Arja Lobsiger

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Autor von Jonas bleibt.

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Jonas bleibt

Jonas bleibt

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Erschienen am 10.08.2017

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Rezension zu "Jonas bleibt" von Arja Lobsiger

Poetisch, Kraftvoll, Melancholisch
Livricieuxvor einem Jahr

»Froh war Alice, dass sie dem Fluss endlich entfliehen konnte. Dem Wasser, das so unschuldig zwischen den Brückenpfeilern hindurchströmte. […] Niemand schien zu bemerken, dass dieser Fluss ein Mörder war. Hinterlistig hatte er das Kind verschluckt. Das Maul kaschiert mit einer Eisdecke.« (S. 31)

Kurz zum Inhalt

An einem bitterkalten Wintermorgen machen sich die Geschwister Etna und Finn auf zu einem Besuch zu ihrer Cousine Juna. Sie wählen den Weg am Fluss entlang und da passiert es. Finn wagt sich auf die Eisschicht, bricht ein und ertrinkt.
Fortan ist nichts mehr, wie es war. Alice, die Mutter, wird depressiv und lebt in ihrer eigenen Welt, zieht sich komplett aus dem Alltag zurück. Etna wird von Schuldgefühlen geplagt und Jonas, der Vater, erstarrt.
Schliesslich bricht Alice aus und macht sich auf zu einer Reise ans Mittelmeer und auf eine Vulkaninsel. Auch Etna hält nichts mehr zu Hause und sobald sie alt genug ist, verlässt sie ihr Elternhaus. Nur Jonas, der bleibt in dem alten Haus mit dem verwilderten Garten, das bald abgerissen werden soll.

Wie war es denn nun?

Gleich vorne weg, dieses schmale Büchlein wird von einer unglaublichen Melancholie getragen vom ersten Satz an. Es ist folglich nicht gerade das, was man als »leichte Lektüre« bezeichnet und doch scheint dieses Buch unglaublich leicht und schwerelos.

In einer kraftvollen und bildgewaltigen Sprache zeichnet Arja Lobsiger die Gefühls und Gedankenwelt ihrer Protagonisten. Keines ihrer Worte scheint zu viel oder überflüssig und so webt sie uns Leser*innen in ein dichtes Netz aus poetischen Bildern und Motiven. Geschickt arbeitet sie auch mit Rückblenden und Perspektivwechseln und lässt die Geschichte so ihren eigenen, nachdenklichen Sog entwickeln.
Diese Sprache ist auch wirklich das grosse Plus dieses Romans, sie verzaubert, nimmt gefangen und berührt. Sie stellt uns Menschen vor, die mit einem Verlust komplett verschieden und auf ihre eigene Weise umgehen, ohne anklagend oder verurteilend zu sein. In dieser Poesie kommen wir den Menschen hinter den Namen ganz schön nahe.

»Das ständige Aufräumen hat nichts gebracht. An der früheren Ordnung festzuhalten, hat alles andere, das sich verändert hat, nur noch deutlicher zum Vorschein gebracht.« (S.75)

Leider hatte ich etwas Mühe das Setting, die Beziehungen der Personen untereinander und den zeitlichen Verlauf der Geschichte zu erfassen. Arja Lobsiger erzählt meist abwechselnd aus der Perspektive von Jonas und Alice. Und während Alice‘ Erzählungen ganz in der Vergangenheit gehalten sind, so berichtet Jonas in der Gegenwart. So weit so klar. Obwohl ich auch da Schwierigkeiten hatte einzuordnen, wie viel Zeit zwischen Alice‘ verschwinden und Jonas‘ Erzählungen liegen. Wochen? Monate? Jahre? Als dann auch noch Etna in diese Konstellation trat, war ich noch um einiges verwirrter. Es bereitet mir ziemliche Mühe, ihr Alter einzuordnen. Wie alt war sie, als Alice ging? Und nun lässt sie das Haus abreissen, in dem ihr Vater noch lebt…

Überhaupt war Etna der Charakter, den ich am wenigsten greifen und einordnen konnte. Durch die poetische Sprache von Arja Lobsiger wird uns Leser*innen ein sehr intimer Blick auf das Seelenleben von Alice und Jonas gewährt. Nur Etna kommt dabei ein wenig zu kurz und viele ihrer Handlungen, wie zum Beispiel die Weigerung mit ihrem Vater zu sprechen, bleiben mir unverständlich.
Besonders eindrücklich waren jedoch ihre Schilderungen der Ereignisse rund um den Tod ihres Bruders, ihre Ohnmacht, die Schuldgefühle, die Verzweiflung. Diese Stellen im Buch haben mich sehr gerührt und ich hätte mir mehr davon gewünscht. Vielleicht wären mir ihre Beweggründe dadurch nicht ganz so unverständlich geblieben.

»Etna hörte sich schreien, wie sie damals geschrien hatte. Nichts anderes hatte sie tun können. Nur schreien. So schrie sie auch jetzt gegen das laute Knacken in ihren Ohren und die unschuldige Wasseroberfläche an.« (S. 42)

Neben all der Melancholie und Traurigkeit lässt dieser Roman aber auch Raum für Hoffnung und Spekulationen. Dann nämlich, als Jonas in seinem verwilderten Garten vier Möwen in Richtung Süden fliegen sieht, die Alice auf dem Kraterrand stehend, am Himmel erblickt.

Fazit

Mit ihrem Debütroman Jonas bleibt hat sich Arja Losbiger gleich mehreren schwierigen Themen angenommen. Ihre bildgewaltige und poetische Sprache schafft es den/die Leser*in auf eine Reise mitzunehmen und ihn/sie in unterschiedliche Gefühlswelten nach dem Verlust eines Kindes eintauchen zu lassen. Durch die geschickt gesetzten Rückblenden und Perpestivwechsel entwickelt die Geschichte einen ganz eigenen, melancholischen Sog und lässt am Ende dennoch Raum für Hoffnung. Allen die nicht vor starken Gefühlen und Melancholie zurück schrecken, sei dieses Buch ans Herz gelegt.

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