Codex Regius

von Arnaldur Indriðason 
3,5 Sterne bei69 Bewertungen
Codex Regius
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (38):
Nisniss avatar

Norwegisch, historisch, spannend und düster

Kritisch (8):
Beusts avatar

Fragwürdige Konstruktion, von keinerlei Sachkenntnis getrübt.

Alle 69 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Codex Regius"

Kopenhagen in den 50er-Jahren: Die Begegnung mit seinem Professor stellt Valdemars bisher beschauliches Leben völlig auf den Kopf. Der junge Isländer war nach Dänemark gereist, um hier über die alten Pergamenthandschriften zu forschen. Er kommt dunklen Geheimnissen auf die Spur und macht sich zusammen mit dem Professor auf die Suche nach verloren gegangenen Manuskripten. Ihre Jagd führt die beiden durch halb Europa und nicht selten geraten sie dabei in große Gefahr ═ denn für diese wertvollen Kulturschätze sind andere bereit, über Leichen zu gehen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783404164677
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:448 Seiten
Verlag:Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum:28.08.2010
Das aktuelle Hörbuch ist am 29.11.2008 bei Lübbe GmbH & Co. KG, Verlagsgruppe erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
3,5 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne9
  • 4 Sterne29
  • 3 Sterne23
  • 2 Sterne4
  • 1 Stern4
  • Sortieren:
    flokratissons avatar
    flokratissonvor 7 Monaten
    Auf die Jagd nach einem nationalen Heiligtum

    1955: der junge Student Valdemar zieht von der heimischen Idylle im Nordosten Islands in das lebendige Kopenhagen um an der dortigen Universität sein Studium in nordische Philologie fortzusetzen. Seine Vorfreude auf das Studium wird gedämpft, als er erstmals seinen Professor trifft. Ein rüder und verbitterter Mann mit einem augenscheinlichen Alkoholproblem. Nachdem es Valdemar jedoch gelingt, dem Professor von seinen Fähigkeiten im Lesen von Handschriften zu überzeugen, gewinnt er sein Vertrauen und erkennt hinter der harten Schale einen verwundeten Kern. Der Professor weiht ihn in ein erschütterndes Geheimnis ein: Unter Druck gab er einst den Codex Regius, das wichtigste Buch Islands, in die Hände der Nazis. Inzwischen, nach Beendigung des zweiten Weltkriegs, ist es verschollen, doch einige Altnazis, denen einst die Flucht gelang, möchten das isländische Heiligtum wieder an sich reißen. Der Professor hat es zu seiner Lebensaufgabe gemacht, ihnen zuvorzukommen und den Fehler wieder auszubügeln. Der anfangs zögerliche Valdemar, der sich einen Studienalltag mit vielen Büchern in einer ruhigen Stube erhofft  hatte, wird von seinem Professor in einen Strudel von unheilvollen Ereignissen hineingezogen, die sie nach Deutschland führt. Stück für Stück kommen sie dem Buch näher, doch damit auch ihren Feinden. Es kommt zum Showdown.

    Um „Codex Regius“ wertschätzen zu können, empfiehlt sich eine gewisse Affinität zu nordischer Literatur und zur Graphologie. Denn bevor die Geschichte Fahrt aufnimmt und  eines „Thrillers“ würdig wird, ist es die Geschichte eines Philologiestudenten, der mit einem vom Leben gezeichneten Professor mittelalterliche Literaturforschung betreibt. Langsam wird der Leser in den Forschungsalltag des Professors eingeführt, doch längere Abschnitte über Forschungsmethoden und Verwandtschaftsverhältnissen von Personen des Mittelalters machen die Lektüre zu einer zähen Angelegenheit.

    Erst als der Professor und Valdemar aktiv zur Tat schreiten wird der Leser in den Sog der Geschichte gezogen. Bei ihren Nachforschungen  im Nachkriegszeitdeutschland wird die Verzweiflung der vom Krieg geplagten Bewohner sehr authentisch dargestellt; Wie Detektive folgen die beiden Protagonisten jeden kleinsten Hinweis und nähern sich dem Buch der Begierde. Als erstmals Mordfälle ans Licht kommen finden Valdemar und der Professor sich in der ambivalenten Doppelrolle der Jäger und der Gejagten wieder – der Spannungsbogen erreicht den Höhepunkt. Das große Finale ist gut inszeniert, doch viele Geschehnisse sind vorhersehbar, nur selten wird der Leser in die Irre geführt. Hier ist man vom Krimiautoren Arnaldur Indridason besseres gewohnt. In einer Sache ist Indridason sich jedoch treu geblieben: Seine Liebe zum Makabren. Dies wird deutlich, wenn plötzlich Gräber geschändet werden. 


