Arkadi und Boris Strugatzki

 4.3 Sterne bei 242 Bewertungen
Autor von Picknick am Wegesrand, Gesammelte Werke 1 und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Arkadi und Boris Strugatzki

Die Schriftsteller der sowjetischen Phantastik: Die Kindheit von den beiden Brüdern, Arkadi geboren in Batumi/Georgien, und Boris Strugatzki geboren 1933 in Leningrad, war stark von den Auswirkungen des zweiten Weltkrieges geprägt. Bei der Flucht von Arkadi aus der Heimatstadt, starb deren Vater. Arkadi Strugatzki durfte während seiner Zeit bei der Armee eine Ausbildung zum Japanisch-Dolmetscher machen. Viele Jahre war er in diesem Bereich tätig. Ab 1955 arbeitete er als Übersetzer und Lektor in einem Verlag. Viele seiner Bücher schrieb er zusammen mit seinem jüngeren Bruder Boris. Dieser studierte an der mathematisch-mechanischen Fakultät der Leningrader Universität und wurde Stellarastronom. Er arbeitete nach dem Abbruch seiner Dissertation als Programmierer im Rechenzentrum der Sternwarte in Pulkowo. Aber ab 1964 haben beide Brüder beschlossen als freie Schriftsteller zu arbeiten. Ihre Bücher, die vornehmlich im Science-Fiktion-Bereich anzusiedeln sind, wurden mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mehrmals mit dem Welikoje-Kolzo-Preis. Arkadi Stugatzki starb am 12.10.1991 in Leningrad und nach seinem Tod verfasste Boris noch zwei Romane. Bis zu seinem Tod nutzte er seine Bekanntheit um zu politischen Fragen Russlands Stellung zu nehmen und demokratische Positionen zu vertreten. Am 19. November 2012 verstarb er in Sankt Petersburg.

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Rezension zu "Das Experiment" von Arkadi und Boris Strugatzki

Kafkaesker Science-Fiction-Roman
Schnickvor 20 Tagen

Manchmal sind mir Wissenslücken echt unangenehm, vor allem dann, wenn es sich um gute Schriftsteller handelt. So geht es mir gerade mit Arkadi und Boris Strugatzki, die ich erst jetzt dank des grandiosen Romans "Das Experiment" kennengelernt habe. Richtig schlimm ist, dass mir die Brüder, bevor ich das Buch im Laden entdeckte, völlig unbekannt waren. 


Ich habe das Buch ehrlich gesagt auch aus den falschen Motiven gekauft, denn ich bin allein nach dem Rückentext des Verlags gegangen. Das soll nicht implizieren, dass der Verlag Irreleitendes geschrieben hat. Vielmehr habe ich die wichtigsten Hinweise völlig ignoriert. So habe ich ein völlig anderes Buch gelesen als ich erwartet hatte. Und trotzdem bin ich hin und weg und froh, das Buch gelesen zu haben. Um ehrlich zu sein: Vielleicht hätte ich den Roman - zumindest zum jetzigen Zeitpunkt - gar nicht gelesen, wenn ich gewusst hätte, was mich erwartet. Mir war nach etwas Seichtem und schnell Lesbarem. "Das Experiment" ist aber nun einmal nicht seicht und die Sätze und vor allem Dialoge fand ich zu gut, um sie in aller Eile zu konsumieren. Manchmal ist  es gut, überrascht zu werden.

Bei allen literarischen Qualitäten ist "Das Experiment" aber vor allem eine beißende Kritik am damaligen Sowjet-Russland. Schon nach dem ersten Kapitel stellte sich mir gar nicht mehr die Frage, weshalb die Strugatzki-Brüder das Buch so lange unter Verschluss hielten. Mir hat der Roman aber auch so gut gefallen, weil es mich an vielen Stellen ungemein an Kafkas Werke erinnerte - den Kafka'schen Humor mit eingeschlossen. 

Wer ein Buch erwartet, bei dem man das Hirn ausschalten kann, wird enttäuscht werden. Wenigstens ein bisschen sollte man das Hirn einschalten, denn die Fragen, die sich während des Lesens stellen, werden wohlweislich nicht bis zum Erbrechen von den Autoren beantwortet. Da muss der Leser schon mitdenken und sich sein eigenes Bild machen. Es dürfte auch hilfreich sein, ein bisschen über Zaren- und Sowjet-Russland (vor allem unter Stalin und Cruschtschow zu wissen. Ein bisschen allgemeines Geschichtswissen ist durchaus auch hilfreich, um die vielen Andeutungen zu verstehen. Und nein: Das ist nicht arrogant, das ist ein Tipp. 

Alle Andeutungen habe ich natürlich nicht verstanden - trotz des Vorworts, des kurzen Erläuterungsteils und des Nachworts, aber das bisschen Allgemeinwissen, über das ich verfüge, hat ungemein geholfen, den Ereignissen zu folgen. 

Was aber ist "Das Experiment" nun? Es ist ganz sicher kein typischer Sci-Fi-Roman. Ja, es gibt sie, die Sci-Fi-Elemente, aber im Kern ist "Das Experiment" eine Kritik an verschiedenen politischen Ideologien und eine Parabel auf die Sehnsucht der Menschen nach Erkenntnis zum Sinn des Lebens. Zumindest habe ich das Buch so verstanden.

Mir persönlich hat die Mischung gefallen. Die Strugatzki-Brüder verbinden völlig absurde Geschehnisse (ich sage nur Paviane) mit dystopischen, intellektuellen, philosophischen und aberwitzigen Situationen - und das so gekonnt, dass das Buch einfach Spaß macht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich empfehle "Das Experiment" all denen, die intelligente Literatur mögen und womöglich etwas mit Franz Kafka anfangen können. Die sind hier gut aufgehoben. "Das Experiment" ist ein tolles Buch, das Lust auf den Rest des Werks der Strugatzki-Brüder macht!


