Aris Fioretos Die halbe Sonne

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Inhaltsangabe zu „Die halbe Sonne“ von Aris Fioretos

Aris Fioretos Vater hatte ein bewegtes Leben: Als Neunzehnjähriger verlässt er seine Heimat Griechenland, studiert in Wien Medizin und heiratet in Schweden eine Kunststudentin aus Österreich. Erst nach dem Ende der Militärdiktatur kann er nach Griechenland zurückkehren. Mit großer Zärtlichkeit, außergewöhnlicher Sprachkraft, subtilem Witz und gestalterischem Einfallsreichtum rekonstruiert Aris Fioretos das Leben seines Vaters.

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  • Ein Roman der etwas anderen Art

    Die halbe Sonne
    BuecherBall

    BuecherBall

    10. September 2013 um 17:10

    "Jetzt ..." Die Stimme der Mutter ist dünn wie Nähseide. "Jetzt ist es passiert." "Wieder klingelt das Telefon. Die Sechsjährige erklärt ihrer fragenden Tante: "Opa ist gesterbt." Ich habe letztlich keine Ahnung, weshalb ich mir dieses Buch gekauft habe. Gehört habe ich davon auf Twitter, als eine Nutzerin im Rahmen des lovelybooks-Lesemarathons davon schrieb. Nachdem ich mir eine Leseprobe auf meinen e-Reader geladen habe und mir diese zu Gemüte führte, wurde mir schnell klar, weshalb dieses Buch keine überschwängliche mediale Aufmerksamkeit erhalten hat. Es ist doch ein sehr spezielles Thema, welches Fioretos, der mir übrigens vorher gänzlich unbekannt war, hier behandelt. Passend dazu auch der Schreibstil und die Form des Buches, welchen ich so bisher noch nicht begegnet bin. Fioretos beschreibt das Leben eines Mannes, eines Vaters, aus der Sicht des Sohnes. So weit, so trivial. Demungeachtet entfaltet sich dieser Roman (ich nenne ihn jetzt einfach mal so) während des Lesens immer mehr. Wie schon gesagt, erzählt wird die Geschichte vom Vater des Erzählers. Das besondere Merkmal hierbei ist jedoch, dass sie rückwärts geschildert wird. Sie beginnt mit der Nachricht vom Tod des demenz- und parkinsonkranken Vaters und endet mit dem Augenblick der Geburt des ersten Kindes, des Erzählers. Literarisch geht er nach seinem Tod zurück in seine alte Heimat Griechenland, um eine Fakultät für Medizin und endlich ein festes Heim für die Familie zu errichten. In Schweden heiratet er seine Frau, eine Kunststudentin aus Österreich und muss später beruflich bedingt immer wieder mit seiner Familie umziehen. In Wien studiert er Medizin und lernt seine spätere Frau kennen, und als Neunzehnjähriger verlässt er seine Heimat Griechenland, weil das Militärregime hinter ihm her ist. Man kann sich nun streiten, ob Aris Fioretos mit diesem Werk seinem eigenen Vater huldigen und ihn ehren will, dass er hier einen autobiographischen Text geschrieben hat. Schaut man sich die Lebensdaten des Autors einmal an, so kommt einem der Eindruck, dies wäre so. Doch mich persönlich interessiert dieser Umstand nur am Rande. Für mich muss erst einmal das Buch an und für sich gut ankommen. Immerhin bin ich ein typischer Leser und will in erster Linie unterhalten werden. Doch was die unverhüllte Unterhaltung angeht, so wäre ich maßlos enttäuscht worden, hätte ich nicht anhand der Leseprobe einen Vorgeschmack bekommen. Denn hier geht es nicht um Entertainment im Sinne von gewohntem Spannungsaufbau, Action usw., wie man sie in einem gängigen Thriller oder Krimi findet. Hier geht es noch vielmehr um das eigene Leben, das Sich-selbst-wiederfinden in den zahlreichen, mal mehrere Seiten langen, mal einige Zeilen kurzen, Fragmenten. Es dreht sich in diesem Roman alles um eine Beziehung, die Beziehung zwischen Vater und Sohn und wie sie sich mit den Jahren verändert. Doch so außergewöhnlich das Leben des Vaters und dessen Umstände von außen auch wirken mögen, so findet man doch viel öfter Parallelen zum eigenen Leben, als man vorher zu glauben vermag. Die halbe Sonne von Aris Fioretos ist ein Roman der etwas anderen Art. Er besitzt eine hohe sprachliche Dichte und so manche Textstellen lassen einen innehalten und über das Gesagte nachdenken – und genau das ist dieses Buch, etwas zum nachdenken. Wer auf pure Unterhaltung aus ist, ist hier definitiv fehl am Platze. Auch ich habe so manches Mal gedacht, dass das die längsten 200 Seiten meines bisherigen Lebens seien. Man muss sich als Leser auf diese Art der literarischen Gestaltung einlassen können, um in den Bann dieses sprachlich anspruchsvollen Buches zu kommen, ich weiß nicht so ganz, ob mir das gelungen ist… "Ich glaube", wiederholt sie, sehr leise, wie ein Gebet, "es ist so weit, du wirst Vater." * Für alle, die neugierig geworden sind: Ich empfehle euch, vor dem Kauf des Buches eine Leseprobe, denn, wie gesagt, solche Bücher sind nicht für jedermann.

