9) michelauslönneberga ----- erhalten am 25.03.

10) Mohnbluemchen ---- erhalten am 24.04.

--- zurück an mich

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84 Beiträge
sofies avatar
Letzter Beitrag von  sofievor 9 Jahren
Ja, das war auch gar keine Beschwerde. Völlig normale Gebrauchsspuren für zehn Leser :-)
Zum Thema

Zusätzliche Informationen

Ariel Magnus wurde am 16. Oktober 1975 in Buenos Aires (Argentinien) geboren.

Community-Statistik

in 112 Bibliotheken

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