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CoffeeToGos avatar

Rezension zu "Das Experiment" von Arkadi und Boris Strugatzki

das Experiment ist das Experiment... ist sehr unbefriedigend
CoffeeToGovor 2 Monaten

Inhalt 
In einer Stadt außerhalb der normalen Zeit leben Menschen unterschiedlichster Kulturen und Jahrhunderte zusammen. Alle sind sie gekommen um am Experiment mitzuwirken, doch was es damit auf sich hat, das weiß niemand...

Eigene Meinung
Oh Gott, habe ich mich durch das Buch gequält! Schrecklich, absolut trocken und langatmig.

Die Geschichte ist in mehrere Teile aufgeteilt und in jedem hat der Protagonist Andrej einen anderen Beruf. An sich ein guter und interessanter Ansatz, bei der Theorie bleibt es jedoch.
Irgendwie dachte ich vor dem Lesen, dass ich etwas über das Experiment und was es mit der Stadt auf sich hat erfahre, doch ich habe nur blödes Geschwafel von verschiedensten Charakteren bekommen. Am meisten philosophiert hat Andrej. Wenn er nicht gerade raucht und mit seinen Freunden säuft und dort Reden schwingt, redet er teilweise seitenlang mit sich selber.

Das Buch ist mir ein Rätsel (Vor- und Nachwort waren auch nicht weiter hilfreich). Kein roter Faden, keine Antworten (was das schlimmste ist) und nur belangloses Gequatsche und sinnlose Handlungen von Charakteren, die versuchen in der Stadt zu überleben.

Wenn man sich mehr mit der russischen Geschichte beschäftigt, kann man mit dem Buch vielleicht mehr anfangen. Sucht man aber einen spannenden Sciencefiction-Roman: Finger weg!

Fazit
Vielleicht ist der Roman auch nichts zum "mal eben runterlesen" und ich hätte mich mehr eindenken müssen. Tatsache ist aber, dass ich einen Sciencefiction-Pageturner erwartet habe und stattdessen eine langweilige Geschichte bekommen habe, deren Quintessenz sich mir nicht erschlossen hat.

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MilaWs avatar

Rezension zu "Picknick am Wegesrand" von Arkadi und Boris Strugatzki

Ein Picknick aus der Sicht von Ameisen
MilaWvor einem Jahr


In naher Zukunft sind auf der Erde durch ungeklärte Vorkommnisse (Wissenschaftler vermuten einen Besuch aus dem Weltall) sechs Zonen entstanden, die unbekannte Artefakte enthalten. In der Stadt Harmont, die nahe einer Zone liegt, haben sich die Menschen mehr oder weniger mit der Situation arrangiert. Wissenschaftliche Institute untersuchen die fremden Objekte, Soldaten riegeln die Zone ab und auch der Schmuggel blüht. Roderic Schuchart ist einer der besten Schatzgräber (im Original Stalker genannt) und bemüht sich, seine Familie zu versorgen. Immer wieder geschehen merkwürdige Dinge, für die niemand eine Erklärung hat.





Meine Meinung:


Zunächst einmal handelt es sich nicht um einen „trivialen“ Science-Fiction-Roman zur Unterhaltung. Die Sprache ist sperrig, wirkt oft seltsam. Das kann an der Übersetzung liegen, meine russischen Bekannten behaupten das Original klänge veraltet, aber normal. Da es keinen allwissenden Erzähler oder auch nur jemanden, der mehr als Vermutungen hat, gibt, muss man sich die Informationen mühevoll selbst zusammenpuzzeln. Zu bedenken ist auch, dass die Geschichte in der Sowjetunion entstand, also manchmal sowohl (literatur-)geschichtliche Hintergrundinformation nötig ist, als auch jegliche Kritik am System verschlüsselt an der Zensur vorbeigeschmuggelt werden musste.
Es ist schwer eine Handlung anzugeben, da vieles sehr unklar bleibt. Erst am Ende gibt es eine Art märchenhafte Suche nach einer goldenen Kugel, die angeblich Wünsche erfüllt. Anders als in vielen anderen Sci-Fi-Romanen geht es hier nicht um Action, sondern um ein Gedankenexperiment. Wie würden Menschen reagieren, wenn es Aliens gäbe, aber diese sich gar nicht für sie interessierten. Wenn die Menschheit nicht mehr wäre als ein paar Ameisen, die die Überreste eines Picknicks für eine mutwillige Zerstörung ihres Lebensraumes halten. Oder ist es am Ende doch eine Prüfung höherer Wesen speziell für die Menschen zugeschnitten?
Es lohnt sich auf jeden Fall sich mit dem Buch zu beschäftigen. Je mehr man das tut, desto auffälliger wird, wie geschickt es konstruiert ist. Bei meiner Ausgabe war noch ein sehr interessantes Nachwort von Stanislaw Lem dabei. Auf jeden Fall zu Recht ein Klassiker der sowjetischen Sci-Fi/Naucnaja Fantastika, der schon viele Bearbeitungen erfahren hat, wie beispielsweise:
- Der Film „Stalker“ von Andrej Tarkowskij wurde zwar unter Mitwirkung der Autoren geschrieben, hat aber eine ganz andere Fragestellung. Trotzdem gerade wegen der für seine Zeit fantastischen Bilder sehr empfehlenswert, aber durch philosophische Exkurse noch schwerere Kost.
- Das Computerspiel „S.T.A.L.K.E.R.“ verlegt die Geschehnisse nach Tschernobyl, hat aber sehr interessante Elemente der Erzählung und des Films übernommen.

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