    Gelungen ist die Einbettung der fiktiven Geschichte in den realen Kontext, einem Vorhaben, bei denen sich schon viele Autoren die Finger verbrannt haben. Die Verstrickung des isländischen Literaturnobelpreisträgers Halldor Laxness in den Thriller ist charmant und wirkt nicht überzogen. 


    Ein zentrales Thema in dem Buch ist die Besessenheit, die kein anderer mehr verkörpert, als der alte Professor, ein vielschichtiger Charakter, der sein Leben für das Wohlergehen des Codex Regius opfern würde. Die Besessenheit für ein solches Buch lässt sich mit der Rolle der Literatur in Island erklären. Handschriften aus dem Mittelalter ist das größte Kulturgut der Isländer, einem Volk der Autoren, das sich historisch allein durch seine reiche Literatur und Mythologie definiert. Es ist kein Zufall, dass das bekannte Spruch „Lieber barfuß als ohne Buch“ seine Wurzeln auf der Vulkaninsel hat. Auf dem Papier ist Island ist zur Zeit der Handlung bereits seit 11 Jahren unabhängig – doch gefühlt sind sie es erst dann, wenn sich der Codex Regius in heimischen Gefilden befindet, dort, wo sein angestammter Platz ist.

    Bei den Antagonisten handelt es sich um ein paar Altnazis, die das Buch mit derselben Besessenheit jagen, wie die Hauptprotagonisten. Ihre Besessenheit basiert auf der Rassenideologie des deutschen Reichs, in dem der nordische Mensch und seine Kultur zum Ideal erhoben wurde. Alles nordische, von Runen bis hin zu alten Mythen, waren für die Nazis, die sich die Kultur aneigneten und sie unter einem “großdeutschen Schirm“ stellten, von unschätzbarem Wert. Die tiefe Abneigung des Professors gegenüber den Nazis liegt in deren Missbrauch und Pervertierung der nordischen Mythologie begründet. Die Antagonisten sind somit glaubhaft, ihre Beweggründe klar ausgearbeitet. 

    Schön sind die Parallelen zur nordischen Mittelalterliteratur. Die Rolle des Codex Regius erinnert an die des Ringes „Andvaranaut“ im selbigen. Der Ring ist von solcher Pracht, das jeder hinter ihm her ist und über ihn verfügen will. Doch gleichzeitig ist er mit einem Fluch belegt und bringt den Besitzern den Tod. In diesem Werk sind es die Sucher des Codex Regius, die eine Blutspur hinter sich herziehen. 

    Indridason vermischt in „Codex Regius“ geschickt Fiktion und Realität, porträtiert die Identität einer jungen Nation und ihr Selbstverständnis, und gibt die Atmosphäre im Europa der Nachkriegszeit authentisch wieder. Die Geschichte kommt jedoch nur schwer in Fahrt, ist zum Teil sehr vorhersehbar und ein Interesse an den hohen Norden, so scheint es, ist eine Voraussetzung für den Lesegenuss.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Nisniss avatar
    Nisnisvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Norwegisch, historisch, spannend und düster
    Isländisch, historisch, spannend und düster