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  • Die halbe Sonne” von Aris Fioretos/ Versuch einer Rezension Apr 28 von Xeniana

    Die halbe Sonne
    Xeniana

    Xeniana

    28. April 2013 um 20:06

    ARIS FIORETOS Die halbe Sonne Ein Buch über einen Vater – übersetzt aus dem Schwedischen von Paul Berf Erscheinungsdatum: 25.02.2013 ISBN 978-3-446-24264-7 Hanser Verlag Versuch einer Rezension: “So entzündet man Erinnerungen”, schreibt die FAZ fast euphorisch im Feuilleton am 28.03.2013 Aris Fioretos wurde 1960 in Schweden als Sohn eines griechischen Vaters und einer österreichischen Mutter geboren. Er studierte in Stockholm vergleichende Literaturwissenschaften und promovierte 1991 und 2001.Im Jahr 1991 veröffentlichte er  sein erstes Buch.”Den  deutschen Lesern wurde er 1995 in der Literaturzeitschrift Akzente vorgestellt”.(Wikipedia) Seit 1997 lebt Aris Fioretos als freier Schriftsteller  in Berlin und Stockholm. Werke: (Quelle Wikipedia) Belletristik [Bearbeiten] 1991: Delandets bok, 1998: Vanitasrutinerna, 2000: Stockholm noir (deutsch als Die Seelensucherin, Übersetzung Paul Berf; Dumont Verlag, Köln 2000, ISBN 3-7701-5352-9), 2002: Sanningen om Sascha Knisch (deutsch als Die Wahrheit über Sascha Knisch, Übersetzung Paul Berf; Dumont Verlag, Köln 2003, ISBN 3-8321-7828-7), 2009: Den siste greken (deutsch als Der letzte Grieche, Übersetzung Paul Berf; Hanser Verlag, München 2011, ISBN 978-3-446-23633-2), 2012: Halva solen (deutsch als Die halbe Sonne, Übersetzung Paul Berf; Hanser Verlag, München 2013, ISBN 978-3-446-24121-3) Essays [Bearbeiten] 1994: Den grå boken (englisch als The Gray Book, 1999), 1996: En bok om fantomer, 2001: Skallarna (deutsch als Mein schwarzer Schädel, Übersetzung Paul Berf; DAAD Künstlerprogramm, Berlin 2003, ISBN 3-89357-108-6), 2008: Vidden av en fot (deutsch als Das Maß eines Fußes, Übersetzung Paul Berf; Hanser Verlag, München 2008, ISBN 978-3-446-23056-9), 2012: Avtalad tid, Gespräche mit Durs Grünbein Die Geschichte: beginnt mit dem Ende , entwickelt sich rückläufig bis zur Kindheit des Protagonisten. Der Vater in den letzten Jahren von von Krankheit gezeichnet ( Parkinson, Demenz, Querschnittslähmung nach Unfall)wird vom Sohn neu zusammengesetzt. Schreibend will er “Paparat” sein , fügt Fragment um Fragment zu einem kraftvollen,  zärtlichen Bild zusammen. “Der Vater aus politischen Gründen im Exil, studiert zunächst in Wien Medizin , tritt später  in Schweden eine Stelle als Arzt an und macht Karriere. Verheiratet mit einer österreichischen Kunststudentin, gründet er in Schweden eine Familie und fühlt sich doch zunehmend in der Verbannung. “…für den Sohn und Erzähler ist ist der Vater deshalb stets der “ausländische  Vater”, über den er Thesen aufstellt wie diese: ” Der Handteller eines ausländischen Vaters ist größer als der Himmel über euch.”“( Zitat Lesarten/Literaturmagazin) In  den  sprachlich ausgefeilten Miniaturen ersteht er wieder , als  ein nicht Maß halten wollender,empfindsamer, zuweilen diktatorischer, aber auch zärtlicher, zugewandter Vater. Fioretis schreibt in der 3. Person um dem Leser Platz zu lassen , wie an einem gut gedeckten Tisch(Interview 3sat) Meine Meinung: Mich hat dieses Buch vom ersten Moment an eingehüllt, bezaubert mit der prosaischen Sprache und der Fähigkeit, Sinneseindrücke  durch Worte erlebbar zu machen. Ich habe die flirrende Hitze Athens gespürt, den herben Geschmack der Oliven auf der Zunge gehabt und die Stille gehört, wenn der Vater sich zur täglichen  Mittagsschlaf hinlegte. Ich stand neben dem  Vater , als er verstohlen, ein Glas in Cognac  eingelegter Früchte aus dem Kühlschrank holte,  um sie gleich aus dem Glas in den Mund zu schütten. .  Der Vater war ganz nah, sichtbar, fühlbar, hörbar, wahrnehmbar. Ich identifizierte mich mit den ihn immer wieder überrollenden Unruhigkeiten, die die Familie veranlassten alle 2 Jahre umzuziehen. “…umgeben von Nadelwäldern leidet er an Atemnot.Um Dampf abzulassen, scheucht er die Familie insAutoMindestenseinmal im Monat verbringt man das Wochende auf der Landstraße” Was für ein Buch! Ich mochte es gar nicht aus der Hand legen. Ein sehr empfehlenswertes Buch, etwas Besonderes, Schönes, Zärtliches. Ein gelungener Paparat (dieses Wort ist viel zu hart. In meinen Augen eine überaus gelungene Hommage an einen Vater.

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