    Begeistert hat mich dieser Roman sehr, obwohl ich nicht so der Fan vergangener Zeiten bin. Die Geschichte spielt in den 50er Jahren. Valdemar, ein junger Mann aus Island, wünscht sich nichts sehnlicher, als in Dänemark an der Universität von Kopenhagen an der Erforschung von Pergamenthandschriften mit zu wirken. Er bekommt eine Empfehlung und erhält eine Einladung zu einem merkwürdigen Professor nach Dänemark. Er verlässt sein beschauliches, zurückhaltendes Leben in Island und freut sich auf die Arbeit. Der Professor empfängt ihn recht außergewöhnlich und nutzt bald die Gutmütigkeit von Valdemar aus, um nach verschwundenen Manuskripten zu suchen. Die beiden entwickeln eine kauzige Freundschaft und stoßen auf einige Geheimnisse. Sie jagen durch halb Europa und geraten immer wieder in gefährliche Situationen. Auf der Suche nach den isländischen Handschriften, die heute in der Wirklichkeit wahre Kulturschätze sind, sind manche Menschen bereit zu töten. In einer gefährlichen Situation schildert der Professor Valdemar ein Geheimnis. Längst ist Valdemar selbst dem Codex Regius verfallen und sucht mit Akribie, buddelt ein Grab aus und recherchiert bis in die Abgründe der Nazizeit. Diese historische Geschichte fand ich absolut genial. Sie ist unglaublich spannend geschrieben, auch lehrreich und geheimnisvoll. Arnaldur Indriðason hat hier ein geniales Werk geschrieben. Das Buch ist anspruchsvoll geschrieben, dennoch leicht zu lesen. Als Arnaldur Indriðason-Fan gebe ich hier gern eine Empfehlung für das Buch.

    Kommentieren0
    23
    Teilen
    MrsFoxxs avatar
    MrsFoxxvor 5 Jahren
    Die verschollene Edda

    Kopenhagen 1955: der junge Valdemar hat erstmals in seinem Leben die Isländische Heimat verlassen . Er möchte in Dänemarks Hauptstadt mehr über Islands kostbarste Schätze lernen. Der Professor an der Nordischen Fakultät ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Das Lernen bei ihm eine Ehre. Doch schon nach der ersten Begegnung ist Valdemar sich seiner Sache nicht mehr so sicher. Der Professor, einst ein sehr angesehener Mann ist dem Alkohol verfallen und dementsprechend cholerischer Gemütsverfassung. Doch als Valdemar den Professor aus einer Patsche Hilft und eine alte Handschrift entziffert wird er in unglaubliche Dinge eingeweiht und in eine Jagd quer durch Nordeuropa verwickelt... 

    Kleine Schrift, anfangs einige Wiederholungen und eine Geschichte, die entgegen der offiziellen Bezeichnung "Thriller" eher als Roman einzustufen ist, ließen den Lesefluss bei mir leider recht stocken. Und so brauchte ich für dieses gut 400-Seiten Werk des isländischen Ausnahmetalents knapp 2 Wochen. Seine Krimis um Hauptstadt-Kommissar Erlendur und auch die Einzeltitel "Tödliche Intrige" und "Gletschergrab" hatte ich bereits ausnahmslos verschlungen. 
    Dieses Buch jedoch verrät äußerst wenig über das Wundervolle Land aus dem Autor und Hauptprotagonisten stammen und die "Verfolgungsjagd" des ungleichen Duos Valdemar und seines Professors ist größtenteils eher langatmig und wirr als kurzweilig und spannend. 
    Indridasons sprachgewandtheit und Schreibstil haben den "Karren noch ein bisschen aus dem Dreck" gezogen. Und so vergebe ich aufgrund dessen und des sympathischen Ich-Erzählers Valdemar gut gemeinte 6 Punkte. 

    Fazit: Das können Sie besser, Herr Indridason. Ich hatte mir wirklich mehr erhofft bei dieser Lektüre und bin dementsprechend enttäuscht. Ein bisschen mehr kurzweile und Spannung hätten nicht geschadet. Keine Leseempfehlung von mir.

    Kommentieren0
    14
    Teilen
    Wurmlis avatar
    Wurmlivor 6 Jahren
    Rezension zu "Codex Regius" von Arnaldur Indridason

    Bei diesem Buch habe ich mich völlig vergriffen. Sicherlich tue ich ihm unrecht, wenn ich sage, es ist uninteressant, aber man muss sich schon sehr für alte isländische Literatur interessieren, um es wirklich interessant zu finden. So quälte ich mich Seite um Seite, bis es gegen Schluss dann doch noch spannend wurde. Sogar sehr. Insgesamt ist es schön geschrieben, mit wunderbar gezeichneten Charakteren, aber staubtrocken mit einem Schuss Action.

    Kommentieren0
    6
    Teilen
    Rheinzwitters avatar
    Rheinzwittervor 7 Jahren
    Rezension zu "Codex Regius" von Arnaldur Indridason

    Isländischer Stipendiat mit zurückhaltendem Naturell gerät im Dänemark der 50er-Jahre in die Suche nach den verlorenen Pergamentblättern des (real existierenden) Codex Regius als Adlatus eines abenteuerlustigen Professors.

    Isländische Handschriften. Tja nun - ich kann nicht sagen, dass mich das je interessiert hätte, noch hat die Lektüre daran etwas geändert.

    Muss es auch nicht. Wenn die Geschichte als solche funktioniert. Und sie funktioniert durchgängig.

    Aber wieder einmal habe ich mich gefragt, wieso mich Indriðasons Werke bei der Stange halten.

    Außergewöhnlicher Stil ist es sicher nicht, seine Sprache ist klar, kurz und einfach, manchem vielleicht zu einfach, aber das ist ja per se kein Ausschlusskriterium, und man sollte einfach nicht mit einfältig verwechseln.

    Also muss es etwas anderes sein.

    Indriðasons Hauptwerk, die Krimi-Reihe um Kommissar Erlendur, überzeugt durch die Beschreibung aus oft eigentümlichen Todesumständen, trockenem bis derbem Humor und beklemmender Schwermut, einer Schwermut, die einem der beständige Regen unter bleigrauen Wolken anscheinend ins Gemüt spült und jeden Anflug von Leichtigkeit ertränkt.

    (Freilich hat es auf mich den gegenteiligen Effekt; hab ich erwähnt, dass ich Regenwetter mag?)

    Codex Regius dagegen spart mit eigentümlichen Todesumständen, der Humor ist weniger trocken aber dezent gesetzt, und Schwermut weicht einem verhaltenen Optimismus und der Aufbruchstimmung dieser Zeit, wobei Kriegssünden natürlich noch immer ihre langen Schatten werfen.

    Es muss wohl an Indriðasons Schreibgeschick liegen, über Menschen zu erzählen, ohne große Sensationen und vordergründige Effekte, warum ich seine Bücher gerne lese. In diesem Fall mit Ausflügen in die isländische Geschichte und Anleihen bei Abenteuer- und Kriminalromanen, in einer Weise, die mich am Ende jeder Seite umblättern lässt, ohne dass ich mittels der heute üblichen Stilmittel wie Cliffhanger und schnelle Schnitte durch die Handlung geprügelt werde.

    Ab und an mag ich diese ruhige Erzählweise, vorzugsweise in der Abenddämmerung, bei Sturm, wenn der Regen gegen die Fensterscheibe trommelt und die eigene Couch der gemütlichste Ort der Welt ist. Und: Wenn die eigene getragene Stimmung ihren Widerhall in der Lektüre finden möchte.

    Auffallend neben wenigen Druckfehlern waren einige stilistische Patzer, wie zum Beispiel Häufung von Fügungen wie auf was, um was, durch was; umgangssprachlich gebräuchlich, sollten solche Fügungen aber mit Umstandsfürwörtern ersetzt werden, meistens mit wo- gebildet sind sie in der Schriftsprache die bessere Wahl, also nicht auf was, um was, durch was, sondern worauf, worum, wodurch.

    Diese und andere Patzer halten sich zwar in engen Grenzen, verhindern aber dennoch eine Wertung in Richtung 4 Sterne, in die das Buch in seiner Gesamtheit tendiert.

    Keinen Gefallen getan hat sich der Verlag mit der Einordnung von Codex Regius als Thriller. Was soll das? Jene Leser, die einen Thriller erwarten, werden enttäuscht sein, und andere, die mit dem Genre fremdeln, hätten vielleicht zum Buch gegriffen, wenn es schlicht aber richtig als Roman eingeordnet worden wäre. So vergrault man Käufer.

    Kommentare: 2
    23
    Teilen
    Q
    quadrupesvor 7 Jahren
    Rezension zu "Codex Regius" von Arnaldur Indridason

    Als der junge Student Valdemar in den 1950er-Jahren seine Heimat Island verlässt, um an der Universität Kopenhagen sein Studium der Nordischen Philologie fortzusetzen und sich dort insbesondere den alten isländischen Handschriften zu widmen, ahnt er nicht, in welches Abenteuer er schon bald hineingerät. Gemeinsam mit einem Professor der Fakultät begibt er sich auf die Suche nach der bedeutendsten, am Ende des Zweiten Weltkrieges abhanden gekommenen isländischen Pergamentschrift, dem Codex Regius. Auf einer abenteuerlichen Reise durch Teile Nord- und Mitteleuropas kommen die beiden dem Buch auf die Spur, die sich in den Wirren der letzten Kriegstage und der Nachkriegszeit in Deutschland verloren hatte. Doch sie sind nicht die einzigen, die dem Codex Regius hinterherjagen. Ein ehemaliger ranghoher Funktionär des Nazi-Regimes und seine Helfer versuchen ebenso, ihn in ihre Hände zu bekommen und schrecken dafür auch vor Mord nicht zurück...
    "Codex Regius" ist der dritte und sicherlich beste derjenigen Romane von Arnaldur Indridason, die nicht zu seiner Kriminalreihe um Kommissar Erlendur Sveinsson von der Kripo Reykjavik gehören. "Codex Regius" enthält dabei nicht die klassischen Elemente eines heutigen Thrillers wie Action und Gewalt. Vielmehr lebt der Roman von stark gezeichneten und vielschichtigen Charakteren sowie dem ihm zugrundeliegenden Hintergrund über die Bedeutung alter isländischer Handschriften für die Geschichte dieses Landes.
    Laut Verlagsangabe bezeichnet Arnaldur Indridason "Codex Regius" als dasjenige seiner Bücher, das ihm ganz besonders am Herzen liegt. Der Leser spürt dies auf und mit jeder Seite, die er weiterliest.

    Kommentieren0
    7
    Teilen
    mabuereles avatar
    mabuerelevor 8 Jahren
    Rezension zu "Codex Regius" von Arnaldur Indridason

    Thriller? Eher nein! Spannend? Eher nein!
    Das Buch ist mit den Krimis des Autors nicht zu vergleichen.
    " ...Von all meinen Büchern liegt mir dieses ganz besonders am Herzen. ." ist eine Ausspruch des Autors.
    Das hängt mit dem Inhalt des Buches zusammen. Der Ich-erzähler Valdemar ist Isländer und kommt 1955 zum Studium nach Kopenhagen. Er hat ein Empfehlungsschreiben an einer Professor bei sich. Bald schon begleitet er den Professor auf seinen Reisen durch Europa. Sie sind auf der Suche nach den fehlenden Seiten des Codex Regius. Doch sie sind nicht die einzigen...
    Der Codex Regius ist die wichtigste Handschrift der Isländer. Er enthält die Götter- und Heldenlieder des Nordens. Obwohl das Buch als Thriller angepriesen wird, ist es in meinen Augen zum größten Teil ein historischer Roman. Die eigentliche Suche nach den fehlenden Seiten wird häufig unterbrochen durch historische Einblendungen. Neben der Geschichte des Codex Regius spielt die Besetzung Dänemarks im zweiten Weltkrieg eine entscheidende Rolle. Auch auf das Leben des Professors und Valdemars wird zurückgeblendet. Diese Rückblenden mögen nötig sein, sie nehmen aber der Handlung die Spannung. Die eigentliche Thrillerhandlung ist an einigen Stellen ziemlich überspitzt.
    Das betrifft u. a. die Flucht aus der DDR, als auch die Tatsache, dass nach längeren, ungeplanten Schwimmen in der Ostsee Briefe und Fotos noch unbeschädigt waren.
    Was in dem Roman aber sehr gut herausgearbeitet wird, ist der Stolz der Isländer auf ihr Land und ihr historisches Erbe.
    Insgesamt ist meine Einschätzung des Buches sehr widersprüchlich. Ich war nahe daran, es nach 100 Seiten zur Seite zu legen. Nur das Interesse an den historischen Fakten hat mich bewogen, das Buch zu Ende zu lesen.

    Kommentare: 1
    23
    Teilen
    BettyBlues avatar
    BettyBluevor 8 Jahren
    Rezension zu "Codex Regius" von Arnaldur Indridason

    Das Buch ist als Thriller deklariert, ich würde es aber als einen (Abenteuer-)Roman bezeichnen, denn von Thrill kann hier keine Rede sein. Allerdings ist es eine ziemlich spannende, lehrreiche Geschichte. Er geht um uralte Codices und Handschriften, Nazigeheimbünde und Kunstraub. Die Handlung führt von Island über Dänemark ins Deutschland der Nachkriegszeit. Die ersten 50 Seiten (die sich ziemlich ziehen) muss man durchhalten, dann wird es interessant. Ein bisschen Indiana Jones like, aber eben in der etwas nüchternen, kühleren, isländischen Version..

    Kommentieren0
    8
    Teilen
    Reevers avatar
    Reevervor 9 Jahren
    Rezension zu "Codex Regius" von Arnaldur Indridason

    Ein Student und sein Prof. auf der Jagd nach einem Buch mit Handschriften aus Island. Nazis sind auch auf der Suche nach dem Codex. Gut geschrieben, spannend ,
    und was für zwischendurch.

    Kommentieren0
    19
    Teilen
    savannas avatar
    savannavor 9 Jahren
    Rezension zu "Codex Regius" von Arnaldur Indridason

    Niemand weiß, wie viele unersetzliche Kulturgüter während des Zweiten Weltkrieges zerstört, versteckt oder ganz schlicht verkauft wurden. Das Kriegsgeschehen und seine Folgen haben eine beachtliche kulturelle Lücke hinterlassen: Der Verlust des russischen „Bernsteinzimmers“ ist sicher das bekannteste Beispiel, ein weiteres ist die Geschichte des isländischen „Codex Regius“.

    Für dieses Werk hat sich der Autor Arnaldur Indridason tief über nordische Manuskripte gebeugt: Die bedeutensten Handschriften Islands bilden zusammen die Texte und Lieder der „Edda“, wovon ein Teilstück im 17. Jahrhundert durch den dänischen König nach Kopenhagen gelangte. Dort erhielt er die wertschätzende Bezeichnung der „Königlichen Handschrift“, des „Codex Regius“.

    Basierend auf historischen Begebenheiten, die unmittelbar die Geschichte seines Heimatlandes Island betreffen, verknüpft Indridason Tatsachen und Gerüchte zu einem komplexen historischen Thriller. Versetzt in die Nachkriegsjahre des zweiten Weltkrieges verfolgt der Leser die Geschichte des isländischen Studenten Valdemar, dessen Forschungsinteresse ihn an die Universität von Kopenhagen führt. Kaum dort angekommen, wird er von seinem Professor – einer Koryphäe in der Erforschung alter Pergamentschriften – darum gebeten, ihn bei seinen jüngsten Nachforschungen zu begleiten. Ab diesen Zeitpunkt hetzt Valdemar durch Dänemark, Deutschland und später wiederum Island – immer auf der Suche nach dem ‚Buch Islands’, nach dem verloren geglaubten "Codex Regius".

    Da ausgerechnet die Geheimbünde der deutschen Nationalsozialisten deutliches Interesse an der klassischen nordischen Mythologie gezeigt haben, wurde das Buch während des zweiten Weltkrieges wahrscheinlich zu Höchstpreisen gehandelt. Entsprechend der Vermutungen des Professors sind es Kunsthändler, die die Kriegswirren dazu nutzen, um das unersetzliche Manuskript vom isländischen zum europäischen Festland zu schmuggeln. Diese und ihre Unterhändler schrecken keineswegs vor Mord zurück, um die Spuren dieses wertvollen Kunstraubes nachhaltig zu verwischen.

    Alle bisherigen isländischen Krimis aus der Feder Indridasons rücken die Ermittlungen des Kommissar Erlendur Sveinsson in den Fokus – ganz anders jedoch "Codex Regius". Dieses Werk Indridasons enthält nach "Frostnacht" und "Todesrosen" zum ersten Mal keinen weiteren Fall für den grimmigen Kommissar. "Codex Regius" ist ein nahe an der Realität angelehnter, überaus mitreißender Thriller, aus dessen Zeilen deutlich heraus zu lesen ist, wie intensiv der Autor in die Daten-Fakten-Recherche gegangen sein muss.

    Tatsache ist: Bis heute weist der historische „Codex Regius“ eine Lücke von acht Seiten auf, die lediglich mit leeren Pergamentblättern aufgefüllt wurde. Wer selbst auf den Spuren dieses bis heute ungeklärten Verlustes europäischer Geschichte wandeln möchte, sollte diese wunderbar verflochtene Mischung aus Fiktion und Realität noch heute zu Händen nehmen. Jedoch nicht ohne auch dieses Buch auf die Vollständgkeit seiner Seiten hin zu überprüfen...

    Kommentieren0
    10
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks